M&R-PlusVergleichstest Triumph Bonneville T120 Black vs. Brixton Cromwell 1200

Lesezeit ca. 7 Min.
Die Triumph Bonneville war lange allein auf weiter Flur mit ihrer ultracoolen, klassischen Brit-Bauart. Jetzt hat sie Gesellschaft bekommen. Die Brixton Cromwell sieht aus wie ihr Zwilling. Plagiat oder Konkurrenz? Beim Fahren offenbaren sich die Unterschiede der Old-School-Bikes.
Du stehst mit deiner Maschine an der Ampel oder vor der Zapfsäule oder parkst irgendwo. Und dann kommt jemand auf dich zu und sagt: „Tolles Motorrad“. Oder: „Die ist echt schick.“ Komplimente halt. Daumen hoch. Symbolischer Schulterschlag. Für die Optik, für die Machart, für deinen Moped-Geschmack. Ein gutes Gefühl. Triumph-Fahrer kennen das natürlich. Die hoch und viel gelobten „Modern Classics“ der Bonneville-Familie machen alle extrem was her. Die
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hochbeinige Scrambler, die schlanke Speed Twin, die saucoole Bobber, die rassige Thruxton, die lässige Speedmaster – und natürlich die „Bonnie“, die Mutter aller Classic Bikes, sei es als T100 (65 PS, ab 11.145,-- Euro) oder als T120 (80 PS, ab 13.345,-- Euro) oder in diesem Fall als T120 Black mit mattschwarzen Anbauteilen, matter Zweifarblackierung und brauner Sitzbank. Eine klassische Schönheit. Entspannt, zeitlos, stilvoll. Ein Gentleman-Bike, selbst im Rabauken-Look.
Triumph Bonneville T120 Black vs. Brixton Cromwell 1200
Triumph Bonneville T120 Black vs. Brixton Cromwell 1200

„Old-School-Style auf moderne Art“

Speichenräder mit schwarzem Felgenbett. Verchromter Tankdeckel mit Schlossabdeckung. Hinreißende Rundinstrumente. Dazu die lange Sitzbank – vorn auf Fahrerhöhe glattgebügelt, hinten für den Sozius mit Abnähern und Haltegurt – und on top ein Paar stilechte Leder-Canvas-Seitentaschen (Zubehör). Die Bonneville ist ein Motorrad für die Ewigkeit. Und genau das will auch die Brixton Cromwell 1200 sein. „Mit der brandneuen Cromwell 1200 gibst du den Ton an und fährst guten, klassischen Old-School-Style auf deine eigene, moderne Art“, verkünden die KSR-Verantwortlichen auf der Modellseite ihres ersten „Big Bikes“. Konzept und Design stammen aus Österreich, die Produktion erfolgt in China. Über Letzteres mag man die Nase rümpfen, täte der Cromwell 1200 damit aber Unrecht. Die Verarbeitung ist penibel. Der Zweizylinder geht kernig zur Sache und macht seine Sache erstaunlich gut. Optisch setzt er auf die gleichen Tugenden wie der Bonneville-Twin: Die gefrästen Kühlrippen, die luftige Platzierung zwischen Rahmen und Tank, der schnörkellose Auspuff – all das kennt man von der Triumph, die unübersehbar als Blaupause diente für den Neo-Klassiker mit Alpen-DNA. Auch in puncto Abmessungen geben sich die beiden quasi nichts. Ist die Brixton deshalb eine billige Kopie? Nö, das auf sicher nicht, dafür hat sie zu viel Charakter. Aber gehen wir es mal durch.

