Fahrtest: KTM 1090 Adventure

Das Einstiegsmodell 1090 Adventure löst 2017 seinen Vorgänger, die 1050 Adventure, ab. Auf den ersten Blick sehen sich beide noch ähnlich.
KTM 1090 Adventure Fahrbild
Angefangen hat das „KTM Abenteuer“ vor nunmehr 20 Jahren. Im Jahr 1997 lancierte die im österreichischen Mattighofen bei Salzburg sesshafte orangefarbene Marke mit der Einzylinder 620 Adventure, dem gemäß damaligem Pressetext „ersten reinrassigen On-/Offroad-Sports-Tourer“. Sechs Jahre später folgte mit der 950 Adventure die erste wirklich vollumfängliche echte Reiseenduro mit kraftvollem V2-Antrieb. Permanent weiterentwickelt und ausgebaut erfreut die Adventure-Familie seither eine stetig wachsende Fangemeinde.


Zur bevorstehenden Motorradsaison hat KTM die Adventure-Baureihe erneut überarbeitet und neu strukturiert. Statt vier Modellen mit drei unterschiedlichen Motoren wie im letzten Jahr umfasst die aktuelle 2017er Modellgeneration jetzt fünf Modelle und lediglich zwei Antriebsvarianten. Während die beiden neuen „R“-Modelle 1090 Adventure R und 1290 Super Adventure R mit 21 Zoll großen Drahtspeichenrädern, entsprechender Bereifung sowie diversen weiteren offroadtypischen Ausstattungsmerkmalen anrollen, sind die ebenfalls rundum neue 1090 Adventure sowie die 1290 Super Adventure S eher fürs Fahren auf asphaltierten Straßen konzipiert. Kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe nutzte Motorrad & Reisen die Gelegenheit, auf der italienischen Vulkaninsel Sizilien die beiden Neuheiten erstmals kurz zu fahren. Eigentlich hätte KTM die Neustrukturierung für Nichtinsider noch ein bisschen übersichtlicher gestalten und der neuen 1090 Adventure die gleiche Zusatzbezeichnung „S“ für Sport wie dem größeren Schwestermodell 1290 Super Adventure S verpassen können.

Das neue Einstiegsmodell sieht dem Vorgänger ziemlich ähnlich

Nun, wie dem auch sei, die 1090 Adventure löst das Vorgängermodell 1050 Adventure ab. Sie ist damit das neue Einstiegsmodell in die Abenteuerwelt von KTM. Auf den ersten Blick sieht die neue 1090 Adventure ihrer Vorgängerin recht ähnlich und selbst die Positionierung am Markt bleibt weitgehend gleich. Konzipiert als grundsolider Allrounder ist die Neue für die tägliche Fahrt zur Arbeit gleichermaßen gut geeignet wie für den Wochenendausflug in die Berge oder für längere Reisen zu zweit. Den markentypischen Gepflogenheiten entsprechend beinhaltet sie die gleichen Merkmale wie die anderen KTM Adventure-Modelle – hochwertige Komponenten, geringes Gewicht, ausreichend gut kontrollierbare Leistung und nicht zuletzt agile Handlingeigenschaften. Alle wirklich wichtigen Ausstattungen wie beispielsweise das neue von Bosch entwickelte 2-Kanal-ABS vom Typ 9M+ sind dabei.
KTM 1090 Adventure & 1290 Super Adventure S Fahrbild
Die 1090 Adventure (links); 1290 Super Adventure S (rechts)
Im optional erhältlichen Offroad-Modus wird das Hinterrad vom Eingreifen des ABS ausgenommen, was dem Fahrer im Gelände einfach kontrollierbare Bremsdrifts ermöglicht. Das System kann zudem bei Bedarf vollständig deaktiviert werden. Gleiches gilt für die Traktionskontrolle – ebenfalls eine Entwicklung von Bosch – die zudem Einstellmöglichkeiten für verschiedene Eingreifstärken ermöglicht. Der Modus „Sport“ ermöglicht respektable Drifts und ein spürbares Maß an Schlupf. Die Einstellung „Street“ erlaubt kontrolliertes, komfortables Fahren bei voller Leistung. Im Gegensatz dazu greift der „Rain“-Modus sehr früh ein und gewährleistet dadurch maximale Haftung und Sicherheit bei glitschig nasser Fahrbahn.
KTM 1090 Adventure Cockpit
Die übersichtlich angeordneten Cockpit-Instrumente

