Luxemburg-Nord – Tanz durch das „Ösling“

Das Großherzogtum Luxemburg ist mit etwas mehr als zweieinhalbtausend Quadratkilometern nicht das größte europäische Land, hat aber für Motorradfahrer eine Menge zu bieten.
Jost G. Martin
Sabine und Jost G. Martin
Der Norden des Landes gehört zu den Ardennen und wird das „Ösling“ genannt. Bewaldete Berge und Hügel, in die sich Flüsse eingegraben haben und tiefe Täler bilden, prägen hier die Landschaft und bieten damit ein traumhaftes Terrain für uns Motorradfahrer. Straßen, die in den Flusstälern kurvenreich dem Verlauf des Wassers folgen oder den Weg über die Bergrücken ins nächste Tal nehmen, laden zum Tanz durch das „Ösling“ ein. Diese Tour durch den Nordosten Luxemburgs und die angrenzende Eifel soll euch ein bisschen Appetit machen, unseren Nachbarn einen Besuch mit dem Motorrad abzustatten und die Gastfreundschaft der Luxemburger zu genießen.
Schloss Colmar-Berg
Schloss Colmar-Berg
Ausgangspunkt für unsere zweite „Tour de Luxembourg“ ist das kleine Städtchen Mersch, das direkt an der luxemburgischen A 7 liegt und damit hervorragend zu erreichen ist. Wir – das sind Sabine, Thomas und meine Wenigkeit – nutzen die „Nationalstrooss 8“ (N 8) Richtung Westen, um dem Verkehrsgewühl in Mersch rasch zu entfliehen. Nur ein paar Kilometer entlang eines bewaldeten Hügels, in dem sich eine Sandgrube versteckt, biegen wir nach Norden ab und gelangen ins Tal der Attert.
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Wir folgen dem Flüsschen bis nach Colmar-Berg, wo wir zunächst auf die Fertigungsanlagen der Firma Goodyear treffen, eines der größten Arbeitgeber in Luxemburg. Auf der dazugehörigen Teststrecke könnte man seine Reifen ja mal richtig auf Temperatur bringen, aber da hier keine Motorradreifen hergestellt werden, fahren wir weiter, um uns die eigentliche Sehenswürdigkeit von Colmar-Berg aus der Nähe anzuschauen. Es ist das Château de Colmar-Berg. Das Schloss ist der Wohnsitz des Großherzogs von Luxemburg, dem Staatsoberhaupt Luxemburgs. Leider ist es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Kurvenfestival an der Sauer

Nationalstraße 27 an der Sauer
Nationalstraße 27 an der Sauer
An der Schlossmauer entlang fahren wir weiter bergan und über den Hügel, um dann scharf rechts auf die Straße nach Ettelbrück abzubiegen. Hier in Ettelbrück treffen wir unseren Begleiter für die nächsten siebenunddreißig Kilometer, hier vereinigt sich die Sauer mit der Alzette, die dann als Sauer weiter zur Mosel fließen. Wir nehmen aber die Route fluss­aufwärts.
Was nun folgt, lässt sich mit Worten kaum beschreiben: Kurve folgt auf Kurve, mal lang gezogen, mal enger, fast einer Kehre gleich. Dabei bleibt die Straße immer in unmittelbarer Nähe des dahinplätschernden Wassers. Grüne Wälder, nur manchmal unterbrochen von saftigen Wiesen oder kleinen Ortschaften, begleiten uns auf unserem Weg entlang der Sauer. Unter der Woche treffen wir äußerst selten auf andere Verkehrsteilnehmer, keine störenden Lkw oder Reisebusse, sodass wir zügig vorwärtskommen – natürlich immer innerhalb des Geschwindigkeitslimits von in Luxemburg geltenden 90 Stundenkilometern. Nach fünfunddreißig Kilometern Kurvenlabyrinth auf schmaler und gut asphaltierter Straße, begleitet von einer traumhaften und weitgehend unberührten Landschaft, haben wir uns eine Pause verdient.

Idyllische Kaffeepause

Rastplatz an der N27
Rastplatz an der N27
In einem Bogen der Sauer, fast wie auf einer Insel, liegt das kleine Städtchen Esch-sur-Sûre, zu Deutsch: Esch an der Sauer. Wer hier nicht anhält, sondern einfach durch einen Tunnel weiterfährt, dem ist nicht zu helfen. Hier muss man Station machen, um das beschauliche und idyllische Panorama zu genießen, die schmalen Gassen, alten Gebäude und darüber auf einem Hügel thronend die Ruine des Château d’Esch-sur-Sûre, einfach ein Traum. Wir lassen uns bei einer Tasse Kaffee nieder. Bei der Kaffeebestellung sollte man beachten, dass sich Freundlichkeit in barer Münze auszahlen kann, wenn man den Hinweis auf einer Kreidetafel beherzigt, was wir natürlich getan haben. Freundlichkeit kostet nichts und schont hier sogar die Reisekasse.

