M&R-PlusÖsterreich vom Allerfeinsten – Reise zum Mittelpunkt der Alpen (Teil 3)

Das seenreiche Salzkammergut gibt die Kulisse für die diese Etappe ab; sie führt durch Teile der österreichischen Bundesländer Oberösterreich und Salzburg, bevor der Vorstoß ins Herz der Alpen beginnt.
Ulf Böhringer
Zielort der vorhergehenden Etappe war das Städtchen Gmunden am Traunsee, berühmt nicht nur wegen seiner wunderbaren Lage, sondern auch wegen der dort beheimateten Gmundener Keramik; sie stellt einen Fixpunkt dieser Stadt dar – hier gibt es den einzigen Keramikbrunnen Österreichs. Als weiterer Höhepunkt darf das Rathaus-Glockenspiel gelten, das ebenfalls aus gebranntem Ton besteht. Es läutet mit ein wenig Glück jenen zum Aufbruch, die gleich gegenüber Logis
M&R-Plus
bezogen haben.
Das Seeschloss Ort liegt nahe der Stadt Gmunden direkt am Traunsee
Das Seeschloss Ort liegt nahe der Stadt Gmunden direkt am Traunsee
Bis zum ersten Pflichtstopp der vierten Etappe sind ab der Gmundener Innenstadt ziemlich exakt 1.500 Meter zu absolvieren. Das zweiteilige Schloss Ort (das See- und das Landschloss liegen dicht beieinander) ist das Wahrzeichen der Salzkammergut-Stadt. Vor mehr als 1.100 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, gelangte das Seeschloss Ort vor allem durch die TV-Serie Schlosshotel Ort zu großer Berühmtheit. Die Besichtigung ist möglich – ein Hotel ist allerdings nicht integriert …

Altmünster verlockt gleich zum zweiten Stopp

Für Freunde nicht motorisierter Zweiräder ist der zweite Stopp nicht weit entfernt: In Altmünster gibt es ein Oldtimermuseum für Fahrräder. Den Umgehungstunnel von Traunkirchen sollte man tunlichst vermeiden, um den hübschen Ort auch zu erfühlen; wer nach links Richtung Winkl abbiegt, liegt richtig. Gegenüber von Traunkirchen liegt der imposante Traunstein, dessen schroffe Flanke fast senkrecht in den Traunsee abfällt.
Am Südufer des Traunsees, in Ebensee, lässt sich ein Blick auf die weltweit älteste Pipeline werfen: Es handelt sich um die 1604 in Betrieb gegangene Soleleitung, die auf 40 Kilometern Strecke Hallstatt mit Ebensee verbindet. Diese Leitung ist noch immer in Funktion. Die hübsch zu fahrende B 153 verbindet kurvenreich den Traun- mit dem nicht minder schönen Attersee. Am Ostufer fahren wir „hinauf“ Richtung Norden, immer wieder gibt es spektakuläre Ausblicke auf das größte Gewässer des Salzkammergutes. Umkehrpunkt ist Seewalchen, am Nordufer gelegen. Die Westuferstraße ist schmäler und kurvenreicher und natürlich folgt auch hier ein Ausblick dem vorhergehenden. Eine schluchtartige Enge verbindet den Attersee mit dem nahen Mondsee. Im namensgebenden Ort befand sich schon zu Römerzeiten eine Siedlung; das Kloster ist von 748 und damit uralt. Hier entstand das älteste, noch vollständig erhaltene Buch Österreichs. Das Ende des 18. Jahrhunderts aufgelassene Kloster heißt heute „Schloss Mondsee“ und dient als Hotel und Museum.