Die Ausstattung

Britische Zurückhaltung: LED-Technik nur fürs Tagfahr- und Rücklicht
Britische Zurückhaltung: LED-Technik nur fürs Tagfahr- und Rücklicht
Vorteil Brixton: LED-Beleuchtung rundum und auffälliges Tagfahrlicht
Vorteil Brixton: LED-Beleuchtung rundum und auffälliges Tagfahrlicht
LED-Beleuchtung inklusive Tagfahrlichtring und Kompassrose als Designgag, einfach zu bedienender Tempomat, Traktionskontrolle, Kayaba-Federelemente, zwei Fahrmodi – ausstattungsmäßig kann die Brixton voll mithalten. Bei den serienmäßigen LED-Blinkern hat sie sogar die Nase vorn – bei Triumph kosten die extra; ab Werk gibt es „nur“ klassische Blinkerknochen und konventionelle Leuchten. Brixton beweist hier wie Triumph viel Liebe für Finish und Details: An der aufwendig verarbeiteten Sitzbank flattert ein kleines Brixton-Label, am Motorgehäuse prangt stolz der Brixton-Schriftzug samt Himmelsrichtungen-Grafik, hinter der Sitzbank ziert eine große „Cromwell 1200“-Plakette den knackigen Stoßfänger. Klar an Brixton geht das Design der LED-Heckleuchte: Wie das Rücklicht eines Straßenkreuzers steht sie frei und selbstbewusst auf dem hinteren Fender. Bildschön.
Triumph begnügt sich hier mit einer unauffälligen Standard-Heckleuchte, gerahmt von den knorrigen orangenen Blinkergehäusen. Beide Test-Bikes tragen Gummi-Kniepads am Tank. Bei der Cromwell wirken sie, wie zufällig platziert; sie sitzen für meinen Geschmack zu nah an der Tankausformung. Triumph löst das schlüssiger.

Der Sitzkomfort

Black Bonnie: Zweifarblackierung, matte Anbauteile, braune Sitzbank
Black Bonnie: Zweifarblackierung, matte Anbauteile, braune Sitzbank
Wo wir gerade bei „Sitzen“ sind: Die Sitzbank der Cromwell ist knüppelhart. Die schmale, flache Form kommt optisch gut, aber in puncto Komfort kann sie der Triumph nicht das Wasser reichen. Das Polster der Bonnie ist kommoder ausgelegt und deutlich langstreckentauglicher als die bierbankstramme Sitzfläche der Brixton. Erst recht für den Sozius, der auf der Bonnie viel mehr Polsterfläche zur Verfügung hat. Die Sitzhöhe des britischen Originals beträgt 790 mm, die österreichische Herausforderin rollt mit 800 mm in die Arena. Der Tankschluss funktioniert bei einem 1,80-Meter-Durchschnittsfahrer wie mir bei der Triumph besser. Die Brixton baut in der Mitte breiter; die Seitenverkleidungen stören hier, winkelt man die Beine nicht ausreichend ab.

Die Fahrprogramme

Nippel am Boden: hörbare Schräglage bei beiden Klassikern
Nippel am Boden: hörbare Schräglage bei beiden Klassikern
Eco und Sport heißen die zwei Fahrmodi der Brixton, Triumph setzt klassisch auf Road (Straße) und Rain (Regen). Der Sportmodus der Cromwell 1200 macht seinem Namen alle Ehre: Die Maschine geht in diesem Fahrprogramm ab wie die wilde Luzie. Fast schon zu ungestüm hängt sie am Gas – eine echte Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Verwandlung, vergleicht man das Rowdy-Fahrprogramm mit dem Eco-Modus respektive der Bonnie-Auslegung. Road ist hier die Spaßkomponente; der Rain-Modus bremst das Temperament merklich aus, ist aber im direkten Vergleich nicht so devot wie bei der Brixton.

