Test-Telegramm – Ducati Streetfighter V4 S

Die Streetfighter V4 S vereinigt radikale Sportlichkeit mit landstraßentauglicher Ergonomie. Dank des 2023er-Updates ist das Power Naked nun noch konsequenter auf Sport getrimmt.
20.03.2023
| Lesezeit ca. 3 Min.
Michael Praschak
Ducati
​Die erste Streetfighter mit V4 setzte im Naked-Bike-Segment neue Maßstäbe. 208 PS trafen auf 199 Kilogramm, das Ganze garniert mit edlen Komponenten und durch ein All-inclusive-Elektronikpaket abgerundet. Das 2023er-Modell bietet zwar nicht mehr Leistung, erbt aber die Entwicklungen der aktuellen Panigale und wird so noch sportlicher.

Der Ansatz

Schon der Blick auf die nackten Zahlen und Fakten macht klar, wo Ducati die neue Streetfighter positionieren will. Das Motorkonzept des „Desmosedici Stradale“ getauften Aggregats stammt zu nicht unerheblichen Teilen aus der MotoGP, das Chassis basiert auf der 2022er-Panigale V4. Die Spitzenleistung bleibt mit 208 PS und 123 Newtonmetern zwar unverändert, 1,5 Kilogramm weniger Gewicht, der neu gestaltete Tank und ein von der Panigale übernommener und um vier Millimeter höherer Schwingendrehpunkt rücken die Streetfighter noch ein Stück weiter Richtung Superbike.

Das Paket

Optisch fallen die Neuerungen überschaubar aus, der Leihe erkennt das 2023er-Modell vermutlich nur an der neuen, schwarz-grauen Lackierung und dem fehlenden Soziussitz. Die für das neue Modell wichtigen Änderungen sind aber ohnehin (fast) unsichtbarer Natur. Der Tank fasst nun 17 statt 16 Liter, die Dämpfung des semi-aktiven Öhlins-Fahrwerks ist nun etwas straffer und die Motorelektronik verfügt jetzt über ein neues Ride-by-Wire-Kennfeldmanagementsystem, das nun für jede Gangstufe eine individuelle Drehmomentkurve bereithält. Und dann wären da noch die zwei neuen Leistungsmodi „WET“ und „FULL“. Während der erstgenannte die Leistung auf 165 PS begrenzt, gibt der FULL-Modus auf Wunsch in den Gängen zwei bis sechs die volle Leistung frei, lediglich im ersten Gang ist das Drehmoment leicht reduziert. Ferner wurden die Engine Brake und der Schaltautomat für verbesserte Funktion in allen Lastbereichen überarbeitet.

Die Stärken

Wie die erste V4-Generation will auch die neue Streetfighter mit einem tollen Gesamtkonzept begeistern. Die aggressive und eigenständige Optik, die hochwertigen Komponenten, der bärenstarke Motor und die tolle Sitzposition waren schon immer starke Punkte auf der Habenseite der Streetfighter. Die nochmals verbesserte Motorelektronik, das überarbeitete Display und das dank der neuen Lithium-Ionen-Batterie um 1,5 Kilo reduzierte Gewicht heben das Motorrad aber auf ein neues Niveau.

Der Ersteindruck

Die neue Streetfighter V4 S fährt sich fast wie ein Supersportler
Die neue Streetfighter V4 S fährt sich fast wie ein Supersportler
Die neue Streetfighter V4 S fährt sich fast wie ein Supersportler.
Um das volle Potenzial der neuen Streetfighter erfahrbar zu machen, entschieden sich die Italiener für eine reine Rennstreckenpräsentation auf dem „Circuit Andalucia“ nahe Almeria. Eine gute Entscheidung. Auf dem abwechslungsreichen Kurs, der nicht nur durch sein anspruchsvolles Layout, sondern auch durch den teils schlechten Belag hervorragend dafür geeignet ist, die Schwächen von Mensch und Maschine herauszuarbeiten, konnte die Streetfighter voll überzeugen. Die Verlagerung des Schwingendrehpunkts wirkt sich merklich positiv auf das Handling aus und macht das Motorrad sehr agil. Das ändert sich auch im FULL-Modus nicht, wenn die Streetfighter mit noch mehr Nachdruck Richtung Kurvenausgang stürmt. Auch dann lässt sie sich einfach dirigieren und bleibt stabil auf Kurs. Diese Souveränität vermittelt das Motorrad auch in der Bremszone und am Kurveneingang. Besonders überraschend ist dabei, dass trotz der immensen Leistung die elektronischen Helferlein kaum in Aktion zu bringen sind.

Fazit – Ducati Streetfighter V4 S

Che bella macchina! Auch die zweite Streetfighter V4 S-Generation weiß, voll zu überzeugen. Das leicht überarbeitete Design gibt der Streetfighter einen noch sportlicheren Touch und obwohl die Spitzenleistung unverändert blieb, fühlt sich die neue noch kräftiger an – und das nicht nur im FULL-Modus. Das Fahrwerk lässt auf der Rennstrecke keine Wünsche offen, das Gesamtpaket agiert auf Superbike-Niveau. Und dann gibt es beim 2023er-Modell sogar mehr Tankvolumen bei geringerem Gewicht. Macht die Neue also wunschlos glücklich? Nicht ganz. Leider hat das 2023er-Modell einen größeren Auslass am Endtopf und ist damit noch lauter als die Vorgängerin. Ein Punkt, der aber zumindest auf der Rennstrecke zu verschmerzen ist.
Technische Daten Ducati Streetfighter V4 S 2023
Motor
Bohrung x Hub 81 x 53,5 mm
Hubraum 1.103 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Vierzylinder, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5
Leistung 208 PS (153 kW) bei 13.000 U/min
Drehmoment 123 Nm bei 9.500 U/min
Verdichtung 14:1
Höchstgeschwindigkeit 270 km/h
Wartungsintervalle alle 12.000 km oder jährlich
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Ölbadkupplung mit Anti-Hopping-Funktion und Servo-Unterstützung
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen aluminiumlegierter Frontrahmen
Federelemente vorn 43-mm-Öhlins NIX30 Gabel
Federelemente hinten Öhlins TTX36 Mono-Federbein, Aluminium-Einarmschwinge
Federweg v/h 120 mm/130 mm
Radstand 1.488 mm
Nachlauf 100 mm
Lenkkopfwinkel 24,5°
Räder geschmiedete Aluminiumfelgen
Reifen vorn 120/70 ZR17
Reifen hinten 200/60 ZR17
Bremse vorn 330-mm-Bremsscheiben
Bremse hinten 245-mm-Bremsscheibe
Maße & Gewicht
Länge 2.127 mm
Breite 833–854 mm
Höhe 1.138 mm
Gewicht 205 kg
zul. Gesamtgewicht 425 kg
Maximale Zuladung 220 kg
Sitzhöhe 845 mm
Standgeräusch 107 dB(A)
Fahrgeräusch 76 dB(A)
Tankinhalt 17 Liter
Weitere Baujahre 2020,
2021-2022
Fahrerassistenzsysteme
Kurven-ABS
Wheelie-Kontrolle
schräglagenabhängige Traktionskontrolle
Traktionskontrolle
Fahrmodi
Reifendruckkontrollsystem
Slide-Control
Fahrzeugpreis ab 26.290,-- Euro
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