M&R-PlusÖsterreich vom Allerfeinsten – Schmankerl-Tour (Teil 4)

Auf der letzten Etappe berühren wir die Hohen Tauern und enden im Salzburger Land dicht an der deutschen Grenze.
Ulf Böhringer
Von Radstadt über Altenmarkt kommen wir in eine der Parade-Wintersportregionen des Salzburger Landes; sie trägt den einprägsamen Namen „Salzburger Sportwelt Amadé“; Mozart, der mit Wintersport erwiesenermaßen nichts am Hut hatte, muss bei den gewieften Landsleuten aber nicht nur für Kugeln, sondern auch fürs Skifahren herhalten … Die Bauernhäuser dieser Gegend zeichnen sich durch einen gut sichtbaren Aufbau auf dem Dachfirst aus: Das
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Glöckchen in diesem hölzernen Glockenturm wurde stets vor den Mahlzeiten entweder von der Bäuerin selbst oder der Kuchldirn geläutet, um alle zum Essen zu rufen, die entweder auf dem Hof oder den Feldern tätig waren. Es war größeren Bauernhöfen vorbehalten, einen solchen von einem Wetterhahn oder einem Kreuz verzierten Glockenturm auf dem Dachfirst zu installieren.

Bundesstraße mit Spaßfaktor

Radstadt – der Startpunkt der letzten Etappe
Radstadt – der Startpunkt der letzten Etappe
Auf dem Weg nach St. Johann im Pongau gilt es, eine besonders kurvenreiche Passage zu bewältigen; die Bundesstraße windet sich entlang des Wagreiner Bachs durch eine schlucht­artige Enge; im Süden ragt das Massiv des Grafenbergs auf, dessen Hänge mit extrem kapazitätsstarken Bergbahnen bestückt sind. In St. Johann weitet sich das Tal; der Wagreiner Bach mündet in die Salzach. Wer Lust auf einen schönen Überblick über St. Johann (565 m) und dessen Umgebung hat, versucht in der Nähe der Bezirkshauptmannschaft, die Talblickstraße zu finden; auf ihr geht es kurvig bis hinauf zum Vorderebenhof in 1.070 Meter Höhe. Ebenfalls ans Herz gelegt sei Besuchern ein Blick auf die Pfarrkiche St. Johannes, allgemein bekannt unter dem Begriff „Pongauer Dom“; es ist die weit und breit einzige zweitürmige Kirche. Alt ist sie übrigens nicht wirklich; ein Stadtbrand hatte 1855 die frühere, viele Jahrhunderte alte Kirche zerstört. Links vom „Pongauer Dom“ steht die Annakapelle, das einzige von diesem verheerenden Feuer verschont gebliebene Sakralgebäude des Ortes. Die zweistöckige Annakapelle ist nicht nur ihrer Zweistöckigkeit wegen bedeutsam, sondern auch deshalb, weil sie schon vor 40 Jahren von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam saniert worden ist und seither auch von beiden Konfessionen genutzt wird.
Noch zu St. Johann gehört auch ein herausragendes Naturspektakel: Die Liechtensteinklamm zählt zu den eindrucksvollsten begehbaren Schluchten der Alpen. Besonders ungewöhnlich ist die in Form einer Wendeltreppe angelegte Treppenanlage Helix. Sie reicht 30 Meter in die Tiefe. Die Felswände in der Klamm messen teils bis zu 200 Meter. Der Eintritt kostete 2021 allerdings auch 11,-- Euro. Die B 311 durch das Salzachtal ist meist stark befahren und deshalb nicht unbedingt ein Quell der Freude. Immerhin weist sie ein paar schöne Kurven auf, die eine Zierde für den kurvigsten Abschnitt darstellen. Wer der bald auftauchenden Abzweigung ins Gasteinertal folgt, erreicht gleich am Ende des Eingangstunnels das Dörfchen Klammstein. Nicht weit von hier liegt die sogenannte Entrische Kirche. Dabei handelt es sich um eine Schauhöhle, die ihren Namen deshalb trägt, weil das Areal im 16. bis 18. Jahrhundert den Lutheranern als geheimer Versammlungsort diente. Der Abstecher zur Höhle vom Parkplatz an der B 167 ist allerdings etwas zeitraubend: Der Aufstieg allein dauert eine gute Dreiviertelstunde, der Weg ist schweißtreibend. Die Höhle selbst gilt als die größte Naturhöhle der Salzburger Zentralalpen; sie besteht sowohl aus Fels als auch aus Tropfstein. Da ausschließlich Führungen (bereits ab drei Personen) angeboten werden, ist der Eintrittspreis von 14,-- Euro (2021) beträchtlich.