Einer hilft dem anderen

Starthilfe
Starthilfe
Auch drei Motorradfahrer aus dem benachbarten Belgien haben hier eine Rast gemacht und wollen nun weiter, doch die Caponord des einen Belgiers will nicht, ihre Batterie ist am Ende. „Wartet mal, ich hab da was“, ruft Sabine und kramt ein Überbrückungskabel – das hat sie immer dabei – aus der Hecktasche ihrer 790er Adventure. Wenig später läuft der Motor der Caponord wieder und die drei Belgier machen sich auf die Weiterreise, wohin auch immer. Schön, wenn man anderen helfen kann. Auch wir verlassen Esch an der Sauer und fahren über die Staumauer – hier wird die Sauer zur Wasserversorgung Luxemburgs, aber auch zur Stromgewinnung aufgestaut – auf die andere Seite des Flusses.
Auf einer Nebenstraße geht unsere Fahrt weiter, grobe Richtung Norden. Dabei geht es immer wieder auf und ab, wie es sich eben für eine Mittelgebirgslandschaft gehört, durch Wälder, Wiesen und Auen bis zum Schumannseck. Wie man hier an einer Gedenkstätte lesen kann, spielte diese Kreuzung in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle.

Sehenswertes in Clervaux

Kurven an der Klierf
Kurven an der Klierf
Wir fahren aber schnell weiter und erreichen schon bald das kleine Städtchen Wiltz. Wieder begleiten uns Wälder und Felder auf dem Weg zum nördlichsten Punkt unserer Tour durch das „Ösling“. In einer Schleife des Flüsschens Klerf, das uns schon eine Weile begleitet hat, liegt das nahezu gleichnamige Clerf, geläufiger ist aber der französische Name Clervaux. Drei Bauwerke prägen das „Stadtbild“ von Clerf. Zum einen ist das die trutzige Schlossburg, die vermutlich im 12. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung errichtet wurde. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder aufgebaut und restauriert. Das zweite sehenswerte Bauwerk ist die Pfarrkirche Sankt Hubertus, die erst Anfang des 20. Jahrhunderts im rheinisch-romanischen Stil erbaut wurde. Etwas versteckt im Wald liegt die Benediktinerabtei Clerf, die ebenfalls erst im frühen 20. Jahrhundert gegründet wurde. Von Clervaux aus nutzen wir die Nationalstraßen 18 und 7, um über Marnach und Dorscheid Richtung Hosingen zu fahren. Bevor wir jedoch diesen Ort erreichen, biegen wir links ab und nehmen die CR 342 bis hinunter nach Rodershausen, eine wunderschöne kurvenreiche Strecke durch einen traumhaften Laubwald. Nur die Our trennt uns noch von einem Wechsel hinüber in die Schnee-Eifel – keine Angst, Winterreifen sind hier nicht erforderlich.

Pfälzische Stippvisite

Ourtalstraße bei Wallendorf
Ourtalstraße bei Wallendorf
Etwas weiter nördlich bei Dasburg führt eine Brücke über die Our. Im auf der deutschen Seite liegenden Dasburg führt die Straße um einen Hügel und der darauf befindlichen Burgruine herum. Normalerweise werden Burgen oder Schlösser durch Kriegshandlungen zerstört, nicht jedoch diese Burg. Marschall Oudinot, Herzog von Reggio, erhielt 1811 das Schloss als Schenkung von Napoleon I. Der ließ das Schloss zwei Jahre später öffentlich versteigern, mit der Maßgabe, die Burg innerhalb eines Jahres zu schleifen, also zu zerstören. Übrigens, Dasburg ist die westlichste Gemeinde von Rheinland-Pfalz. Von hier aus steigt die Bundesstraße 410 an und führt uns bis zum Abzweig auf die Landesstraße L 1, die uns durch Felder und Wälder kurvenreich bis nach Übereisenbach bringt. Wieder steht ein Grenzübertritt an und wir rollen in zügigem Tempo immer entlang der Our Richtung Süden. Noch zweimal wechseln wir die Flussseite – ohne Luxemburg zu verlassen –, ehe wir Vianden erreichen.

