M&R-PlusGriechenland – rund um den Peloponnes

Traumhafte Strände, mediterranes Flair, ungeahnt alpingleiche Bergstrecken und eine Kultur, die Jahrhunderte zurückreicht, sind die Höhepunkte dieser Tour rund um den Peloponnes.
Karin Gritsch
Karin Gritsch
Ganz allmählich verlangsame ich meine Fahrt mitten im Nirvana des Peloponnes. Erst einmal muss ich tief durchatmen. Mein Begleiter fährt mittlerweile sicher schon Kilometer voraus, gefangen von dieser unglaublichen Strecke hat er mein Zurückbleiben gar nicht bemerkt. Ich bin alleine, mit einem noch druckfrischen Führerschein in der Tasche, in einem Land, das ich nicht kenne und dessen Sprache mir ein Rätsel ist. Nachdenklich wende ich meinen Blick in Richtung Horizont.
M&R-Plus
Von der Stelle, die ich für meinen Halt ausgesucht habe, kann ich beinahe das griechische Festland sehen. Das Fleckchen Erde zwischen hier und dem schimmernden Meer ist übersät mit Olivenhainen und die herabsinkende Sonne taucht alles in ein romantisches Licht. Die perfekte Idylle wird nur unterbrochen vom plötzlichen Aufheulen einer F 650 GS …
ein Daumen drückt auf den E-Starter der feuerorangen BMW F 800 R und ich lausche dem kraftvollen Schnurren seines 800 Kubik-Motors. Und damit begint meine erste Motorrad-Reise: In 7 Tagen rund um den Peloponnes. Zunächst stürzen wir uns in den Morgenverkehr Athens. Trotz der Wendigkeit meiner Maschine und ihrer satten Beschleunigung lässt es sich nicht vermeiden von südländisch heißblütigen Griechen links und rechts – und wer weiß wo sonst noch - überholt zu werden. Verkehrsbeschränkungen, das werde ich noch lernen, gelten in Griechenland lediglich als eine unverbindliche Empfehlung. Allerdings beruhigt sich mein mitteleropäisch geeichter Puls bald wieder, denn da verlassen wir die Stadt, in der es ja schon seit der Antike hoch hergeht. Der Verkehr lichtet sich immer mehr und wir tauchen ins griechische Hinterland ein. Baumwoll- und Getreidefelder säumen den Weg bis hin nach Aliki, dem Feriendomizil Athens. Außerdem wird es auch allerhöchste Zeit, in die kulinarische Welt dieses Landes einzutauchen.
Abends widmen wir uns frittierten Kalamari
Abends widmen wir uns frittierten Kalamari
Eine Auswahl bestehend aus Tzaziki, Saganaki, Tyrokafteri, Choriatiki, Kalamari und dem obligatorischen griechischen Salat wird vor uns aufgebaut. Bislang völlig ahnungslos bin ich schon nach dem ersten Bissen der Kunst der hellenischen Küche verfallen. Gestärkt begeben wir uns Richtung Delphi, mitten in den griechischen Bergen gelegen. Übrigens: Für die Menschen der Antike galt unser heutiger Etappenort Delphi als Mittelpunkt der Welt. Der Sage nach ließ der Göttervater Zeus nämlich zwei Adler von je einem Ende der Welt aufsteigen, die sich in Delphi trafen. Bekannt wurde der Ort aber vielmehr durch das Orakel von Delphi. Pythia, die als einzige Frau den Apollon-Tempel dort betreten durfte, versetzte sich wohl durch das Einatmen von berauschenden Gasen, die aus einer Erdspalte austraten, in Trance und wurde dann zur Wahrsagerin. König Krösus bediente sich auch dem Orakel, als er einen großen Feldzug gegen Persien plante und wollte wissen, ob er gute Siegchancen hätte. Pythia teilte ihm mit, dass er ein großes Reich zerstört, wenn er die Perser angreifen würde. Darauf hin wagte er den Angriff und zerstörte wie vorhergesagt ein großes Reich, allerdings war es sein eigenes. Mit dieser Geschichte im Kopf schaue ich aus dem Fenster meines Hotelzimmers hinaus. Etwas weiter hinten kann ich die Küste mit dem schimmernden Meer davor erkennen und just als eine Ziegenherde gemächlich vorbei trottet wird mir klar, dass ich im zuletzt wegen der Finanzen so gescholtenen Griechenland angekommen bin.
Um am nächsten Morgen von Delphi nach Olympia zu gelangen, bieten sich zwei Möglichkeiten: Eine längere Route durch die Bergwelt des Landes, gekennzeichnet durch enge Kurven und spitze Kehren oder eine etwas kürzere Fahrt entlang des Golfes von Korinth, für Liebhaber von lang gezogenen Kurven. Letzteres, für das ich mich entscheide, ermöglicht es mir, das Orakel von Delphi zu besuchen. Darüber hinaus habe ich auf der ruhigeren Strecke die Gelegenheit, wann immer möglich stehenzubleiben, um die griechische Mentalität – und nicht die Dämpfe Pythias – einzuatmen.
Über eine gigantische Stahlbrücke erreicht man die Halbinsel Peloponnes
Über eine gigantische Stahlbrücke erreicht man die Halbinsel Peloponnes
