Auf Heimaturlaub
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| 29.05.2008 06:17 #1 | |
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Am 29.05.2008 um 06:17:59 schrieb unbekannt:
Fronleichnam naht und die Route für die Rollertour durch die Dolomiten ist geplant. Vier Tage Freiheit! – Aber dann die Katastrophe: jenseits der Alpen ist für die nächsten Tage nur Regenwetter gemeldet, egal, in welchen Regionen ich in die Wettervorhersage schaue. Jetzt heißt es schnell handeln. In Deutschland sieht das Wetter um einiges besser aus, also sofort eine neue Tour planen! Entgegen meinem Bikernamen „Alpenroller“ habe ich auch in Deutschland schon einige große Touren gefahren. Wo war ich also noch nicht, oder wo will ich noch einmal hin? Am Elbsandsteingebirge bin ich schon zwei mal vorbeigefahren, aber für einen Ausflug auf die Bastei hat es noch nie gereicht. Einen Streifzug durch das bekannte Spielzeugmacherdorf Seiffen im Erzgebirge würde ich auch mal gerne wieder unternehmen. Also starte ich am PC meinen Motorradtourenplaner, gebe als Start und Ziel meine Heimatadresse Sandhausen bei Heidelberg ein, als Zwischenpunkte Seiffen und Bad Schandau am Fuß des Elbsandsteinge-birges. Da ich keine Lust auf Autobahn habe, gebe ich als Option „Motorrad Tour“ an, so dass ich hauptsächlich über Landstraßen geleitet werde, und als Sahnehäubchen für das Ganze kli-cke ich noch „Landschaftlich schöne Strecken bevorzugen“ an. So, jetzt soll der Kollege mal rechnen. Das Programm hat auch tatsächlich einige Momente zu tun, dann kann ich das Werk begutachten. Tatsächlich führt die Strecke über viele kleine Nebenstraßen, springt hin und her und scheint durch kurvenreiche Gebiete zu führen. Ich beschließe, dem Routenplaner zu ver-trauen, sonst kann ich unterwegs immer noch so fahren, wie ich es für besser halte. Ich setze für die Rückfahrt noch ein paar Zwischenpunkte, sonst schickt der Planer mich auf fast dem gleichen Weg zurück, und etwas abwechslungsreicher soll der Ausflug doch schon werden. Ich stelle fest, dass auch die Tourenlänge genau passt. Da ich die Option „Mehrtagestour“ gewählt habe, baut das Programm auch Übernachtungsvorschläge ein, und siehe da, es erge-ben sich drei Übernachtungen, also vier Tage Fahrt für meinen Suzuki Burgman 650 und mich. Da ich sowieso Frühaufsteher bin, geht es an Fronleichnam gegen 6:30 los. Von Sandhausen am Neckar entlang bis Eberbach und dann durch den Odenwald bis kurz vor Würzburg. Schließlich unterhalb von Bamberg und Bayreuth vorbei bis Tirschenreuth Richtung Tsche-chische Grenze. In den Dörfern werden noch die Altäre für die Fronleichnamsprozessionen aufgebaut. Es sind schon einige Kunstwerke dabei. Das Beste aber ist die Fahrstrecke. Land-schaftlich könnte es schöner nicht sein. Ich fahre durch Rapsfelder, Wiesen und Wälder. Die kleinen Nebenstrecken sind menschenleer. Meistens handelt es sich um übersichtliche, lang gezogene Kurven, so dass man einen schnittigen Fahrstil an den Tag legen kann, der einiges an Spaß bringt. Ab und an kommen auch einige kleine Serpentinen vor, so dass ich die Alpen nicht all zu sehr vermisse. Um 14 Uhr komme ich in Tirschenreuth an. Da sollte ich laut Routenplaner doch übernach-ten?! Ohne mich, natürlich geht es nach Kaffee und Käsekuchen weiter. Jetzt liegen ungefähr 100 Kilometer durch Tschechien vor mir. Da ich dort nicht übernachten will, muss ich die Strecke durchziehen. Also wird vor der Grenze noch mal aufgetankt, damit ich mich nicht mit Wechselkursberechnungen herumschlagen muss, und dann geht es los. An der Grenze gibt es keine Zollkontrollen mehr. Das kommt einem schon komisch vor, wenn man überlegt, was hier früher