Fahrtest: BMW F 700 GS

„Die perfekten Allroundenduro“ so bezeichnet BMW selbst ihre F 700 GS. Doch was steckt dahinter? Wir haben uns den Nachfolger der F 650 GS genauer angeschaut.
29.05.2015
| Lesezeit ca. 4 Min.
Jost G. Martin
Frank Klose
Verschaffen wir uns einen ersten Eindruck von der Maschine. Was fällt auf? Klar, die Designer haben etwas an der Optik gefeilt. Der „Schnabel“ der F 700 GS ist deutlich markanter geworden. Auch die Seitenverkleidung und das Windschild wurden einer Überarbeitung unterzogen. Das bekannte schiefe Gesicht der GS-Reihe bleibt jedoch erhalten. Ist es ja gewissermaßen schon „DAS“ Erkennungsmerkmal!
BMW F 700 GS Fahrbild
Die F 700 GS bietet eine gute Sitzposition...

Dank variabler Sitzhöhe auch für kleine Fahrer geeignet!

Jetzt also rauf auf die Maschine und probe sitzen. Okay, das ist schon mal vielversprechend. Die Sitzposition überzeugt und fordert regelrecht zu einer Testfahrt heraus. Standardmäßig kommt die BMW mit einer Sitzhöhe von 820 Millimeter daher. Beim Kauf der F700 GS kann man allerdings zwischen vier unterschiedlichen Sitzbänken wählen. Die niedrige Variante senkt die Sitzhöhe um ganze 30 Millimeter auf 790 Millimeter ab und bietet so auch kleineren Fahrern einen sicheren Stand. Für die groß gewachsenen unter uns bietet sich wohl eher die Variante Rally, denn diese bringt die Sitzhöhe auf 860 Millimeter. Getreu dem Motto – „Wie man sich bettet, so liegt man“ – gibt es für alle, die ihren vier Buchstaben etwas Gutes tun wollen, auch eine Komfort-Version der Sitzbank. Mit dieser erreicht man eine Sitzhöhe von 835 Millimetern, ist aber auch gleich mal 100,-- Euro mehr los. Da der bayrische Hersteller damit wirbt, dass dieses Motorrad auch speziell für die Fahrerinnen die perfekte Wahl sei, muss noch etwas kommen – und das tut es natürlich auch. So besteht ab Werk die Möglichkeit, die GS auf 765 Millimeter tiefer legen zu lassen.
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Das ist niedrig, keine Frage und zusammen mit einem vollgetankten Gewicht von 209 Kilogramm lässt sie sich auch wirklich von jedem gut handeln. Ein kurzer Blick auf die Instrumente reicht und man hat alle relevanten Informationen erhalten.
BMW F 700 GS Intrumente
...und übersichtliche Instrumente.

Der Name täuscht – denn der Hubraum beträgt 798 ccm

Verlieren wir keine Zeit und starten den Motor unserer 700er, die eigentlich mit ihrem von 652 auf 798 ccm erhöhten Hubraum eher eine 800er ist. Der Reihenzweizylinder leistet jetzt 75 statt 71 PS wie noch bei der Vorgängerin. Diese erreicht er allerdings auch nur bei einer etwas höheren Drehzahl von nun 7.300 U/min. Laut BMW soll die F 700 GS dank des erhöhten Hubraums und einer kürzeren Getriebeübersetzung auch deutlich spritziger als die 650er geworden sein. Fest steht, dass die 700er GS ein sehr kultiviertes Laufverhalten in den unteren Drehzahlen an den Tag legt. Bis 4.500 U/min kann man beruhigt am Hahn drehen, danach spürt man jedoch deutliche Vibrationen. Allerdings besteht auch nur selten Anlass, den Motor so hoch drehen zu lassen. Halten wir also fest, motortechnisch ist die GS mit dem Prädikat „gutmütig“ zu versehen. Dank der möglichen Drosselung auf 48 PS, auch für A2-Führerscheinneulinge oder Aufsteiger.
BMW F 700 GS Motor
Reihenzweizylinder mit 798 ccm und 75 PS