David, ein netter Texaner aus meiner Gruppe, beschließt mit mir Motorradnovizin zu fahren und gemeinsam starten wir in unser eigenes kleines Abenteuer. Nach den ersten für mich noch etwas anspruchsvollen Kilometern an diesem Tag ist es Zeit für einen Stopp. Wir finden ein Cafe mitten im Dorfkern Eratinis. Mithilfe meines Wörterbuches und heftiger Gestikulation gelingt es uns schließlich zwei Tassen Kaffee zu bestellen. „Café frapé metrio megalla“ wird schließlich an uns gereicht und wirkt als der ideale Muntermacher nach dieser tollen Fahrt. Bis zu unserem Mittagessen in Nafpaktos befinden wir uns noch auf dem griechischen Festland. Nur die 2,2 Kilometer lange Fahrt über eine mächtige Stahlbrücke entfernt uns noch von der Halbinsel Peloponnes. Nach der Überfahrt dauert es nicht mehr lange und wir erreichen Olympia. Als Schauplatz der antiken Olympischen Spiele gilt die Stadt für jeden Kulturliebhaber als der perfekte Aufenthaltsort und auch wir werden hier zwei Nächte verbringen. Als bekennender Kulturbanause beschließe ich am nächsten Tag lieber mit dem Motorrad die Gegend zu erkunden und dem täglichen Sightseeing auf diese Weise zu entgehen. Georg, alias „mein Mausebär“, hat sich als Fahrer angeboten und auf dem Rücksitz seiner R 1200 GS erlebe ich die Freuden des Motorradfahrens aus einer ganz neuen Perspektive. In einem kleinen Bergdorf, weit weg von jeglicher Zivilisation, genießen wir unser erstes griechisches Fast Food. Giros Pita, Brot gefüllt mit Pommes Frites, Tomaten, Fleisch und Soße, macht mir klar, welche Köstlichkeiten wir sonst verzehren.
Berge und Kurven prägen die traumhafte Tour
Berge und Kurven prägen die traumhafte Tour
Unsere Reise geht weiter. Nächster Halt: Kalamata! Entlang der Strecke genießen wir die Schönheit der Küste, während sich auf der anderen Seite Olivenhain an Olivenhain reiht. Immer wieder durchqueren wir malerische Dörfer und erreichen schließlich die Omega Bucht. Ursprünglich geplant, sollte die Route nach dem Mittag entlang des zweiten Fingers des Peloponnes führen, tatsächlich aber lockt uns das Unbekannte. Ein schmaler Strich auf der Karte, der quer über den Finger zeigt, verheißt Abenteuer pur. Schon bald erreichen wir eine Straße, mit einem Belag, der so neu ist, wie meine BMW. Das Sträßchen schlängelt sich zudem durch eine fast unberührte Landschaft, die kaum Autos kennt. Das bedeutet freie Fahrt und zum ersten Mal in meinem Motorradleben erschreckt mich das Geräusch kratzender Fußrasten. Wie im Traum lasse ich mein geliebtes Gefährt weiter „fliegen“ bis wir das Bergdorf Thalamai erreichen. Morea, stellt hier am Ende der Welt auf traditionelle Weise hochwertiges und berühmtes Olivenöl her.
Tropfsteinhöhlen des Prigos Dirou und Mani
Tropfsteinhöhlen des Prigos Dirou und Mani
Voll mit Informationen und einem Jahresvorrat an köstlichen Ölen beladen fahren wir weiter zu den Höhlen des Prigos Dirou und Mani. Die 1.300 Meter lange Verbindung aus Tropfstein zählt zu den Naturwundern Griechenlands. In einer halbstündigen Bootsfahrt können wir spektakuläre Tropfstein­formationen beobachten, und stets bedacht unsere Köpfe tief zu halten, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Nach diesem Stop setzen wir unsere Tagesetappe um den mittleren Finger des Peloponnes – Mani – fort. In Githio, lange bekannt als der Seehafen Spartas, schlagen wir schließlich unser Nachtlager auf.
Festung Monemvasia
Festung Monemvasia
Auf unserem Weg nach Nafplio erreichen wir die Festung Monemvasia. An der östlichen Küste gelegen erklimmen wir in einer atemberaubenden Fahrt diese 300 Meter höher gelegene Felsbastion. Während des üblichen Café frappé wird mir erzählt, dass hier ein Schauplatz vieler historischer Schlachten war. Wie auf einem Schlachtfeld komme ich mir auch während der Weiterfahrt vor, denn urplötzlich findet die Berganstrecke ihr Ende. Wir befinden uns in 800 Meter Seehöhe mit direktem Blick auf das Meer. Spitzkehre um Spitzkehre führt der Weg weiter und während ich meine Maschine mutig um diese von Felsen verbauten Kurven führe, kann ich meinen rasenden Puls kaum noch bremsen. Gut, dass wir bald in einer Seitenstraße Nafplios versteckt schließlich unsere Unterkunft für diese Nacht finden, wo mein Adrenalinpegel dabei hilft, dass wir in einem Boutique-Hotel wohnen. Schon bald, nachdem wir von der Hausdame Maria aufs Herzlichste begrüßt werden, wird uns nämlich klar, dass wir hier an einem besonderen Ort sind. Auf liebevolle Weise werden wir am Abend mit selbst gekochten Spezialitäten verwöhnt und auch ein Blick in die luxuriös ausgestatteten Zimmer zeigt uns wieder einmal, dass in diesem Land Gastlichkeit über alles geht.
Lecker: Die Kurven Griechenlands
Lecker: Die Kurven Griechenlands
Noch ganz verschlafen realisieren wir am nächsten Morgen, dass unser letzter Tag angebrochen ist. Nur gut, dass wir noch ein ganzes Stück zu fahren haben. Hoch oben über Nafplio gönnen wir uns noch einen kurzen Halt, um die Festung Palamidi sowie die einzigartige Aussicht zu genießen. Nach diesem Stopp werden unsere Motorräder allerdings kein zweites Mal halten, denn nur noch die Überfahrt zurück aufs griechische Festland und ein letztes Austoben entlang der Küste trennt uns von unserer Rückkehr nach Athen.
Auf dem Weg zurück nach Athen werden am Straßenrand immer wieder Leckerreien angeboten
Auf dem Weg zurück nach Athen werden am Straßenrand immer wieder Leckerreien angeboten
Es ist wahrlich eine traumhafte Tour gewesen und während ich mit meinen neugewonnenen Freunden die heile Rückkehr feiere, denke ich glücklich an all die schönen Erinnerungen, die ich mit nach Hause tragen werde und die mir in diesem Leben keiner mehr nehmen kann. Wie bin ich froh, dass ich endlich den Motorradführerschein mein Eigen nenne.

