M&R-PlusBerliner Runde

Berlin gehört zu den wichtigsten Metropolen dieser Welt. Gleich hinter der Stadtgrenze der quirligen Hauptstadt öffnet sich obendrein ein wundervolles Umfeld, wo man bestens Motorrad fahren kann.
Wo ist Inge? Vor etwas mehr als zwei Jahren war genau das die Fra­ge, als eine größere Berliner Mo­torradgruppe nach Schottland fuhr (
M&R-Plus
M&R 01/08) und e­ben jene Inge auf Abwege geriet. Heu­te kann ich die Frage leicht beantworten, denn erst sehe ich sie auf den Berliner Motorradtagen und viel später zufällig im Irish Pub an der Gedächtniskirche. Jost und Frank – die Tourguides jener Schottlandtour – kom­men auch zur BMT. Da besprechen wir die schon lange geplante Berliner Runde, die wir gleich nach der Motorradmesse – der Winter war lang und sorgte für Entzug – angehen wollen. In und um Berlin herum blühen auch schon Krokusse und Osterglocken, während aus den Mittel­gebirgen noch „Ski & Rodel – gut“ gemeldet wird. Los geht es also an der Spinner-Brücke, Berlins legendärem Mo­­torradtreff. Wer von der Innenstadt her kommt, wird dabei meist über die Avus anrollen, einem der letzten Relikte jener legendären Rennbahn, die schon vor über zehn Jahren – wie so vieles, was Spaß macht – der Politik zum Opfer fiel. Aber warum soll man sich überhaupt um Traditionen der alten und neu­en Hauptstadt Berlin scheren, wenn man sich viel mehr mit einem Stadt­säckel mit ausschließlich Minuskapital befassen muss? Zu dieser Aussage passt auch das Wetter. Als wir kurz nach dem Hellwerden starten, hängt eine bleierne Haube aus Ne­bel über der Hauptstadt, in dem sich sogar die Spitze des altehrwürdigen Funkturmes verliert. Aber wir haben eine sonnige Vorhersage für diesen Tag und ein paar Stunden im Voraus sollten uns die Wetterfrösche diese doch garantieren können. Fahren wir also mal los. Wobei gleich angemerkt sein soll, dass wir uns zwei Tage Zeit dafür lassen und uns eine Zwischenübernachtung im M&R Best Western Hotel Liebenwalde gönnen, denn es gibt einfach zu viel zu sehen. Den ersten Stopp legen wir hinter dem Wannsee an der Glienicker Brücke ein. Die wurde weltweit bekannt, weil dort einige Male ein Agentenaustausch zwischen West und Ost inszeniert wurde.
In Potsdam befindet sich eine russische Kolonie
In Potsdam befindet sich eine russische Kolonie
Außerdem durchbrachen hier 1988 drei mutige Flüchtlinge mit einem Lkw von Potsdam her kommend die Barrieren auf der Brücke in Richtung West-Berlin. Heute kann man die Brücke über die Havel natürlich problemlos passieren – und so kommen wir bald nach Potsdam. Dort steuern wir zunächst die russische Kolonie an. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ließ sie 1826/27 für die letzten zwölf russischen Sänger eines ehemals aus 62 Soldaten bestehenden Cho­­res anlegen. Ganz in der Nähe findet sich auch das Schloss Sanssouci. Der Name leitet sich aus dem Französischen ab und bedeutet: „Ohne Sorge“. Der Prunk­bau liegt im gleichnamigen Park und ist eines der bekanntesten Hohenzollernschlösser der brandenburgischen Lan­deshauptstadt Potsdam.
Seit 1990 steht das „preußische Versailles“ unter dem Schutz der UNESCO. Wie auch immer, jedenfalls sind wir bei diesem überaus üppigen Besichtigungsprogramm noch nicht weit gekommen. Immerhin erreichen wir hinter Potsdam dann das „Grüne“, welches allerdings so früh im Jahr noch nicht richtig ausgeprägt ist.
Havelfähre
Havelfähre
Allerdings rollen die geliebten Räder nun endlich mal ein ganzes Stück, und zwar bis zu Havel-Fähre nahe Ketzin. Dann geht es über Etzin weiter nach Nauen. Wir surfen also kreuz und quer durchs Ländchen nordwestlich von Berlin und nähern uns so Kremmen, wo sich das deutschlandweit wohl größte noch erhaltene Scheunenviertel mit etwa 50 Gebäuden findet. Das steht nicht nur seit 1993 unter Denkmalschutz, sondern hier findet sich auch ein beliebter Motorradtreff, kurz „die Scheune“ genannt. Logisch, dass wir uns eine Pause gönnen, bevor wir einfach nur ganz schrecklichen Spuren folgen, die aus der Zeit des 2. Weltkriegs stammen. Wie viel ein Menschenleben damals wert war, lernt man in Oranienburg sehr schnell.
Kleine Pause an der Havel
Kleine Pause an der Havel
Und zwar im ehemaligen KZ Sachsenhausen, das nach dem Krieg als Speziallager 7 bis 1950 weiter betrieben wurde. Der Name ist dabei egal. Bei­de Institutionen verbindet, dass man hier mit Menschen wegen Herkunft, Glau­be oder sonst was gnadenlos umging. Ziemlich ernüchtert von dem Erlebten und heute Unvorstellbarem kurven wir anschließend nach Liebenwalde. Dort endet die erste Etappe der Berlinumrundung. Wir übernachten im M&R Best Western Hotel Liebenwalde.
Schiffshebewerk Niederfinow
Schiffshebewerk Niederfinow
Am nächsten Morgen geht es frisch und munter erst einmal zum herrlich gelegenen Werbellinsee. Anschließend sausen wir über Joachimsthal nach Eberswalde und weiter zum imposanten Schiffshebewerk Niederfinow. Das wurde schon 1934 in Betrieb genommen und ist damit das äl­teste immer noch arbeitende Schiffshebewerk in Deutsch­land. Es liegt am Oder-Havel-Kanal und überwindet einen Höhenunterschied von 36 Metern. Das Bauwerk gehört auch zu den geschützten Industriedenk­mälern nach der Haager Konvention zum Schutz bei be­waffneten Konflikten. Nachdem in den vergangenen Jahren der Schiffsverkehr auf dem Oder-Havel-Kanal immer weiter zugenommen hat, wurde 1997 der Neubau eines neuen, noch größeren Schiffshebewerks bei Niederfinow beschlossen. Die Fertigstellung ist für 2013 geplant. Der Trog soll 115 Me­ter lang, 12,5 Meter breit und vier Meter tief werden (geeignet für Großmotorgüterschiffe) und gefüllt 9.000 Tonnen wiegen. Das alte Hebewerk soll aber noch bis mindestens 2025 in Betrieb bleiben. Nach der ausführlichen Besichtigung kurven wir über Hohenfinow und Prötzel nun Richtung Schwermützelsee, der im Osten von Berlin liegt. Danach geht es via Fürstenwalde zum Scharmützelsee.
Er ist nach dem Schwielochsee der zweitgrößte natürliche See Brandenburgs und gehört zu über 200 Seen, die hier durch die Eiszeit geformt wurden. Bei einem Besuch des Gewässers soll Theodor Fontane im Jahr 1881 den Scharmützelsee als „Märkisches Meer“ bezeichnet haben, ein Begriff, der heute noch von der Tourismus-Werbung verwendet wird. Die Roadbook-Tour führt nun weiter über Bad Saarow und Kallinchen nach Dobbrikow, wo es wieder einen schönen Motorradtreff gibt, der auf den Namen „Scheune“ hört. Der Biergarten und der hervorragende Cappuccino sind eine Pause allemal wert, zumal man hier auch das Ende der wundervollen Berliner Runde schon vorm Scheinwerfer hat. Also, wir düsen bald am Großen Seddiner See entlang nach Flottstelle. Dort weist das Ufer des Templiner Sees den Weg nach Potsdam.
Beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer: Spinner-Brücke
Beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer: Spinner-Brücke
Anschließend kurven wir durch die Filmmetropole Babelsberg nach Berlin zur Spinner-Brücke. Wer aber glaubt, dass unsere „Berlintour“ damit schon zu Ende ist, der irrt. Wir nutzen den Vorteil flinker und schlanker Motorräder, um eine Stadtrundfahrt zu starten und die endet dann als „Berlin-bei-Nacht-Tour“ im Irish Pub. Da stellt sich die Frage auch nicht mehr: „Wo ist Inge?“ Sie ist schon da!

