Vergleich: Husqvarna Norden 901 und Aprilia Tuareg 660 im Test

Aprilia Tuareg 660 und Husqvarna Norden demonstrieren eindrucksvoll, dass ein Adventure-Bike keine 1.000 oder mehr Kubikzentimeter Hubraum braucht.
Die neue Aprilia Tuareg 660 leitet ihre Modellbezeichnung von Nomaden der südlichen Sahara ab. Die zeitgleich erschienene Husqvarna Norden 901, ein wenig leistungs- und hubraumstärker, sieht ihre geistige Heimat dagegen eher im Norden; zumindest versucht die Marketingabteilung, das zu suggerieren. Beide zusammen wollen – von Nord und Süd her – die etablierten Reisemotorräder in die Zange nehmen.

Ihre Botschaft lautet: Es braucht keinen vollen Liter Hubraum oder gar mehr, um locker-flockig auf der Straße unterwegs zu sein und zugleich genussvolle und zügige Reisen „bis ans Ende der Welt“ machen zu können.
Aprilia und Husqvarna jeweils ihre Interpretation einer zeitgemäßen Reiseenduro im Mittelklassesegment, die ein breites Spektrum zwischen Asphalt und Straße, zwischen Fahrpräzision und Komfort, zwischen „purem Erleben“ und „Abenteuer am Ende der Welt“ abdecken soll. Gehen Sie mit mir am Anfang – gedanklich – doch einmal um beide Motorräder herum. Keines von beiden weist einen „Schnabel“ auf, von nicht wenigen Reiseenduristen als unverzichtbares Insignium dieses speziellen Segments empfunden. Die Aprilia, deren Tank auf dem Motor thront, wirkt insgesamt etwas zierlicher, schmaler, leichter (was sie auch ist, nämlich um 15 Kilogramm).

Für die dreifarbige Lackierung „Indigo Tagelmust“ verlangt Aprilia 690 Euro Aufpreis. Auch für sie gibt es ein Gepäcksystem
Für die dreifarbige Lackierung „Indigo Tagelmust“ verlangt Aprilia 690 Euro Aufpreis. Auch für sie gibt es ein Gepäcksystem
Die Husqvarna erscheint – vielleicht auch der vielen schwarzen Farbe wegen – etwas voluminöser, präsenter und damit schwerer. Zudem baut sie im vorderen Bereich etwas breiter, was auch eine Folge des von der genspendenden KTM 890 Adventure übernommenen Tanks mit seinen seitlich bis auf Fußrastenhöhe heruntergezogenen Flanken ist. Auch von vorne setzt sich die Norden stärker in Szene. Der Rundscheinwerfer und die beiden seitlich davon montierten Zusatzscheinwerferchen wirken raumgreifender als die zierlicher gehaltene, dreiteilige Scheinwerfereinheit der Aprilia. Mit LED-Leuchtmitteln sind beide bestückt. Auch das Aprilia-Heck wirkt insgesamt etwas filigraner als das der Husqvarna. Fürs große Reisegepäck samt Aluboxensystem sind beide Heckrahmen ausgelegt, allerdings gibt es bei der möglichen Zuladung einen deutlichen Unterschied: Die Aprilia darf stramme 210 Kilogramm zuladen, die Husqvarna sogar 231 Kilo.

So sieht die Husqvarna Norden aus, wenn das umfangreiche Softgepäcksystem montiert ist, das es alternativ zu Aluboxen als Zubehör gibt
So sieht die Husqvarna Norden aus, wenn das umfangreiche Softgepäcksystem montiert ist, das es alternativ zu Aluboxen als Zubehör gibt

Frappierende technische Ähnlichkeiten

Manche technischen Ähnlichkeiten sind frappierend, in anderen Bereichen sind die Unterschiede doch recht groß zwischen der Tuareg und der Norden. Einen flüssigkeitsgekühlten Zweizylinder-Reihenmotor mit jeweils vier Ventilen, zwei obenliegenden Nockenwellen und sämtlichen Euro-5-Attesten haben beide. Beide Triebwerke sind von noch leistungsfähigeren Grundmotoren abgeleitet worden und für den On-/Off-Einsatz auf der Straße und im Gelände sowohl leistungsreduziert als auch im mittleren Drehzahlbereich druckvoller gestaltet worden. Der eine weist einen Hubraum von 660 Kubikzentimetern auf, der andere ein Drittel mehr, nämlich 889 Kubik. 80 PS bei 9.250 U/min leistet der Aprilia-Twin, 105 PS bei 8.000 U/min der KTM-Triebling mit den Husqvarna-Insignien an den Flanken. Er ist ansonsten baugleich mit dem Motor der 890 Adventure, für die er aus dem Antrieb der 890 Duke heraus entwickelt worden ist.

