Hallo MundR !
Bei einer Auslandstour war ich zum 2. Mal mittel-und unmittelbar innerhalb von 4 Jahren auf die Hilfe des ADAC angewiesen und musste nun zum 2. Mal feststellen, dass die Organisation mit der so viel gepriesenen Hilfeleistung im Ausland und speziell für Motorradfahrer völlig überfordert war. Das kann doch wohl kein Zufall sein.
Vor vier Jahren war der Hilfsverein für Autofahrer, nach einem Motorraddiebstahl, völlig überfordert mir die, vom Verein versprochene Hilfsleistung zu gewähren. Die Hilfszentrale, die für Schottland zuständig ist, mit Sitz in Nizza (!) war seinerzeit nicht in der Lage mir ein Ersatzfahrzeug zu besorgen oder zur Verfügung zu stellen, geschweige denn, mir bei den Behördengängen vor Ort behilflich zu sein. Das Ende vom Lied war damals, dass ich mir selbst helfen musste, eine Hilfe vor Ort fand nicht statt. Erst im Nachhinein, als das Fahrzeug wieder
aufgefunden worden ist, hat der ADAC für einen langen Rücktransport (ca. 8 Wochen) mit erheblichen Transportschäden, gesorgt.
Am 20.05.12 war ich als Tourguide mit einer Truppe von 8 Motorradfahrern in Schottland unterwegs. Ein Motorrad viel an einer Landstraße aus, weil der Motor nur noch auf Höchstdrehzahl lief, der Gasdrehgriff funktionierte, aber die Drehzahl ging nicht herunter.
Wir versuchten den Fehler selbst zu beheben, ging aber nicht.
Es war also Hilfe erforderlich. Telefonisch wurde die Notrufzentrale vom ADAC in München
kontaktiert. Es wurden die Koordinaten des Standortes (vom Navi abgelesen) und der Fehler
des Motorrades durchgegeben (Motorrad läuft auf Vollgas). Der Mitarbeiter sagte eine sofortige
Hilfe zu, mit einer kurzen Wartezeit müssten wir rechnen. Diese Info bekam ich um 16.00 Uhr.
Wir befanden uns zu dieser Zeit in der Einsamkeit der Isle of Skye. Die nächste größere Ortschaft war 40 Km entfernt. Unser Standort war aber eine gut befahrbare Landstraße und wir befanden uns in einer Parkbucht. Der Mitarbeiter des ADAC konnte diesen Standort auch via Googleearth offenbar ermitteln, er sagte noch, dass er einen Fluß kurz vor uns erkennen könne, das war auch richtig so.
Als bis 18 Uhr noch keine Hilfe vor Ort war, fragte ich nochmal beim ADAC nach, wann mit einem Abschleppwagen gerechnet werden könne. Der Mitarbeiter meinte, dass das englische Partnerunternehmen irgendwie den Auftrag nicht angenommen habe, dieser wurde nochmals erteilt.
Gegen 19.15 Uhr erhielt ich dann, auf Nachfrage, die Mitteilung, dass das Abschleppunternehmen des AA einen Transport abgelehnt habe, man hätte keine Erfahrung mit gasangetriebenen Motorrädern !?!?!?

Meine Nachfrage, wieso denn gasangetrieben, meinte der Mitarbeiter des ADAC, das wohl ein Übersetzungsfehler (Voll Gas vielleicht ??) vorgelegen hätte. Die Angelegenheit wäre geklärt. Zwischenzeitlich führte ich noch mehrere Telefonate mit dem ADAC, weil noch immer kein Bergungsfahrzeug vor Ort war.
