M&R-PlusDie Großglockner-Hochalpenstraße & der Nationalpark Hohe Tauern

Seit Jahrzehnten ziehen der Großglockner und die Hochalpenstraße mit hunderten Kehren und fantastischem Panorama Motorradfahrer aus ganz Europa an.
Dietrich Hub
Dietrich Hub
Als einen Mythos könnte man die Großglockner-Hochalpenstraße bezeichnen, ein hochalpines Straßenbauwerk inmitten der grandiosen Kulisse des Nationalparks Hohe Tauern. Immerhin ist die Großglocknerstraße mit ihrem höchsten Punkt auf 2.571 Metern über Meereshöhe eine der höchsten Alpenstraßen Österreichs. Die Ötztaler Gletscherstraße erreicht an ihrer obersten Stelle, der Sackgasse am Rosi-Mittermaier-Tunnel beim Tiefenbachferner, sogar eine Höhe von 2.835 Metern. Die Großglocknerstraße zu befahren, ist aber viel schöner. Sie verläuft allerdings keineswegs über oder am 3.798 Meter hohen Großglockner, sondern nur in dessen Region. Der Name wurde wohl deshalb gewählt, weil der Großglockner als höchster Berg Österreichs sehr bekannt ist. Von dieser Straße aus betrachtet ist der Großglockner nur einer der 37 Dreitausender und 17 Gletscher, die man im Rundumblick vom Parkplatz an der Edelweißspitze sieht.
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1935 aus praktischen Gründen erbaut, aber bald touristisch genutzt

BMW R 1250 RT fährt über Brücke
Über die Großarler Ache bei Hüttschlag
Die Großglockner-Hochalpenstraße verbindet die beiden österreichischen Bundesländer Salzburg und Kärnten. Diese Funktion als Transitstrecke im Fernverkehr ist aber zweitrangig. Um zügig von Salzburg in Richtung Südosten zu kommen, ist die Tauernautobahn die einfachere Alternative. Die Faszination aber findet man nur oben, wenn man durch die Hohen Tauern tourt. Die Hohen Tauern bestehen aus neun Gebirgsgruppen, von denen die Glocknergruppe die bekannteste ist. Der Nationalpark Hohe Tauern ist der größte Nationalpark der Alpen. Von links nach rechts – korrekt gesagt von West nach Ost – ist dieser Nationalpark etwa 100 Kilometer lang. Von oben nach unten, d. h. von Norden nach Süden, erstreckt er sich über 40 Kilometer.

Im 19. Jahrhundert fuhr man noch nicht „zum Spaß“ über einen Pass

Blick auf Bucheben bei Zell am See
Bucheben, in einem Seitental südöstlich von Zell am See
Passstraßen samt der Fluchtpunkte oben gab es übrigens schon vor der Erfindung des Automobils. Gebaut wurden Passstraße meist dort, wo schon seit Jahrhunderten Saumpfade über die Alpen führten, auf denen Jäger, Händler, Schmuggler und Kriegsheere unterwegs waren. Oben am höchsten Punkt einer Passstraße wurden schon in früheren Jahrhunderten Gasthäuser – Hospize genannt – gebaut. Wenn man mit einem Pferdefuhrwerk unterwegs war, konnte bei einem Wetterumschwung ein solcher Fluchtpunkt lebensrettend sein. Begeh- und befahrbar waren und sind solche Wege über die Berghöhen natürlich nur im Sommer. Im Winter kann es oben auf der Großglocknerstraße Schneehöhen von bis zu zehn Metern geben; 1953 seien es sogar 21 Meter gewesen. Geöffnet ist die Hochalpenstraße üblicherweise von Anfang Mai bis Ende Oktober. Darüber hinaus ist die Straße nachts geschlossen. In der Hochsaison dauert die Nachtsperre von 21.30 Uhr bis 5 Uhr, in der Nebensaison länger.

