M&R-PlusRund um Berlin – Traumtouren durch Brandenburgs Süden

Jost G. Martin
Jost G. Martin
Die Mark Brandenburg bietet eine Menge mehr als nur dunkle Kiefernwälder und riesige landwirtschaftliche Flächen. Interessante Technikdenkmäler sowie Schlösser, Burgen und Klöster laden – verbunden mit dort servierten kulinarischen Köstlichkeiten – zu Tagestouren rund um die Hauptstadt ein. Eines Tages kamen Frank und ich auf die Idee, die Umgebung von Berlin unter die Räder zu nehmen und ein paar Touren zu fahren, zu fotografieren und in M&R zu präsentieren. „Mach doch einfach“, meinte Frank damals. „Such dir ein paar Models und fahr los.“ Gesagt, getan. Aber woher die Models nehmen, die noch dazu Motorrad fahren? Aber wozu gibt es bei Motorrad und Reisen das Modelforum? Also‚ ran an den Rechner und geprüft, welche der im Forum eingetragenen Models aus Berlin und Umgebung kommen. Die Resonanz überraschte mich: Vier Models nehmen Kontakt mit mir auf und das Unternehmen „Touren rund um Berlin“ kann starten. Was sich alles aus einem solchen „Model-Casting“ ergeben kann, erfahrt ihr im Laufe dieser Geschichte. Mit Sabine und Marina treffe ich mich an einem Samstagmorgen Ende März an einer Tankstelle in der Nähe des Flughafens Schönefeld.
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Die Wettervorhersage verheißt strahlend blauen Himmel für das gesamte Wochenende. Die Morgensonne müht sich allerdings trotz des wolkenlosen Firnaments noch vergebens, die Temperaturen deutlich in den zweistelligen Bereich zu bringen. Was soll’s, mit der entsprechenden Schutzkleidung schwingen wir uns auf die Motorräder und ziehen los zu unserem ersten Ziel. Über Waßmannsdorf, Selchow und Dahlewitz führt uns die Route auf gut ausgebauten Bundesstraßen nach Zossen und von dort aus über Nebenstraßen, die auch die ersten Kurven und damit das Gefühl von Schräglagen bescheren, in das kleine Örtchen Saalow – also, genau die richtige Einstimmung für den Saisonauftakt. Das Dorf selbst und der nahe gelegene Höllenberg finden ebenso wie die Geschichte der Familie des berühmten Bildhauers Johann Gottfried Schadow in Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Erwähnung. Ein wirklich einmaliges technisches Denkmal weckt dann unser Interesse: die Schubertsche Scheunenwindmühle. Während sich bei allen anderen Windmühlen die Windräder mit vier Flügeln, mit einer Haube oder dem ganzen Mühlengebäude drehen, bildet der Fachwerkbau und die Technik der Mühle mit ihrem Antriebsprinzip einer hölzernen Windturbine eine Einheit. Wie in einem Windkanal drehen sich die Windräder in der Scheune, wenn man die Tore öffnet und Durchzug entsteht. Geduldig lassen wir uns von dem Vorsitzenden des Vereins, der diese Mühle betreut, Technik und Wirkungsweise erklären, ehe wir uns wieder unserer eigentlichen Leidenschaft widmen, dem Motorrad fahren. Inzwischen steht die Sonne auch schon höher am Himmel und wärmt mit ihren kräftigen Strahlen. Die Reise geht weiter und führt am idyllisch gelegenen Mellensee entlang nach Klausdorf und dann weiter Richtung Süden. Wir passieren Sperenberg und genießen unsere kurvenreiche Fahrt durch die wunderschöne Landschaft im südlichen Teil der Mark Brandenburg.
Weiträumige Ackerflächen wechseln sich ab mit immergrünen Kiefernwäldern, durch die die schmalen Asphaltbänder der Landesstraßen führen. Und das Schönste ist: Wir fühlen uns hier auf den Sträßchen fast ein wenig einsam, so ganz ohne Verkehr. Immer wieder unterbrechen kleine, von landwirtschaftlichen Betrieben dominierte Ortschaften mit Kopfsteinpflasterpassagen unseren flotten Rhythmus. Petkus, Hohenseefeld und Werchau sind kleine Weiler, die wir passieren, ehe der Marktplatz in Schlieben zu einer kurzen Rast einlädt. Bei einem Kaffee erzählt uns der ortsansässige Kellner begeistert - ihm bietet sein Beruf wohl nicht immer Gelegenheit dazu – etwas aus der Stadtgeschichte. Schon im 10. Jahrhundert wurde der Ort erstmalig erwähnt und um 1.200 erbauten Zisterziensermönche eine Kapelle, der dann im 14. Jahrhundert die Kirche zu St. Martin folgte. Kriege und die Pest suchten die Stadt heim, ehe man im 18. Jahrhundert in Schlieben ein Amtsgericht einrichtete. Seit der Wende baut man im Bereich der Stadt wieder Wein an. Vor langer Zeit wurden 30 Lager an der historischen Kellerstraße in den Langen Berg gegraben. Wer möchte, kann auf dem Weinwanderweg namens „Langer Berg“ die Weinkeller und die Landschaft anschauen. Wir belassen es aber bei alkoholfreien Getränken, verzichten auf eine Probe des Rebensaftes und da die Gashand zuckt, brechen wir wieder auf.