Obwohl der Norden-Twin also gut 25 Prozent mehr Leistung bereitstellt – beim Drehmoment liefert er gar 40 Prozent mehr –, fühlt sich der Unterschied in der Praxis flotter Fahrten über Berg- und Landstraßen weitaus geringer an. Denn bereits der Aprilia-Motor drückt mehr als zufriedenstellend. Es ist selten, dass man das Drehzahlspektrum komplett ausnutzt und bis an den Rand des fünfstelligen Bereichs dreht. Die Motorauslegung auf viel Kraft bei mittleren Drehzahlen macht sich bezahlt. Das ist nicht anders im Sattel der Husqvarna Norden. Hier empfand ich den Überfluss an Leistung als noch opulenter. Für mich ist nicht vorstellbar, dass man auf fünf Kilometern Strecke einer gewundenen Küstenstraße, sei es auf Sardinien oder der Azoreninsel São Miguel, mit der Norden der Tuareg auch nur eine Sekunde abnimmt. Und weil sie auf denselben Reifen (zudem in identischer Dimensionierung) rollen, ist auch von daher weder ein Zeitgewinn noch ein Vorteil in puncto Fahrspaß herauszufahren. Beide Motoren empfinde ich als souverän, beide drücken in allen fahrfreuderelevanten Lebenslagen weitaus besser als nur nötig.

Man sitzt als Fahrer gut auf der zweifarbigen, nicht höhenverstellbaren Sitzbank der Tuareg. Die Vierkolben-Doppelscheibenbremse ist gut dosierbar, der Twin ein Quell der Freude
Man sitzt als Fahrer gut auf der zweifarbigen, nicht höhenverstellbaren Sitzbank der Tuareg. Die Vierkolben-Doppelscheibenbremse ist gut dosierbar, der Twin ein Quell der Freude
Beide nehmen schon aus etwa 2.000 Touren ruckfrei Gas an und drehen anschließend sauber und geschmeidig hoch, ohne mit unziemlichen Vibrationen zu nerven. Der „Wohlfühlbereich“ beider Triebwerke ist angenehm umfangreich, sodass es keineswegs nötig ist, sich zum Zwecke guten Durchzugs stets im Bereich des maximalen Drehmoments aufzuhalten. Das kommt bei beiden dem Verbrauch zugute: Nominell konsumiert die Tuareg 4,0, die Norden 4,5 Liter Sprit pro 100 Kilometer. Beide Werte erscheinen angesichts des gebotenen Temperaments nicht nur als günstig, sondern auch in der Praxis auf der Straße erreichbar. Angesichts nahezu identischer Tankgrößen – die Aprilia bunkert 18, die Husqvarna 19 Liter – sind die Unterschiede in der Reichweite vernachlässigbar.

Der Fahrersitz hat 20 mm Spielraum nach oben und ist hinten sehr breit geschnitten. Die radiale Vierkolben-Doppelscheibenbremse überzeugt, der Tank verdeckt teils den Twin
Der Fahrersitz hat 20 mm Spielraum nach oben und ist hinten sehr breit geschnitten. Die radiale Vierkolben-Doppelscheibenbremse überzeugt, der Tank verdeckt teils den Twin