St. Wolfgang – ein Anziehungspunkt der Sonderklasse

Das Zentrum von St. Gilgen am Wolfgangsee mit dem Rathaus
Das Zentrum von St. Gilgen am Wolfgangsee mit dem Rathaus
Nächster bedeutender Ort unserer „See-You“-Tour ist St. Gilgen am Wolfgangsee; das Ortsinnere mit dem freundlich wirkenden Rathaus sowie gepflegten, intensiv mit Blumen geschmückten Bürger- und Gasthäusern ist absolut sehenswert. Vom Ostufer des Wolfgangsees ist die steil abfallende Falkensteinwand gut erkennbar; weil sie auch unter Wasser senkrecht abfällt, kann man hier mitunter waghalsige Klippenspringer erkennen, die bis zu 27 Meter im freien Fall absolvieren. Dagegen erscheinen für unser einen die schön geschwungenen Kurven der Uferstraße als sicherer Genuss.
Über die Dächer von St. Wolfgang reicht der Blick hinüber Richtung Zwölferhorn
Über die Dächer von St. Wolfgang reicht der Blick hinüber Richtung Zwölferhorn
Nicht direkt auf der Route nach Bad Ischl liegt St. Wolfgang, Hauptort am Wolfgangsee. Ein paar Besonderheiten lohnen den Abstecher: So befindet sich in der Pfarrkirche der weltberühmte fünfteilige Pacher-Altar aus dem 15. Jahrhundert, unmittelbar am Seeufer liegt das nicht minder berühmte Hotel „Weißes Roß“, in dem Ralph Benatzkys Operette „Im weißen Rößl“ fiktiv spielt, aber auch ganz real immer wieder mal aufgeführt wird. Spektakulär ist auch die beschauliche Fahrt mit der Zahnradbahn auf den mit einem herrlichen (See-)Panorama gesegneten Schafberg; auf knapp sechs Kilometern Strecke macht sie 1.200 Höhenmeter.

Bad Ischls kaiserliche Vergangenheit

Am Schröpferplatz ist gut pausieren; die Konditorei Zauner ist nicht weit entfernt
Am Schröpferplatz ist gut pausieren; die Konditorei Zauner ist nicht weit entfernt
Und jetzt Bad Ischl: Am Ufer der Traun gelegen, beeindruckt sie mit ihrer kaiserlichen Vergangenheit. Mit Eröffnung der ersten Badestube im Jahr 1823 hatte Ischls Aufstieg zum führenden Kurort Europas begonnen. Erzherzogin Sophie von Bayern, hierorts mit Sole-Kuren gegen Unfruchtbarkeit behandelt, gebar schließlich vier „Salzprinzen“; als erster kam der spätere Kaiser Franz Josef zur Welt. Die Kaiservilla war Sophies Hochzeitsgeschenk für ihren Sohn anlässlich der Eheschließung mit der 16-jährigen bayerischen Herzogin Sissi. Bad Ischl lässt seine Besucher auch heute noch an vielen Stellen kaiserliche Luft schnuppern.
Der Hl. Nepomuk ist der Brückenheilige der Traunbrücke in Bad Ischl; hinten die prächtige Esplanade
Der Hl. Nepomuk ist der Brückenheilige der Traunbrücke in Bad Ischl; hinten die prächtige Esplanade
Wer hier nicht kreuz und quer durch die Innenstadt stromert, versäumt etwas. Denn Kurapotheke, Kurhaus, das Gebäude des einstigen Hofzuckerbäckers Zauner oder die klassizistische Trinkhalle sind Zeugen einer Zeit, in der Bad Ischl in der Weltpolitik eine bedeutsame Rolle spielte.

Seen sehen & staunen

Auch auf der kurvenreichen Fahrt von Bad Ischl nach Radstadt stehen die wunderbaren Gewässer des Salzkammergutes im Mittelpunkt, bevor der Vorstoß ins Herz der Alpen beginnt
Auch auf der kurvenreichen Fahrt von Bad Ischl nach Radstadt stehen die wunderbaren Gewässer des Salzkammergutes im Mittelpunkt, bevor der Vorstoß ins Herz der Alpen beginnt
Bad Ischl, die einstige Kaiserstadt, ist der Ausgangspunkt für die Erforschung des steirischen Teiles des Salzkammergutes. Der Hallstätter See, der Gosausee, der Grundlsee, der sagenumwobene Toplitzsee oder der Altausseer See – unter ihnen lässt sich keine faire Rangliste der landschaftlichen Eindrücklichkeit aufstellen. Dennoch gibt es einen „primus inter pares“, den am höchsten Gestellten unter den Gleichen. Es ist der Hallstätter See, erster Stopp auf unserem gut 190 Kilometer langen, insgesamt wieder sehr kurvenreichen Fahrtag. Zusammen mit dem Hohen Dachstein (2.995 m) und dem Inneren Salzkammergut zählt der Ort Hallstatt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Gewaltige Ausblicke finden sich in Altaussee
Gewaltige Ausblicke finden sich in Altaussee
5.000 Jahre alt sind die ältesten Funde, vor 3.500 Jahren wurde hier bereits Salz abgebaut. Eine ganze Epoche der Menschheit trägt den Namen dieses Ortes: Die Hallstattzeit wird von Geologen mit 800 bis 400 v. Chr. datiert. Wer Impressionen von Hallstatt gewinnen will, parkt am Ortsende direkt am See und geht dann ein wenig spazieren. Sehenswert sind insbesondere das Museum Hallstatt und das Salzbergwerk.

