Fahrtest: Suzuki V-Strom 1050XT – auf die bequeme Tour

Die ausgereifte Suzuki V-Strom 1050XT gilt als Geheimtipp unter den Reiseenduros.
Suzuki V-Strom 1050XT Fahrbild
Ich kann mich nicht erinnern, in letzter Zeit auf einem bequemeren Polster gesessen zu haben. Selbst nach zehn Stunden im Sattel, völlig abgekämpft und hungrig, ist der Allerwerteste mein kleinstes Problem. Dazu bietet die Suzuki ein brillantes Fahrwerk. So komfortabel, so gelassen und doch stabil und zielgenau – ich wüsste nicht, was ich daran ändern würde.

Charmant wirkt hierbei die Tatsache, dass sich das V-Strom-Fahrwerk elektronische Spielereien verkneift. Natürlich sind die Komponenten einstellbar, aber ihre Abstimmung ist so gelungen, dass ich die Schräubchen nicht anrühre. Leichtfüßig fällt die V-Strom mit minimalem Krafteinsatz von einer Kurve in die nächste und zeigt selbst beim Griff zur Bremse kein Aufstellmoment. Samtweich spricht ihre Federung an – auch auf schlechtem Belag. Binnen kürzester Zeit fühle ich mich auf der 1050XT zu Hause. Nichts, was auf mich zukäme, könnte sie aus der Ruhe bringen. Und diese Gelassenheit überträgt sich auf den Fahrer.
Suzuki V-Strom 1050XT Hinterrad
Die Bridgestone AX41 harmonieren mit der Suzuki V-Strom.
Hervorragend harmonieren die aufgezogenen Bridgestone AX41 mit der V-Strom, führen sie sauber und mit sattem Grip bis in tiefe Schräglagen und lassen niemals Zweifel am sicheren Kontakt zur Fahrbahn aufkommen. Die Bremswege fallen, auch dank des fein regelnden ABS, kurz aus. Zwar taucht währenddessen die Front tief ein, die Suzuki bleibt jedoch gelassen – wie immer.
Suzuki V-Strom 1050XT Fahrbild
Obwohl das Fahrwerk auf elektronische Spielereien verzichtet, ist es eines der besten auf dem Markt.

Souveräner Druck ab 1.500 Touren

Ein höhenverstellbarer Windschild, Handprotektoren und die breite Front schützen effektiv vor Wetter und Fahrtwind. Selbst zügiges Tempo fährt sich damit anstrengungsfrei, wobei es dann um den Helm herum laut wird. Die stufenlose Höhenverstellung der Scheibe zu nutzen, ändert daran wenig.
Suzuki V-Strom 1050XT Cockpit
Aufgeräumt wirkt der Arbeitsplatz auf der bodenständigen V-Strom.
Eine noch höhere Scheibe oder ein kleiner Spoiler könnten den Windschutz perfektionieren. Dem 1.037 ccm großen Twin fällt es trotzdem nicht schwer, die kantige V-Strom durch die Atmosphäre zu drücken. 107 PS bei 8.500 U/min und 100 Nm bei 6.000 U/min klingen beinahe nach Untertreibung. Ab 1.500 Touren schiebt die V-Strom souverän an, setzt dabei Befehle der rechten Hand mit feinem Ansprechverhalten druckvoll um. Von Vibrationen bleibt der Fahrer dabei verschont. Eher unterschwellig vorhanden sind die Lebensäußerungen des V2 von der angenehmen Sorte. Eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h weist der Fahrzeugschein aus. Lässt man sich vom spurstabilen Fahrwerk auf Autobahnen zu zügigem Tempo verleiten, genehmigt sich der große Zweizylinder bis zu sieben Liter auf einhundert Kilometern Strecke. Auf Landstraßen genügen dank saftigem Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen auch fünf Liter E10.
Suzuki V-Strom 1050XT Sitzbank
So muss eine massive Gepäckbrücke an einem Adventure Bike aussehen!
Am sparsamsten fährt die große Suzuki unter Verwendung des Tempomaten. In den Gängen vier, fünf und sechs und ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h lässt er sich aktivieren. Seinen Dienst nimmt er leicht verzögert auf, lässt die V-Strom während einer Gedenksekunde zunächst langsamer werden, bevor er sanft ans Gas geht. Zur Steuerung belegt Suzuki die wenigen Tasten der sehr aufgeräumten Armaturen teils doppelt. Die Menütasten auf der linken Seite dienen nach Aktivierung des Tempomaten zur Geschwindigkeitsregelung. Ist der Tempomat deaktiviert, wird über dieselben Tasten das Multifunktionsdisplay bedient. Dabei fällt auf, dass die Modi der V-Strom-Assistenzsysteme keine selbsterklärenden Namen tragen. Das Regelverhalten des ABS kann in den Stufen 2, 1 und OFF justiert werden. Für die Traktionskontrolle stehen 3, 2, 1 und OFF zur Wahl. Dass Stufe 1 vergleichsweise spät eingreift, erschließt die Logik. Dass sich hinter der Anzeige SDMS A, B und C die Fahrmodi des „Suzuki-Drive-Mode-Selektor“ verbergen und Modus A die kräftigste Leistungscharakteristik serviert, verrät erst der Blick ins Benutzerhandbuch. Für intuitive Bezeichnungen wie Sport oder Rain fehlt schlicht der Platz im klar strukturierten Suzuki-Cockpit.
Suzuki V-Strom 1050XT Fahrbild
Der höhenverstellbare Windschild und die breite Front halten den Fahrtwind vom Fahrer fern.
Der Verzicht auf einen Quickshifter für kupplungsfreies Schalten gerät aufgrund des perfekten Getriebes zur Randnotiz. Gering fällt die Handkraft der sauber dosierbaren Kupplung aus, problemlos und mit minimalem Impuls am Fußhebel rasten die Gänge ein und auch der Leerlauf findet sich stets im ersten Versuch.

