Test-Telegramm – Suzuki V-Strom 800

Weniger Federweg, mehr Komfort, gleiche Basis – die Suzuki V-Strom 800 soll in der Mittelklasse Touring-Fans wie Alltagsfahrer begeistern. Wie viel Potenzial steckt in der Straßen-V-Strom?
27.10.2023
| Lesezeit ca. 3 Min.

Der Ansatz

Suzukis Mittelklasse-Offensive hat sich gelohnt. Mit dem quirligen Naked Bike GSX-8S und der Reiseenduro V-Strom 800DE haben die Japaner zwei stimmige Motorräder im Programm, die sich nicht vor der Konkurrenz verstecken müssen. Doch vor allem im Reisesegment sind die Ansprüche der Kunden vielfältig. Von Wochenendtour bis Abenteuerreise ist hier alles dabei. Letztgenannte Disziplin ist die Stärke der V-Strom 800DE, die als „Dual Explorer“ mit 21-Zoll-Vorderrad und großen Federwegreserven auch abseits befestigter Straßen zu überzeugen weiß.

Mit der neuen V-Strom 800 sollen nun auch diejenigen angesprochen werden, die lange Touren bevorzugt auf Asphalt absolvieren und auf Reisen statt Abenteuer und herausfordernde Bedingungen Komfort und entspanntes Fahrvergnügen bevorzugen, dabei aber nicht komplett auf die Vielseitigkeit einer Reiseenduro verzichten wollen.
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Das Paket

Mit der V-Strom 800DE hat Suzuki hier seit einem Jahr die passende Basis im Programm. Wie das offroadtauglichere Pendant verfügt auch die straßenorientierte Version der V-Strom über den Stahlrahmen und den 776 Kubikzentimeter großen Reihenzweizylinder mit 84 PS. Statt des 21-Zoll-Speichenrades der DE-Version steckt in der Gabel der Neuen aber eine 19-Zoll-Felge aus Aluminiumguss. Achtern rollt die Touring-Strom auf einem 17-Zöller. Das sind aber nicht die einzigen Unterschiede. Auch das Fahrwerk ist neu, der Federweg der Showa Gabel und des Federbeins wurde für den Einsatzschwerpunkt Straßenbetrieb um sieben Zentimeter auf 150 Millimeter reduziert. Um die für den Straßendauerbetrieb nötige Bremsperformance zu liefern, spendierte man der V-Strom größere Bremsscheiben und radial verschraubte Bremssättel von Nissin. Ihre Langstreckentauglichkeit unterstreicht die V-Strom durch 20 Liter Tankvolumen, einen größeren und höhenverstellbaren Windschild sowie die vorderradorientierte Sitzposition. All die Änderungen sollen aber nicht nur für mehr Alltagsqualitäten sorgen, sondern verhelfen der Touring-Variante zu einem um sieben Kilo reduzierten Gesamtgewicht von 223 Kilogramm.

Der Ersteindruck

Bereits auf der ersten Etappe durch den morgendlichen Stadtverkehr weiß die V-Strom zu begeistern. Dank der geänderten Ergonomie und der im Vergleich zur DE-Version moderaten Sitzhöhe von 825 mm fühlt man sich direkt wie zu Hause. Das Bike lässt sich unkompliziert durch den Verkehr dirigieren, die Übersicht ist ausgezeichnet. Der Motor trägt ebenfalls extrem zum Wohlbefinden bei. Weder bei niedrigen noch mittleren Drehzahlen trüben Vibrationen den Fahrgenuss, ab 2.000 Umdrehungen steht so viel Leistung an, dass ein kurzer Dreh am Ride-by-Wire-Gasgriff genügt, um spielerisch von Lücke zu Lücke zu huschen. Wem die Gasannahme der A-Einstellung des dreistufigen Suzuki Intelligent Riding System (kurz S.I.R.S.) dabei zu sportlich ist, findet im B-Modus die nötige, sanfte Gasannahme für den entspannten Weg durch die Stadt.
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Die Stärken

Wirklich überraschend wird es, wechselt man auf der Landstraße von entspannter auf zügige Gangart. Mit 84 PS und 223 Kilo flott unterwegs? Auf der V-Strom kein Problem. Dabei ist es sogar egal, ob man den Straßen-Stromer klassisch aufrecht sitzend, mit drückendem oder sportlich aktivem Fahrstil durch die Kurven bewegt. Immer lenkt sie willig ein und bleibt bei jeder Schräglage neutral auf Kurs. Selbst der verspätete Griff zur Bremse oder Kurskorrekturen bringen die V-Strom nicht aus der Ruhe. Einzig das kratzende Geräusch der früh aufsetzenden Fußrasten mahnt zur Mäßigung. Hier macht sich dann doch die aufgrund des geänderten Fahrwerks geringere Bodenfreiheit bemerkbar.

Fazit – Suzuki

Fahrspaß, Vielseitigkeit und gute Manieren – die Suzuki V-Strom bringt alles mit, was ein gutes Touring-Bike ausmacht. Bleiben also keine Wünsche offen? Fast keine. Mit einer Körpergröße von über 1,75 wäre etwas mehr Windschutz toll und auch ein Tempomat würde auf der Langstrecke den Komfort nochmals erhöhen. Ansonsten bekommt man mit der V-Strom für 10.600,-- Euro sprichwörtlich ein Bike für alle Lebenslagen. Marktstart ist bereits Anfang November.

 Pro
  • langstreckentaugliche Ergonomie
  • neutral in allen Lebenslagen
  • kultivierter Motor
 Contra
  • Federbein etwas zu soft
  • Windschild nicht ohne Werkzeug einstellbar
#Suzuki#Test#Tourer
Technische Daten Suzuki V-Strom 800 2023-2024
Motor
Bohrung x Hub 84 x 70 mm
Hubraum 776 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile flüssigkeitsgekühlt, Zweizylinder, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5
Leistung 84 PS (62 kW) bei 8.500 U/min
Drehmoment 78 Nm bei 6.800 U/min
Verdichtung 12,8:1
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1.000 km oder 2 Monaten, danach jährlich oder alle 12.000 km
Verbrauch pro 100 km 4,4 Liter
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Nasskupplung
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Stahlrohr-Brückenrahmen
Federelemente vorn Upside-down-Gabel
Federelemente hinten Mono-Link Zentralfederbein
Federweg v/h 150 mm/150 mm
Radstand 1.515 mm
Nachlauf 124 mm
Lenkkopfwinkel 64°
Räder Aluminiumguss
Reifen vorn 110/80 R19M/C 59V
Reifen hinten 150/70 R17M/C 69V
Bremse vorn 310-mm-Doppelscheibenbremse
Bremse hinten 260-mm-Einscheibenbremse
Maße & Gewicht
Länge 2.255 mm
Breite 905 mm
Höhe 1.355 mm
Gewicht 223 kg
zul. Gesamtgewicht 430 kg
Maximale Zuladung 207 kg
Sitzhöhe 825 mm
Standgeräusch 84 dB(A)
Fahrgeräusch 74 dB(A)
Tankinhalt 20 Liter
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Traktionskontrolle
Fahrmodi
Schaltassistent
Fahrzeugpreis ab 10.600 Euro
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