Der Fahreindruck

Generell verströmt die Bonneville mehr Gran-Turismo-Feeling. Sie wirkt souveräner, gestandener, insgesamt kraftvoller; das Drehmoment macht mehr an als auf der Brixton. Die Highspeed-Wertung geht dafür klar an die Cromwell: 198 zu 185 km/h – das nennt man nicht nur auf dem Papier deutlich. De facto wird es spätestens ab 150 km/h ungemütlich auf den nackten Klassikern. Die höhere Endgeschwindigkeit ist daher kein echtes Kaufkriterium bei Maschinen dieser Machart. Souverän auf der Straße liegen sie beide, was beim identischen Radstand und nahezu gleichen Lenkkopfwinkel nicht weiter verwundert. Mit 235 kg (Brixton) beziehungsweise 236 kg sind die Bikes gleich schwer, beide rollen auf 18 Zoll vorn und 17 Zoll hinten. Die Brixton gönnt sich auf dem Papier minimal weniger Sprit – 4,6 l/100 km zu 4,7 l/100 km laut Datenblatt. Im Alltagsbetrieb liegen beide leicht darüber, aber komplett im Rahmen. Die Bremsen machen einen ausgezeichneten Job. Gefühlt noch eine Spur souveräner geht die Bonnie zu Werke. Hier spielt Triumph sein jahrzehntelanges Know-how aus. Gleiches gilt fürs Fahrwerk. Kurven nehmen beide mit der gebotenen Grandezza. Sie vermitteln viel Vertrauen, ohne zu übermäßigem Heizen zu verführen. Knie Richtung Asphalt wirkt hier ohnehin albern. In flott gefahrenen Kurven setzen die Fußrasten der Bonnie etwas früher auf.

Der Sound

 Die Bonnie ist im Stand lauter, beim Fahren leiser als die Cromwell
Die Bonnie ist im Stand lauter, beim Fahren leiser als die Cromwell
Alles an der Bonneville ist wertig. Auch der Klang. Er trifft direkt ins Herz. Dumpf, potent, fesselnd – eine Twin-Sinfonie, mitreißend wie einst die Soli von Uriah-Heep-Bassist Trevor Bolder. So muss ein Motor klingen, wenn er zwei armdicke Auspuffrohre hat. Schon das Starten ist ein Genuss: Kurz den knubbeligen, roten Startknopf nach unten gedrückt, dann meldet sich der 1200-ccm-Zweizylinder-Reihenmotor mit 270-Grad-Hubzapfenversatz sehr präsent zur Arbeit. Ein Träumchen. Die Brixton hält tapfer dagegen mit ihren doppelwandigen Tüten, kommt aber nicht ganz heran an den britischen Caruso. Dafür klingt sie obenherum eine Spur sportlicher als die Triumph. Beides hat seinen Reiz.

Die Instrumente

Keine Experimente: Die T120 punktet mit bildschönen Rundinstrumenten
Keine Experimente: Die T120 punktet mit bildschönen Rundinstrumenten
Modernes Rundinstrument: zwei Ansichten für die Cromwell – Eco & Sport
Modernes Rundinstrument: zwei Ansichten für die Cromwell – Eco & Sport
Rund und bunt grinst den Fahrer das TFT-Display der Cromwell 1200 an. Im dezenten Eco-Mode dominiert die Geschwindigkeitsanzeige, im poppigen Sport-Mode der Drehzahlmesser. Das Einschalten der Zündung begleitet eine gut gemeinte Animation.
Tankstand und Wassertemperatur werden senkrecht dargestellt und dürften gern etwas prominenter gestaltet sein. Dezent an der Seite des Solo-Rundlings hat Brixton einen USB-Port untergebracht. Das erleichtert das Laden und sorglose Nutzen des Smartphones oder Navis am Lenker. Triumph punktet mit edlen, analog anmutenden Rundinstrumenten mit 3-D-Zeigern. Ein kleines Display gibt Aufschluss über die üblichen Parameter wie Kilometer, Tankstand, Gangwahl und Fahrmodus. Traditionalisten lieben diese Instrumentierung. Modernisten und Berufsjugendliche werden mit dem Brixton-Leuchtkasten glücklich.
Bei der ersten Modellpflege empfiehlt er sich für eine Turn-by-Turn-Navigation. Elektronisch halten sich beide Maschinen vornehm zurück: Traktionskontrolle und das obligatorische ABS, dazu besagte Fahrmodi und Tempomat – das muss reichen. Und tut es auch.

