Fahrtest: Yamaha TMAX - mit Euro-4 jetzt noch spontaner!

Seit 16 Jahren ist der TMAX im Rollersegment Maß aller Dinge. Um dies zu bewahren, wurde der Kult-Scooter rundum überarbeitet.
Im Jahr 2001 hat Yamaha mit der Einführung des TMAX das Roller-Segment revolutioniert und eine gänzlich neue Kategorie geschaffen. Die zu diesem Zeitpunkt mutige Entscheidung, einen Roller auf dem Markt vorzustellen, der die Leistung und das Handling eines Sportmotorrades mit dem Komfort und der Bequemlichkeit eines Rollers verbindet, erweist sich rückblickend als goldrichtig. Mit dem TMAX hatte Yamaha einen Trendsetter geschaffen, der das Rollersegment tiefgreifend veränderte. Aufgrund seines einzigartigen Konzepts dominiert der TMAX heute, fünf Modellgenerationen später, weiterhin unangefochten das Marktsegment der großen Premium-Scooter.
Yamaha TMAX Front
Neu gestaltete Front und elektrisch verstellbares Windschild des TMAX DX
Mehr als 250.000-mal gebaut ist der TMAX nicht nur der meistverkaufte Maxi-Roller Europas, er gehört auch zu den beliebtesten Modellen in der Geschichte von Yamaha. Ein Schlüssel zu diesem fortwährenden Erfolg ist die konstante Weiterentwicklung, die ihn sofort an der Spitze der Maxi-Roller-Klasse positionierte. Seitdem ist der Motor des TMAX von 499 ccm auf aktuell 530 ccm gewachsen, der ursprüngliche Kettenantrieb wurde durch einen Zahnriemen ersetzt. Anstelle des Stahlrahmens wird ein leichterer Aluminiumrahmen verwendet und anstelle der konventionellen Gabeln der ersten Generationen kommt eine moderne Upside-down-Telegabel zum Einsatz.


Die Weiterentwicklung eines Erfolgsfahrzeuges ist immer eine heikle Sache, gilt es doch, eventuelle Schwachstellen zu eliminieren und gleichzeitig bewährte Standards zu erhalten oder gar weiter zu optimieren. Und genau diese Aufgabe scheint Yamaha ein weiteres Mal gut gelungen zu sein. Aufgrund der nahezu vollständig verhüllten Technik fallen als Erstes die optischen Änderungen ins Auge und diesbezüglich vor allem die neue Front mit sportlicher geformten LED-Scheinwerfern und -Positionsleuchten, die dem TMAX ein kompakteres Erscheinungsbild verleihen. Ein weiteres charakteristisches TMAX-Erkennungsmerkmal sind die bumerangförmigen Seitenelemente, die in der neuesten Version dynamischer gezeichnet sind und dadurch die gestärkte Agilität auch optisch zum Ausdruck bringen sollen.
Yamaha TMAX Fahrbild
Der Feinschliff am flüssigkeitsgekühlten 530-ccm-Reihenzweizylinder bewirkt neben der Anpassungen an Euro 4 vor allem ein spontaneres Ansprechverhalten. Der TMAX beschleunigt dadurch eine Spur schneller, und die Gasannahme fühlt sich nun noch ein wenig direkter an. Erstmals eingesetzte chipgesteuerte Drosselklappen ermöglichen zudem den Einsatz einer Traktionskontrolle, die bei rutschigen Straßenbedingungen wie Kopfsteinpflaster, Gulli­deckeln, Markierungen und ähnlichen Gefahrenpunkten mehr Stabilität und Sicherheit gewährleisten. Auf den teilweise mit Flugsand bedeckten Straßen während unserer Testfahrt reagierte das System zur vollsten Zufriedenheit, sanft und ohne Tücken.
Yamaha TMAX Auspuff
Der Schalldämpfer wurde nach oben verlegt und gekürzt

Neun Kilogramm leichter – das Chassis

Im Gegensatz zu anderen Rollern ist der Motor des TMAX fest im Chassis verankert und nicht als sogenannte Triebsatzschwinge ausgeführt. Den Antrieb zum Hinterrad übernimmt ein Zahnriemen, dessen Breite aufgrund der neuen Karbonverstärkung um 15 Millimeter reduziert wurde. Weil der Katalysator nun neu im vorderen Teil der Auspuffanlage untergebracht ist, konnte der Schalldämpfer um 77 Millimeter gekürzt und höher platziert werden. Die Leistungsdaten bleiben indes mit maximal 46 PS bei 6.750 U/min und 53 Nm Drehmoment bei 5.250 U/min unverändert. Für das 2017er-Modell haben die Yamaha-Konstrukteure einen neuen leichten Rahmen aus Aluminiumguss entwickelt, der in Verbindung mit der um 40 Millimeter längeren Aluschwinge ein einzigartig stabiles, motorradähnliches Fahrverhalten gewährleistet. Mit überarbeiteter Geometrie und verbesserter Massezentralisierung trägt der neue Rahmen maßgeblich zur Gewichtsreduzierung um beachtliche neun Kilogramm bei. Hinzu kommt die geänderte Hinterradfederung, die nun progressiv wirkt. Das heißt, die Federung spricht zu Beginn komfortabel an und wird mit zunehmender Belastung straffer.
Yamaha TMAX Schwinge
Die verlängerte Schwinge sorgt für ein „motorradähnliches“ Fahrverhalten