Nach einer kleinen Pause bei Schlieben wagen wir uns auf die riesige Arbeitsmaschine F60
Nach einer kleinen Pause bei Schlieben wagen wir uns auf die riesige Arbeitsmaschine F60
Die Brikettfabrik „Louise“ bei Domsdorf, lassen wir aus Zeitgründen rechts liegen und fahren vorbei an Doberlug-Kichhain, Finsterwalde sowie über ein stillgelegtes Flugplatzgelände nach Lichterfeld. Schon von Weitem können wir unser südlichstes Zwischenziel dieser Tour durch die Welt der Technik erkennen. Selbst die zahlreichen Windräder in der Umgebung wirken neben der riesigen Stahlkonstruktion wie Spielzeuge: F60 heißt dieses technische Monstrum, am Rande des Lausitzer Braunkohlenreviers. Diese größten, beweglichen technischen Arbeitsmaschinen der Welt transportieren den Abraum, der das Kohleflöz bedeckt. In voller Ausdehnung sind diese Maschinen 502 Meter lang, bis zu 240 Meter breit und etwa 80 Meter hoch. „Und?“ frage ich die beiden Models. „Was haltet ihr davon, wenn wir uns die Gegend von oben anschauen?“ Sabine und Marina antworten einstimmig: „Na, logisch. Sowas kann sich Frau doch nicht entgehen lassen!“
Also los, Tickets gekauft, Motorradhelm gegen einen klassischen „Harten Hut“ der Baubranche getauscht, besteigen wir diesen 13.500 (!) Tonnen schweren Koloss unter sachkundiger Führung. Anderthalb Stunden dauert das Ganze und es geht dabei bis hinauf in schwindelnde Höhen, und zwar zur Spitze dieser Abraumförderbrücke. Nach dem gigantischen Blick über die von Baggern zerklüftete Landschaft geht es wieder zurück auf den sicheren Erdboden. „Endlich wieder auf dem Boden der Tatsachen!“, feixt Sabine, als wir gerade dabei sind auf die Motorräder zu steigen. Aber dann friert ihr Lachen plötzlich ein, ihre BMW R850R will einfach nicht mehr starten. Außer müdes Klackern gibt sie keinen Ton von sich. Also anschieben, doch auch das schlägt trotz der engagierten Hilfe anderer Motorradfahrer fehl. Aber: „Immer wenn du denkst, das Motorrad geht nicht mehr, bringt jemand von irgendwo ein Lichtlein her!“ Gott sei Dank gibt es auch in der Lausitz äußerst freundliche Menschen, die mithilfe eines Fremdstartkabels die BMW wieder flott machen. Und woran lag es? Leider frisst solch ein Parklicht nun mal auch Strom. Sabine macht trotz roter Wangen gute Miene zum bösen Spiel und erträgt unseren leisen Spott mit Fassung.
Auf dem Weg durch den Spreewald zurück nach Berlin besuchen wir noch das Museumsdorf Glashütte. Dort leben Glasbläser, außerdem viele andere Künstler und Handwerker, die ihre alten Traditionen des Dorfes fortführen. Nach einem kurzen Rundgang gönnen wir uns im Biergarten des kleinen romantischen Örtchens eine kräftige Mahlzeit: leckeren Wildschweinbraten mit Kraut. Derart gestärkt geht’s auf zur nächsten Kurvenpartie. Diese führt auf kleinen dahin schlängelnden Sträßchen weiter zum Teupitzer See, der vorletzten Station unserer Tagestour in die Lausitz. Direkt am Gewässer und rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Berlin entfernt, liegt die kleine 2.000 Einwohner-Stadt namens Teupitz, sie gilt als eine der ältesten Ansiedlungen in Brandenburg. Das malerische Städtchen feierte 2007 das 700. Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Selbst Theodor Fontane ließ sich im 19. Jahrhundert von der romantischen Stimmung dort begeistern. Jedenfalls legen wir hier erst einmal eine längere Pause ein. Wir genießen das im Wind dahinplätschernde Wasser sowie den tollen, weitläufigen Ausblick, bevor wir uns wieder kernig in die Waagerechte legen. Berlin ruft und die Sonne neigt sich mächtig Richtung Horizont. Als wir die Hauptstadt wieder erreichen, verabschiedet man sich beim „Hauptmann von Köpenick“ voneinander, lässt aber die echt erlebenswerte Tour noch einmal Revue passieren. „Und? Wie hat’s euch gefallen?“ Sabine und Marina geben zu, dass sie sich erst mal an das mehrfache Hin- und Herfahren bei den Aufnahmen gewöhnen mussten, vor allem an das ewige Wenden auf den manchmal recht schmalen Straßen. Aber das Motorradfahren bei Supersonnenschein und in „meiner“ angenehmen Gesellschaft sei schon echt klasse gewesen.