Zwei LCD-Displays liefern Informationen

Diese Onboard-Elektronik und die Fahrassistenzsysteme sind mit vier am linken Lenkergriff angeordneten Menüschaltern einfach konfigurierbar und intuitiv zu bedienen. Zwei übersichtliche LCD-Displays erleichtern die Einstellungen. Im linken Display werden während der Fahrt fünf frei wählbare Parameter wie beispielsweise Trip, Umgebungstemperatur, Reichweite, Fahrzeit etc. angezeigt. Das größere, daneben angeordnete beinhaltet nebst dem analogen Drehzahlmesser den Digitaltacho sowie die Anzeigen zum Tankinhalt, zur Motortemperatur, zur Uhrzeit sowie zu den gewählten Modi. Als Einsteigermodell der Adventure-Baureihe macht die 1090 Adventure bezüglich Motor und Fahrwerk keinerlei Abstriche. Der aus Chrom-Molybdän-Stahl gefertigte Gitterrohrrahmen ist identisch mit demjenigen der leistungsstärkeren 1290er Schwester. Das vordere 19 Zoll große Leichtmetall-Gussrad mit griffiger Metzeler-Tourance-Next-Bereifung wird von einer WP-Upside-down-Gabel mit 43 Millimetern Standrohrdurchmesser und 185 Millimetern Federweg geführt. Am hinteren Federbein mit 190 Millimetern Federweg sind die Federvorspannung und die Zugstufendämpfung manuell einstellbar.

Herzstück ist der weiterentwickelte und nach wie vor 1.050 ccm große LC8-V2-Motor aus dem gleichnamigen Vorgängermodell. Gleichzeitig mit den Anpassungen auf Euro 4 verpassten die KTM-Ingenieure dem mit Doppelzündung und Keihin-Motormanagement ausgestatteten Aggregat eine kräftige Leistungsspritze. Statt wie bisher 95 PS bei 6.200 U/min drückt der Motor nun bei 8.500 U/min satte 125 PS auf die Kurbelwelle. Das maximale Drehmoment von 109 Nm wurde dagegen nur geringfügig verbessert. Die drei Modi „Sport“, „Street“ und „Rain“ beeinflussen Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung ihren Bezeichnungen entsprechend, wobei Letzterer die Leistung auf maximal 100 PS begrenzt. A2-Führerschein-Einsteiger können die neue 1090 Adventure als 95-PS-Version erwerben und diese auf 48 PS drosseln. Allerdings ist eine spätere Entdrosselung dieses Modell lediglich auf maximal 95 PS möglich.
KTM 1090 Adventure Fahrbild
Die Traktionskontrolle sorgt auch abseits der geteerten Wege für ausreichend Grip

Schlechtes Wetter sorgte für eingeschränkte Testmöglichkeit

Aufgrund der miesen Wetterbedingungen mit Nebel und Regen konnte die neue 1090 Adventure anlässlich der kurzen Testfahrt ihre wahren Qualitäten nur sehr bedingt ausspielen. Die respektable Sitzhöhe von 85 Zentimetern passt für Fahrer mit Gardemaß bestens. Die weitgehend aufrechte Sitzposition mit moderat angewinkelten Beinen ist entspannt und bequem. Handprotektoren und eine manuell höhenverstellbare Scheibe tragen maßgeblich zum insgesamt guten Wetterschutz bei. Der Motor glänzt mit sauberer, gut dosierbarer Gasannahme, mit kraftvoller Beschleunigung aus dem Drehzahlkeller und toller Drehfreude im oberen Bereich. Die Traktionskontrolle regelt im „Rain“-Modus dermaßen sanft, dass man ihr Eingreifen kaum spürt und meist lediglich aufgrund der blinkenden Kontrolllampe realisiert. Die neue KTM 1090 Adventure bietet alles, was zu einer echten Allround-Reiseenduro gehört. Mir zumindest hat es auf der Probefahrt an nichts gemangelt.
KTM 1090 Adventure 2017-2018
KTM 1090 Adventure
2017-2018
Motor
Bohrung x Hub 103 x 63 mm
Hubraum 1050 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 4
Leistung 125 PS (92 kW) bei 8500 U/min
Drehmoment 109 Nm bei 6500 U/min
Verdichtung 13:1
Höchstgeschwindigkeit über 200 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion bei 1000 km, danach alle 15000 km oder jährlich
Kraftübertragung
Kupplung Anti-Hopping-Kupplung
Schaltung 6-Gang
Antrieb X-Ring-Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Gitterrohrrahmen
Federelemente vorn 43 mm Upside-Down-Gabel
Federelemente hinten Federbein
Federweg v/h 185 mm / 190 mm
Radstand 1560 mm
Lenkkopfwinkel 26°
Räder Aluminiumgussräder
Reifen vorn 110/80 R 19
Reifen hinten 150/70 R 17
Bremse vorn 320 mm Doppelscheibenbremse, Vierkolben-Radialfestsättel
Bremse hinten 267 mm Einscheibenbremse, Zweikolben-Festsattel
Maße & Gewicht
Gewicht 228 kg
Sitzhöhe 850 mm
Tankinhalt 23 Liter
Fahrzeugpreis 12895 €
Text: Hanspeter Küffer , Fotos: Marco Campelli & Sebas Romero


#KTM#Sporttourer#Test

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