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Kawasaki Z900: Smarte Evolution

20.05.2020 14:38

Bestseller haben es nicht immer leicht. Sie müssen sich treu bleiben, aber auch mit der Zeit gehen – und das bitte ohne sich dabei allzu sehr zu verändern. Evolution statt Revolution lautet dafür neudeutsch die Gleichung. Oder anders gesagt: besser werden, ohne radikal anders zu sein.
Übertragen auf die Fahrdynamik der neuen Kawasaki Z900 bedeutet das: satterer Sound und weniger Schadstoffausstoß bei gewohnt fulminanter Leistung. Die meistverkaufte Kawa stürmt auch nach ihrem großen 2020er-Update mit 125 PS und knapp 100 Nm über die Straßen. Handling und Beschleunigung sind wie gehabt famos. Nicht umsonst ist die Z900 die Nummer eins der großen Supernakeds – und die Nummer drei der deutschen Zulassungs-Hitliste.
„Spaß und leicht zu fahren“, das ist das so simple wie erfolgreiche Konzept der Z-Baureihe. Mehr als 32.000 Einheiten hat Kawasaki in den vergangenen vier Jahren von seiner 900er unters kurvenbegeisterte Volk gebracht. Referenzmodell für die 2020er-Generation ist die ausgesprochen agile Z900 von 2017. Und so viel sei nach den ersten 250 Testkilometern vorab schon mal verraten: Die Neuauflage legt in vielen Belangen noch eine Schippe drauf.

Neuer Scheinwerfer mit Voll-LED-Technik

Optisch und technisch hat Kawasaki das extrovertierte Z-Sugomi-Design mit feiner Feder nachgeschärft: Der neu gestaltete Scheinwerfer arbeitet jetzt mit Voll-LED-Technik, was für eine deutlich bessere Lichtausbeute sorgt und optisch mehr hermacht. Rechts und links wird der Hightech-Spot von LED-Positionsleuchten flankiert, die wie Fangzähne wirken. Das betont den herrlich bösen „Schnapp-happ-dich“-Look der Z-Baureihe.
Vier Farbmixe haben die japanischen Designer komponiert für die extrovertierte Z900. Metallic Spark Black ist bei allen Lackierungen als Grundton gesetzt. Als auffälliger Kontrast kommen wahlweise Metallic Graphite Gray oder Pearl Blizzard White hinzu, jeweils in Kombination mit kawagrünem Rahmen. Fans dezent gestalteter Gitterrohrrahmen sollten zur Farbe Candy Lime Green oder Metallic Flat Spark Black greifen; hier ist das Z900-Skelett schwarz wie der Motor.
Tankabdeckung, Unterflurblenden und die silberne Achsenabdeckung sind jetzt kompakter geformt, meldet Kawa­saki. Die Aufnahme der Hinterradschwinge am Rahmen wurde sichtbar verstärkt, die Einstellung der vorderen und hinteren Federung dementsprechend angepasst.

Neues TFT-Display im Versys-Look

In puncto Elektronik haben die Japaner im Stil ihrer Versys 1000 SE nachgelegt: 4,3-Zoll-TFT-Farbdisplay, Smartphone-­Anbindung über Kawasakis Ride­ology-App, dazu gibt es ab Werk vier Fahrmodi (Regen, Straße, Sport, Rider/individuell) und die dreistufige Kawasaki Traction Control (KTRC). Neu im Z900-Zubehör-Programm (und erstmals bei Kawasaki): ein USB-Anschluss unter der Sitzbank.
Die Leistung der Z900 kann übers Bordmenü von Full Power auf Low Power gedrosselt werden. Dann liegen nur noch 69 PS an, circa 55 Prozent der vollen Leistung, was in der Stadt oder auf schlechtem Untergrund dem einen oder anderen mehr Sicherheit verleihen mag.
In beiden Leistungsstufen tragen überarbeitete Kupplungsdämpferfedern zu einer weniger ruppigen Beschleunigung bei als beim Vorgängermodell. Auch das Abbremsen beim Gaswegnehmen fällt jetzt sanfter aus.
Die Leistung der alternativ angebotenen Z900 mit 70 kW (95 PS) ließen die Ingenieure ebenfalls unangetastet. Lediglich der A2-konformen Version mit 35 kW (48 PS) spendierten sie mehr Power im unteren und mittleren Drehzahlbereich.

