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Allgäu - Bodensee - Allgäu

27.06.2016 14:04

Wir starten unsere Tagestour zum Schwäbischen Meer, dem Bodensee, nach einem ausgiebigen Frühstück in Martinszell und fahren zunächst Richtung Süden. Vorbei am Wächter des Allgäus, so wird der 1.738 Meter hohe Hausberg der Sonthofener genannt, wärmen wir in leichtem Trab unsere Reifen und Motoren auf. Nach Sonthofen passieren wir den kleinen Ort Burgberg, von dem man einen Abstecher in die tosenden Wasser der Starzlachklamm machen kann. Uns ist an diesem Morgen aber noch nicht nach einer Wanderung an einem wild gewordenen Bach.
 
 Wir kurven in Richtung des Schwäbischen Meeres.
Wir kurven in Richtung des Schwäbischen Meeres.

In Sonthofen selbst gibt es eine ganze Reihe von sakralen Sehenswürdigkeiten und Museen, aber auch ein durch die Bundeswehr genutztes Relikt aus Zeiten des Dritten Reiches. Die ehemalige Ordensburg Sonthofen war eine der drei NS-Ordensburgen zur Ausbildung von nationalsozialistischen Parteikadern. Heute trägt sie den Namen des Widerstandskämpfers Generaloberst Beck. Nachdem wir die Kreisstadt des Landkreises Oberallgäu hinter uns gelassen haben, geht es in flotter Fahrt, auf bestens ausgebauten, aber wenig befahrenen Straßen, noch einige Kilometer nach Süden. Bei Fischen wechseln wir die Talseite auf die andere Seite der Iller, einem Nebenfluss der Donau, und fahren nach Westen. Bereits hier beginnt die „sagenumwobene“ Landschaft. In Obermaiselstein gibt es einen Sagenweg, auf dem eine einheimische Künstlerin fünf Sagen der Natur harmonisch in Szene gesetzt hat. Von einem Erzähler kann man sich in die Welt der Sagen und Mythen dieser Region einführen lassen. Weniger sagenhaft, aber dafür mit umso mehr Kurven, führt uns der Weg auf die höchste befahrbare Passstraße Deutschlands, den Riedbergpass. Von Obermaiselstein aus geht es stetig bergan. Kurve reiht sich an Kurve und nach elend langen Jahren mit Baustellen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Kontrollen ist der Pass endlich so ausgebaut, dass es Spaß macht, auf die 1407 m.ü.NN hinaufzustürmen.
 
 Unser Weg führt uns auf die höchste befahrbare Passstraße Deutschlands, den Riedbergpass.
Unser Weg führt uns auf die höchste befahrbare Passstraße Deutschlands, den Riedbergpass.

Der Parkplatz auf der Passhöhe lädt zu einer kurzen Pause ein, um den traumhaften Blick über die Allgäuer Alpen schweifen zu lassen. In zügiger Fahrt geht es den Pass auf griffigem Asphalt hinunter nach Balderschwang. Erst seit dem Bau der Riedbergpassstraße ist der Ort, der eigentlich zu Vorarlberg, also zu Österreich, gehören müsste, mit dem Auto von Deutschland aus zu erreichen. Aber Grenzziehungen am grünen Tisch bringen manchmal recht kuriose Entscheidungen hervor. Bereits wenige Kilometer weiter überschreiten wir die Grenze nach Österreich und schwingen durch langgezogene Kurven bis nach Lingenau. Von dort aus geht es weiter Richtung Südwesten in den Bregenzer Wald. Bis Schwarzenberg steigt unsere Route nur wenig an. Erst ab hier „erklimmen“ wir den nächsten Pass, von dem viele bisher nichts gehört haben dürften. Eigentlich ist der Losenpass, auch Bödele genannt, eher eine Panoramastraße und mit 1140 Metern Höhe nicht gerade atemraubend. Doch vom Bödele aus hat man einen wunderschönen Blick bis hin zum Bodensee. Hinunter ins Rheintal sind gut 700 Höhenmeter zu überwinden. Vom Bödele fahren wir abwärts nach Dornbirn. Auf dem Gebiet der heutigen Stadtgemeinde hat man Gegenstände gefunden, die auf eine menschliche Besiedlung seit der mittleren Steinzeit hindeuten, mehr als 3000 Jahre vor Christus. Auch aus der weiteren Geschichte der Stadt gibt es Funde wie Münzen oder gar Grabstätten, die die verschiedenen Epochen der Dornbirner dokumentieren. Das heutige Stadtbild ist geprägt vom Baustil des 19. und 20. Jahrhunderts. So wurde die Stadtpfarrkirche St. Martin in den Jahren 1839 und 1840 an derselben Stelle erbaut wie mindestens vier Kirchen vor ihr.