Stahlgitter bilden das Rückgrat

Das Rückgrat beider Fahrwerke bilden Stahl-Gitterrohrrahmen. Im Falle der Tuareg wird dieser durch Aluminiumprofile verstärkt, bei der Husqvarna erfüllt der Twin eine mittragende Funktion. Natürlich kommen hier wie da USD-Gabeln zum Einsatz, beide mit einem Standrohrdurchmesser von 43 mm, wobei Aprilia bei Kayaba einkauft, während sich Husqvarna erwartungsgemäß bei der Hausmarke WP bedient. Die Federwege unterscheiden sich nur geringfügig: Mit 240 mm bietet die Tuareg extrem viel Hub fürs Einfedern, die Husqvarna liegt mit 220 mm aber auch noch deutlich jenseits der zumeist als Tauglichkeitsuntergrenze angesehenen 190 bis 200 mm. Beide Gabeln sind voll einstellbar und beide machen ihre Sache gut, wobei das Nichtvorhandensein eines Lenkungsdämpfers bei der Aprilia nicht als Nachteil empfunden wird. Bei der Anlenkung der Federbeine – das der Tuareg ist voll einstellbar, das der Norden muss auf die Einstellungsmöglichkeit der Druckstufendämpfung verzichten – gehen die Hersteller unterschiedliche Wege.

Husqvarna lenkt den Dämpfer mit seinen 215 mm Federweg direkt an, Aprilia arbeitet bei seinen 240 mm Federweg über eine progressive Hebel-Umlenkung. Auf der Straße arbeiten beide Systeme tadellos, das Ansprechverhalten kann als sportlich-komfortabel bezeichnet werden. Die Ergebnisse offroad sind in beiden Fällen ebenfalls ungefähr gleichwertig. Wichtiger für ein ruhig laufendes Hinterrad ist der passend eingestellte Luftdruck. Beide Federvorspannungen erfolgen komfortabel über ein gut erreichbares Handrad. Unterschiede lassen sich bei den Bremsanlagen beider Fahrzeuge finden. Hier wie dort arbeitet vorne eine Doppelscheibe, die bei der Husqvarna mit 320 mm um 20 mm größer ist. Ihre radial montierten Bremssättel weisen vier Kolben auf – ebenfalls vier sind es an der Aprilia. Hinten gibt es jeweils eine Einzelscheibe von 260 mm Durchmesser. Wir hatten bei keiner der beiden Bremsen einen Grund zu irgendeiner Beanstandung, sondern empfanden die Bremssysteme beider Mittelklasse-Reiseenduros als top: gutes, nicht allzu scharfes Ansprechverhalten, feine Dosierbarkeit, einwandfreie Wirkung.

Zierliche, dreiteilige LED-Leuchteneinheit mit feinem Tagfahrlicht
Zierliche, dreiteilige LED-Leuchteneinheit mit feinem Tagfahrlicht
Die Abdeckung des runden LED-Scheinwerfers ist Zubehör, die Zusatzscheinwerfer sind Serie.
Die Abdeckung des runden LED-Scheinwerfers ist Zubehör, die Zusatzscheinwerfer sind Serie.

Mal mehr, mal weniger Assistenz

Womit wir zwangsläufig zu den Assistenzsystemen kommen, denn die ABS-Konfiguration macht Unterschiede deutlich. Weniger sind sie in der Wirkung zu finden – beide erfüllen bezüglich Regelungsfrequenz und Fahrzeugstabilität auch hohe Ansprüche – als vielmehr in der Konzeption. Während Husqvarna das aufwendigere System einer dezidierten Schräglagenregelung mittels IMU integriert hat, verzichtet Aprilia auf diese Finesse.

Mittels der vier Tasten oben lässt sich der Bordcomputer einwandfrei bedienen; ganz oben der Schalter für den Tempomaten, unten Blinker und Hupe.
Mittels der vier Tasten oben lässt sich der Bordcomputer einwandfrei bedienen; ganz oben der Schalter für den Tempomaten, unten Blinker und Hupe.
Déjà-vu: Mittels der vier Tasten oben lässt sich der Bordcomputer einwandfrei bedienen; ganz oben der Schalter für den Tempomaten, unten Blinker und Hupe.
Déjà-vu: Mittels der vier Tasten oben lässt sich der Bordcomputer einwandfrei bedienen; ganz oben der Schalter für den Tempomaten, unten Blinker und Hupe.
Im praktischen Betrieb konnten wir daraus keinen Nachteil ableiten. Die gefahrenen Straßen auf Sardinien wiesen einen ähnlich hohen Grip auf wie auf São Miguel, sodass die Traktionskontrollen ohnehin nichts Fühlbares zu tun bekamen. Dennoch stünde der Aprilia Tuareg 660, die ja durchaus sportliche Gene in sich trägt, eine IMU und damit die Integration eines schräglagenfähigen ABS gut zu Gesicht, denn die Frage stabiler Verzögerung bei Schräglage ist nicht von der Motorleistung abhängig. Freilich darf man an dieser Stelle nicht vergessen, dass es zwischen beiden Fahrzeugen einen durchaus nennenswerten Preisunterschied gibt. Wir sprechen von immerhin rund 3.000 Euro.