Motorradtour Rund um den Peloponnes – Infos

Motorradtour Rund um den Peloponnes
Ganz allmählich verlangsame ich meine Fahrt mitten im Nirvana des Peloponnes. Erst einmal muss ich tief durchatmen. Mein Begleiter fährt mittlerweile sicher schon Kilometer voraus, gefangen von dieser unglaublichen Strecke hat er mein Zurückbleiben gar nicht bemerkt. Ich bin alleine, mit einem noch druckfrischen Führerschein in der Tasche, in einem Land das ich nicht kenne und dessen Sprache mir ein Rätsel ist. Nachdenklich wende ich meinen Blick in Richtung Horizont. Von der Stelle, die ich für meinen Halt ausgesucht habe, kann ich beinahe das griechische Festland sehen. Das Fleckchen Erde zwischen hier und dem schimmernden Meer ist übersäht mit Olivenhainen und die herabsinkende Sonne taucht alles in ein romantisches Licht. Die perfekte Idylle wird nur unterbrochen vom plötzlichen Aufheulen einer F 650 GS ...

Allgemeine Infos

Traumhafte Strände, mediterranes Flair, ungeahnt alpingleiche Bergstrecken und eine Kultur die Jahrhunderte zurückreicht sind die Highlights dieser Tour rund um den Peloponnes.

Anreise

Viele Veranstalter von geführten Motorradtouren bieten auch Reisen in Griechenland an. Daher ist der einfachste und bequemste Weg eine solche Reise zu buchen und mit dem Flugzeug an den Tourstart zu fliegen. Für alle jene mit weniger Budget und mehr Abenteuersinn bietet sich die Fähre von Ancona, Italien nach Patras, Griechenland an. Die Überfahrt dauert 25 Stunden und man hat genügend Zeit sich auf die Reise einzustimmen. Von Patras ist es lediglich eine 3-stündige Fahrt bis nach Athen.

Beste Reisezeit

Die ideale Reisezeit für diese Tour ist September bis Oktober. Die Temperaturen sind angenehm bis warm und die ersten schweren Regenfälle im Jahr haben die Straßen von dem vom Meer herrührenden, schmierigen Salzfilm befreit. Außerdem herrschen auch noch Badetemperaturen im Meer.

Verpflegung

Die Küche in Griechenland bietet eine Vielfalt von der man ansonsten nur träumen kann. Fisch- und Fleischgerichte und Speisen mit frischen Obst und Gemüse gibt es in unendlich vielen Variationen und Geschmacksrichtungen. Die „griechische“ Art zu speisen wäre es eine Auswahl von Gerichten für alle zu bestellen, so kann man viele verschiedene Speisen kosten und dann entscheiden was man mag oder nicht.

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