für ein bürokratischer Zirkus veranstaltet worden ist. Über Marienbad geht es, wie immer auf ruhiger Strecke, nach Karlsbad. Auch hier ist es landschaftlich schön. Die Gebäude allerdings dürften zu einem großen Teil etwas Kosmetik vertragen, es gibt aber auch einige schön hergerichtete Häuser. Die Luft allerdings lässt einiges zu wünschen übrig, und die LKWs stoßen beim schalten und beschleunigen dunkle Qualmwolken aus. In Karlsbad kommt mein Navi am Ortsausgang nicht so gut zurecht, hier gibt es eine neue Autobahn, an der teil-weise noch gebaut wird. Damit weiß er nichts anzufangen. Ich fahre führerlos in die wahr-scheinliche Richtung, und irgendwann hat er den Weg wieder eingefangen. Jetzt aber geht es erst richtig los. Von Karlsbad führt eine kurvenreiche Nebenstrecke zur Grenze nach Oberwiesenthal, die zunehmend schlechter wird. Es reiht sich Schlagloch an Schlagloch, dazwischen sind Schlaglöcher. Eine bessere Slalomübungsstrecke kann es gar nicht geben. Ich kann mit maximal 40 km/h fahren, da muss ich mich aber schon anstrengen. Vor der Grenze in Oberwiesenthal zweigt die geplante Route ab und führt weiterhin bergauf auf Tschechischem Gebiet entlang. Der Fahrbahnbelag ist anfangs nicht schlecht, wird aber auch schlimmer, wenn auch nicht ganz so wie auf dem vorherigen Stück. Die Landschaft aber ist wirklich ganz wunderbar, und so bereue ich den Abstecher nicht. Irgendwann geht es end-lich wieder bergab, dem Übernachtungsziel entgegen, und um 17:30 komme ich, allerdings etwas zittrig, in Seiffen an. In Seiffen ist immer Weihnachtszeit. Es reiht sich ein Geschäft an das andere, die Schaufens-ter voll mit Nussknackern, Lichterengeln, Räuchermännchen, Weihnachtspyramiden und vie-lem mehr, alles hergestellt in eigenen Werkstätten, die man zum Teil besichtigen kann. Es handelt sich aber keinesfalls um Kitsch, sondern mehrheitlich um stilvolle Dekorationsstücke, für deren Preise keine Grenzen nach oben gesetzt sind, man kann aber auch durchaus Schnäppchen machen. Einen Besuch ist das Dorf allemal wert, zudem es in einer herrlichen Umgebung liegt und man auch noch günstig Unterkunft und Verpflegung bekommt. Am nächsten morgen geht es weiter zum Elbsandsteingebirge. Bevor ich Bad Schandau an der Elbe erreiche, verleitet mich mein Navi wieder zu einem Abstecher auf Seitenwege. Man merkt, dass hier nicht viel Verkehr herrscht. Oft flattert am Wegrand ein verschreckter Bus-sard oder Eichelhäher auf und fliegt fünf Meter vor meiner Nase vorbei. Ein Erlebnis! Vorbei geht es an kleinen Gehöften, die sich seit der Wende noch nicht verändert haben und weiter-hin dem Verfall preisgegeben sind. Wer wissen will, wie es früher einmal ausgesehen hat, ist hier auf dem richtigen Weg. Und der tut wieder einmal weh, aber das ist der Preis für das Nostalgieerlebnis. Wer mit Beifahrer unterwegs ist, hat hier schlechte Karten, zumindest der Sozius. Ich könnte mir vorstellen, dass das Federbein hier richtig durchschlägt, da hilft auch kein langsames fahren mehr. Doch dann taucht die Elbe auf, und am anderen Ufer liegt Bad Schandau. Das interessiert mich jetzt aber weniger, mich zieht es mit Macht zur Felsbastei. Auf einer kurvenreichen Strecke arbeite ich mich berauf, vorbei an der imposanten Burg Hohnstein und erreiche kurze Zeit später mein Ziel. An der Zufahrtsstraße zur Bastei steht ein Sperrschild für Autos und Motorräder, doch eine freundliche Angestellte winkt mich durch. Drei Kilometer weiter ist noch ein Parkplatz, der für Motorräder kostenfrei ist. Jetzt sind es noch fünf Minuten Fuss-weg, und ich blicke über eine fantastische Landschaft aus Felsformationen tief hinab auf die Elbe. Der Weg hat sich