Alles richtig gemacht – Honda CB750 Hornet im Fahrtest

Alles richtig gemacht – Honda CB750 Hornet im Fahrtest

Die Neuauflage der Mittelklasse-Legende überzeugt auf ganzer Linie. So fährt das 92-PS-Bike.
„Kibi-Kibi“ ist lautmalerisches Japanisch und bedeutet frei übersetzt „wieselflink von links nach rechts durch Kurven jagen“. Die typische Handbewegung dazu kann sich jeder vorstellen, denke ich. Und um es kurz zu machen: Kibi-Kibi trifft es perfekt, will man das Fahrerlebnis Hornet mit einem Begriff beschreiben.

Kibi-Kibi-Bike zum Kampfpreis

Die Hornet ist ausgesprochen wendig und leicht (190 kg) unterwegs. Schnelle Kurven sind ihre Paradedisziplin
Die Hornet ist ausgesprochen wendig und leicht (190 kg) unterwegs. Schnelle Kurven sind ihre Paradedisziplin
Honda hat mit der neuen Honda CB750 ein famoses Motorrad auf die Räder gestellt. Ein Allround-Naked-Bike par excellence mit besten Manieren und reichlich Dampf. Leicht (fahrbereit 190 kg), extrem wendig, kernig motorisiert, tolle Bremsen, ausgereifte Elektronik. Dazu ist die neue Hornet blitzsauber verarbeitet, was bei Honda keinen überraschen dürfte, passt ergonomisch auf Anhieb und sieht auch noch ziemlich gut aus, erst recht mit rotem Rahmen und roter Showa-Gabel. On top bringt Honda das Kibi-Kibi-Bike zum Kampfpreis auf den Markt: ab 7.890,-- Euro. Das ist echt eine Ansage für so viel Fahrspaß und Technologie.

Quickshifter mehrfach einstellbar in beide Richtungen

Über das erfreulich logisch aufgebaute Bordmenü kann selbst der optionale Quickshifter konfiguriert werden: Weich, mittel und hart stehen zur Auswahl für die kupplungsfreien Gangwechsel. Mir persönlich behagt „weich“ am besten. Kollegen bevorzugten „mittel“ oder mixten die Gangart: rauf mittel, runter weich oder umgekehrt. „Hart“ ist eher ruppig. Aber nun – Geschmackssache. Gleiches gilt für die vier unterschiedlichen Ansichten des 5-Zoll-Farbdisplays oder die Abstimmung der Motorparameter.

Vier Fahrprogramme für individuelles Temperament

Herausgeputzt: Honda spendiert der Hornet vier grafische Ansichten fürs 5-Zoll-Farbdisplay. Für Konnektivität sorgt das Honda Smartphone Voice-Control System (Android und iOS). Die Blinker sind selbstabschaltend
Herausgeputzt: Honda spendiert der Hornet vier grafische Ansichten fürs 5-Zoll-Farbdisplay. Für Konnektivität sorgt das Honda Smartphone Voice-Control System (Android und iOS). Die Blinker sind selbstabschaltend
Vier Fahrprogramme gibt Honda der neuen Hornet mit auf den Weg. Im Modus „User“ können Power (P), Motorbremse (EB für Engine Brake) und Traktionskontrolle (T, abschaltbar) jeweils dreistufig eingestellt werden. In den Fahrmodi Sport, Standard und Regen sind die werksseitig konfiguriert. Letzterer hat die gleiche Leistung wie die übrigen Fahrmodi, geht aber deutlich sachter zu Werke. Die Traktionskontrolle ist hier auf Stufe drei programmiert, greift also frühzeitig ein. Die Motorleistung steht auf Stufe eins von drei – die Hornet geht dabei seeehr gemächlich ans Gas. Was bei Regen und Reifglätte ja sinnvoll ist, ansonsten das Temperament aber deutlich zügelt.