Schon immer faszinierend für Motorradfahrer

BMW R 1250 RT
Die BMW R 1250 RT in ihrem Element
Schon im Jahr 1935 wurde diese hochalpine Straße eröffnet. Die Firma BMW brachte im selben Jahr die R 12 heraus. Dieses inzwischen legendäre Motorrad – gebaut wurden immerhin 36.000 Stück – hatte immerhin 20 PS und erreichte auf der Ebene eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern. Schon damals wurde die Großglocknerstraße von Motorradfahrern als Ausflugsziel und als Rennstrecke genutzt. Heute sind vermutlich mehr Zweiradfahrer als Autofahrer auf der Großglocknerstraße unterwegs. Zu den Zweiradfahrern gehören auch viele tapfere Radfahrer, welche die 1.750 Höhenmeter der Nordrampe locker an einem Vormittag empor strampeln. Fahrtechnisch schwierig ist die Großglocknerstraße nicht. Nirgends liegt die Steigung über 12 Prozent, der Asphaltbelag ist gut und die Straße ist überall mindestens acht Meter breit. Das Wetter hier oben kann allerdings auch im Sommer heftig werden. Übers Jahr betrachtet gibt es mehr Tage, an denen es jedenfalls zeitweilig regnet oder schneit, als trockene Tage. Wenn man bei schönem Wetter oben angekommen ist und die Motorradjacke auszieht, kann man sich kaum vorstellen, dass an manchen anderen Sommertagen hier oben Windböen mit bis zu 120 km/h über die Höhen pfeifen.

Hochalpin ist eben hochalpin

Motorräder auf dem Großglockner Parkplatz
Artgenossen trifft man hier oben in großer Zahl
Auf die Zweiradfahrer ist man gut vorbereitet, mit dem „Bikers Point“, dem „Bikers Nest“, dem „Bikers Safe“ und Kombiticket. Mit der Ausgabe von 42,50 Euro für Motorradfahrer hat man freie Fahrt über die Großglocknerstraße, die Nockalmstraße und die Gerlos Alpenstraße. Die Tageskarte für die Großglocknerstraße allein kostet 26,50 Euro. Wenn man erst am folgenden Tag durch eine der beiden Kontrollstellen hinausfährt, weil man oben übernachtet hat, braucht man keine zweite Tageskarte. Übernachten kann man in der Edelweißhütte nur wenig unterhalb des höchsten Punkts der Großglocknerstraße.
Edelweißhütte am Großglockner
Eine Berghütte eher für Biker als für Bergsteiger
Die Sonnenterrasse auf 2571 Metern über Meereshöhe und der Blick auf mehr als 30 Dreitausender hat schon was – und zwar am allermeisten morgens und abends, wenn man dieses Panorama ohne den sonst üblichen Motorenlärm erlebt. Tagsüber die Kurven spüren und dann inmitten dieser Bergkulisse den Abend bei einem kühlen Bier ausklingen lassen – Bikerherz, was willst du mehr?

Oben übernachten – einfach traumhaft

Panorama Hochalpenstraße
Morgens die Wettervorhersage anzuschauen, schadet gewiss nicht
Die Großglockner-Hochalpenstraße führt mitten durch den Nationalpark und teilt diesen in einen westlichen und einen östlichen Teil. Mit der hier beschriebenen Tour durchquert man den Nationalpark in der Mitte und umfährt dann den westlichen Teil entgegen dem Uhrzeigersinn. Ob man auch noch die Stichstraße „Malta“, korrekt gesagt die „Malta Hochalmstraße“, mitnimmt, hängt von der vorhandenen Zeit ab. Die hier beschriebene Tour ist inklusive der Malta Hochalmstraße 394 Kilometer lang. Das kann man an einem Tag schaffen, es wäre aber recht anstrengend. Wenn man mehr als einen Tag Zeit hat und irgendwo übernachtet, sollte man auch den Abstecher zur Kölnbreinsperre einbeziehen. Die Malta Hochalmstraße führt zur 1.902 Meter hoch gelegenen Kölnbreinsperre. Die Straße ist 14,4 Kilometer lang. Am Anfang wurde hier eine schnöde Baustraße gebaut, um Material für den Bau der Kölnbreinsperre hoch zu schaffen. Kehren, Tunnel und Wasserfälle nahe der Straße sind das Ambiente, wenn man hier hoch tourt. Von Kaprun in der Nähe von Zell am See mit seinen Hochgebirgsstauseen sieht man als Motorradfahrer nicht viel. Dort kommt man nur mit Transferbussen und dem Schrägaufzug nach oben.
Motorradparkplatz
Unterhalb der Stauseen Kaprun. Von hier aus geht es nur zu Fuß im Schrägaufzug weiter nach oben
Die Rückfahrt nach Zell am See bzw. Saalbach kann – mit Ausnahme des Tauerntunnels und des Katschbergtunnels – auf der Straße entlang der Tauernautobahn (A 10) oder über die Autobahn erfolgen – was natürlich Zeit spart. Die etwas westlicher und damit im Prinzip nähere Süd-Nord-Verbindung durch die Hohen Tauern ist zwischen Böckstein und Mallnitz nur per Eisenbahn mit Fahrzeugverladung passierbar. Die Eisenbahnverladung eines Motorrads kostet 20,40 Euro; die Züge fahren stündlich. Optimaler Ausgangspunkt für diese Runde ist Zell am See. Nicht weit entfernt von unserer Unterkunft, dem weithin bekannten Motorradhotel Sonnegg in Saalbach, findet in Zell am See am 1. September 2024 das jährliche Megaevent statt: der Ironman, ein Triathlonwettkampf mit einer 1,9 Kilometer langen Schwimmstrecke im Zeller See, einer 90 Kilometer langen Radrennfahrt mit 900 Höhenmetern und einer 21 Kilometer langen Laufstrecke.
Jogger
Die Laufstrecke führt am Seeufer des Zeller Sees entlang
Die Topathleten brauchen fürs Schwimmen im Zeller See ungefähr 50 Minuten, fürs Radfahren 3 Stunden und 40 Minuten und für die Laufstrecke etwa 2 Stunden und 40 Minuten. (Die Strecken während der Wettkämpfe sinnvollerweise lieber mit dem Motorrad absolvieren dürfen nur ausgewählte Journalisten, die Filmaufnahmen von den Läufern und Radfahrern anfertigen.) Die Zeiten für alle drei Disziplinen werden zusammengezählt und so der Sieger ermittelt. Erschwert wurde der „Ironman“ im Jahr 2022 dadurch, dass es ausgerechnet an diesem Sonntag heftig regnete. Mitmachen beim „Ironman“ kann im Prinzip jeder, sofern er sich das zutraut und die knapp 400 Euro Gebühr bezahlt. In diesen Kosten sind auch der „Eintritt zur Siegerehrung“, „Verpflegung an den Labestellen“ sowie eine „Massage nach dem Wettkampf“ enthalten. Die Massage wird man dringend brauchen, denn die drei Wettkämpfe werden unmittelbar hintereinander am selben Tag ausgetragen. Bei der Siegerehrung auf dem Treppchen zu stehen, ist eher unwahrscheinlich: Zum Ironman in Zell am See trifft sich die Weltelite. Der Wettkampf hat beinahe olympische Dimensionen.