„Explore“ ist nicht „Explorer“

Unterschiedliche Wege schlagen die beiden Hersteller bei ihren Offroad-Fahrregelungen ein. Bei der Tuareg wird dabei das Hinterrad-ABS stets deaktiviert, das Ansprechverhalten auf Gasgriffbewegungen ist sanfter, Traktionskontrolle und Motorbremse agieren zurückhaltender als in den beiden Straßenmodi. Wer will, kann auch noch das Vorderrad-ABS stilllegen. Bei der Norden führt das Einlegen des Offroad-Modus nicht zur automatischen Deaktivierung des Hinterrad-ABS. Dazu muss der Fahrer noch ein paar weitere Knöpfe drücken. Das Vorderrad-ABS kann nicht außer Kraft gesetzt werden, was wir aber nicht als funktionalen Nachteil empfinden. Vermutlich werden nur Profi-Enduristen entsprechende Wünsche haben.

Wer sich den optionalen Explorer-Modus leistet, kommt in den Genuss, das Ansprechverhalten auf Gasgriffbewegungen zu individualisieren und auch die Traktionskontrolle in neun Stufen justieren zu können, um jederzeit über ein optimales Verhältnis zwischen Traktion und Schlupf am Hinterrad zu verfügen.

Es ist eine Freude, mit der Aprilia Tuareg auch abseits des Asphalts unterwegs zu sein; sie ist ein leicht zugängliches Motorrad
Es ist eine Freude, mit der Aprilia Tuareg auch abseits des Asphalts unterwegs zu sein; sie ist ein leicht zugängliches Motorrad
Während wir den Wechsel zwischen den Fahrmodi der Aprilia – es gibt über die drei vorkonfigurierten Programme „Rain“, „Explore“ und „Offroad“ noch einen komplett persönlich konfigurierbaren Fahrmodus – als sehr einfach empfanden, kamen wir in diesem Punkt mit der Husqvarna nicht so leicht zurecht. Das liegt an der KTM-Philosophie, dass eine einmal gewählte ABS-Einstellung stets in allen Fahrmodi wirksam ist. Wer im „Explorer“-Modus das Offroad-ABS anwählt und damit am Vorderrad verzögerte Eingriffe und am Hinterrad überhaupt keine Blockierregelung mehr erhält, fährt in „Rain“ oder „Street“ mit derselben Regelung weiter, es sei denn, man programmiert das System wieder um. Das kann beim häufigen Wechsel von Straße und Gelände durchaus nerven.

Stets gut im Griff hat der Fahrer die Husqvarna Norden auch abseits des Asphalts, weil er auf ihr bestens untergebracht ist
Stets gut im Griff hat der Fahrer die Husqvarna Norden auch abseits des Asphalts, weil er auf ihr bestens untergebracht ist

Angenehmes Fahren

Um wieder auf das Gemeinsame zu kommen: Beide Motorräder lassen sich im Gelände leicht beherrschen, geben sich agil und zugänglich. Auch die Fahrpositionen im Stehen werden auf beiden als gelungen empfunden. Trotz des im hinteren Bereich wesentlich breiter konturierten Norden-Sitzes ist die Bewegungsfreiheit für den Piloten beim Fahren im Stehen nicht eingeschränkt. Es macht sowohl mit der Aprilia als auch mit der Husqvarna viel Spaß, sich auf Rumpelpfaden zu bewegen. Das um 15 Kilogramm geringere Gewicht der Aprilia – angegeben sind bei ihr vollgetankt 204 Kilogramm, bei der Norden 219 Kilogramm – erscheint zwar spürbar, aber im Reisebetrieb nicht als kriegsentscheidend. Umso weniger, je mehr zugeladen ist. Für das Reisen sind beide Fahrzeuge vorgesehen.