Zu schade zum schnellen „Rauf und Runter“: Tour zum Großglockner

Das Urmeter der Großglockner Hochalpenstraße: Km-Stein 0 an der Salzachbrücke in Bruck
Das Urmeter der Großglockner Hochalpenstraße: Km-Stein 0 an der Salzachbrücke in Bruck
Beim Hinweisschild „Bruck an der Glstr.“ verlassen wir die B 311 und steuern den Ort Bruck an. An der Salzachbrücke gegenüber dem historischen Gasthof Lukashansl steht der historische Kilometerstein 0 der Großglockner Hochalpenstraße. Hier begann die nach wie vor überaus eindrucksvolle Route über die Hohen Tauern bei ihrer Eröffnung im Jahr 1935. Schon seit vielen Jahren haben die ersten Kilometer der Glocknerstraße bis nach Fusch keine besondere Bedeutung mehr. Dennoch: Es lohnt, hier eine Pause zu machen und die Szenerie zu genießen. Und sich vorzustellen, wie eine Überquerung des Tauernmassivs vor fast 85 Jahren abgelaufen sein mag. Die Tour hinauf zum Glockner und wieder zurück empfehle ich in diesem Zusammenhang nicht. Um bloß mal „schnell rauf und wieder runter“ zu fahren, ist die Maut zu teuer und der Zeitaufwand zu hoch.
Zell am See
Zell am See
Wir fahren weiter nach Zell am See, wobei es eine Entscheidung zu treffen gilt: Fährt man durch die Stadt und damit auf der Westseite des Zeller Sees entlang oder nutzt man die nach vielen Jahren Baustelle endlich wieder befahrbare Straße auf der Ostseite und durchquert dabei Thumersbach. Hier hat man zwei schöne Panoramablicke über den See hinüber nach Zell am See mit der dahinter aufragenden Schmittenhöhe. Geschmackssache.

Tipp für Entdecker

Nächste Station ist Saalfelden, eine Marktgemeinde am bekannten „Steinernen Meer“. Dabei handelt es sich um einen mächtigen, verkarsteten Gebirgsstock. Nach Saalfelden führt sowohl die Hauptroute, die B 11, meist stark befahren und wenig spaßig. Im Osten davon finden Entdeckernaturen eine kleine Ortsverbindungsstraße, die von Maishofen über Schloss Kammer (Einkehr sehr empfehlenswert!) und Gerling nach Hof führt.
Ganz schön schattig kann's auch im April auf der Hochkönigstraße bei Dienten sein
Ganz schön schattig kann's auch im April auf der Hochkönigstraße bei Dienten sein
Die Strecke ist unübersichtlich, einspurig sowie von zahlreichen Radlern und auch Spaziergängern bevölkert, also nichts zum Tempobolzen. Aber sie eröffnet herrliche Blicke über den lieblichen Talboden in Richtung Saalfelden und das schroff hinter dem Ort aufragende Steinerne Meer. Ein irrer Kontrast! Ab jetzt wird’s wieder extrem fahraktiv, denn die Route führt über die sehr kurvige B 164 erst nach Maria Alm und dann auf den Filzensattel, immerhin 1.290 Meter hoch und ein ziemlich „schattiges Loch“. Hier stößt man selbst im April oder auch Mai in den waldigen Passagen oft noch auf Schneereste am Straßenrand. An der Südflanke des fast 3.000 Meter hohen Hochkönig, in dessen Norden der Nationalpark Berchtesgadener Alpen liegt, führt die B 164 in einer wahren Kurvenorgie über die Höchkönigstraße erst nach Dienten, später talwärts nach Mühlbach und Bischofshofen. Wer hier keinen Fahrspaß findet, dem ist nicht mehr zu helfen!

