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BMW S 1000 XR - Fahrbericht

05.05.2020 10:06


RR trifft GS. Das ist das so kurze wie prägnante Erfolgsrezept der BMW S 1000 XR. Hoch und entspannt sitzen. Alles lässig im Blick haben. Und bei Bedarf mit mächtig Schmackes ab durch die Mitte! Das kommt an: Die S 1000 XR ist das meistverkaufte Vierzylinder-Bike von BMW Motorrad. Ein Langstreckenrenner mit Bestzeiten-Potenzial.
Nimmermüde 165 PS, bärige 114 Nm, von null auf 100 in 3,3 Sekunden, Spitze „über 200 km/h“, wie es BMW Motorrad bescheiden angibt. Wer es drauf anlegt, sieht das TFT-Farbdisplay locker eine zwei, eine drei und irgendwas dahinter anzeigen. Seit ihrem Start in 2015 ist der Adventure-Racer die pure Unvernunft, aber höchst begehrenswert: ein reinrassiges Rennmotorrad mit der entspannten Breitarmposition einer Reiseenduro.
 

Jetzt steht die Neuauflage des Bestsellers im Handel. „Es ist immer schwierig, einen mehrmaligen Testsieger wie die
 S 1000 XR mit dem Nachfolger zu toppen“, sagt Ralf Mölleken, Projektleiter Gesamtfahrzeug. Und versichert: „Wir haben uns große Mühe gegeben und viele große und kleine Stellschrauben justiert, um die XR überall ein wenig besser zu machen.“
Insgesamt um mehr als 10 kg erleichtert im Vergleich zum Vorgängermodell, schiebt das Triebwerk an wie eine Fallböe. Midrange-Power und Motor-Schleppmoment-Regelung (MSR) wurden nochmals verbessert, verspricht BMW. Die Basis des Motors ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Der Reihenvierzylinder wurde von der BMW Doppel-R abgeleitet. Und entwickelt eine Power, die dich echt kurz sprachlos macht. Und ins Ohr geht: Die maximale Leistung liegt bei erst 11.000 Touren an. Das Biest will gedreht werden!
 

Leichtere Räder (minus 1,8 kg), leichteres Chassis (minus 2,1 kg), leichtere Schwinge (minus 1,6 kg), leichterer Motor (minus 5 kg) – alle relevanten Komponenten hat BMW Motorrad feingeschliffen für die 2020er Neuauflage der S 1000 XR. Handling und Spurtreue sind dank des neu entwickelten Fahrwerks mit „Flex Frame“ hervorragend, das Durchzugsvermögen schwer beeindruckend. Der 4., 5. und 6. Gang sind jetzt länger übersetzt, das soll das Geräusch- und Verbrauchsniveau senken. 6,2 Liter auf 100 km gibt BMW als Durchschnittsverbrauch an. Bei ersten Testfahrten im Hinterland von Almeria landeten die meisten Testbikes bei rund sieben Litern. Völlig okay bei so viel Leistung und Fahrspaß. Der Punch ist gewaltig.
Ergonomisch ist alles gewohnt durchdacht. Die Sitzhöhe beträgt lässige, Kniewinkel-schonende 820 bis 860 mm. Die Bedienelemente am Lenker werfen keine Fragen auf, die Sitzposition verspricht ermüdungsfreies Fahren. Für Langstreckenfahrer gibt es im Zubehör ein hohes Windschild. Bereits das serienmäßige ist zweifach verstellbar. Koffersets gibt es in soft (schwarz) und mit Hartschale (Fahrzeugfarbe), dazu ein Topcase. Ist alles montiert, addiert sich der Stauraum mit BMW-Tankrucksack auf rund 100 Liter. Das sollte für größere Touren reichen. Die Zuladung entspricht der Hälfte des zulässigen Gesamtgewichts, macht 224 Kilogramm bei der BMW S 1000 XR.

 

  • Die Serienausstattung ist mit Blick auf den Basispreis von 16.950,-- Euro standesgemäß. Integrierte Kofferhalter aus Magnesium, Staufach unter der Sitzbank, Mautkartenfach auf dem Tank, LED-Blinker mit Komfortfunktion (selbstabschaltend), Vollfarb-TFT-Display, Bordcomputer, Voll-LED-Hauptscheinwerfer, LED-Rücklicht mit dynamischem Bremslicht, 12V-Steckdose, dazu Fahrmodi Pro mit ABS Pro, Dynamischer Traktionskontrolle (DTC), Hill Start Control Pro (Berganfahrhilfe), MSR (Motorschleppmomentregelung) und dem Dynamischen Bremsassistenten DBC in den vier Fahrmodi Rain, Road, Dynamic und Dynamic Pro (voll konfigurierbar).
    Bei der S 1000 XR bündelt BMW sein Elektronik-Fahrwerk Dynamic ESA (280 Euro) mit Temporegelung, Schaltassistent Pro, Keyless Ride und Heizgriffen zum Dynamik-Paket (1.240 Euro). Das Touren-Paket beschert einem Navi-Vorbereitung, Gepäckbrücke, Hauptständer und Handschutz für 430 Euro. Das empfehlenswerte Headlight Pro mit adaptivem Kurvenlicht und LED-Tagfahrlicht schlägt mit 490 Euro zu Buche. Eine äußerst sinnvolle Geldanlage: Die Lichtausbeute der schlauen Um-die-Ecke-Zusatzleuchten ist eindrucksvoll und deutlich besser als bei normalem LED-Licht. Gefühlt ein echtes Sicherheitsplus.
     

    In puncto Assistenzsysteme ist die fahraktive XR dank 6-Achs-Sensor-Cluster bestens aufgestellt. Die Schräglagensensorik arbeitet mit DTC, Wheelie-Kontrolle und dem abschaltbaren Race-ABS (teilintegral) zusammen. Das Ergebnis ist aller Ehren wert. Die Maschine bremst exzellent und bei Bedarf vehement. Tadellos – wie das 6,5 Zoll große Farbdisplay, das von der BMW R 1250 GS sowie der neuen Mittelklasse F 900 bekannt ist und fraglos zu den besten Instrumenten dieser Art am Markt gehört. Die Anzeige ist bei allen Lichtverhältnissen brillant. Der Fahrer kann sie ohne IT-Studium konfigurieren. Die Bedienung erfolgt BMW-typisch über den Multicontroller am linken Lenkerende.
    Neu in diesem Segment sind zahlreiche Funktionen innerhalb der BMW Motorrad Connected App. Gekoppelt mit dem Smartphone, können beispielsweise während der gesamten Tour Schräglagenwinkel und G-Kräfte angezeigt und getrackt werden. Natürlich samt Route, der man Fotos hinzufügen kann, die sich dann easy im Web teilen lassen. Wer Spaß an so etwas und Ähnlichem hat, bekommt hier ein herrliches Smartphone-Tool. Die Navigationshinweise landen wie gehabt per schlichter Pfeildarstellung auf dem Bildschirm. BMW bleibt hier seiner Philosophie treu, plakative Hinweise möglichst ablenkungsfrei aufs TFT-Tableau zu übertragen. Der Landschafts-Zoomeffekt beim Beschleunigen ist schon Show genug.
     
Text: Ralf Bielefeldt , Fotos: Daniel Kraus