Speziell komponierter Sound für die neue CB750 Hornet

Endtopf mit Charakter: Die Hornet klingt kernig und eigen. Standardbereifung für die 17-Zoll-Räder ist der bestens zum Hornet-Temperament passende Straßenpneu Michelin Road 5
Endtopf mit Charakter: Die Hornet klingt kernig und eigen. Standardbereifung für die 17-Zoll-Räder ist der bestens zum Hornet-Temperament passende Straßenpneu Michelin Road 5
Der Sound wurde speziell für die Hornet komponiert. Er ist rau, vielversprechend, kernig, aber nie prollig oder aufdringlich. Überhaupt benimmt sich die Hornet ausgesprochen zivilisiert. Sie hängt beflissen am Gas, unterlässt aber jegliche Bissigkeit oder Nickeligkeit. Die Bremsen packen beherzt zu und sind gut dosierbar, vorn wie hinten, unterstehen sich aber, rabiat zu ankern und den Fahrer damit im Zweifel vor Probleme zu stellen. Aufsteiger wie engagierte Sportfahrer werden bestens mit der Hornet zurechtkommen. „Sie passt wie ein gut gemachter Schuh“, meint ein Kollege beim Café-Stopp. Recht hat er.

Exzellentes Leistungsgewicht

Stilvoller Farbmix, wertig verarbeitet, feine Komponenten, LED-Beleuchtung. Die neue Honda liefert erwartungsgemäß ab. Der Testverbrauch auf den Traumpisten Andalusiens lag bei 4,7 l/100 km (offiziell: 4,3 l/100 km). Das reicht für mehr als 300 km Reichweite ohne Tankstopp (15,2 Liter)
Stilvoller Farbmix, wertig verarbeitet, feine Komponenten, LED-Beleuchtung. Die neue Honda liefert erwartungsgemäß ab. Der Testverbrauch auf den Traumpisten Andalusiens lag bei 4,7 l/100 km (offiziell: 4,3 l/100 km). Das reicht für mehr als 300 km Reichweite ohne Tankstopp (15,2 Liter)
92 PS und 75 Nm bei nur 190 Kilogramm – daraus resultiert ein exzellentes Leistungsgewicht. Zudem ist der neue Parallel-Twin extrem elastisch ausgelegt. Tempo 50 im 6. Gang macht er problemlos mit. Geschmeidig wie ein Vierzylinder reagiert er auf Gangwechsel, legt aber richtig los, wenn man den Gasgriff aufreißt. Das „Power to weight“-Verhältnis ist um sechs Prozent besser als bei der Honda CB650R, das „Drehmoment zu Gewicht“-Verhältnis sogar um 26 Prozent. Für besten Grip sorgen die werksseitig aufgezogenen Michelin Road 5. Im bergigen Hinterland von Almeria haben sie ihren Job ausgezeichnet erledigt – bei zugegebenermaßen hervorragenden Ausgangs- und Arbeitsbedingungen: 20 Grad, Sonne, seit Tagen kein Regen – besser geht es nicht.

Alles wirkt wertig und durchdacht

Bei 10.000 Touren beginnt der rote Bereich. Bis in diese Region beschleunigt die Hornet fulminant. Um die Kräfte zu zügeln, ist eine Wheelie-Kontrolle an Bord. Sie ist an die Traktionskontrolle gekoppelt. Wird die abgeschaltet, lässt sich das Vorderrad recht spielerisch in die Höhe bewegen. Kollegen machten es vor. Rowdytum ist der CB750 ansonsten fremd: Trotz des jung-dynamischen Auftritts verhält sie sich gesittet, wie es sich für eine Honda gehört. Alles an der neuen Hornet wirkt wertig und durchdacht. Die Lambdasonde beispielsweise wird unauffällig von einem kleinen Schutzschild abgeschirmt. Unterm Beifahrersitzkissen gibt es ein kleines Staufach mit USB-C-Anschluss. Im Zubehör gibt es stylische Anbauteile (Fußrasten, Cockpitverkleidung) und Ausstattungspakete (Sport, Style, Touring).

