Fahrtest: Mash Five Hundred

Die Mash Five Hundred sieht den Motorrädern des Motorradmittelalters ziemlich ähnlich. Mit dem Design von damals kann man heute wieder richtig Anerkennung finden.
Mash Five Hundred Fahrtest
Björn Schmüser könnte der Verkäufer des Jahres für die französische Firma France Equipement werden. Er ist nämlich kurz davor, in den zweistelligen Prozentbereich beim Verkauf des Spitzenproduktes der Franzosen vorzudringen. Seine Firma heißt „Vollgas“ und liegt im schleswig-holsteinischen Tensfeld.


Bestes Pferd im Stall ist die „Mash Five Hundred“, ein Motorrad, das gar nicht so recht in Björns Produktpalette passt, die sich vor allem aus Moto-Cross und Trial-Maschinen zusammensetzt, denn Tensfeld ist in der norddeutschen Tiefebene mit seiner Moto-Cross Strecke eine Hochburg des Geländesports. Trotzdem präsentiert der stolze Eigentümer uns enthusiastisch sein „Flaggschiff“: die 500er Mash. Das Motorrad wird zwar von Frankreich aus vertrieben, ist aber eigentlich ein chinesisches Produkt. Der erste Eindruck ist ja bekanntlich der wichtigste und wer ein wenig Sinn für Motorradtradition hat, also sozusagen old-school ist, wird sofort eine gewisse Begeisterung in sich spüren.
Mash Five Hundred Motor
Denn da steht ein Motorrad, das denen des Motorradmittelalters ziemlich ähnlich sieht. Ich fühlte mich sofort an die Ikone Yamaha SR 500 oder die Honda XBR 500 erinnert, von der auch der Mash-Motor abstammt. Das Aggregat ist ein lizenzierter Nachbau des Honda Bestsellers. Mit dem Design von damals kann man allerdings heute wieder richtig Anerkennung finden. Jetzt nennt man diese Kategorie der leichten bis mittelschweren Maschinen Café Racer, was sie offensichtlich bei den jungen Leuten wieder attraktiv macht – sofern sie eine Höckersitzbank haben.
Mash Five Hundred Fahrbild

Geschmeidiges Fahrverhalten

In Frankreich, bei France Equipement, ist man jedenfalls recht zufrieden mit den bisherigen Absatzzahlen. Vor allem, weil die Marke Mash erst seit rund zweieinhalb Jahren auf dem Markt ist. Die „Mash Five Hundred“ ist übrigens gar keine 500er, der Motor hat nur genau 397 ccm. Damit leistet der Viertakter 27 PS (19,5 kW) bei 7000 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute. Mit dieser Leistung kommt das Triebwerk auf ein maximales Drehmoment von 30 Newtonmetern bei 5500 Umdrehungen. Was für ein wunderbares Gefühl, auf einem neuen Motorrad zu sitzen, mit dem man sofort losfahren kann. Keine stundenlange Einweisung in die Möglichkeiten von computergesteuerten Fahrmodi oder sonstigem elektronischen Gedöns. Ich werfe den Motor, aus nostalgischen Gründen versteht sich, mit dem Kickstarter statt mit dem ebenfalls vorhandenen elektrischen Anlasser an.
Mash Five Hundred Sitzbank
Das Motorrad läuft auf Anhieb. Beschwingt fahre ich vom Hof und folge der Straße in Richtung des nächsten Gewässers, dem circa 200 Hektar großen Stocksee. Die Testfahrt führt mich durch die wunderschöne, liebliche Natur der schleswig-holsteinischen Seenplatte. Die beruhigende, malerische Hügellandschaft passt bestens zu der Charakteristik meines Testobjektes. Es läuft geschmeidig und bedarf nicht zu vieler Schaltvorgänge, um die Maschine auf Touren zu halten. Dabei hilft auch das akzeptable Gewicht von 151 Kilogramm (leer). Gut, ich habe mit meinen fast 1,90 Metern Körpergröße schon bequemer auf Motorrädern gesessen, aber für den Fahrer mit Durchschnittsgröße ist alles paletti. Die Sitzhöhe beträgt für diese Kategorie übliche 780 Millimeter. Die Sitzbank ist ausreichend lang und ordentlich gepolstert. Auf Landstraßen zweiter Ordnung kommt der Federungskomfort insgesamt allerdings schnell an seine Grenzen. Ich bin dem Motorrad gegenüber ohnehin recht wohlwollend gestimmt und neige zur Toleranz, was kleinere Mängel angeht. Der Preis ist nämlich unschlagbar: Das Motorrad kostet nur schlanke 4650,- Euro. Dafür muss man allerdings an manchen Stellen, wie beispielsweise einigen Schweißnähten, die nicht sauber verarbeitet sind, einige Abstriche machen.
Mash Five Hundred Fahrbild