Die zweite Tagestour mit „meinen“ Berliner Models steht unter einem anderen Motto: Schlösser, Klöster und Burgen im Südwesten von Berlin. Diesmal kommen Catherine und natürlich wieder Sabine zum Einsatz. Als Startpunkt für die Tour bietet sich der bekannte Motorradtreff Spinnerbrücke an. Natürlich juckt es uns schon ordentlich in der Gashand, also nichts wie rauf auf das Motorrad und losgedüst! Als Erstes wollen wir über die berüchtigte Glienicker Brücke fahren. Sie erlangte letztlich weltweite Bekanntheit durch den spektakulären Agentenaustausch am 11. Februar 1986. Da wir mit Spionen aber nichts am Hut haben und James Bond sich auch nicht blicken lässt, steuern wir auf kleinen Teerstraßen Potsdam an. Das Schloss Sanssouci mit dem neuen Palais und dem traumhaften Schlosspark stellt unsere erste Station für einen kurzen Halt dar. Über die preußischen Schlösser und Gärten gäbe es viel zu schreiben, doch wir fahren zu dieser frühen Morgenstunde lieber gleich weiter, denn es gilt, noch viele Schräglagen samt Fahrspaß zu erleben und wundervolle Schlösser zu erkunden. Links, rechts und wieder links, vorbei geht’s an der historischen Mühle von Sanssouci, welche eine Rekonstruktion der einst von Friedrich Wilhelm II erbauten Holländerwindmühle darstellt. Dann führt der Weg erst einmal zur Havel, die mittels Fähre gequert wird.
Über die weltweit bekannte Glienicker Brücke touren wir nach Potsdam
Über die weltweit bekannte Glienicker Brücke touren wir nach Potsdam
Dann schwingen wir uns wieder auf die Motorräder und rollen bei strahlendem Sonnenschein zügig auf einsamen Landstraßen gen Süden. Groß Kreutz und Damsdorf liegen trotz des guten Wetters noch im Tiefschlaf und so haben wir mal so richtig freie Bahn. Erst am Kloster Lehnin bremsen wir. Da lohnt ein Bummel durch die weitläufige Anlage, die auf eine Geschichte bis ins Jahr 1180 zurückblickt. Heute beherbergt es unter anderem eine Rehabilitationsklinik. Inzwischen steuern wir auf Nebenstraßen die in Bad Belzig gelegene Burganlage Eisenhardt an. Sie liegt im Hohen Fläming und beherbergt unter anderem eine Bibliothek sowie ein Standesamt. Das Restaurant nebenan bietet obendrein Gelegenheit, sich mit ausgezeichneten Speisen zu stärken. Nach einem leckeren Essen tut etwas Bewegung gut und so entschließen wir uns zu einem Spaziergang. Der Schlosspark gilt als bedeutendes Gartendenkmal der Gegend. Außerdem findet sich ein kleiner See, die Heimat einiger Schwäne, die sich als ungewöhnlich zutraulich erweisen. Sabine holt ein paar Vollkornkekse aus ihrem Tankrucksack und tatsächlich, ein Schwan frisst ihr und Catherine aus der Hand. Die beiden können sich gar nicht von der Schwanenfütterung lösen, aber die Lust auf satte Kurven ist natürlich größer. Also rauf auf das Motorrad und los geht’s! Schräglage um Schräglage vernaschen wir auf dem Weg zur Burg Rabenstein. Die mittelalterliche Burganlage ist vollständig erhalten und beherbergt neben einer Gaststätte eine rustikale Herberge und eine Falknerei. Leider bleibt uns nur noch wenig Zeit, bis uns die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen verlässt. Also werfen wir die Motoren an und machen uns auf den Rückweg. In Dobrikow stärken wir uns noch einmal mit einem Kaffee und einem köstlichen Stück Apfelkuchen, der mit Walnüssen gespickt ist, bevor wir uns trennen und jeder wieder seinen Heimweg antritt. Noch etwas zum Schluss: Sabine passt seit ihrem Missgeschick auf dem Parkplatz vom Besucherbergwerk F60 immer höllisch auf ihr Parklicht auf, nicht dass ihre Batterie noch einmal streikt.