Der schönste Weg ist mal wieder ein Umweg

Die Lok 1161.017-7 steht zur Erinnerung in Bischofshofen
Die Lok 1161.017-7 steht zur Erinnerung in Bischofshofen
Wer einen Sinn für ältere elektrische Lokomotiven hat, stößt in Bischofshofen auf ein rot lackiertes Exemplar des Typs 1161.017-7. Das war keine schnelle Lok für Reisezüge, sondern eine 1939 hergestellte Zugmaschine. Sie wurde in und um Bischofshofen im Schubverkehr eingesetzt und war deshalb nur 40 km/h „schnell“. Aber um ihren Dienst leisten zu können, stand eine Leistung von 700 kW/950 PS zur Verfügung! 56 Tonnen wiegt das kompakte Teil, das, auf einem Denkmalsockel montiert, geduldig seine Huldigungen entgegennimmt. Nächstes Jahr wird es 30 Jahre her sein, dass diese Lok ausgemustert worden ist. Der zweifelsfrei schönste Weg von Bischofshofen nach Hallein ist ein gewaltiger Umweg, nämlich die Route über das Lammertal und den Pass Gschütt und Abtenau rund um das mächtige Tennengebirge. Besonders schön und auch überdurchschnittlich abwechslungsreich zu fahren ist der Abschnitt zwischen Annaberg und Scheffau am Tennengebirge; insbesondere die Lammerklamm lockt zu einem Besuch. Das streckenweise sehr wilde Gewässer übt auf Wildwasserfahrer eine hohe Anziehungskraft aus. Je nach Wasserstand entspricht der Grad der Anforderung ungefähr der sehr schnellen Überquerung eines kernigen Alpenpasses …

Zahlreiche Schmankerl im Salzachtal

Die eindrucksvollen Fassaden in Gollings Hauptstraße locken zum Spaziergang
Die eindrucksvollen Fassaden in Gollings Hauptstraße locken zum Spaziergang
Für diejenigen, die mit ihrer Zeit schon sehr haushalten müssen, bietet sich eine durchaus brauchbare Alternative zum weiten Ausholen durchs Lammertal. In Richtung Salzburg führt nämlich nicht nur die Autobahn, sondern zudem die dank deren Baus erträglich zu fahrende B 159, die Salzachtal-Bundesstraße. Sie weist trotz ihrer Einstufung als Bundesstraße einen gewissen Schlängelcharakter auf, ist also nicht langweilig zu fahren. Erster Ort mit Potenz zum Stopp ist Werfen. Die Festung Hohenwerfen hat’s in sich. Mittlerweile als „Erlebnisburg“ tituliert, ist sie eine mittelalterliche Höhenburg, die auf einem markanten Felskegel errichtet worden ist. Der Bau der Festung begann schon vor rund 950 Jahren. Dass sie über lange Zeit eine wichtige Schutzfunktion innehatte, ist dem mächtigen Bauwerk anzusehen.
Nicht nur die Kalbsbratwürstl locken: Gasthof/Metzgerei Döllerer in Golling
Nicht nur die Kalbsbratwürstl locken: Gasthof/Metzgerei Döllerer in Golling
Nördlich der Salzach-Enge, der Salzachklamm, drängt sich erneut ein Stopp auf. Diesmal allerdings aus kulinarischen Gründen. Denn die „Frischen“, höchst speziell gewürzte Kalbsbratwürstl der Fleischhauerei Döllerer, mitten im Ort gelegen, genießen schon seit Jahrzehnten einen ausgezeichneten Ruf. Wie überhaupt das Wirtshaus eine sehr hochwertige Küche offeriert. Wer anschließend noch Zeit und Lust hat, einen hübschen Abstecher auf die umliegenden Hügel zu machen und abwechslungsreiches Kurvengeschlängel zu genießen, der zweigt gleich nördlich von Golling nach Osten auf die Sankt Koloman Landesstraße ab. Sie führt von etwa 470 Metern Höhe auf 850 Meter und nördlich der Ortschaft und des Sattels wieder talwärts. Über Bad Vigaun ist die B 159 leicht erreichbar und Hallein so gut wie erreicht.