Auch wenn die Aprilia die leichteste Zweizylinder-Reiseenduro auf dem gesamten Markt ist, so ist sie doch keinesfalls mit einer Sportenduro zu verwechseln, auch wenn ihre schmal geschnittene Sitzbank und ihre sehr schlanke Silhouette sie sportlicher wirken lassen. Gefühlt lässt sie sich leicht dirigieren, aber ob man mit ihr ohne Gepäck im mittelschweren Gelände tatsächlich Vorteile herausfahren könnte, bleibt Spekulation. Windschutz für weite Reisen ist bei beiden Motorrädern in Form eines Windschilds gegeben.

Beide Scheiben sind nicht verstellbar. Perfekten Windschutz, wie es ihn bei Oberklasse-Geländetourern gelegentlich gibt, darf man nicht erwarten. Und der Punkt „Turbulenzen“ ist bei beiden von der Fahrerstatur und dem getragenen Helm abhängig. Bei Husqvarna findet sich im Zubehörangebot ein Spoileraufsatz für die aus stilistischen Gründen eingefärbte Scheibe. Gut möglich, dass dessen Einsatz positive Ergebnisse bei höherem Tempo bringt.

Auf beiden ist gut Sitzen

Die Sitzposition erscheint auf beiden Motorrädern gelungen. Der Kniewinkel ist moderat, das „magische Dreieck“ (Lenker, Sitz, Rasten) geht bei beiden in Ordnung, sodass man guten Gewissens auch lange Strecken in Angriff nehmen kann. Wegen der bei Fahrpräsentationen häufigen Fahrtunterbrechungen lässt sich über die Frage stundenlangen Sitzens nur mutmaßen, dass der weitaus voluminöser konturierte Husqvarna-Sitz diesbezüglich einen Vorteil bietet. Im Vorderbereich ist er schmal genug geschnitten, sodass der Schrittbogen nicht unziemlich groß wird und man beim Fahren im Stehen sowohl genügend Bewegungsraum als auch einen guten Knieschluss findet. Die Sitzhöhe selbst differiert in der unteren Einstellung des Norden-Sitzes lediglich um sechs Millimeter zuungunsten der Aprilia. Deren Bank ist nicht höhenverstellbar, während der Norden-Pilot bei Bedarf weitere 20 mm in die Höhe rücken kann.

Erfordert in der Gewöhnungsphase etwas genaueres Hinschauen: Display der Aprilia Tuareg 660. Fünf Zoll messen beide Instrumente
Erfordert in der Gewöhnungsphase etwas genaueres Hinschauen: Display der Aprilia Tuareg 660. Fünf Zoll messen beide Instrumente
Beide Hersteller bauen Fünfzoll-Farbdisplays ins Cockpit ein, beide sind gut ablesbar, wobei die Norden-Version klarer strukturiert und damit (noch) leichter ablesbar ist. Beide Systeme gefallen und informieren ausführlich. In beiden Fällen kann man sich nach recht kurzer Eingewöhnung schnell und sicher im Menü des Bordcomputers bewegen. Zur Bedienung gibt es jeweils links am Lenker vier in Kreuz-Form gestaltete Tasten, die sehr gut erreichbar sind.

Auch wenn der Seitenständer-Hinweis hier dominiert: Sämtliche Anzeigen im Display der Norden 901 sind gut ablesbar. Zudem lassen sich die „Favoriten“ (rechts) individualisieren
Auch wenn der Seitenständer-Hinweis hier dominiert: Sämtliche Anzeigen im Display der Norden 901 sind gut ablesbar. Zudem lassen sich die „Favoriten“ (rechts) individualisieren

Keine leichte Entscheidung

Sowohl die Aprilia Tuareg 660 als auch die Husqvarna Norden demonstrieren eindrucksvoll, dass es für die Kombination aus locker-flockigem Asphalt-Fahrvergnügen und erlebnisorientiertem „über Stock und Stein“ keine 1.000 oder mehr Kubikzentimeter Hubraum und auch nicht 130, 150 oder gar noch mehr PS braucht.