Neue Features zur verbesserten Sicherheit

Das zentral angeordnete monochrome TFT-Display wird flankiert von einem runden Analog-Tacho auf der linken und dem Drehzahlmesser auf der rechten Seite. Dank Smart-Key-System lassen sich der Motor starten, Sitz, Tank und Handschuhfach entriegeln, ohne dass der Schlüssel zur Hand genommen werden muss. Und als zusätzlicher Schutz vor Langfingern kann man nun, in Ergänzung zum Lenkerschloss, erstmals auf die gleiche Art und Weise auch den Zentralständer verriegeln. Dazu kommt, dass der neue TMAX bereits zur Aufnahme des kabellosen, optional erhältlichen D-Air-Airbag-Systems von Dainese vorbereitet ist.
In Ergänzung zum gut ausgestatteten Basismodell lässt Yamaha die beiden Modellvarianten TMAX SX und TMAX DX anrollen. Der SX untermauert seinen sportlichen Anspruch durch eine entsprechend aufwendigere Lackierung sowie die exklusive Innenverkleidung mit hochwertigeren Materialien. Der Fahrer kann zudem zwischen den beiden Fahrmodi „S“ (Sport) und „T“ (Touring) wählen. Letzterer bewirkt eine sanftere Gasannahme und begrenzt die maximale Leistung auf 39 PS.
Yamaha TMAX Cockpit
Über ein TFT-Cockpit werden die wichtigsten Informationen vermittelt

Zahlreiche Fahrzeuginfos sind per App auslesbar

Mit der neuen „My TMAX Connect App“ erhalten TMAX-SX- und -DX-Fahrer erstmals einen direkten Zugang zur vernetzten Welt. Die Smartphone-App ermöglicht den Zugriff auf zahlreiche Fahrzeugdaten. Dank integriertem GPS verfügt die App zudem über eine Trackingfunktion, eine aus der Ferne bedienbare Hup- und Blinkfunktion sowie eine Geschwindigkeitswarnung. Zudem kann ein sogenannter „Geofence“ (geografischer Zaun) aufgebaut werden, der dem Fahrer via Smartphone meldet, wenn das Fahrzeug entwendet wird. In einigen Ländern profitieren Kunden dank der TMAX Connect App von günstigeren Versicherungstarifen.
Yamaha TMAX Modelle

Flaggschiff: TMAX DX

Das Flaggschiff der TMAX-Flotte ist der DX, der serienmäßig mit einem Tempomat, einem elektrisch um 135 Millimeter höhenverstellbaren Windschild sowie einer in mehreren Stufen einstellbaren Griff- und Sitzheizung noch kompletter ausgestattet ist und dadurch kaum Wünsche offenlässt. Hinzu kommt, dass die Federvorspannung und die Dämpfung des hinteren Federbeins auf unterschiedliche Zuladungen manuell eingestellt werden kann. In fahrdynamischer Hinsicht lassen die drei neuen Yamaha TMAX nichts anbrennen. Stabilität, Agilität, Handling und ABS-Bremsen sind top. Wer dem Kult-Roller mit dem Motorrad auf der Landstraße enteilen will, muss entweder deutlich mehr Schmackes unterm Hintern haben oder ein begnadeter Kurvenwetzer sein. Der TMAX vereint die positiven Eigenschaften von Motorrad und Roller in idealer Art und Weise. Er bietet quasi zwei Fahrzeuge in einem – allerdings zu einem dermaßen stolzen Preis, für den man sich alternativ gleichzeitig zwei einzelne Fahrzeuge wie beispielsweise die Tracer 700 und den X-MAX 125 leisten könnte.
Technische Daten
Yamaha TMAX 2017-2019
Technische Daten
Yamaha TMAX
2017-2019
Motor
Bohrung x Hub 68 x 73 mm
Hubraum 530 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 4
Leistung 46 PS (34 kW) bei 6750 U/min
Drehmoment 53 Nm bei 5250 /min
Verdichtung 10,9:1
Kraftübertragung
Schaltung Variomatik
Antrieb Zahnriemen
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Aluminiumrahmen
Federelemente vorn Upside-Down-Gabel
Federelemente hinten Schwinge
Federweg v/h 120 mm/117 mm
Radstand 1575 mm
Reifen vorn 120/70-15
Reifen hinten 160/60-15
Bremse vorn 267 mm Doppelscheibenbremse
Bremse hinten 282 mm Einscheibenbremse
Maße & Gewicht
Länge 2200 mm
Breite 765 mm
Höhe 1475 mm
Gewicht 213 kg
Sitzhöhe 800 mm
Tankinhalt 15 Liter
Weitere Baujahre 2001,2008-2016,
2020-2021,
2022
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Text: Hanspeter Küffer, Fotos: Christof van der Walt, Alessio Barbanti, Jonathan Gidon


#Roller#Test#Yamaha

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