Ersteindruck Honda CBR1000RR-R Fireblade

Das neue vierte R im Namen trägt sie völlig zu recht: Honda hat auf dem MotoGP-Kurs von Katar die neue Fireblade vorgestellt. Und der erste Eindruck der CBR1000RR-R kann nur lauten: Alles richtig gemacht, Honda – auch mit dem nomenklatorisch verwirrenden vierten R wie „Race“. Denn endlich hält die Fireblade, was Marquez’ MotoGP-Renner schon seit Jahren verspricht

Die 2020er Neuauflage rennt wie Hölle und gehört auf die Rennstrecke wie ihre Genspenderin, das Weltmeister-Bike RC213-V. Deren Ingenieurs-Team steckt tief in der DNA der neuen Straßenrennmaschine. Und hat ihr alles mit auf den Weg gegeben, was es braucht, um gegen die ebenfalls frisch überarbeitete Konkurrenz wie Ducati Panigale V4 S oder BMW S 1000 RR zu bestehen.

Alles an der neuen Fireblade (in Deutschland ab 22.330 Euro) wirkt wie selbstverständlich. Aufsteigen, losrasen, neue persönliche Bestwerte rausfahren – nie schien das einfacher als heute. Der aufwendigen Elektronik sei es gedankt. Wie ihre Wettbewerber aus Italien und Deutschland hat die Nippon-Rakete dank 6-Achsen-IMU alles an Bord, was dem Piloten das Leben einfacher macht: Wheelie-Kontrolle, hochsensible Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Brems- und Schaltunterstützung – alles mehrfach einstellbar und hoch sensibel justierbar. Auch die voll einstellbaren Öhlins-Komponenten sind größtenteils per Bordmenü verstellbar.

Das Zündschloss sitzt platzsparend links vorn am Lenkkopf und kommt natürlich ohne klassischen Schlüssel aus. Die Gabelbrücke wirkt dadurch schlank und absolut clean. Alles, was irgendwie die Aerodynamik stören könnte, z.B. der Bremsflüssigkeitsbehälter, befindet sich hinter dem Windschild. Der Lufteinlass zwischen den LED-Scheinwerfern schluckt fast einen ganzen Arm, so monströs haben ihn die Japaner ausgeformt, damit ihrem neuem Vorzeigetriebwerk ja nicht die Luft ausgeht.

217 PS entlockt Honda dem ultrakompakten Reihenvierzylinder. Das maximale Drehmoment von 113 Nm liegt bei 12.500 Touren an. Wer will, kann die Fireblade bis auf 14.500 U/min treiben – und sich am infernalischen Sound begeistern. Weiß der Henker, wie Honda die Akrapovic-Anlage durch die Abnahme geprügelt hat: Das bildschöne Teil brennt ein akustisches Feuerwerk ab, das man der bislang recht vornehmen Fireblade nicht zugetraut hätte. Sollte jemand mit dem Gedanken spielen, seine Nachbarn frühmorgens aus dem Schlaf zu reißen, sei ihm die Launch Control ans Herz gelegt. Schnell weg kann sicher nichts schaden bei derlei Schabernack.

Mehr Power, mehr Stabilität, mehr Renn-Attitüde. Dafür sorgen auch die Winglets, die im MotoGP-Look in die Verkleidung integriert wurden. Das Vorderrad hält eisern den gewünschten Kurs, auch bei sehr hohem Tempo. 282 km/h zeigte mein Tacho kurz vorm Ende der Start/Ziel, wo es sich empfiehlt, beherzt Anker zu werfen, um im zweiten Gang die anschließende Rechtskurve ideal zu erwischen. Kollegen sahen auf dem Farbdisplay die magische 299. Tempo 300+ ist also möglich auf dem Losail International Circuit. Ebenso wie 59 Grad Schräglage (und vermutlich mehr) – meine persönliche Bestmarke, auf die ich mächtig stolz bin, das sei hier nebenbei erwähnt. Und für die man sich auf der neuen Fireblade „gefühlt“ nicht mal besonders anstrengen muss. Das Bike macht es einem extrem einfach. In jeglicher Hinsicht.
Text: Ralf Bielefeldt , Fotos: Francesc Montero


#Honda#Öhlins#Supersport

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