wirklich gelohnt. Da ich sehr gut in der Zeit liege, beschließe ich, ins nahegelegene Dresden hinein zu fahren. Ich folge den Schildern zur Altstadt. Hier findet sich für Zweiräder immer ein Abstellplatz und nach wenigen Minuten Fußmarsch beginne ich meine Wanderung vorbei an Frauenkirche, Brühlscher Terrasse, Semperoper und anderen imposanten Gebäuden. Für diese Stadt werde ich mir einmal richtig Zeit nehmen, aber jetzt juckt wieder die Gashand. Durch Freiberg geht es für heute bis Zschopau, der Heimatstadt der MZ-Motorräder (Maschi-nenwerke Zschopau). Mitten in der Stadt thront ein schön hergerichtetes Schloss, das Städt-chen selbst wirkt gepflegt, aber sonst ist hier tote Hose. In einem netten Restaurant nehme ich als einziger Gast das Abendessen ein, im Hotel ist zumindest ein weiterer Gast, den ich aber nicht zu Gesicht bekomme. Mir doch egal! Da ich schon mehr als die halbe Tour hinter mir habe, freue ich mich wieder über gemütliche Landstraßen, wo ich beschaulich durch Gegend tuckere, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu behindern, weil es einfach kaum welche gibt. Die anderen Biker, die hier in geringer Zahl unterwegs sind, empfinden wohl genau so wie ich. Kein drängeln und rasen wie in den Alpen, wo Kurven- und Geschwindigkeitswahn auch Unbeteiligte in Stress versetzen. Auch das Vogtland lässt an Schönheit nichts zu wünschen übrig. Ich raste an einem Angelsee , einge-rahmt von Rapsfeldern und Bäumen. Einfach nur schön! Nach überschreiten der Bayrisch-Thüringischen Grenze statte ich der Stadt Kronach einen Besuch ab. Hoch oben erhebt sich eine imposante Festung, und die Auffahrt durch das alte Städtchen wird gesäumt von Straßencafes. Ein liebenswerter Ort, aber leider ist es zum Been-den der Tagesettape noch zu früh. So rollere ich weiter bis zum Main, wo ich in dem Städt-chen Eltmann übernachte. Es ist ein warmer Abend und so sitze ich auf einer Bank am Main-ufer und relaxe. Bisher bin ich mit dem Verlauf der Fahrt vollauf zufrieden. Heute ist endgültige Heimfahrt. Schon im Vogtland hat sich die Qualität der Landstraßen allmählich verbessert. Die Bundesstraßen waren immer gut ausgebaut, weisen aber entsprechendes Verkehrsaufkommen auf. Man muss eben abwägen, was man lieber möchte. Wer nicht nur Gas geben will, ist mit den Landstraßen gut bedient. Wer Rüttelstrecken meiden will, muss versuchen, die entlegenen Straßen auszufiltern, dann halten sich die Beschwerden im Rahmen. Ich nähere mich dem Ort Geiselwind. Ich habe diesen Namen schon im Zusammenhang mit Motorradtreffen gehört. Und tatsächlich ist ein Hinweis auf ein Gold Wing-Treffen aufges-tellt. Und dann traue ich meinen Augen nicht. Es kommt mir eine Gold Wing mit Beiwagen entgegen, mit zwei Kindern darin – und an der Anhängerkupplung ein kleiner Wohnwagen! Warum auch nicht? Ich jedenfalls bin froh, dass ich nur meine Gepäckrolle auf dem Rücksitz habe. Entlang der Jagst und Neckar nähere ich mich Gundelsheim, wo mich mein elektronischer Reisebegleiter über ein paar schöne Serpentinen bergauf führt. Selbst in der Heimat gibt es immer wieder neue Strecken zu entdecken, man muss sich manchmal nur der Erfahrung ande-rer anvertrauen, z.B. in Form von Reiseliteratur oder eben dem Motorradtorenplaner. Jetzt geht es aber mit Schwung nach Hause, denn trotz aller schönen Erlebnisse wartete dort das Beste auf mich – meine Frau! Wer sich führ die Tour interessiert, kann die Dateien für den Motorradtourenplaner oder die Garmin MapSource von mir bekommen. Meldet euch bei alpenroller@freenet.de. Ich maile die Dateien dann formlos zu. Euch allen eine gute Fahrt Alpenroller |
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