Fazit

Wer die aktuelle Bonneville T120 nie gefahren ist, wird die Cromwell 1200 lieben. Sie sieht verdammt gut aus, fährt prima, ist wertig verarbeitet und auf moderne Weise „Old School“. Kaum vorgestellt, hat KSR den Preis um einen Tausender angehoben auf jetzt 10.999,-- Euro in Deutschland (Österreich: 11.999,-- Euro). Begehrt bleibt sie dennoch. Die rund 2350,-- Euro teurere Bonnie muss sich dennoch keine Sorgen machen. Einmal genossen, bleibt sie erste Wahl.
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Triumph Bonneville T120 Black
 Pro
  • famoses Finish
  • toller Twin-Motor
  • grandioser Sound
 Contra
  • kein LED-Hauptscheinwerfer
  • Fußrasten setzen früh auf
Brixton Cromwell 1200
 Pro
  • umfassende Ausstattung
  • sportlicher Twin-Motor
  • moderner Old-School-Style
 Contra
  • knüppelharte Sitzbank
  • geringer Langstreckenkomfort
Fahrer Equipment
Vergleich Brixton Cromwell 1200 2022-2023 und Triumph Bonneville T120 Black 2021-2023
Brixton Cromwell 1200
2022-2023
Triumph Bonneville T120 Black
2021-2023
Motor
Bohrung x Hub 98,6 x 80 mm 97,6 x 80 mm
Hubraum 1.222 ccm 1.200 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Reihenzweizylinder, flüssigkeitsgekühlt Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5 Euro 5
Leistung 83 PS (61 kW) bei 6.550 U/min 80 PS (58 kW) bei 6.550 U/min
Drehmoment 108 Nm bei 3.100 U/min 105 Nm bei 3.500 U/min
Verdichtung 10:1 10:1
Höchstgeschwindigkeit 198 km/h 185 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1.000 km, danach alle 10.000 km oder jährlich Erstinspektion nach 800 km, danach alle 16.000 km oder jährlich
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Ölbadkupplung Mehrscheiben-Nasskupplung mit Drehmomentunterstützung
Schaltung 6-Gang 6-Gang
Antrieb Kette Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen Stahlrohr-Schleifenrahmen
Federelemente vorn Telegabel 41-mm-Cartridge-Gabel
Federelemente hinten Stereo-Stoßdämpfer, einstellbar Doppelstoßdämpfer, einstellbare Federvorspannung
Federweg v/h 120 mm/87 mm 120 mm/120 mm
Radstand 1.450 mm 1.450 mm
Nachlauf 115 mm 105,2 mm
Lenkkopfwinkel 26° 25,5º
Räder Speichenfelgen Speichenräder
Reifen vorn 100/90 R 18 100/90 R 18
Reifen hinten 150/70 R 17 150/70 R 17
Bremse vorn 310-mm-Doppelscheibenbremse 310-mm-Doppel-Bremsscheibe, Doppelkolben-Schwimmsattel
Bremse hinten 260-mm-Scheibenbremse 255-mm-Einzelscheibe, Doppelkolben-Schwimmsattel
Maße & Gewicht
Länge 2.180 mm 2.170 mm
Breite 800 mm 780 mm
Höhe 1.115 mm 1.100 mm
Gewicht 235 kg 236 kg
zul. Gesamtgewicht 455 kg k. A.
Maximale Zuladung 220 kg 210 kg
Sitzhöhe 800 mm 790 mm
Standgeräusch 89 dB(A) 95 db(A)
Fahrgeräusch 76 dB(A) 74 dB(A)
Tankinhalt 16 Liter 14,5 Liter
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Traktionskontrolle
Fahrmodi
Tempomat
Fahrzeugpreis ab 10.999,-- Euro 13.349,-- Euro
Fotos: Bernd Ahrens


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