Beim Ironman dürfen nur Kameraleute mit dem Motorrad fahren

Motorrad begleitet Radfahrer
Beim Ironman von „berittenen Kameraleuten“ verfolgt
Wesentlich lockerer geht’s bei den beiden Wettkämpfen am Tag vor dem Hauptevent zu: Beim „Irongirl“ messen sich Frauen und Mädchen ab 14 Jahren auf einer Laufstrecke über 4,2 Kilometer. Anmelden zum „Irongirl Run“ entlang des Ufers des Zeller Sees können sich die Teilnehmerinnen als Einzelstarterinnen oder als Team in den Kategorien „Mutter und Tochter“, „Schwestern“ oder „Freundinnen.“ Jungen und Mädchen zwischen sechs und 15 Jahren können am „Ironkids“ teilnehmen. Die „Ironkids“ tragen zwei Wettkämpfe aus, nämlich Schwimmen und Laufen. Die Strecken sind je nach Altersklasse unterschiedlich lang.

Wer sich nicht für den Ironman interessiert, sollte an diesem Sonntag Zell am See weiträumig umfahren


Am Tag der Austragung werden in Zell am See und in der Umgebung darum mehrere Straßen gesperrt, weil diese als Rennstrecke für den Radwettkampf gebraucht werden. Auch ohne den „Ironman“ ist die Region um Zell am See sehr interessant – und weltweit bekannt. Auffallend ist die hohe Zahl an Touristen aus arabischen Ländern. Deren Frauen fallen im Stadtbild durch ihre mehr oder weniger stark ausgeprägte Verschleierung auf: Vom Hitschab, das Tuch, das Kopf und Hals bedeckt, über den Tschador, den Ganzkörperschleier, bis zum Nikab, der bis auf die Augen auch das Gesicht bedeckt, ist in Zell am See alles zu sehen. Die Stadtverwaltung wirbt gezielt in deren Heimatländern, denn die arabischen Touristen geben deutlich mehr Geld aus als deutsche oder österreichische Besucher. Auch Juden, erkennbar am weißen Hemd, schwarzem Mantel und Kippa auf dem Kopf, sieht man häufig. In und bei Zell am See gibt es Hotels, die in ihrem Speiseplan und der Art der Essenszubereitung speziell auf dieser Zielgruppe ausgerichtet sind. Auch eine andere Besonderheit bringt der Region einen kontinuierlichen Geldsegen: Zell am See ist die Heimat eines Teiles der Großindustriellenfamilie Porsche. Der Porsche-Clan gibt nicht nur viel Geld in der Region aus, sondern verdient hier auch viel Geld: So gehört die Schmittenhöhenbahn – zu der immerhin 27 Bergbahnen und Skilifte gehören – der Familie. Ebenso steht die Schifffahrt auf dem Zeller See mit dem Schiff „MS Schmittenhöhe“ im Eigentum der Porsches. Das „Ferry Porsche Concress Center“, das jeweils auch zur „Zentrale“ des „Ironman“ wird, ist ein offensichtliches Symbol der Bedeutung der Familie Porsche für Zell am See.

