M&R-PlusElbsandsteingebirge – warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt

Deutschlands wilder Osten dürfte sicher jeden begeistern. Immerhin gibt es dort und bei den tschechischen Nachbarn genug Kurven und ein unverwechselbares Landschaftsbild.
In Radebeul, wo diese Tour startet, lebte einst auch Karl May. Viele seiner bekannten Erzählungen spielen bekanntlich im Wilden Westen. Optische Anregungen dazu konn­te er sich auch „gleich um die Ecke“ im wunderschönen Elbsandsteingebirge holen, denn einige der tafeligen Berge, geradezu Kolosse aus Fels, schau­en ein wenig so aus, als hätte man sie dem Monument Valley in Utah entliehen. Wer von Freiheit und Aben­teuer träumt, muss also gar nicht so weit in die Welt
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hinaus. Mitten in Deutschland, na ja ganz im Osten der Republik, hart an der Grenze zu Tschechien, kann man eben auch was erleben. Versprochen! Aber starten wir mal durch und folgen grob gesagt dem Verlauf der Elbe flussaufwärts. Der führt zunächst mitten durch Dresden und das kostet Zeit, denn hier gibt’s eine Menge zu sehen, wie die Semperoper oder die Frauenkirche beispielsweise. Über Pirna, wo dann schon die ersten Schräglagen auf dem kurzweiligen Programm dieser einfach wunderschönen Kurven- und Sightseeingtour stehen, rollen wir zur Bastei.
Bizarre Felsen an der Bastei
Bizarre Felsen an der Bastei

Die Motorradsportgruppe des Deutschen Bundestages

Wir, das ist übrigens die Motorradsportgruppe des Deutschen Bundestages, mit seinen zweiradbegeisterten Mitgliedern. Es macht immer wieder Spaß, mit dieser Truppe auf Tour zu sein, selbst wenn an der Bastei ein kurzes, aber reichlich schweißtreibendes Besichtigungsprogramm – und zwar zu Fuß – ansteht. Tourorganisator Frank Radloff kennt keine Gnade: „Das muss man gesehen haben und außerdem parken Motorräder auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz kostenlos!“ Recht hat er, denn die beeindruckende Felsbastion, einst als Festung genutzt, eröffnet einen Ausblick, der das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient. Dort recken sich bizarre Felsformationen in die Höhe, durchschnitten von canyonartigen Schluchten, weiter hinten erheben sich markante Tafelberge und mittendrin fließt die schimmernde Elbe, wo gerade ein Binnenkahn den Weg flussabwärts in Richtung Dresden nimmt. Wir rollen etwas später allerdings in die entgegengesetzte Richtung und steuern Bad Schandau an, wo sich das Kirschnitztal öffnet und sich ab dem Elbufer ostwärts Richtung Tschechien schlängelt. Mittendrin plätschert ein Bach in seinem angestammten Bett. Links und rechts rücken kahle Felswände eng zusammen. Erstaunlich, dass da über­haupt noch Platz für eine Straße bleibt und noch erstaunlicher, dass man hier zudem eine Straßenbahn untergebracht hat. Die teils mit Solarstrom betriebene Tram steht dann für den nächsten Kick. Denn sie pendelt auf der talaufwärts rechten Seite der Straße eingleisig in beide Richtungen. Da muss man höllisch aufpassen, dass nicht Bahn und Lkw gleichzeitig entgegenkommen, denn dann wird’s verflucht eng. Auch später geht’s auf einem Ministräßchen weiter durch die heile Welt der sächsischen Provinz. Hier ein Huhn am Straßenrand, dort ein paar spielende Kinder oder auch schon mal ein Hund Marke Dorfköter.