Weitere Bauwerke aus dieser Zeit sind das Luger-Haus gleich neben der Stadtpfarrkirche am Marktplatz und das „Rote Haus“, das gleichzeitig das Wahrzeichen der Stadt ist. Dornbirn ist aber nicht nur für Touristen interessant, sondern es ist gleichzeitig das wirtschaftliche Zentrum der Region. Die Sonne erreicht mittlerweile ihren Höchststand und lässt die Temperaturen unten im Tal ansteigen. Wir wollen daher so schnell wie möglich ans Wasser, an den Bodensee. Bis Bregenz nutzen wir die Bundesstraße. In Bregenz versperrt uns zwar eine Schranke den Weg zu einem Eiscafé am Hafen, doch dafür gehen wir sogar ein paar Meter zu Fuß. Außer ein paar Fahrgastschiffen und den Hafenanlagen sehen wir vom Bodensee nicht allzu viel.
 
 Viel Verkehr - selbst auf den kleinen Straßen...
Viel Verkehr - selbst auf den kleinen Straßen...

Ein freundlicher Bregenzer, der am Nachbartisch seinen Kaffee trinkt, hat unserem Gespräch zugehört und erzählt uns wissenwertes über die Stadt. Mit sichtlichem Stolz erklärt er, dass Bregenz die Landeshauptstadt von Vorarlberg sei, den größten österreichischen Bodenseehafen besitzt und in Sachen Kultur einiges zu bieten hat. Die Bregenzer Festspiele mit dem Highlight der Opernaufführungen auf der Seebühne sind der Höhepunkt seiner Information für uns motorradfahrende Touristen. Mit einem „Herzlichen Dank“ verabschieden wir uns und schwingen uns wieder auf die Motorräder. Wir verlassen Bregenz und fahren über Lochau hinauf nach Eichenberg. Dort halten wir an einem kleinen Hotel, das bezeichnenderweise den Namen „Schönblick“ trägt. Von einem Aussichtspunkt aus genießen wir den Blick hinaus auf den Bodensee und die der Stadt vorgelagerte Insel Lindau.
 
Der Ausblick wird genossen...
Der Ausblick wird genossen...

Der Bodensee ist als Gletscherrandsee durch den Rheingletscher zunächst als zusammenhängender See entstanden. Der Seerhein und die damit verbundene Trennung des Bodensees in Ober- und Untersee ist erst ein paar tausend Jahren alt. Aufgrund der stetigen Erosionskraft des Rheins entstand der Oberrheingraben, wodurch der Seespiegel abgesenkt wurde. Die Zukunft des Sees ist absehbar: In einigen Tausend Jahren wird ihm der Rhein das Wasser abgraben und die Sedimente aus den Alpenzuflüssen werden ihn verlanden lassen. Aber wie gesagt: Vermutlich erst in ein paar Tausend Jahren. Wie lange das im See wohnende Ungeheuer sein Unwesen getrieben haben soll, ist nicht überliefert. Es soll aber die Fischer vom Bodensee angegriffen, ihre Netze zerrissen und auch sonst noch so einiges angestellt haben. Erst als ihm ein kleiner Junge einen anderen Schatz als den der silbrig glänzenden Fische gezeigt habe, nämlich Seerosen, seien die Fischer ungeschoren geblieben.

 
Während der Fahrt fällt es zunehmend schwerer die Blicke auf der Straße zu lassen.
Während der Fahrt fällt es zunehmend schwerer die Blicke auf der Straße zu lassen.

Eine Sage, die Naturereignisse mit einer einfachen Geschichte erklärt, denn auch heute noch hat der See bei Stürmen seine Tücken. Wir lösen uns von seinem Anblick und fahren hinauf bis nach Leutenhofen, um von dort nach Lindau hinunterzufahren. Lindau muss man besucht haben. Wir fahren über die Landtorbrücke auf die Insel Lindau und an der alten Stadtmauer entlang. Über die Zeppelinstraße und am Bahnhof vorbei erreichen wir schließlich den Alfred-Nobel-Platz.
 
  Kleine Orte werden durchfahren.
Kleine Orte werden durchfahren.

Parkraum gibt es hier zwar so gut wie keinen, doch für unsere Mopeds findet sich ein Plätzchen. Auch die Hüter der Ordnung drücken schon mal ein Auge zu, wenn man ihnen freundlich zulächelt. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den alten Lindauer Hafen mit seiner imposanten Hafeneinfahrt, den Leuchtturm aus dem Jahre 1856 und den auf einem Sockel thronenden, sechs Meter hohen Bayrischen Löwen. Auch er stammt aus dem Jahre 1856 und wiegt über siebzig Tonnen.
 
Der Lindauer Leuchtturm aus dem Jahre 1856 und der sechs Meter hohe Bayrische Löwe.
Der Lindauer Leuchtturm aus dem Jahre 1856 und der sechs Meter hohe Bayrische Löwe.

