Bayerischer Wald & Co. – Dreiländereck

Zur Motor­rad­traumregion im Grenzgebiet von Bayern, Österreich und Tschechien gehören die Flussauen von Moldau und Donau.
Nick Lass
Nick Lass
Blutwurz heißt das – Ent­schul­di­gung – hochprozentige Zeug, wel­ches stets brennend serviert, die Sin­ne subito in jeder Hin­sicht auftaut und überhaupt eine woh­­­­lige Wärme im ganzen Körper ver­­breitet. „Komm Gitti, gib uns bitte noch vier“, ruft unser bestens gelaunter Don Giovanni, der einst als Jo­hann im schönen Südtirol das Licht der Welt erblickte und schon deshalb auf die provokative Übersetzung seines Namens ins Ital­ienische bestens verzichten kann. Noch lieber hört er allerdings auf seinen üblicherweise ver­­wen­deten Rufnamen, der da Hansi lau­tet. Hans (ohne i) Auer schüttelt sich da schon ein wenig: „Mach langsam, dieser Blutwurz hat es in sich!“ Ludwig schmun­­­zelt nur und fügt hinzu: „Ei­gentlich kennen mich alle meine Mo­tor­radfreunde nur als Luggi“. Der Vierte im Bunde bin dann noch ich, Frank, der dafür sorgt, dass dieser Text zu Papier gebracht wird und man mittels der Fotos einen optischen Eindruck von unserer absoluten Traumtour be­kommt.
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Die führt dann – Luggi immer vorne weg – von Bernried erst einmal in Richtung Deggendorf. Wir brauchen dringend Benzin und dort findet sich eine der im Bayerischen Wald inzwischen recht rar gewordenen Tank­stel­len. Letzteres liegt übrigens am aus­ufern­den Tanktourismus Richtung Tsche­­chi­en und Österreich. „Dazu habe ich neulich einen Wirt­schafts­pro­fessor im Radio ge­hört“, meint Lug­gi und fügt hin­zu: „Der fixierte den effektiven Steu­er­aus­fall für Deut­sch­land durch Ein­füh­rung der Öko-Steuer auf satte vier Mil­lia­r­den Euro pro Jahr – finanzielle Schä­den der in den Grenz­ge­bie­ten un­­schuldig pleite gegangenen Tank­­stellen nicht einmal mit be­rechnet.“ „Das war den Öko­steuererfindern sicher egal“, antwortet Hansi, „wenn sie sich mit dieser zum Zeit­geist passenden Abgabe ein Denkmal setzen konnten!“ Ökologisch sinnvoll ist es obendrein auch nicht, wenn man wegen dramatischer Preis­un­terschiede von bis zu 30 Cent, das waren einmal 60 Pfennig (so viel hat ein Liter Sprit gekostet, als wir da­mals den Führerschein gemacht ha­ben), ‘zig Kilometer unnötig und Zeit verschwendend durch die Ge­gend fährt. Dazu passt eine andere Zahl aus dem Ra­dio: Knapp 30 % der die Luft belastenden Emissionen des allgemeinen KFZ-Verkehrs in Österreich entstammen dem Tanktou­ris­mus.
Motorradherz, was willst Du mehr? In Tschechien sausen wir auf leeren Straßen an der Moldau entlang Richtung Süden
Motorradherz, was willst Du mehr? In Tschechien sausen wir auf leeren Straßen an der Moldau entlang Richtung Süden
Von Deggendorf rollen wir also voll­­getankt über Schaufling, Schön­berg und Philipps­reut nach Tsche­chi­en. Wol­len dort dem Ver­lauf der Mol­dau (in Tschechien Vlta­va genannt) folgen. Klappt aber zu­nächst nicht, weil uns im­mer wieder klei­ne Straßen locken, die al­le­ im über 69.000 ha großen National­park Šumava en­den. Immerhin lernen wir so eine gran­diose Land­schaft kennen, der man schon auf den ersten Blick an­sieht, dass Men­­schen­hände hier schon länger nicht mehr richtig ein­grei­fen. Šumava ist zudem eines der ältesten Gebirge in Europa und wird hauptsächlich von Gesteinen pa­lä­o­zo­ischen Alters (das Paläozoikum be­gann schon vor 543 Millionen Jah­ren), Gra­­niten sowie me­ta­morphen Glim­mer­schiefern ge­bildet. Zuletzt wur­de es von der sogenannten al­pinischen Fur­chung im Tertiär, und zwar durch das Heben und Bre­chen des alten Massivs weiter geformt. Aber genug dieser geo­logischen Fach­begriffe – das Šu­ma­va-Gebirge ist einfach immer einen Besuch wert.
Rund um den Lipno-Stausee schaut es irgendwie fast aus, wie in Schweden
Rund um den Lipno-Stausee schaut es irgendwie fast aus, wie in Schweden
Da lohnt es eigentlich die Mo­tor­rad­kluft gegen bequeme Wan­der­be­kleidung zu tauschen. Allerdings bie­tet die dann doch irgendwann g­e­funde­ne Strecke am Lipno-Stausee ent­lang eine ähnliche Optik wie die Kern­zone des Na­tio­nal­parks selbst. „Irgendwie schaut es hier aus, wie in Schweden“, meint Hans. Keiner widerspricht, zumal die ausgedehnte Wasserfläche des Lipno-Sees dieses Bild komplettiert. Aller­dings wurde Letzterer von Menschen geschaffen. Der Bau mitten in der Idylle begründet sich dabei in der Tat­sache, dass man die Zerstö­rungs­kraft des Flusses be­kämpfen und zugleich seine Wasserkraft nutzen wollte.
Vom Lipno-Stausee geht es auf einsamen Straßen nach Österreich ins Donautal
Vom Lipno-Stausee geht es auf einsamen Straßen nach Österreich ins Donautal
Auf kleinen Straßen düsen wir dann weiter Richtung Süden, treffen dabei kaum ein Auto und auch Grenz­ü­ber­gang zu Österreich scheint verkehrstechnisch bedeutungslos zu sein. Gut, dass diese einsamen Wege er­neut in eine landschaftliche Idylle füh­ren. Allerdings wirkt das Do­nautal im Vergleich zum gerade verlassenen Böhmen eher lieblich. Es ist dort auch ein paar Grad wär­­mer. Das genießen wir auch während der Fährüberfahrt nahe der bekannten Schlö­ge­ner Schlinge, wo sich die Donau durch eine enge 180°-Kehre windet.
Dem Verlauf der Donau folgen wir anschließend flussaufwärts über En­gel­­hartszell mit seinem weithin be­kannten Klo­s­ter in Rich­tung Nord­westen. Lug­gi weiß hier aber im­mer noch einen kurvigen Abstecher mehr über die nahen Höhen und so erreichen wir Passau ordentlich durch­geschaukelt und natürlich rundherum zufrieden.
Die Donau weist danach auch den restlichen Weg nach Bernried. Und dort: „Komm Gitti, gib uns bitte noch vier von diesen Blutwurz“, ruft ein be­stens gelaunter Hansi am Ab­schluss­abend und ich war­ne: „Leute, langsam machen!“ Und Hans (ohne i) fügt hinzu: „Tja, Luggi, das war’s. Schade, dass wir nicht ein paar Tage länger bleiben können.“