Motorradtour Rund um Berlin - Traumtour durch Brandenburgs Süden – Infos

Motorradtour Rund um Berlin - Traumtour durch Brandenburgs Süden
Rund um Berlin gibt es echt viel zu sehen und so stehen gleich zwei erlebnisreiche Tage bevor.

Allgemeine Infos

Die erste Tour beschäftigt sich mit Technik, wie der gigantischen Arbeitsmaschine F60 beispielsweise. Die zweite zeigt die ganz andere Seite im Süden Brandenburgs: Romantische Schlösser, historische Mühlen und sagenumwobene Brücken warten darauf, entdeckt zu werden. Auf kleinen meist einsamen Schräglagenpisten pfeilt man so zu den verschiedenen Teilzielen dieser interessanten Tour.

Anreise

Berlin ist aus allen Teilen Deutschlands sehr gut zu erreichen. Reist man aus dem Süden an, so folgt man einfach der A 9 Richtung Berlin/Dresden/Bayreuth und fährt später noch ein kleines Stück über die A 10. Vom Westen aus erreicht man Berlin am besten über die A 2.

Beste Reisezeit

Da das Klima in Brandenburg relativ mild ist, lässt sich die Tour während der kompletten Motorradsaison fahren. Wir empfehlen den Zeitraum zwischen März und Oktober. Aber auch außerhalb dieser Zeit kann man, wenn es das Wetter zulässt, in Brandenburg auf Kurvenjagd gehen.

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