Überzeugt durch leichtes Handling und serienmäßigem ABS

Auf der Straßen überzeugt uns die kleinen GS durch das erstaunlich leichte Handling und ihre Wendigkeit. Sie lässt sich hervorragend durch die Kurven des Odenwalds manövrieren und zeigt dabei stets absolute Spurtreue. Wer das an sich schon gute Fahrverhalten noch ein wenig komfortabler machen möchte, kann dieses mit vielen elektronischen Helferlein wie, ASC (Automatic Stability Control), ESA (Electronic Suspension Adjustment) mit drei Fahrmodi (Sport, Normal und Komfort) oder der RDC Reifendruckkontrolle, tun. Einen deutlichen Preisvorteil erhält man, wenn man alles zusammen im angebotenen Safety Paket ordert. Nicht auf den Geldbeutel schlägt hingegen das serienmäßige Anti-Blockeier-System. Auch der erste gute Eindruck der Sitzposition findet sich jetzt wieder, denn auch mit Sozia lässt sich die GS problemlos fahren. Einzig der originale Windschild trübt die Fahrfreude etwas, bietet es dem Fahrer doch nur wenig Schutz. Allerdings kann man hier zum Beispiel auf den besseren Windschild der F 800 GS zurückgreifen.
BMW F 700 GS Fahrbild
Fühlt sich auf der Straße pudelwohl, meistert aber auch Fahrten abseits der „Piste“
Auch das recht üppige Angebot an Zubehör und Ersatzteilen von BMW oder unzähligen anderen Herstellern kann man sich hier bedienen. Denn dieses bietet Upgrades in Hülle und Fülle. Erwähnenswert ist hier das Comfort Paket, welches mit Kofferhalter links und rechts, Heizgriffen, Bordcomputer, sowie einem Hauptständer aufwartet. Die mögliche Zuladung von 227 Kilogramm kann auch als ausreichend beschrieben werden und lässt zusammen mit dem niedrigen Verbrauch von nur 3,8 Liter auch längere Touren zu.
BMW F 700 GS Reifen und Bremsen
ABS gibt es serienmäßig

Ein positives Fazit!

Allem in allem ist die BMW F 700 GS ein sehr robustes und gut verarbeitetes Motorrad, dass wirklich von jedermann gefahren werden kann. Genau so, wie es von BMW beworben wird. Das zeigt sich besonders unter dem Gesichtspunkt, dass wir 20.000 Kilometer ohne einen ungeplanten Werkstattbesuch abspulen konnten. Was sich übrigens auch positiv auf die Wartungskosten auswirkt. Man kann sie als ausreichend leistungsstarkes Straßenmotorrad im Enduro-Look bezeichnen, die ihre Stärken eindeutig auf der Straße ausspielt. Hier ist es ähnlich wie bei den bekannten SUVs – man kann mit ihnen ins Gelände, aber man macht es eigentlich nicht. Es ist jedoch gut zu wissen, dass man es theoretisch könnte.
#BMW#Test#Tourer
Technische Daten BMW F 700 GS 2012-2016
Motor
Bohrung x Hub 82 x 75,6 mm
Hubraum 798 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Zweizylindermotor, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm geregelter 3-Wege-Katalysator
Leistung 75 PS (55 kW) bei 7300 U/min
Drehmoment 77 Nm bei 5300 U/min
Verdichtung 12:1
Höchstgeschwindigkeit 192 Km/h
Wartungsintervalle alle 10.000 km
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Ölbad
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kettentrieb mit Ruckdämpfung in Hinterra
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Gitterrohrrahmen
Federelemente vorn 41 mm Teleskopgabel
Federelemente hinten Zentralfederbein
Federweg v/h 170 mm/170 mm
Radstand 1562 mm
Nachlauf 95 mm
Lenkkopfwinkel 64°
Räder Gussräder
Reifen vorn 110/80-19
Reifen hinten 140/80-17
Bremse vorn 300 mm Doppelscheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel
Bremse hinten 265 mm Einscheibenbremse, Einkolben-Schwimmsattel
Maße & Gewicht
Länge 2280 mm
Breite 880 mm
Höhe 1215 mm
Gewicht 209 kg
Maximale Zuladung 227 kg
Sitzhöhe 820 mm
Tankinhalt 16 Liter
Weitere Baujahre 2016-2017
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Fahrzeugpreis ab 8950 €
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