Leichtgängige Kupplung

Kuppeln ist grundsätzlich ein großer Spaß auf der Z900. Die sechs Gänge rasten präzise ein, der Kupplungshebel lässt sich locker-leicht mit zwei Fingern ziehen. Schön wäre ein Quickshifter, aber den gibt es bislang nicht für die Z900 (außer im freien Zubehörhandel als Universallösung). Gleiches gilt für selbstrückstellende Blinker.
Das Traktionskontrollsystem kann über die Select-Taste links am Lenker je nach Vorliebe abgestuft werden. Stufe eins ist für sportlich-ambitionierte Fahrer gedacht: Sie maximiert die Antriebskraft des Hinterrads und vereinfacht die Beschleunigung aus Kurven heraus. Stufe zwei bietet einen Mix aus Sportsgeist und höherem Sicherheitsgefühl. Stufe drei greift am stärksten ein. Ist die Drehzahl des Hinterrads höher als die des Vorderrads, wird die Motorleistung zurückgenommen, bis hinten wieder solide Traktion anliegt. Durch die Verbindung von Traktionskontrolle und „Power Modes“ kann der Fahrer den manuellen Rider-Modus selbst konfigurieren. KTRC auf Stufe eins, zwei, drei oder ganz aus, dazu Full oder Low Power, ganz nach Belieben oder Fahrsituation. Die Fahrmodi werden wie bei der Kawasaki Versys 1000 SE durch längeres Drücken der Wippe am linken Lenkerende aktiviert. Beim Fahren muss der Gasgriff dafür geschlossen sein. Nach gefühlten ein bis zwei Sekunden ist der Wechsel vollzogen.

Hohes Sitzpolster jetzt Serie

Die Sitzposition auf der Z900 ist sportlich entspannt, der Kniewinkel für Fahrer um 1,80 Meter ideal. Die Sitzhöhe wurde minimal verändert: Bislang war das flachere der beiden erhältlichen Sitzkissen Serie, das höhere gab es optional. Jetzt ist es umgekehrt. Die Sitzhöhe klettert dadurch auf 820 mm. Für den Beifahrer gibt es auf Wunsch ein dickeres Polster (+ 20 mm). Hinten drauf gilt nach wie vor: Ein gewisse Leidensfähigkeit (und Gelenkigkeit) kann nicht schaden. Sozius oder Sozia kauern hoch über dem Asphalt auf wenig Raum.
Ob solo oder zu zweit: Der Fahrer hat leichtes Spiel mit der Z900. Die Kawa gehört zu der Kategorie Bikes, die einem bereits beim ersten Aufsitzen das Gefühl gibt, man würde schon ewig mit diesem Motorrad fahren. Angenehm breiter Lenker, schön tief ins Bike integrierte Sitzposition, idealer Schwerpunkt, gut ablesbarer TFT-Bildschirm. Alles passt wie selbstverständlich und schafft auf Anhieb Vertrauen. Für adäquate Verzahnung mit dem Asphalt sorgen die neuen Dunlop Sportmax Road­sport 2-Reifen. Rein in die Kurven geht es spielerisch leicht. Die Kawa verlangt null Kraftaufwand vom Fahrer, gute Blickführung reicht, dann huscht die Z900 wie von allein von Scheitelpunkt zu Scheitelpunkt. In diesem Punkt ist sich Kawasakis „most wanted bike“ absolut treu geblieben. Wie es sich gehört für Bestseller.

Fazit: Die unkomplizierte Z900 ist aus gutem Grund eines der meistgekauften Motorräder in Deutschland. Das Update hat Schwachstellen wie die fehlende Traktionskontrolle beseitigt. „Wir haben auf die Kritik und Anregungen der Presse und der Kunden gehört“, sagt Michael Resch, Kawasakis oberster Kommunikator. Good job, man.
Text: Ralf Bielefeldt , Fotos: J. Wright, Ula Serra

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