Der liefert sich bald bellend ein Wettrennen mit uns. Hauptsache, er hat seine fletschenden Zähne nur zur Begrüßung aus­gefahren. Trotzdem lassen wir die Mo­torräder ein paar Meter fliegen. Der Hund gibt auf. Im Rückspiegel kann ich noch sehen, wie er am Rand des Sträßchens wieder Stellung bezieht. Sicher wartet er auf das nächste Opfer, das ja vielleicht mit dem Fahrrad kommt. Mit Sebnitz erreichen wir die letzte Stadt vor der Grenze. Ein paar Meter weiter beginnt Tschechien und damit die nicht minder schöne Böhmische Schweiz. Wer erwartet, dass die Straßen nun schlechter werden, der irrt ebenfalls. Man muss halt auf Straßenmarkierungen, Begrenzungspfosten und Leitplanken verzichten. Aber ehrlich, wen stört das schon. Ab Vilémov geht dem Teerband zudem jeglicher Verkehr aus und es schlängelt sich dabei wie eine Ringelnatter weiter Richtung Osten. Fast würde man erneut vergessen, wo man unterwegs ist. Wenn da nur nicht diese Ortsschilder mit den für uns schlecht auszusprechenden Namen wären. Wobei das hier einmal alles ganz anders war. Vor dem leidvollen 2. Weltkrieg hieß Vilémov nämlich noch Wölmsdorf und Brtniky war über Jahrhunderte weithin als Zeidler bekannt. Wir sind hier im ehemaligen Siedlungsgebiet der Sudetendeutschen unterwegs, die wie so viele andere unschuldige Menschen in einer ganz schlimmen Zeit Mord, Folter, Elend und Vertreibung erleben mussten. Lang ist’s aber her und so treten diese alten Probleme immer mehr in den Hintergrund. Wir verdrängen sie auch, denn Motorrad fahren in Tschechien macht einfach Spaß. Allerdings bekommen wir kurz nach Rumburk wieder sächsischen Teer unter die Räder und der führt uns nach Zittau. Hier bekämpfen wir die brodelnden Magensäfte mit Schnitzel und Ähnlichem. Außerdem kann man diese Tour natürlich auch ab hier starten. Also, auf zur zweiten Etappe, die mit einer ganz bekannten Straße beginnt. Gemeint ist die Bergrennstrecke nach Lückendorf, wo bereits 1923 eine „Brennstoffverbrauchsprüfung“ stattfand. 1924 wurde diese Veranstaltung erstmals als Bergrennen bekannt gemacht. Gestartet wurde damals wie heute am „Waldfrieden“ in Eichgraben. Das Ziel findet sich am Forsthaus in Lückendorf. Es kamen sowohl Motorräder in den damals üblichen Solo- und Beiwagenklassen von 175 bis 1000 ccm sowie Sport- und Rennwagen zum Einsatz. Das zweite Lückendorfer Bergrennen zog am 6. Juni 1926 bereits 10.000 Zuschauer an, 1929 stieg diese Zahl auf 40.000. Seit 2007 ist das Lückendorfer Bergrennen Bestandteil der Historik Mobil. Eine kleine Ausstellung mit vielen Dokumenten zu der Geschichte des Lückendorfer Bergrennens findet sich übrigens im Hotel Riedel.
Flotte Kurven prägen das Elbsandsteingebirge
Flotte Kurven prägen das Elbsandsteingebirge

Die Bergrennstrecke

Wir erleben die Bergrennstrecke dagegen recht einsam und kurven mit Genuss in Richtung Tschechien. Schön, dass es in Lückendorf seit Neuestem einen Grenzübergang gibt. Auf oft neu geteerten und schmalen Straßen sausen wir über Petrovice und Krompach in Grobrichtung Vysoká Lípa, wo eine ebenfalls wundervolle Strecke beginnt, die kurvenreich durch den Wald der Böhmischen Schweiz führt und letztlich in Hrensko an der Elbe en­det. Nun weist der auf dieser Tour schon oft besuchte Fluss den Weg, und zwar über Bad Schandau in Richtung Dresden. Dabei kommt schon bald die mächtige Festung Königstein ins Bild. Die Bastion Sachsens thront hoch über der Elbe und wurde niemals erobert. In Krisenzeiten lagerten hier die Staatsschätze oder man verwendete das mächtige Gemäuer als Gefängnis für in Ungnade gefallene. Wie Johann Friedrich Böttger, der Alchimist, der mit selbst gebrautem Gold des Königs Säckel füllen sollte, aber nur das Geheimnis des Porzellans entdeckte. Damals war das Grund genug, um von 1706 bis 1707 auf Staatskosten in der Festung hinter Gittern zu logieren.
Wundervoll: Dresden bei Nacht
Wundervoll: Dresden bei Nacht

