Metorbike: Rückkehr der Klassiker – aber elektrisch

Die Flut an Modellen in klassischem Design hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es auch jenseits der Moderne einen Markt gibt.
20.02.2023
| Lesezeit ca. 4 Min.
Metorbike
Zwei Hamburger Schrauber haben das erkannt und im Rahmen ihres Studiums einen Prototyp entwickelt und gebaut.

Made in Germany, inspiriert von Puch

Seitdem entstehen in der Werkstatt von Michael Szpitalny und Marvin Rau in Bad Oldesloe E-Motorbikes. Zum größten Teil in Eigenarbeit und, von den Reifen und der Gabel abgesehen, komplett aus Deutschland. Rahmen und Schwinge haben dabei ihre Ursprünge in einem Puch-Moped aus den Siebzigerjahren, die Gabel stammt von der 125er-Aprilia. Sitzbank, Bezüge, Holz- und gebürstete Aluminiumteile wie die Zierblende des Tanks und des Cockpits entstehen dabei in Eigenarbeit in der Werkstatt der gelernten Mechatroniker.

Pkw-Führerschein reicht

Angetrieben wird das Classic-Moped im Café-Racer Style von einem bis zu 9,5 PS starken Elektromotor, der das 67 Kilogramm schwere Bike samt Fahrer auf bis zu 50 km/h beschleunigt. Da das Moped damit zulassungstechnisch in der 50-ccm-Klasse bleibt, reicht der normale Pkw-Führerschein, um das Gefährt legal im Straßenverkehr bewegen zu dürfen.
Motor inklusive Lautstärke-Modul
Motor inklusive Lautstärke-Modul

Akku austauschbar und wiederverwendet

Gefüttert wird der Motor mit Saft aus einer herausnehmbaren 1,6 kWh Batterie. Das soll für bis zu 50 Kilometer Reichweite reichen. Längere Ausflüge aufs Land sind damit also nicht drin, für das Pendeln zur Arbeit oder den Auftritt vor dem Stammcafé reicht das aber allemal. Mit 11,8 Kilogramm ist der austauschbare Akku zwar kein Leichtgewicht, allerdings lässt sich der Energiespender auch im eingebauten Zustand laden. Das Besondere: Die Akkus stammen aus der Automobil-Branche und wurden vorher in Erprobungsfahrzeugen von VW genutzt. Gerade vor dem Hintergrund, der oft zweifelhaften Herkunft von Rohstoffen für den Bau großer Lithium-Ionen-Akkus dürfte das ein zusätzlicher großer Pluspunkt in Bezug auf die Nachhaltigkeit von E-Antrieben und Akkus sein.
Der Akku ist recycelt und austauschbar, 1,6 kWh Kapazität
Der Akku ist recycelt und austauschbar, 1,6 kWh Kapazität

Auf den Spuren der legendären Puch Magnum

Der Rahmen nimmt dabei deutliche Anleihen an der Puch Magnum aus den Siebzigerjahren und wird heutzutage aus gefrästen und eloxierten Aluminiumteilen hergestellt. Grundgedanke bleibt jedoch der Café-Racer und so reduziert sich das Äußere vorwiegend auf die Eigenschaften simpel, aber edel.
Die Wurzeln der Puch Magnum sind deutlich zu erkennen
Die Wurzeln der Puch Magnum sind deutlich zu erkennen

Unikat garantiert

Beinahe alles kann nach den Wünschen des Käufers individualisiert werden und so ist bei einer Auflage von nur 50 Fahrzeugen weitestgehend garantiert, dass es sich um ein Einzelstück handelt. Unter anderem kann die Sitzbank durch Auswahl des Holzes und der Versiegelung durch Bootslack ebenso individualisiert werden, wie der Tank und die Beschriftung der Griffe. Die Sitzbank kann entweder hölzern bleiben oder mit Leder bezogen werden. Wählt man die Holz-Variante, stehen fünf verschiedene Holzsorten zur Verfügung. Auch die Art des Leders und das Muster können individualisiert werden.
Die Sitzbank ist in zahlreichen Varianten erhältlich
Die Sitzbank ist in zahlreichen Varianten erhältlich
Bei der Lackierung von Tank und Lautsprecher (Ja, es gibt einen Lautsprecher) sind dann alle Grenzen aufgehoben. Neben sechs Standardfarben können Kunden bei der Bestellung gegen Aufpreis auch einfach einen Farbcode angeben und sich ihr Metorbike so auch farblich zu einem Einzelstück fertigen lassen.
infotainment

Touchscreen und Lautsprecher für Augen und Ohren

Zentrum des Cockpits bildet ein runder LCD-Touchscreen, das einem jederzeit Angaben zu Geschwindigkeit, Reichweite und Verbrauch macht. Zudem kann während der Fahrt eines von 6 aufpreispflichtigen Sounddesigns ausgewählt werden. Eingelassen ist das Display in eine aus Aluminium gefräste Gabelbrücke. Auch diese gibt es entweder in Silber oder Schwarz.
Touchscreen mit Infos zu Geschwindigkeit, Reichweite und Akkustand
Touchscreen mit Infos zu Geschwindigkeit, Reichweite und Akkustand

Ein Höhepunkt ist sicherlich das Lautsprechermodul, das unter dem Motor sitzt und gegen Aufpreis mit 6 unterschiedlichen, zum Teil recht gewöhnungsbedürftigen Geräuschen die Umwelt auf den E-Café-Racer aufmerksam macht.

Preis/Verfügbarkeit

Günstig ist das Vergnügen nicht. Der Grundpreis für das E-Moped liegt bei 7.749,-- Euro. Mit ein paar Haken bei der Bestellung ist man dann recht schnell noch einmal ein paar Hundert Euro darüber. Dafür erhält man allerdings ein exklusives und im Normalfall individualisiertes Stück Handarbeit, Made in Germany.

Die auf 50 Fahrzeuge begrenzte erste Serie Metorbikes, die „First 50 Edition“, ist noch nicht ausverkauft. Laut Metorbikes ist für dieses Jahr der Start einer Serienproduktion geplant. Man strebt an, 300–500 Bikes im Jahr zu bauen. Einen Investor haben die Unternehmer mit der Kroschke-Gruppe bereits gefunden, ein Standort für Montage und Büros wird noch gesucht.
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