Zwei Abstecher locken in Bad Aussee

Auf der Loser-Panoramastraße können die Schneewände im April noch beträchtlich hoch sein
Auf der Loser-Panoramastraße können die Schneewände im April noch beträchtlich hoch sein
In den meisten Alpenstraßenführern wird der nahe Koppenpass noch als eher grimmig beschrieben. Das ist vorbei, der Ausbau ist nämlich weit fortgeschritten. Langweilig ist er jetzt aber keineswegs, sondern sogar eher fahraktiver, eine prächtige, eher unbekannte Alpenstraße. In Bad Aussee gönnen wir uns zwei eindrucksvolle Abstecher: erst den zum Altausseer See und hinauf zum Loser, einem wunderbaren Panoramaberg. Die Bergstraße ist für halbwegs erfahrene Alpentourer unproblematisch zu befahren, der Ausblick lohnt die 8 Euro Maut. Der zweite Abstecher führt am Grundlsee­ufer entlang bis an den Rand des Toten Gebirges: Der Blick von dort hinten zurück Richtung Bad Aussee ist allerfeinst.
Wer will hier nicht Platz nehmen! Diese Bank steht am Ostufer des Grundlsees in Gößl; im Hintergrund das Tote Gebirge
Wer will hier nicht Platz nehmen! Diese Bank steht am Ostufer des Grundlsees in Gößl; im Hintergrund das Tote Gebirge
Den einstigen Zeitgeist dokumentiert ein Schild des Bürgermeisteramtes Grundlsee; es ist noch heute an einer Scheune befestigt. „Fahrzeuge Höchsttempo 20 km/h. Auspuffen verboten, sonst Strafe.“ Die B 145 ist während der nächsten Kilometer eher reizlos, da gewaltig ausgebaut; die Topografie lässt aber keine Alternative zu. In Bad Mitterndorf lohnt ein Stopp an der Skiflugschanze Kulm: Hier fliegen die Besten mehr als 240 Meter weit – schon die Vorstellung davon reicht für weiche Knie. Hinunter ins Ennstal ist die B 145 zumeist ziemlich fahraktiv. Unübersehbar erhebt sich das auf einem mächtigen Felsen thronende Schloss Trautenfels mitten im Tal; es dient als natur- und kunstgeschichtliches Museum.
Schloss Trautenfels dominiert das mittlere Ennstal; es dient heute als Museum
Schloss Trautenfels dominiert das mittlere Ennstal; es dient heute als Museum