Motorradtour Berliner Runde – Infos

Motorradtour Berliner Runde
Berlin lebt und gehört wieder zu einer der wichtigsten Metropolen dieser Welt. Gleich hinter der Stadgrenze der äußerst quirligen Hauptstad öffnet sich obendrein ein wundervolles Umfeld, wo man bestens Motorrad fahren kann.

Allgemeine Infos

Berlin selbst ist schon eine Reise wert. Wer den Städtetrip dorthin mit dem Motorrad plant, kann aber auch die hier vorgestellte Runde um Berlin unter die Räder nehmen - und das lohnt!

Anreise

Berlin lässt sich aus allen Richtungen über Autobahnen erreichen. Es bietet sich auch der Transfer per DB-Autozug von Bozen, München oder Trieste beispielsweise nach Berlin an.

Beste Reisezeit

Sofern die Großwetterlage es hergibt,kann man diese Tour fast ganzjährig angehen. Besonders lohnen dürfte sich die Berliner Runde im Frühling, wenn wo anders noch Winter ist.

Verpflegung

Dass Berlin über eine Vielzahl von Restaurants aller Prägungen verfügt, dürfte klar sein. Was aber nicht jeder wissen dürfte ist, dass die Erfindung der Currywurst Herta Heuwer zugeschrieben wird, die 1949 an ihrem Imbissstand in Berlin-Charlottenburg gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver und Worcestershiresauce anbot.

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