Ein Besuch der Altstadt mit seinen zahlreichen historischen Gebäuden lohnt sich in jedem Fall. Die Hauptstraße der Inselstadt zieht uns mit ihren gut erhaltenen Bürger- und Handwerkerhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert in ihren Bann. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der Mangturm mit seinem spitzen, bunt glasierten Ziegelhelm aus dem 19. Jahrhundert. Erbaut wurde er als Leuchtturm und war von 1180 bis 1300 auch als solcher in Betrieb. Seinen Platz hat er an der Seepromenade unmittelbar am Hafen. Ursprünglich lag die im Jahre 882 erstmals urkundlich erwähnte Ansiedlung auf dem Festland, doch aus Sicherheitsgründen verlegte man den Marktflecken im 11. Jahrhundert auf die vorgelagerte Insel. Die Befestigungsanlagen wie die Stadtmauer richteten sich nicht gegen die Seeseite sondern gegen das Festland.
Die ständig weitereilende Zeit treibt uns wieder auf die Motorräder. Auf schnellstem Wege verlassen wir das tropische Klima der Stadt und fahren am See entlang nach Westen.

Kurz vor der Ortschaft Langenargen entdecken wir neben unserer Straße eine Hängebrücke. Neugierig halten wir an und besichtigen das nur noch für Fußgänger und Radfahrer zugelassene Baudenkmal, denn sie wurde in den Jahren 1896/97 als Straßenbrücke erbaut, wie uns Inschriften auf den Brücken­pfeilern verraten.
 
Deutschlands drittgrößte Hängebrücke.
Deutschlands drittgrößte Hängebrücke.

Immerhin ist sie die drittgrößte echte Hängebrücke Deutschlands. Aber unsere Fahrt geht weiter. Bevor uns die nächste größere Stadt mit ihrem Verkehrsgewühl verschlucken kann, biegen wir nach Norden ab und lassen Friedrichshafen, trotz der interessanten Sehenswürdigkeiten wie dem Zeppelin-Museum oder dem Schloss mit seiner sehenswerten Schlosskirche, links liegen. Apropos Zeppelin, auch wenn uns kein Abstecher in das Museum führt, so bekommen wir dennoch ein Luftschiff zu Gesicht. Natürlich von moderner Bauart und längst nicht so riesig, wie die alten Giganten der Luftfahrt, aber immerhin.
Am Himmel endecken wir schließlich doch noch ein fliegendes Exemplar.
Am Himmel endecken wir schließlich doch noch ein fliegendes Exemplar.
Vorbei an dem Ravensburger Spieleland, einem Freizeitpark mit „Abenteuer, Spiel und Action für die ganze Familie“, führt unser Weg nach Ravensburg selbst. „Ravensburger Spiele“ sind sicher jedem ein Begriff, aber uns steht der Sinn nicht nach Spielen. Die herrliche Altstadt mit ihren zahlreichen, gut erhaltenen, mittelalterlichen Türmen nannte man früher auch „schwäbisches Nürnberg“. Wir betrachten das als Einladung zu einer weiteren Pause. In Sichtweite des Mehlsacks, einem runden, weißen, 51 Meter hohen Turm an der höchsten Stelle der alten Stadtbefestigung, der als Wahrzeichen der Stadt gilt, finden wir ein schattiges Plätzchen und lassen die ehemalige Freie Reichsstadt auf uns wirken. Der Mehlsack ist aber nicht der einzige Turm. Blaserturm, Frauentor, Gemalter Turm, Grüner Turm, Obertor, Sauturm, Schellenbergerturm und Untertor haben Ravensburg den Beinamen „Stadt der Türme und Tore“ eingebracht. Die Stadt entstand unterhalb der mächtigen Ravensburg, der Stammburg der Welfen, ehe diese dann per Erbvertrag an die Staufer gelangte. Mit dem Untergang der Herrschaft der Staufer wurde die Stadt von den Habsburgern als Freie Reichsstadt bestätigt. Erst 1803 verlor Ravensburg die Privilegien durch den Reichsdeputationshauptschluss. Nachdem wir unseren Durst gelöscht haben, nehmen wir den letzten Teil der Tagestour in Angriff. Keine Stadt mehr, keine Besichtigungen, nur noch kleine, kurvenreiche Landstraßen, über die wir zum Ausgangspunkt durch Vorarlberg an den Bodensee surfen. Der Fahrtwind kühlt trotz der hohen Temperaturen ganz ordentlich. Für die weitere Abkühlung sorgen dann nach unserer Ankunft in Martinszell die dienstbaren Geister mit wohltemperierten Getränken im Schatten der riesigen Kastanienbäume des Biergartens. Nach der Hitzeschlacht ein wahrlich erfrischendes Vergnügen! Hier kann der Tourtag locker bei Benzingesprächen ausklingen. Es war ein schöner Tag.
 
Wir verabschieden uns vom Bodensee.
Wir verabschieden uns vom Bodensee.