Das Salz machte Hallein bedeutend

Ein Traditionshaus in Hallein: Café und Bäckerei Klappacher
Ein Traditionshaus in Hallein: Café und Bäckerei Klappacher
Hallein, gerade 15 Kilometer südlich von Salzburg, ist ein hochattraktives Städtchen mit 21.000 Einwohnern. Diese für uns bescheidene Einwohnerzahl reicht allerdings, um im Bundesland Salzburg den Rang der zweitgrößten Stadt einzunehmen. Besonderheiten sind das örtliche Salzbergwerk, das eines der weltweit ältesten Bergwerke darstellt. Der Salzbergbau hatte schon viele Jahrhunderte vor Christus eine große Bedeutung und trug in der Keltenzeit viel zum Wohlstand der Region bei. Insbesondere der grenznahe Dürrnberg war durch seinen Salzreichtum berühmt. Das Keltenmuseum in Hallein zählt zu den bedeutendsten Sammlungen zur Keltenkunst in Europa, das Salzbergwerk auf dem Dürrnberg bietet fundierten Einblick in die Geschichte des Salzbergbaus. Es gibt sogar eine unterirdische Floßfahrt auf einem Salzsee. Sehr sehenswert ist aber auch die gesamte Altstadt Halleins; sie liegt südlich der Pernerinsel, welche die Salzach in zwei Arme trennt. Bereits seit 1978 steht Halleins Altstadt zur Gänze unter Denkmalschutz.
Bäckereiwerbung aus alten Zeiten am Oberen Markt in Hallein
Bäckereiwerbung aus alten Zeiten am Oberen Markt in Hallein
Dieser Akt verhinderte, dass weite Teile des Bestands dem Abriss und der Neubebauung zum Opfer fielen. Heute kann man lässig durch die teils engen Gassen mit den vielen Läden, Kneipen und Cafés bummeln. Zumeist auf historischem Kopfsteinpflaster.

Nur eine von elf Brauereien hat überlebt

Salzach-Motiv an der Halleiner Rathausfassade
Salzach-Motiv an der Halleiner Rathausfassade
Bedauerlich ist für Bierliebhaber, dass von den elf Brauereien des 18. Jahrhunderts nur eine überlebt hat. Immerhin kann der Hofbräu Kaltenhausen auf eine 450-jährige Geschichte zurückblicken; damit gilt die Sudstätte als älteste Weißbierbrauerei von ganz Österreich. Seit 2010 gibt man sich als Biermanufaktur, obwohl die Muttergesellschaft Brau Union Österreich AG schon seit 2003 zum Heineken-Konzern gehört. Aber das sieht ja nicht jeder kritisch. Darum: Prost!

Motorradtour Österreich vom Allerfeinsten – Infos

Motorradtour Österreich vom Allerfeinsten
17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch unser Nachbarland führt. Exakt 533 Kilometer Luftlinie beträgt die Distanz von Bregenz, der westlichsten Stadt Österreichs, zur östlichsten (Neusiedl im Burgenland), und ziemlich genau halb so weit sind Waidhofen an der Thaya, die nördlichste Stadtgemeinde, und Bad Eisenkappel als südlichste Gemeinde voneinander entfernt, nämlich 270 Kilometer.

Allgemeine Infos

Österreich ist ein vielfältiges Land: Gebirgszüge wechseln mit Hügellandschaften, weite Ebenen gibt es nur wenige – am ehesten im äußersten Osten, wo die Pannonische Tiefebene beginnt, deren Hauptteil freilich bereits jenseits der Landesgrenze, nämlich in Ungarn, liegt. Auch wenn Österreich weniger Superlative als die Schweiz zu bieten vermag (nur eine statt vier Amtssprachen, kein einziger Viertausender, keine Palmenregion wie das Tessin), so ist das Land weit mehr als nur eine Reise wert: Städte wie Wien, Salzburg oder Innsbruck genießen Weltruf, Tirol wirbt – nicht völlig überzogen – als „Herz der Alpen“, das gleichermaßen seenreiche wie gebirgige Salzkammergut ist ganz zweifellos eine Landschaft „wie aus dem Bilderbuch“. Dazu kommen zahlreiche Schlösser und Burgen, hübsche Dorfbilder – und charmante kleine Städte.
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 1.060 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 841 Meter über NN

Anreise

Startpunkt der ersten Etappe ist Steyr in Oberösterreich. Das lässt sich über die A 3 gut erreichen. Alternativ kann auch Hallein nahe der deutschen Grenze als Startpunkt gewählt werden. Über die A 8 erreicht man die Bezirkshauptstadt des Tennengaus.

Beste Reisezeit

Für diese Tour eignet sich – je nach Großwetterlage – am besten der Zeitraum zwischen Mai und Ende September.

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