Fazit

Die Suzuki V-Strom 1050XT besinnt sich auf das Wesentliche. Alle sinnvollen Ausstattungsdetails hat sie an Bord, ein rollender Smart-TV will sie hingegen nicht sein. Manche mögen sie deshalb als etwas altbacken empfinden. Wer jedoch einfach nur Motorrad fahren will, findet in der V-Strom ein harmonisches Gesamtkonzept aus druckvollem Motor, hervorragender Ergonomie und einem der besten Fahrwerke auf dem Markt.
 Pro
  • Langstreckenkomfort
  • guter Wetterschutz
  • feines Fahrwerk
 Contra
  • Fahrmodi nicht selbst­erklärend
  • wirkt nicht mehr taufrisch
  • Tasten teils doppelt belegt
Suzuki V-Strom 1050XT 2020-2021
Suzuki V-Strom 1050XT
2020-2021
Motor
Bohrung x Hub 100 x 66 mm
Hubraum 1037 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5
Leistung 107 PS (79 kW) bei 8500 U/min
Drehmoment 100 Nm bei 6000 U/min
Verdichtung 11,5:1
Höchstgeschwindigkeit über 200 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1000 km, danach jährlich oder alle 12000 km
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Nasskupplung, hydraulisch
Schaltung 6-Gang
Antrieb Dichtring-Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Brückenrahmen (Aluminium)
Federelemente vorn Ø43 mm USD-Teleskopgabel, Schraubenfedern
Federelemente hinten Kastenschwinge (Aluminium), Zentralfederbein mit Hebelsystem
Federweg v/h 160 mm/160 mm
Radstand 1555 mm
Nachlauf 109 mm
Lenkkopfwinkel 25,5°
Räder Gussfelgen
Reifen vorn 110/80R19 M/C 59V
Reifen hinten 150/70R17 M/C 69V
Bremse vorn Ø 310 mm Doppelscheibenbremse, Vierkolben-Festsattel, radial
Bremse hinten Ø260 mm Einscheibenbremse, Einkolben Schwimmsattel
Maße & Gewicht
Länge 2265 mm
Breite 940 mm
Höhe 1465 - 1510 mm
Gewicht 247 kg
Maximale Zuladung 193 kg
Sitzhöhe 850 mm
Standgeräusch 88 dB(A)
Fahrgeräusch 77 dB(A)
Tankinhalt 20 Liter
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Traktionskontrolle
Tempomat
Fahrzeugpreis ab 14490 €
Text: Thomas Kryschan , Fotos: Joséphine Eder


#Bridgestone#Enduro#Suzuki#Test

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