Gegen 21 Uhr teilte ich dann dem ADAC mit, dass wir nun nach 5 STunden Wartezeit uns langsam auf den Weg ins Hotel zurück begeben müssten, weil es langsam anfängt zu dämmern und wir die Nacht nicht auf der Straße verbringen wollten und wegen dem starken Wildwechsel auch keine Nachtfahrt durchführen wollten. Es wurde mit dem ADAC vereinbart, dass wir das Motorrad auf der Landstraße zurücklassen und wir am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder vor Ort wären. Der ADAC sagte zu, dass um 9 Uhr des nächsten Tages ein Hilfsfahrzeug vor Ort wäre.
Am nächsten Morgen waren wir zeitig vor Ort, aber ein Hilfsfahrzeug war nicht da. Um 9.15 Uhr wurde beim ADAC nachgefragt, wann mit der Hilfeleistung gerechnet werden könne, man teilte uns mit, dass der Auftrag neu vergeben worden sei, man könne sich nicht erklären, warum niemand vor Ort sei.
Der ADAC wurde darüber informiert, dass die Fähre der Reisegruppe um 13.00 Uhr in Richtung
Isle of Harris ablegen würde und das bis spätestens 12.00 Uhr irgendwie etwas passieren müsse.
Gegen 10 Uhr wurde nochmals der ADAC kontaktiert, ich erhielt die Auskunft, dass die Fa. AA ein Bergungsunternehmen beauftragt hätte. Gegen 10.30 Uhr bekam ich ein Anruf aus Frankreich (evtl. die ADAC Zentrale für Schottland), dass man unseren Standort nicht finden könne, die Koordinaten wurden nochmals durchgegeben. Gegen 11.30 Uhr kontaktierte mich ein schottisches Abschleppunternehmen und fragte an, ob wir noch vor Ort stehen würden. Gegen 12.15 Uhr teilten wir dem ADAC mit, dass wir uns nun auf den Weg zur Fähre begeben würden und dass das Fahrzeug doch bitte geborgen werden solle, wir würden es dann auf dem Rückweg von der Isle of Harris wieder in Empfang nehmen. Ich bekam die Auskunft, dass das nicht zulässig wäre, ein Fahrzeug kann nur geborgen werden, wenn der Besitzer vor Ort sei. Da die Fähre, mit nicht unerheblichen Kosten für die gesamte Gruppe gebucht war, entschlossen wir uns das Fahrzeug vor Ort zu belassen und den Abtransport für den nächsten Tag zu organisieren. Der ADAC sagte eine Bergung für den nächsten Tag (22.05.) für 15.30 Uhr zu.
Wir mussten den gesamten Tourverlauf umorganisieren, es erfolgten diverse Umbuchungen der Fähre von Isle of Harris zurück zur Isle of Skye. Die Tour sollte eigentlich in den Norden Schottlands führen. Da uns nun aber 2 Tourtage fehlten mussten wir die Motorradtour frühzeitig abbrechen und zur Isle of Skye zurückkehren.
Am 22.05 wurde dann das Fahrzeug tatsächlich um 15.30 Uhr vom Partnerunternehmen des ADAC geborgen und das Motorrad wurde in die Werkstatt transportiert. Dort stellte man nach rund einer 1/2 STunde fest, dass sich unterhalb der Vergaserbrücke ein Rollsplittsteinchen im Bowdenzuggestänge verkeilt hatte. Kleiner Stein, große Wirkung.
Fazit:
Wenn das Fahrzeug bereits am Montag repariert worden wäre, hätten wir die Tour planmässig fahren können. Aufgrund der ''kompetenten'' Hilfeleistung des großen Automobilclubs war das jedoch nicht mehr möglich. Auf Vorhaltung unsererseits, ob der ADAC mit der Hilfeleistung im Ausland überfordert sei, wurde dieses von einem Mitarbeiter kleinlaut bestätigt, dass ist richtig traurig traurig traurig.
Die gesamte Reisegruppe überlegt derzeit, ob nicht alle ihre Mitgliedschaft beim ADAC kündigen sollen. Offenbar ist der ADAC nicht der richtige Hilfsverein für Motorradfahrer.
Viele Grüße
Stefan L.