Sichere Kandidatin für die Top 5 der Zulassungshitliste

Vier Lackierungen bietet Honda zum Start der CB750 Hornet an (von links): Matt Goldfinch Yellow, Matt Iridium Gray Metallic
 sowie Pearl Glare White und Graphite Black (Rahmen jeweils in Metallic-Rot plus rot eloxierte Gabel)
Vier Lackierungen bietet Honda zum Start der CB750 Hornet an (von links): Matt Goldfinch Yellow, Matt Iridium Gray Metallic sowie Pearl Glare White und Graphite Black (Rahmen jeweils in Metallic Rot plus rot eloxierte Gabel)
Glanzstück neben dem neuen Motor ist der Leichtbaurahmen der Hornet. Er wiegt nur 16,6 Kilogramm. Damit ist er 1,9 kg leichter als der Rahmen der Honda CB650R. Dem Pendant der CB500F nimmt er sogar 3,8 kg ab. Das entspricht einer Gewichtseinsparung von 19 Prozent gegenüber der 500er-Honda. Ansehnlich ist der Brücken-Doppelrahmen auch noch: Bei der schwarzen und weißen Hornet ist er wie die Frontgabel rot lackiert. Kennzeichenträger und Rücklicht sind an einem luftigen Alu-Ausleger montiert. Vibrationen verkneift sich die neue Hornet. Dafür sorgen unter anderem die zwei Ausgleichswellen des drehfreudigen neuen Motors mit 270-Grad-Kurbelwelle.

Der neue Parallel-Twin kommt bekanntlich auch in der neuen Transalp zum Einsatz. Freuen wir uns darauf. Auf beide. An dieser Stelle wage ich mal eine Wette: Mindestens eine von den beiden werden wir 2023 in den Top 5 der deutschen Zulassungshitliste sehen.

Fahrtest der Honda CB750 Hornet im Video


 Pro
  • großartiger Motor
  • hervorragendes Fahrwerk
  • Kampfpreis
 Contra
  • kein Kurven-ABS
Technische Daten
Honda CB750 Hornet 2023
Technische Daten
Honda CB750 Hornet
2023
Motor
Bohrung x Hub 87 x 63,5 mm
Hubraum 755 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile flüssigkeitsgekühlt, Parallel-Zweizylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5
Leistung 92 PS (68 kW) bei 9.500 U/min
Drehmoment 75 Nm bei 7.250 U/min
Verdichtung 11:1
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben im Ölbad, Anti-Hopping-Funktion
Schaltung 6-Gang
Antrieb O-Ring Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Stahlrohr-Brückenrahmen
Federelemente vorn Showa 41-mm SFF-BP USD-Gabel
Federelemente hinten Pro-Link-Schwinge, Showa Monodämpfer, Pro-Link-Umlenkung
Federweg v/h 130 mm/150 mm
Radstand 1.420 mm
Nachlauf 99 mm
Lenkkopfwinkel 25°
Räder Aluminiumgussräder
Reifen vorn 120/70-ZR17
Reifen hinten 160/60-ZR17
Bremse vorn 296-mm-Doppelscheibenbremse
Bremse hinten 240-mm-Einscheibenbremse
Maße & Gewicht
Länge 2.090 mm
Breite 780 mm
Höhe 1.085 mm
Gewicht 190 kg
Sitzhöhe 795 mm
Standgeräusch 92 dB(A)
Fahrgeräusch 74 dB(A)
Tankinhalt 15,2 Liter
Fahrerassistenzsysteme
Wheelie-Kontrolle
ABS
Fahrmodi
Fahrzeugpreis ab 7.400,-- Euro (ab Werk)
Text: Ralf Bielefeldt, Fotos: Honda


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