Fahrtest: Suzuki V-Strom 1000XT - Modelljahr 2017

Seit nunmehr 15 Jahren repräsentiert Suzukis V-Strom 1000 den goldenen Mittelweg im Reiseenduro-Segment zwischen den leichten 800ern und den potenten 1200ern.

Der 2017er-Modelljahrgang ist wahrhaftig unglaublich ertragreich: Jeder Motorradhersteller schiebt spektakuläre neue Modelle an den Start, die mit unglaublicher Strahlkraft die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch wer genau hinsieht, entdeckt außerhalb dieser hellen Lichtkegel am Rande des Geschehens einige bekannte Modelle, die im Rahmen der unvermeidlichen Neuhomologation für Euro 4 mit wohlfeilen Maßnahmen ein Stückchen besser gemacht werden.

Das vierte Update seit der Premiere

Ein Paradebeispiel dafür ist die Suzuki V-Strom 1000, die mit dem vierten Update seit der Premiere im Jahr 2002 antritt und mit der V-Strom 1000XT eine speichenrädrige Variante mit geländefreundlichem Erscheinungsbild zur Seite gestellt bekommt. An der grundlegenden Formensprache hat sich gegenüber der letzten Überarbeitung 2013 nicht viel geändert. Nur die neue Front fällt ins Auge: Der Hauptscheinwerfer mit vertikal angeordneten Leuchten ist spürbar schmaler geraten, auch der Schnabel läuft spitzer zu und verleiht der Tausender eine sportlichere Note.

Den Unterschied zur Standardversion begreift der XT-Fahrer im Wortsinne auf Anhieb: Der breite, konische Lenker steigert den Besitzerstolz und vermittelt zusammen mit der etwas schmaleren Sitzbank sehr viel Kontrolle über die 233 Kilo schwere Tausender. Für 2017 kommt der Fahrsicherheit neben der bekannten zweistufigen, sportlich abgestimmten Traktionskontrolle das neue Schräglagen-Kombi-ABS zugute: Gesteuert über einen Gyrosensor wird hier die Bremskraft moduliert und das Hinterrad beim Betätigen der Vorderbremse mit aktiviert. Das funktioniert unauffällig, aber effektiv, und ohne das Aufstellmoment zu vergrößern. Die Integration des Schräglagensensors hat sich damit auch schon erledigt, denn die denkbare Verwendung dieser Daten für die Traktionskontrolle hat Suzuki noch nicht appliziert. Man will sich wohl noch Luft für die nächste Modellpflege lassen.

Ungeachtet dessen benimmt sich die Suzuki im Kurvenrevier tadellos und angenehm leichtfüßig und bleibt auch auf weniger ebenem Asphalt hinreichend stabil. Selbst auf nassem Untergrund biegt sie erstaunlich schräg durchs Kurvenrevier und signalisiert dem Piloten, stets noch reichlich Reserven in petto zu haben.

Zwei Newtonmeter weniger aber keine „Pferdcheneinbußen“

Gefördert wird dieses Vertrauen durch den ehrlichen, bulligen Charakter des 1.037 Kubikzentimeter großen V-Twins. Gegenüber dem letzten Jahr hat der Motor bei 101 Nm zwar zwei Newtonmeter Drehmoment, aber keines seiner 101 Pferdchen eingebüßt. Die gut kontrollierbare Leistungsabgabe und das breite nutzbare Drehzahlband machen das mehr als wett, dazu gibt es die neuen Fahrhilfen „Low RPM Assist“ – Drehzahlanhebung beim Einkuppeln – und „Easy Start System“: Dabei übernimmt die ECU auf einen Druck auf den Anlasser den Startprozess. Die verbesserte Ausstattung umfasst nun ein größeres Windschild, das sich während der Fahrt dreifach in der Neigung, mit Werkzeug auch zusätzlich dreifach in der Höhe verstellen lässt. Außerdem sind die Cockpitanzeigen und Einstellungen der Traktionskontrolle nun vom Lenker aus über eine logische Tastatur bedienbar – die praktische mittige Bordsteckdose besaß bereits die Vorgängerin.

Mit der attraktiven XT-Version der V-Strom 1000 hat Suzuki den Reiseenduro-Gedanken konsequent weitergesponnen und mehr als bloß einen SUV auf zwei Rädern weiter­entwickelt. Optisch hätte man sich in Form von modernen Zutaten wie LED-Blinkern noch ein wenig Feinschliff gewünscht, die bei knapp 13.000,-- Euro eigentlich erwartet werden dürfen. Am puren Fahrspaß gibt’s hingegen nichts zu kritteln.
Suzuki V-Strom 1000XT 2017
Suzuki V-Strom 1000XT
2017
Motor
Bohrung x Hub 100 x 66,66 mm
Hubraum 1037 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 4
Leistung 101 PS (74 kW) bei 8000 U/min
Drehmoment 101 Nm bei 4000 U/min
Verdichtung 11,3:1
Höchstgeschwindigkeit über 200 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion bei 1000 km, danach alle 12000 km oder jährlich
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Ölbad
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Brückenrahmen, Motor mittragend
Federelemente vorn 43 mm Upside-Down-Gabel
Federelemente hinten Zentralfederbein
Federweg v/h 160 mm / 160 mm
Radstand 1555 mm
Nachlauf 109 mm
Lenkkopfwinkel 25,4°
Räder Speichenräder
Reifen vorn 110/70 R 19
Reifen hinten 150/70 R 17
Bremse vorn 310 mm Doppelscheibenbremse, Vierkolben-Festsattel
Bremse hinten 260 mm Einscheibenbremse, Einkolben-Schwimmsattel
Maße & Gewicht
Länge 2280 mm
Breite 930 mm
Höhe 850 mm
Gewicht 232 kg
Maximale Zuladung 208 kg
Sitzhöhe 850 mm
Tankinhalt 20 Liter
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Fahrzeugpreis 12999 €
Text: Dirk Bertram , Fotos: Suzuki


#Suzuki#Test

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