Lieber auf der kleinen Parallelroute als auf der B 320 durch das Ennstal

Über weite Strecken findet sich im Ennstal eine Parallelroute zur Hauptstraße, der B 320. Wir fahren erst südlich von ihr, später dann nördlich auf Nebenstraßen bis zum malerischen Ort Ramsau am Dachstein.
Das Rathaus in Schladming war früher ein Jagdschloss von Prinz August von Sachsen-Coburg und Gotha
Das Rathaus in Schladming war früher ein Jagdschloss von Prinz August von Sachsen-Coburg und Gotha
Sowohl Ramsau als auch Schladming, der Hauptort des Tales, waren schon mehrfach Schauplatz von nordischen bzw. alpinen Ski-Weltmeisterschaften. Von Ramau, auf einer schönen Hochebene gelegen, erreichen wir über Pichl wieder den Talboden. Eine der beiden nun möglichen Routen folgt der Nebenstraße über Forstau. Alternativ bleibt man auf der B 320 und passiert dabei das Dorf Mandling, direkt an der Bundesländergrenze Steiermark/Salzburg gelegen. Das schon seit 1888 bestehende Lodengeschäft Steiner ist einen Stopp durchaus wert: Hier gilt handwerkliche Tradition noch etwas. Der Familienbetrieb mit Gründungsjahr 1888 produziert ausschließlich in Österreich; er ist in der Region stark verwurzelt. So ist eine der schwierigsten Kletterrouten auf den nahen Hohen Dachstein, der Steinerweg, nach dem einstigen Firmenchef Franz Steiner benannt. Er trug dabei – wen wundert’s – eine selbstgefertigte Lodenhose …
Radstadt weist eine fast vollständige Stadtmauer auf; die gesamte Innenstadt ist von ihr umschlossen
Radstadt weist eine fast vollständige Stadtmauer auf; die gesamte Innenstadt ist von ihr umschlossen
Tagesziel ist Radstadt mit seiner aus dem 13. Jahrhundert stammenden, noch gut erhaltenen Stadtmauer und einer ganzen Reihe historischer Gebäude im dicht bebauten Stadtzentrum. Aufgrund seiner zentralen Lage eignet sich das Städtchen gut, um hier Station zu machen und Tagestouren zu absolvieren: Die Schladminger wie auch die Radstädter Tauern bieten Auslauf fast ohne Ende. Fast noch zu den Geheimtipps zählt die Runde durch die abgelegenen Sölktäler, weiter über Turracher Höhe und Katschberg zum Radstädter Tauernpass und zurück nach Radstadt (270 km).

Auf der letzten Etappe berühren wir die Hohen Tauern und enden im Salzburger Land dicht an der deutschen Grenze. Zu lesen ab dem 24.04.23

Tourinfos: Österreich vom Allerfeinsten

Motorradtour Österreich vom Allerfeinsten
17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch unser Nachbarland führt. Exakt 533 Kilometer Luftlinie beträgt die Distanz von Bregenz, der westlichsten Stadt Österreichs, zur östlichsten (Neusiedl im Burgenland), und ziemlich genau halb so weit sind Waidhofen an der Thaya, die nördlichste Stadtgemeinde, und Bad Eisenkappel als südlichste Gemeinde voneinander entfernt, nämlich 270 Kilometer.
Allgemeine Infos
Österreich ist ein vielfältiges Land: Gebirgszüge wechseln mit Hügellandschaften, weite Ebenen gibt es nur wenige – am ehesten im äußersten Osten, wo die Pannonische Tiefebene beginnt, deren Hauptteil freilich bereits jenseits der Landesgrenze, nämlich in Ungarn, liegt. Auch wenn Österreich weniger Superlative als die Schweiz zu bieten vermag (nur eine statt vier Amtssprachen, kein einziger Viertausender, keine Palmenregion wie das Tessin), so ist das Land weit mehr als nur eine Reise wert: Städte wie Wien, Salzburg oder Innsbruck genießen Weltruf, Tirol wirbt – nicht völlig überzogen – als „Herz der Alpen“, das gleichermaßen seenreiche wie gebirgige Salzkammergut ist ganz zweifellos eine Landschaft „wie aus dem Bilderbuch“. Dazu kommen zahlreiche Schlösser und Burgen, hübsche Dorfbilder – und charmante kleine Städte.
  • Routenlänge: ca. 1.060 km
  • Höchster Punkt: 841 m
Anreise
Startpunkt der ersten Etappe ist Steyr in Oberösterreich. Das lässt sich über die A 3 gut erreichen. Alternativ kann auch Hallein nahe der deutschen Grenze als Startpunkt gewählt werden. Über die A 8 erreicht man die Bezirkshauptstadt des Tennengaus.
Beste Reisezeit

Für diese Tour eignet sich – je nach Großwetterlage – am besten der Zeitraum zwischen Mai und Ende September.

Downloads zum Thema

Bücher, Landkarten & Reiseführer
Produkte zum Thema

Motorradreisen in dieser Region

Hotels in dieser Region

Kontakt & Buchung
Hotels auswählen
Name
Telefon
E-Mail
Anreise
Abreise
Personen
Nachricht an das Hotel




Dieser Beitrag gehört zu einer mehrteiligen News
Österreich vom Allerfeinsten – historische Städte (Teil 1)