Elbflorenz

Auch höchst interessant: Das Brunnenhaus der Festung, wo Trinkwasser aus über 150 Meter Tiefe gefördert wird. Und dann wäre da natürlich wieder der Blick über das Elbtal; mal aus einer anderen Perspektive, deshalb aber nicht weniger prachtvoll. Praktisch gegenüber kann man auch die imposante Bastei ausmachen, die wir ja heute schon ganz aus der Nähe kennengelernt haben. Wir verlassen das einmalige Elbsandsteingebirge danach langsam, aber sicher. Mit reichlich Schräglagen fahren wir Richtung Norden und nähern uns wieder dem Elbflorenz, besser bekannt als Dresden. Dort überqueren wir erneut die Elbe, um den Ausgangspunkt dieser Tour in Radebeul anzusteuern. Damit endet der Motorradteil dieses wundervollen Tages. Mit der Straßenbahn tuckern wir von Radebeul in Dresdens Innenstadt und schauen uns diese bei Nacht an und finden, dass dort dann alles einfach noch viel schöner ist.

Motorradtour Elbsandsteingebirge – Infos

Motorradtour Elbsandsteingebirge
Deutschlands sagenhafter Osten dürfte sicher jeden begeistern. Immerhin gibt es dort genug Kurven und das unverwechselbare Landschaftsbild findet sich auch so schnell nicht auf unserer Erde wieder.

Allgemeine Infos

Das einmalige Elbsandsteingebirge gehört in landschaftlicher Hinsicht ganz sicher zum Schönsten, was Mitteleuropa zu bieten hat. Canyons, Felsklötze oder wirre Ansammlungen von Felsnadeln bestimmen das Bild. Mittendrin finden sich zumeist kleine Sträßchen, die sich durch deutsche oder tschechische Dörfer schlängeln und für den ganz großen Motorradspaß sorgen.

Anreise

Der Startpunkt findet sich in Heidersdorf, nahe Olbernhau im östlichen Erzgebirge. Wer schnell dorthin möchte, verlässt die A 4 an der Abfahrt Frankenberg (östlich Chemnitz) und folgt den Hinweisen Olbernhau über Augustusburg und Lengefeld. Oder aber man startet in Zittau, weit im schö­nen Osten Deutsch­lands. Der Startpunkt liegt südlich der A 4 von Dresden nach Görlitz, die man über die Abfahrt Bautzen verlässt und dann der B 96 in Richtung Zittau folgt.

Beste Reisezeit

Je nach Großwetterlage vom Frühjahr bis zum Herbst. Wobei die zuletzt genannte Jahreszeit die Gefahr laubbedeckter Straßen birgt.

Verpflegung

Die Küche der Gegend ist reichlich böhmisch beeinflusst und so steht allerlei Ungewöhnliches, aber extrem Leckeres auf den Speisekarten vor Ort. Wie wäre es mal mit Angeleschte Garniggelgeile (Gebeizter Kaninchenbraten), oder Gebräbeltes off Glitscherbiertesch (Schweinesteak auf Reibepfannkuchen), oder gar Quarggeulchen (Quarkplätzchen). Und da wären noch Sächsische Wickelklöße oder Bautzner Senffleisch und, und, und ...

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