Etliche Möglichkeiten zur Individualisierung

Die Mash 500 wird über eine Kette angetrieben, die Zündung erfolgt elektronisch und die Schaltung ist recht weich, aber doch präzise. Die Gemischaufbereitung übernimmt eine Einspritzanlage. Der Spritverbrauch wird vom Hersteller mit bescheidenen 3,5 Litern auf 100 Kilometern angegeben und es bietet sich kein Grund, an den Angaben zu zweifeln. Toleranz ist besonders bei den Bremsen gefragt. Da gibt es heutzutage besser zupackende Verzögerungstechnik. Vorne verrichtet eine Bremsscheibe ihre Arbeit, hinten ist eine Trommelbremse verbaut. Ein ABS ist also folglich nicht vorhanden. Auf jeden Fall fühle ich mich im Kurvengewirr der norddeutschen Tiefebene pudelwohl auf dem Gefährt. Jedenfalls im Prinzip – den montierten chinesischen Reifen ist erfahrungsgemäß nicht viel zuzutrauen. Was die Bereifung angeht, sollte man auf jeden Fall beim Kauf des Motorrades nach Alternativen fragen. Mittlerweile gibt es für das Motorrad auch schon etliche Zubehörteile zur heutzutage üblichen Individualisierung von fahrbaren Untersätzen. Dazu gehören für die Mash diverse Sitzbänke, eine Gepäckbrücke oder speziell gestaltete Helme. Ab dem Jahr 2017 soll die Five Hundred dann auch mit ABS und einer neuen Einspritzung von Delphi ausgeliefert werden. Auch die kleineren 125 ccm und 250 ccm Modelle erhalten ein kombiniertes ABS sowie eine euronormgerechte Einspritzung. Die Erfolgskurve der Mash-Anbieter wird vermutlich noch weiter in die Höhe gehen, zumal die „Five Hundred“ noch eine etwas edlere Schwester bekommen hat. Die „Scrambler“ ist auf den ersten Blick an der graphit-orangefarbenen Lackierung zu erkennen. Die Sitzbank ist 10 Millimeter höher und damit auch besser gepolstert und über dem etwas kleineren Scheinwerfer ist eine Startnummernplatte montiert. Auf diesen Augenschmaus werden sicher noch etliche Café Racer-Fahrer abfahren. Die „Scrambler“ kostet etwas mehr, liegt aber immer noch bei sparsamen 4995,- Euro.
Mash Scrambler Static
Die Mash Scrambler

MASH Five Hundred 2016-2020
MASH Five Hundred
2016-2020
Motor
Bohrung x Hub 85 x 70 mm
Hubraum 397 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Einzylinder, luftgekühlt, 4 Ventile
Leistung 27 PS (20 kW) bei 7000 U/min
Drehmoment 30 Nm bei 5500 U/min
Verdichtung 8,8:1
Kraftübertragung
Schaltung 5-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Federelemente vorn 43 mm Telegabel
Räder Speichenräder
Reifen vorn 100/90 - 19
Reifen hinten 130/70 - 18
Bremse vorn 280 mm Scheibenbremse
Bremse hinten 160 mm Trommelbremse
Maße & Gewicht
Länge 2130 mm
Breite 740 mm
Höhe 1130 mm
Gewicht 151 kg
Sitzhöhe 780 mm
Tankinhalt 13 Liter
Weitere Baujahre dieses Motorrads 2021
Fahrzeugpreis 4650 €
Text: Walter Hasselbring , Fotos: Mash


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