Die letzte ihrer Art – Yamaha YZF-R6 

Yamaha päppelt eine vom Aussterben bedrohte Spezies auf: Mit der neuen YZF-R6 präsentieren die Japaner die einzige Neuauflage im 600er-Supersportler-Segment.
19.03.2018
| Lesezeit ca. 3 Min.
Dirk Bertram
Yamaha
Vor 19 Jahren stellte Yamaha die erste YZF-R6 vor, in der Folgezeit von Fans wie Fachleuten im allgemeinen Sprachgebrauch der Einfachheit halber auf „R6“ reduziert. Dass die Stimmgabel-Japaner ihren 600er-Supersportler überhaupt neu auflegten, war eine kleine Überraschung. Denn weltweit werden immer weniger Sportmotorräder verkauft und gerade die kleine Klasse der hochdrehenden 600-Kubikzentimeter-Vierzylinder fand zuletzt kaum noch Anhänger. Konsequenz: Kein Hersteller kümmert sich mehr um diese Klasse und legt Neumodelle auf – mit Ausnahme von eben Yamaha, die mit der YZF-R6 das einzige Modell an den Start der 2017er-Saison schoben.

Sportliches & aggressives Auftreten

Nicht unerwartet orientiert sich die Sechser mit ihrem aggressiven Styling am supersportlichen Flaggschiff der Marke, der YZF-R1. Von vorn prägt das sportliche Gesicht mit mittigem Lufteinlass, zwei schmalen LED-Tagfahrlichtschlitzen und in die Spiegel integrierten LED-Blinkern den Auftritt. Die beiden tief in der Verkleidung versteckten Scheinwerfer bemerkt man erst bei genauem Hinsehen – die Ähnlichkeit zur R1 ist frappierend. Wie bei dieser erleichtert ein im Handumdrehen abgebauter Kennzeichenträger den Rennstreckeneinsatz, was vermutlich zum bevorzugten Terrain der Yamaha gehören dürfte – früher schon setzte rund ein Drittel der R6-Besitzer sein Schätzchen nur auf der Rennstrecke ein. Mit dem 2017er-Modell dürfte sich dieser Trend verstärken.
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Yamahas Elektronikpaket hat einiges zu bieten: drei verschiedene Fahrmodi, die das Ansprechverhalten des Motors variieren, eine sechsfach einstellbare Traktionskontrolle, ein Quickshifter sowie ein rennstreckentaugliches ABS
Yamahas Elektronikpaket hat einiges zu bieten: drei verschiedene Fahrmodi, die das Ansprechverhalten des Motors variieren, eine sechsfach einstellbare Traktionskontrolle, ein Quickshifter sowie ein rennstreckentaugliches ABS
Das legen auch die umfangreichen Modifikationen nahe, die das Triebwerk zur Erlangung der Euro-4-Homologation auf sich nehmen musste und die unterm Strich Leistung gekostet haben: Mit 118,4 PS bei 14.500 U/min galoppieren sechs Pferdchen weniger als bei der Vorgängerin. Dazu lassen die lärmmindernden Maßnahmen dem Titan-Endrohr nur noch ein vergleichsweise leises Jaulen entweichen. Immerhin haben die Techniker die Neuauflage dazu genutzt, die R6 mit einem kompletten Elektronikpaket zu verfeinern. Als da wären: drei verschiedene Fahrmodi, die das Ansprechverhalten des Motors variieren, eine sechsfach einstellbare Traktionskontrolle, ein Quickshifter sowie ein rennstreckentaugliches ABS.

Drei Fahrmodi – Standard, A & B

Die Akrapovic-Racing-Komplettanlage
Die Akrapovic-Racing-Komplettanlage
Fahrmodus B kommt nur bei ganz schlechten Witterungsbedingungen zum Einsatz, „Standard“ ist für die Straße okay, für die Rennstrecke aber noch zu zahm. Erst in „A“ wird der Reihenvierer lebendig, bevorzugt im Bereich zwischen 10.000 und 14.000 Touren. Darüber – und der rote Bereich setzt erst bei 16.500 U/min ein – wirkt das Aggregat jedoch regelrecht zugestopft und die Nadel im mittig platzierten, analogen Drehzahlmesser hat reichlich Mühe, über 15.000 Touren zu klettern. Standesgemäßen Vortrieb, mitsamt der bekannt kreischenden Geräuschkulisse eines hochdrehenden Vierzylinders, bekommt der R6-Treiber mit dem hauseigenen Racing-Kit (1.786,-- Euro) mitsamt der Akrapovic-Racing-Komplettanlage – beides nur für die Rennstrecke zugelassen.
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Messerscharfe Präzision für die Rennstrecke

Rennsportgene vom allerfeinsten zeigen sich im Cockpit ...
Rennsportgene vom allerfeinsten zeigen sich im Cockpit ...
Erst in dieser Konfiguration lässt sich das überarbeitete Fahrwerk richtig bewerten – und genießen! Denn die Kombination aus neuen Federelementen und der brachialen Bremsanlage aus der R1 machen aus der R6 ein voll rennstreckentaugliches Wetzgerät: Messerscharfe Präzision trifft auf beste Stabilität selbst in tiefer Schräglage, dazu gibt es an der Handlichkeit des 190 Kilo leichten Supersportlers nichts zu meckern. Als Referenz erweisen sich die neuen Vierkolbenzangen aus der Tausender – in Sachen Dosierbarkeit und Effizienz gibt es in dieser Klasse nichts Besseres.

... sowie in den verbauten Komponenten
... sowie in den verbauten Komponenten
Ob der Plan von Yamaha langfristig aufgeht, mit der YZF-R6 als einzigem Neumodell den Supersportsektor zu dominieren? Trotz hochwertigem Finish wahlweise in Tech Schwarz oder Race Blue haben die Japaner beim Preis von fast 14.000,-- Euro eine gewisse Alternativlosigkeit einkalkuliert, zu der Ambitionierte noch den Kit und die Auspuffanlage einrechnen müssen.
Technische Daten Yamaha YZF-R6 2017-2020
Motor
Bohrung x Hub 67 × 42,5 mm
Hubraum 599 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Vierzylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 4
Leistung 118 PS (87 kW) bei 14.500 U/min
Drehmoment 62 Nm bei 10.500 U/min
Verdichtung 13,1:1
Höchstgeschwindigkeit über 200 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion bei 1.000 km, danach alle 10.000 km
Kraftübertragung
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Mehrscheiben-Ölbad
Federelemente vorn 43-Telekskopgabel
Federelemente hinten Schwinge
Federweg v/h 120 mm/120 mm
Radstand 1.375 mm
Nachlauf 97 mm
Lenkkopfwinkel 24°
Räder Aluminium-Gussräder
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Bremse vorn 310-mm-Doppelscheibenbremse
Bremse hinten 220-mm-Einscheibenbremse
Maße & Gewicht
Länge 2.040 mm
Breite 695 mm
Höhe 1.150 mm
Gewicht 190 kg
Maximale Zuladung 185 kg
Sitzhöhe 850 mm
Tankinhalt 17 Liter
Weitere Baujahre 1998-2002,
2003-2004,
2005-2006,
2007-2010,
2011-2016
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Fahrzeugpreis ab 13.995,-- Euro
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