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Lärmstudie Tirol - Mehrheit gegen Fahrverbote!

28.06.2020 18:10

Motorradfahrverbote begründet durch Motorradlärm sind vielerorts ein großes Thema dieser Tage. Das Land Tirol gab dazu eine Studie in Auftrag mit überraschenden Ergebnissen.
In Tirol, im Lechtal, herrschen seit 10.06.20 einige Motorradfahrverbote begründet mit anhaltendem Motorradlärm. Sie gelten für Motorräder, die ein Standgeräusch von 95 dB(A) gemäß Fahrzeugschein überschreiten.
Folgt man der Argumentation der Landesregierung Tirols, so ist ihre Lärmstudie, für die keine Kosten gescheut wurden (Schätzungen gehen von einer mittleren sechsstelligen Summe aus), Grundlage eben dieser Entscheidung. Pausenlos wird zum Besten gegeben, dass eine Verkehrsberuhigung durch Verkehrskontrollen und Verkehrssicherung nicht ins Budget passen würde, eine "Einmal-Studie" ohne nachhaltigen Effekt kann aber problemlos als Prestigeobjekt durchfinanziert werden. Ob ich eine Studie brauche, um festzustellen, dass Anwohner sich von täglich bis zu 3.500 Motorrädern vor der eigenen Haustür gestört fühlen, darf man gerne bezweifeln. Das Ganze - schön untermalt mit zahlreichen Grafiken, Diagrammen und Schaubildern - liefert doch am Ende nur das Resultat dessen, was man schon weiß. Dass Motorräder Geräusche von sich geben und alleine baubedingt bereits lauter wahrgenommen werden als andere Verkehrsteilnehmer, das überrascht wohl niemanden. Dass lautere Fahrzeuge mehr nerven als leisere ist ebenso wenig der Redr.

Tiroler lehnen generelle Fahrverbote ab - nur 12,6% befürworten generelle Fahrverbote

Vollends fehlt in der Studie der Fakt, dass die richtig lauten Krawallbrüder entweder zu schnell oder eben illegal unterwegs sind. Der Lösungsansatz diese aus dem Verkehr zu ziehen, stünde bei den Bürgern hoch im Kurs. So sind 83,5% der Tiroler Bürger für strengere Kontrollen, aber nur 12,6% würden für ein generelles Fahrverbot stimmen. Auch Wochenendefahrverbote für Motorradfahrer sehen gerade einmal 28,7% als Lösung. Das Thema "illegal" wird in der Studie überhaupt nicht beachtet. Es heisst "Motorradfahrer", "zu laute Motorräder" oder eben "Motorradlärmbelästigung".
Die Definition, was ein zu lautes Motorrad ist, fehlt vollends. Dass dies ein legal erworbenes, homologiertes und der aktuellen Euro-Norm entsprechendes Bike sein kann, steht dort nicht. Die Studie ist somit von A bis Z wertlos. Die Fragen sind suggestiv und ohne klare Aussage. So dreht es sich bei mehreren Fragen um "zu laute" Motorräder. Was aber "zu laut" bedeutet, das wird nicht gar nicht genauer definiert. Eine Farce also. Dass es sich dabei um legal zu gelassene Bikes handelt, war den befragten sicherlich nicht bewusst. Bei ersten Kontrollen konnte die Polizei exakt zwei Motorräder per Kontrolle finden, die "zu laut", also lauter als in den Papieren angegeben waren.

Tiroler Bürger halten Motorrad-Fahrverbote mehrheitlich für eine Diskriminierung

Die 43 seitige-Kurzvariante dieser Studie lässt eine ordentliche Portion Interpretationsspielraum. Sofern man dieser folgt, halten die representativ befragten Tiroler Bürger nicht viel von Streckensperrungen. Im Gegenteil. 55% und somit eine Mehrheit der befragten Tiroler sehen Fahrverbote für Motorradfahrer gar als "unzulässige Diskriminierung" an.

Motorgeheul und Raserei stört die Tiroler

Schlauer wird man, wenn man sich anschaut was die Bürger Tirols an Motorradfahrern stört. Hauptkritikpunkte der Tiroler am Motorradfahren sind:
- Hochtouriges Fahren („Aufheulen“) bei Beschleunigungs- und Bremsvorgängen
- zu schnelles/rücksichtsloses Fahren

Wie die Landesregierung Tirol anhand dieser Basis auf die Idee kommt, eine Standgeräuschlimitierung auf 95 dB(A) würde diese Probleme in irgendeiner Weise lösen, konnte man uns auch auf Nachfrage leider nicht verraten. Ein niederfrequentes Brummen beispielsweise stört über 83% der befragten Tiroler nicht. Dies dürfte unter anderem Besitzer von Big Twins enorm ärgern, liegen sie doch zumeist über der 95-dB(A)-Grenze, obwohl sie als deutlich weniger störend empfunden werden.

Tiroler möchten Biker lieber erziehen als sie zu verbannen

80,6% der Tiroler, und somit eine überwältigende Mehrheit, sprechen sich dafür aus, bei Motorradfahrern das Bewusstsein zu wecken, unnötigen Lärm zu vermeiden und Rücksicht zu nehmen.
Ein Wunsch, den man sicher nachvollziehen und verstehen kann. Kommunikation und nachhaltige Lösung der Probleme ist genau der richtige Ansatz.

Fazit: Teure Studie - schlampige Umsetzung, die nur Verlierer kennt

Am Ende scheitert es an der Umsetzung der Politik. Die Tiroler wünschen sich strengere Kontrollen für "zu laute" Motorräder und ebenso Fahrverbote für "zu laute" Fahrzeuge. "Zu laut" impliziert schon bei der Fragestellung einen Gesetzsverstoß, so wie "zu schnell",also schneller als erlaubt. Von daher ist das sicherlich eine verständliche Forderung. Ansonsten kann man den Tirolern keinen Vorwurf machen. Die Studie zeigt bei genauerer Betrachtung dass die Tiroler freiheitlich denkende Menschen sind, die auch eine ordentliche Portion Verständnis und Wertschätzung für Motorradfahrer aufbringen. Diese Studie ist als Grundlage für die ausgesprochenen Verbote nicht geeignet, zeigt sie eigentlich, dass genau dies so nicht gewollt ist.
Somit gibt es bei dieser Regelung nur Verlierer. Zum einen sind da natürlich die Biker, die alle Normen und Vorschriften einhalten und nun doch einige Straßen nicht befahren dürfen. Auch sind die Motorradhotels zu nennen. Am Ende leiden hier alle Hotels in Tirol, auch wenn Sie nicht um direktem Umkreis zum Lechtal gelegen sind. Nicht wenige erleben geradezu einen Shitstorm einhergehend mit einer Stornowelle. Findet sich nur ein Biker pro Gruppe, der den Grenzwert nicht einhält, wird natürlich storniert. Der Schaden dürfte immens sein. Und zu guter Letzt sind es die Anwohner, denen nach ersten Erkentnissen auch nicht mit einer Lärmreduzierung geholfen scheint. Am Ende steht ein Verbot nach dem eigentlich so keiner gefragt hat.

Text: Jürgen Hitzfeld , Fotos: M&R Archiv

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