Reifentest: Michelin Road 5 Trail

09.10.2020 12:49

Michelin den Road 5 Trail

Neben der Standardvariante des Road 5 hat Michelin für Großenduros den Road 5 Trail im Programm. Dem Reifen eilt der Ruf voraus, ein eher sportlicher Vertreter zu sein. Auch Michelin selbst stuft ihn als einen auf Performance ausgelegten Pneu ein. Sein Neuprofil ist mit 4,5 mm vorne und 6 mm hinten hingegen eher auf Tourenreifenniveau. 

Mit dem Michelin Road 5 Trail für jede Wetterlage gerüstet

Die 2CT(+)-Mischung wurde vom Road 5 übernommen, aber insgesamt weicher ausgelegt. Somit ist alles gegeben, um grandiosen Grip und damit Fahrspaß auf der Straße zu garantieren. Unser Test in den Salzburger Tauern zeigen, dass diese Rechnung aufgeht. Hier musste der Reifen vom gemütlichen Cruisen bis zum ambitionierten Kurvenhetzen alles mitmachen. Selbst bei einstelligen Temperaturen ist kein unangenehmes Rutschen zu registrieren. Enge Kehren, kurzes kräftiges Anbremsen, Herausbeschleunigen aus Schräglage – der Trail überzeugt. Das neutrale Handling, das der Reifen vermittelt, liegt immer im Wohlfühlbereich des Fahrers. Sein Aufstellmoment fällt erfreulich gering aus. Bei höheren Temperaturen in der Toskana beeindruckt der Gummi ebenfalls und klebt auf der Gasse. Schnelle Wechselkurven gehen spielend von der Hand. Intuitiv und spielerisch lässt sich die große BMW R 1250 GS damit in die Kurven werfen. 

Für die Straße ausgelegt

Dass der Reifen auf den großen KTM’s entwickelt wurde, merkt man ihm an, wenn man sich die Optik anschaut. Während diese Bikes hinten auf 5-Zoll-Felgen unterwegs sind, spendiert BMW nur 4,5 Zoll. Dadurch wirkt der Michelin Road 5 Trail hinten sehr schmal, was seiner Performance aber keinen Abbruch tut. Ihn bis zum Rand zu fahren, ist allerdings eine Herausforderung.
Seine Eigendämpfung ist sehr gut. Michelin rät sogar mit dem Luftdruck je nach Einsatz und Vorliebe zu spielen, um den Pneu für sich zu „individualisieren“. Der Trail ist als reiner Straßenreifen konzipiert und das kann er perfekt. Natürlich gelingt damit, wie mit jedem anderen Gummi auch, mal der Ritt über eine nicht asphaltierte Straße, wie wir sie in der Toskana oft vorgefunden haben, aber den „Geländeeinsatz“ sollte man ihm nicht zumuten. Wer sich öfter in unwegsamen Regionen bewegt, sollte auf andere Reifen setzen.

Nässegrip

Der Grip bei Nässe und Regen ist erwartungsgemäß so gut, dass erhöhter Puls beim Fahren ausbleibt. Ein Garant dafür ist neben der Gummimischung die XST-Evo-Technologie, die auch für das eigenwillige Profil verantwortlich ist. Lamellen und Reservoirs im Profil des Reifens sorgen dafür, dass Wasser schnell abgeführt wird. Die Lamellenkanäle verbreitern sich mit steigender Laufleistung so dass auch bei einem abgefahrenen Reifen eine optimale Wasserableitung gewährleistet ist. 

Gute Laufleistung

Performance kann er, Regen kann er. Aber bei einem Gummi auf einer Großenduro, die für Touren ausgelegt ist, ist das Verhältnis von Grip zu Laufleistung ebenfalls wichtig. Durch die weiche Mischung ist nicht zu erwarten, dass der Pneu die Laufleistung eines Bridgestone A41 erreicht. Nach 3.800 km hat er aber noch ordentlich Profil: vorne 3,5 mm, hinten 4,5 mm. Somit ist eine Laufleistung um 8.000 bis 9.000 km erreichbar. Ein guter Wert. Natürlich ist sie fahrerabhängig und der eine oder andere radiert ihn möglicherweise bereits nach 4.000 km runter, das soll aber nicht der Maßstab sein.
Viel wichtiger ist: Der Grip lässt auch nach knapp 4.000 km nicht nach. Mit allen Fahrfacetten, die man auf Landstraßen und Autobahnen erleben kann, ist mit dem Michelin Road 5 Trail jeder gut beraten, der einen sportlichen und dennoch haltbaren Reifen für seine große Reisenenduro sucht.

Testmotorrad: BMW R 1250 GS
Text: Stefan Sack , Fotos: Stefan Sack

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