Von Vianden nach Echternach

Blick auf Schloss Vianden
Blick auf Schloss Vianden
Die Stadt an der Our im östlichen Teil der Ardennen – dem „Ösling“ – ist wegen seiner Lage am Fluss und der über der Stadt thronenden Burg Vianden eines der wichtigsten Touristenzentren Luxemburgs. Die Burg oberhalb der Stadt ist naturgemäß der Hauptanziehungspunkt des touristischen Interesses. Die Höhenburg wurde auf der Grundlage eines römischen Kastells errichtet und im 11. Jahrhundert unter anderem durch den Einbau einer zehneckigen Kapelle erweitert. Im 19. und 20. Jahrhundert verfiel die Burganlage mehr und mehr und erst seit 1977 wird die mächtigste noch bestehende Befestigungsanlage Luxemburgs nach und nach wieder aufgebaut. Aber auch die Altstadt von Vianden mit den Cafés rund um die Our-Brücke hat ihren Reiz und lädt zum Verweilen ein. Wir fahren aber weiter, dieses Mal auf der „deutschen“ Seite. Auf schmalen Straßen immer parallel zur Our cruisen wir bis nach Echternacherbrück.
Begegnungen mit Autos gibt es kaum, höchstens trifft man mal einen Bauern mit seinem Traktor. Bei Wallendorf wechseln wir unsere Begleitung. Die Our mündet in die Sauer, die nun die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg bis zur Mündung in die Mosel bildet. Erst in Echternach, nach Passieren der Brücke über die Sauer, wird es voller. Noch dazu ist Echternach – so scheint es – eine einzige Baustelle mit Einbahnstraßen und Umleitungen, die jedes Navi und damit auch den Fahrer zur Verzweiflung bringen. Das Ganze erinnert mich irgendwie an die Echternacher Springprozession, zwei Schritte vor, einer zurück. An eine Besichtigung der Basilika oder der Abtei ist nicht zu denken. Lediglich der „Denzelt“, das Gerichtsgebäude, lässt uns ein paar Minuten im Parkverbot verweilen.
Larochette, Blick auf die Festung
Larochette, Blick auf die Festung
Von Echternach aus nutzen wir dann die Rue de Mersch, die 118. Noch einmal mit reichlich Kurven versehen führt diese Route durch das waldreiche Müllerthal zunächst nach Larochette. Dort statten wir der Festung Larochette noch einen kurzen Besuch ab, ehe wir zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour durch den Nordosten Luxemburgs in Mersch fahren.
Mit einem von Herzen kommenden Dankeschön für die Begleitung und einer Umarmung verabschieden wir unseren Luxemburger Freund Thomas nach Hause. Knapp zweihundert Kilometer durch eine wunderschöne Landschaft, gespickt mit reichlich Kurven, ohne viel Verkehr – Motorradfahrerherz, was willst du mehr? Na ja, natürlich noch mehr Kurven und kleine Straßen, aber nicht jetzt. Ein anderes Mal bestimmt, denn es gibt in Luxemburg noch mehr davon. Wir kommen wieder, ganz sicher.

Motorradtour Luxemburg – Tanz durch das „Ösling“ – Infos

Motorradtour Luxemburg – Tanz durch das „Ösling“
Das Großherzogtum Luxemburg ist mit etwas mehr als zweieinhalbtausend Quadratkilometern nicht das größte europäische Land, hat aber für uns Motorradfahrer eine Menge zu bieten. Der Norden des Landes gehört zu den Ardennen und wird das „Ösling“ genannt. Bewaldete Berge und Hügel, in die sich Flüsse eingegraben haben und tiefe Täler bilden, prägen hier die Landschaft und bieten damit ein traumhaftes Terrain für uns Motorradfahrer. Straßen, die in den Flusstälern kurvenreich dem Verlauf des Wassers folgen oder den Weg über die Bergrücken ins nächste Tal nehmen, laden zum Tanz durch das „Ösling“ ein. Diese Tour durch den Nordosten Luxemburgs und die angrenzende Eifel soll euch ein bisschen Appetit machen, unseren Nachbarn einen Besuch mit dem Motorrad abzustatten und die Gastfreundschaft der Luxemburger zu genießen.

Allgemeine Infos

Das Land Luxemburg hat einen eher ländlichen Charakter. Lediglich die Hauptstadt und die unmittelbar umliegenden Städte bilden das einzige Ballungszentrum des Landes. Die angrenzende Region im Norden des Landes – die Ardennen – wiederum ist geprägt von den sich durch die Mittelgebirgslandschaft windenden Flussläufe von Our und Sauer. Hier finden sich abseits der Hauptverkehrswege reichlich kleinere und schmale Nebenstraßen, die sich in einem munteren Auf und Ab kurvenreich so durch die Felder und Wälder schlängeln, dass das Motorradfahrerherz lacht.
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 190 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 527 Meter über NN

Anreise

Von Norden kommend nutzt man die A 1 sowie die A 602 und A 64, von Süden kommend die A 8, von Osten die A 6 und A 8.

Beste Reisezeit

Die Tour kann von April bis Oktober unter die Räder genommen werden.

Verpflegung

Die luxemburgische Küche ist einfach und eng mit den geografischen Bedingungen und der ländlichen Lebensweise in der Vergangenheit verbunden. Zwar hat die internationale Küche ebenfalls ihren Einfluss entfaltet, doch die traditionelle und deftige Küche hat wieder ihren Platz auf den Speisekarten gefunden. „Judd mat Gaardevounen“ (Schweinenacken mit Saubohnen) und „Trälpen“ (gebratene Blutwurst) mit Apfelkompott sind nur zwei Beispiele. Dazu gibt es trockene, sortenreine Weißweine von der Luxemburger Mosel.

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