Natürlich liefern beide Motorräder – die Aprilia ist ab 11.990,-- Euro inklusive Nebenkosten zu haben, die Husqvarna kostet ab 14.349,-- Euro plus Nebenkosten – nicht die messbaren Fahrleistungen der Bolidenklasse, doch sie bieten, abgesehen vom geringeren Kaufpreis, auch ein paar Vorteile: niedrigere Unterhaltskosten, wesentlich leichtere Zugänglichkeit und eine klar bessere Handlichkeit bei niedrigem Tempo – insbesondere beim Rangieren.

​​​​​​​Orientiert man sich als Fahrer an den geltenden Straßenverkehrsvorschriften, wird man jederzeit mit Kollegen auf einer Boxer-GS, einer KTM Super Adventure oder einer Ducati Multistrada mitfahren können, ohne über Leistungsmangel oder eine technisch unangemessene, weil allzu sparsame Ausstattung klagen zu müssen. Der Mut zu weniger Motorleistung kann durchaus mit größerem Fahrvergnügen belohnt werden. Wie sagt Kabarettist Helmut Schleich so gerne: „Alles eine Frage der Perspektive…“
Pro & Contra Aprilia Tuareg 660
 Pro
  • leistungsfähiger Antrieb
  • sehr handliches Fahrwerk
  • prima Zugänglichkeit
 Contra
  • keine Sitzhöhenverstellung
Pro & Contra Husqvarna Norden 901
 Pro
  • sehr leistungsfähiger Antrieb
  • sehr bequemer Sitz
  • prima Zugänglichkeit
 Contra
  • ABS-Verstellung kann nerven
Vergleich Aprilia Tuareg 660 2022 und Husqvarna Norden 901 2022
Aprilia Tuareg 660
2022
Husqvarna Norden 901
2022
Motor
Bohrung x Hub 81 x 63,93 mm 90,7 x 68,8 mm
Hubraum 659 ccm 889 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5 Euro 5
Leistung 80 PS (59 kW) bei 9250 U/min 105 PS (77 kW) bei 8000 U/min
Drehmoment 70 Nm bei 6500 U/min 100 Nm bei 6500 U/min
Verdichtung 13,5:1 13,5:1
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h 200 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1000 km, danach alle 10000 km Erstinspektion nach 1000 km, danach alle 15000 km
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Nasskupplung mit Anti-Hopping-Funktion Anti-Hopping-Kupplung, mechanisch betätigt
Schaltung 6-Gang 6-Gang
Antrieb Kette Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Stahlrohrrahmen Chrom-Molybdän-Stahlrahmen, Motor mittragend
Federelemente vorn 43-mm-Upside-down-Gabel, voll einstellbar 43-mm-Upside-down-Gabel, voll einstellbar
Federelemente hinten Monoschock-Federbein, voll einstellbar WP-Apex-Zentralfederbein, Vorspannung und Zugstufe einstellbar
Federweg v/h 240 mm/240 mm 220 mm/215 mm
Radstand 1525 mm 1513 mm
Nachlauf 113,3 mm 106,9 mm
Lenkkopfwinkel 26,7° 25,8°
Räder Drahtspeichenräder Drahtspeichenräder mit Aluminumfelgen
Reifen vorn 90/90 - 21 90/90 - 21
Reifen hinten 150/70 - 18 150/70 - 18
Bremse vorn 300-mm-Doppelscheibenbremse, Vierkolben-Bremssättel 320-mm-Doppelscheibenbremse mit radial montierten Vierkolben-Sätteln
Bremse hinten 260-mm-Scheibenbremse, Einkolben-Bremssattel 260-mm-Scheibenbremse mit Zweikolben-Schwimmsattel
Maße & Gewicht
Länge 2220 mm 2254 mm
Breite 965 mm 863 mm
Höhe 1440 mm 1385 mm
Gewicht 204 kg 219 kg
Maximale Zuladung 210 kg 231 kg
Sitzhöhe 860 mm 854 / 874 mm
Standgeräusch 90 dB(A) 88 dB(A)
Fahrgeräusch 74 dB(A) 77 dB(A)
Tankinhalt 18 Liter 19 Liter
Fahrerassistenzsysteme
Kurven-ABS
schräglagenabhängige Traktionskontrolle
ABS
Traktionskontrolle
Fahrmodi
Fahrzeugpreis ab 11990 Euro 14649 Euro
Sonstiges Gewichtsangabe enthält keinen Treibstoff
Text: Michael Reisbacher, Fotos: Aprilia, Husqvarna


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