Motorradtour Großglockner-Hochalpenstraße & der Nationalpark Hohe Tauern – Infos

Motorradtour Großglockner-Hochalpenstraße & der Nationalpark Hohe Tauern
Die Hohen Tauern sind ein Gesamtkunstwerk! Erlebenswert ist auch die Auto- und Motorradverladung an der Tauernbahn, sofern man sich für diese „Abkürzung“ der Route entscheidet. Motorradgruppen müssen sich vorher anmelden.

Allgemeine Infos

Sehens- und erlebenswert
Bei der Fahrt über den Gerlospass (siehe „Anreise“) bietet sich ein Besuch (zu Fuß auf steilem Weg bergauf; bis man oben ankommt, braucht man schon zwei Stunden) der Wasserfälle von Krimml an (www.wasserfaelle-krimml.at). Bei warmem Wetter ist am Zeller See das Strandbad bei Thumersbach sehr empfehlenswert. Schifffahrten auf dem Zeller See sind ebenfalls sehr nett. Die Schiffe gehören übrigens – wie so manches in und um Zell am See – der Familie Porsche. Interessant ist auch ein Besuch an den Stauseen, Kraftwerksanlagen und Ausstellungen von Kaprun. Diese sind nur zu Fuß, per Schrägaufzug, zu erreichen. Dafür sollte man aber einen ganzen Tag einplanen. www.kaprun-stauseen.com. 
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 380 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 2.513 Meter über NN

Anreise

Das Hotel Sonnegg in Saalbach ist am einfachsten über die Autobahn A 8 München Richtung Salzburg. Autobahnausfahrt Siegsdorf, dann Lofer – Saalfelden – Maishofen – Saalbach-Hinterglemm. Diese Strecke ist auch mit Anhänger bequem zu fahren. Alternativ dazu kann man in Deutschland auch schon bei Rosenheim von der A8 abfahren, auf die A93 in Richtung Kufstein einbiegen. Danach hat man die Wahl zwischen der Fahrt über Zell am Ziller und dem Gerlospass oder dem Weg über Kitzbühel und den Pass Thurn. Der Pass Thurn ist – anders als die Gerlosstraße – mautfrei. Für den Gerlospass und die Großglocknerstraße gibt es Kombitickets, www.gerlosstraße.at. Für die Routen über Kufstein braucht man die Autobahnvignette, da die A12 südlich von Kufstein vignettenpflichtig ist (www.shop.asfinag.at). Anders als in der Schweiz wird in Österreich für einen Anhänger keine Vignette verlangt. Bei einer Anreise mit Anhänger ist aber die erstgenannte Route sinnvoller. 

Beste Reisezeit

Das hängt von der Öffnung der Großglocknerstraße ab. Die Großglocknerstraße kann üblicherweise von Mai bis Anfang November befahren werden (www.grossglockner.at). Das Wetter und der Höhe von 2.571 Meter muss allerdings bedacht werden, denn für Motorradfahrer kann es früh oder spät im Jahr recht ungemütlich werden. Anders als bei Pässen in Südtirol sind aber auch in der Hochsaison keine Staus zu erwarten.

Verpflegung

Angeboten wird in vielen Restaurants eine „Brettjause.“ Dies war früher die Mahlzeit der Bauern: Auf einem Holzbrett werden Brot, Butter, Speck, Wurst und Käse serviert. Sehr empfehlenswert sind auch Kasnocken (Nudeln mit Käse).

GPS-Daten, Karten & Reiseführer passend zur Tour




Routenverlauf
Saalbach – Maishofen – Zell – Bruck – Fusch – Ferleiten – Edelweißstraße – Edelweißhöhe – Edelweißspitze – Hochtor – Dölsach – Drau – Karlsdorf – Gmünd – Bischofshofen – Saalfelden – Maishofen – Saalbach

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