Motorradtour Bayerischer Wald & Co. - Dreiländereck – Infos

Motorradtour Bayerischer Wald & Co. - Dreiländereck
Man hört "Bayerischer Wald" und denkt an Großen Arber, Nationalpark, sowie äußerst günstige Hotels. Zur Motorradtraumregion im Grenzgebiet von Bayern, Österreich und Tschechien gehören aber dann auch noch die Flussauen von Moldau und Donau.

Allgemeine Infos

Bayerischer- und Böhmerwald zu­sammen ergeben einen mächtigen Mittelgebirgsstock in­mitten einer herrlichen Einsamkeit. Letztere sorgt neben leeren Straßen allerdings auch für ein recht dünnes Tank­stel­len­netz. Dieses wurde auf deutschem Ge­biet zusätzlich durch die hohen deutschen Mi­ne­ralölabgaben ge­hörig ausgedünnt. In Tschechien und Österreich ist das Benzin nämlich deutlich günstiger zu haben.


TV Ostbayern
Luitpoldstraße 20
93059 Regensburg
Tel. 0941 585390
E-Mail info@ostbayern-tourismus.de
www.ostbayern-tourismus.de

Anreise

Von Süden her erreicht man Bernried bei Deggendorf am schnellsten über die A 92 via Landshut. Der flotteste Weg von Nor­den oder We­sten führt dagegen immer über Nürnberg. Dort folgt man dann einfach der A 3 in Richtung Deg­gendorf. Von denAbfahrten Schwar­zach oder Metten ist es dann jeweils
nur noch ein Katzensprung bis nach Bern­ried.

Beste Reisezeit

Rau geht's zu im Osten Bay­erns beziehungsweise im We­sten Tschechiens. Der letzte Schnee schmilzt meist erst gegen Ende April und ab Ende Oktober kann er sich in den Hochlagen schon wieder zu­rück melden. Dazu kommt dann noch der mitunter eisige "Böhmische Wind", der allerdings auch einiges an Regen vom Bayerischen - und Böhmerwald fern hält. Kurzum, die beste Reisezeit liegt zwi­schen Mai und Oktober.

Verpflegung

Die deftige, einfache und vor allem in jeder Hinsicht gehaltvolle ostbayerische Kost besteht oft aus böh­mischen Knö­deln, Sauerkraut und G'selch­tem (geräucherte Braten á la Kasse­ler). Dazu kommen diverse Wurst­spe­zialitäten, wie auch Brat­würstl mit süßem Senf. Als Getränke stehen Bier und der Wurzelschnaps Blutwurz auf allen Karten.

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