Wetterapp und Glatteiswarnung zerren an den Nerven

M&R Redakteur Ralf Bielefeldt bestreitet eine komplette Wintersaison auf Hondas X-ADV. Von Dezember bis Februar bleibt das Auto stehen.

Minus drei Grad, erhöhte Glatteisgefahr von 00:01 bis 11:59 Uhr. Ich gebe zu: Der Blick auf die Wetter-App lässt mich gerade etwas zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Winterdauertests mit dem Honda X-ADV. Will ich da wirklich auf zwei Rädern raus..? Ganz ehrlich: nee, eigentlich so gar nicht. Eine gute halbe Stunde Fahrt pro Richtung erwartet mich. Meine Zähne klappern jetzt schon. Aber nun: Abgemacht ist abgemacht – diesen Winter fahre ich durch. Auch wenn ich mich sehr nach der Behaglichkeit meiner beheizbaren Autositze sehne. Und nach der Klimaautomatik, die es innerhalb kurzer Zeit muckelig warm macht im Innenraum.

Auf dem Motorrad kannst du diese Form der Rundum-Wärme natürlich knicken. Und seien die Handschuhe noch so dick und raffiniert und multilagig: Fällt das Thermometer gen Gefrierpunkt oder rauscht in den Minusbereich, zwirbeln die Fingerkuppen nach 20, 30 Kilometern (oder früher) so übel, dass man einfach nur laut jammern möchte. Und sofort an Großmutters Ofen will. Am besten mit einer heißen Schokolade.
Vanucci VTB 11
Motorradstiefel Vanucci VTB 11​​​

Erst die Fingerspitzen, dann die Zehen

Aber nein, stattdessen geht es dann auch mit den Zehen los. Später zwar, so meine Erfahrung mit Vanucci VTB 11 oder Carhartt Detroit an den Füßen, aber kein bisschen angenehmer. Fährt dir dann auch noch der eiskalte Finger von Väterchen Frost irgendwo in den Nacken oder die Klöten werden klamm oder du musst das Visier ein Stück hochschieben, weil es mangels Pinlock beschlägt beim Ampelstopp, dann ist es vorbei mit dem winterlichen Heldentum.
Motorradstiefel Carhartt Detroit
Motorradstiefel Carhartt Detroit

Abhilfe, so die Theorie, verspricht beheizbares Equipment. Davon gibt es jede Menge, zeigt ein Blick in die Zubehörwebwelt – für Biker wie für Wanderfreunde oder sonstige Menschen, die es draußen aushalten müssen, wenn sich alle anderen drinnen verkriechen. Anbieter wie beheizte-kleidung.de bieten beispielsweise beheizbare Kniestrümpfe (ab 129,95 Euro), beheizbare lange Unterwäsche (ab 249,95 Euro), beheizbare Westen/Kapuzenjacken (139,95 Euro), beheizbare Einlegesohlen (159,95 Euro) und beheizbare Hand- beziehungsweise Unterziehhandschuhe (199,95 bzw. 169,95 Euro). Alles per flachem Wechselakku auf Temperatur gebracht. Heidewitzka.


Beheizbare Handschuhe mit Sensor und eigener App

Auch der Motorradfachhandel von Louis bis FC-Moto setzt auf die Qual der Wahl: Beheizbare Protektoren-Handschuhe beispielsweise gibt es von unter 100,00 bis über 300,00 Euro. Technologisch ganz weit vorn ist der Ixon IT Aso Evo (UVP 319,99 Euro). Über einen Sensor schaltet er das per integriertem Akku betriebene Heizsystem automatisch an und aus. Dadurch soll erreicht werden, dass die Finger gar nicht erst kalt und die Hände nie zu warm werden. Per App kann der Temperaturbereich kalibriert werden. Die Verbindung mit dem Smartphone erfolgt via Bluetooth. Wind- und wasserdichter Hightech mit Carbon-Knöchelschutz und atmungsaktiver Membran.


Klimaweste für kalte und heiße Tage

Ein Evergreen bei Winterfahrern sind Heizwesten. Auch hier reichen die Preise von bis. Entscheidende Argumente sind die Bedienbarkeit (Heizleistung mehrstufig regelbar beim Fahren?), die Schnelligkeit des Warmwerdens und natürlich das Gewicht. Jäger und Läufer setzen auf 4-Wege-Stretch und Akkubetrieb, Motorradfahrer können sich entscheiden zwischen 12V-Stecker oder Batterieanschluss.
Rukka Motorrad-Klimaweste M-Clima
Rukka Motorrad-Klimaweste M-Clima

Rukka bietet für seine M-Clima beide Alternativen – und nutzt auch die Klimatisierungsfunktion doppelt: heizen und kühlen, beides geht, Letzteres sogar mit dem mitgelieferten Lithium-Ionen-Akku (Laufzeit circa zwei Stunden), der in einer Rückentasche gebunkert werden kann. "Die M-Clima ist ein vielseitiges, schnell reagierendes persönliches Temperaturmanagementsystem für das Motorradfahren unter extremen Temperaturbedingungen", erklärt der Beipackzettel das Konzept. Zwei unabhängige Systeme sorgen fürs Heizen und Abkühlen. Die Weste selbst ist angenehm leicht und eng anliegend. Im Inneren verlaufen spiralförmige Heizkabel. Sie sind eingebettet in Luftkammern, die vom Gebläse der Kühlung mit einer frischen Brise durchströmt werden. Mit Helm auf dem Kopf und laufendem Motor fällt das Lüftergeräusch nicht weiter auf. Steht man im Sommer an der Ampel neben dem Träger der M-Clima, wundert man sich vermutlich schon, wo das Föngeräusch herkommt. Das Gebläse baumelt unten an der linken Seite der Rukka-Weste wie ein Pistolenhalfter. Beim Absteigen vom Bike muss man tunlichst daran denken, das schwarze Kabel zu lösen, das es mit der Batterie oder dem 12V-Stecker verbindet. Die M-Clima-Heizelemente erreichen eine Temperatur von maximal 45 Grad. Das reicht locker, um den Rumpf konstant angenehm warm zu halten.
Rukka Motorrad-Klimaweste M-Clima
Die Rukka Motorrad-Klimaweste M-Clima besitzt eine Fernbedienung.

Nutzt man die Heizfunktion gemeinsam mit der Gebläseeinheit, reicht ein Knopfdruck auf der Fernbedienung, um sie in Gang zu setzen oder zwischen Wärmen und Kühlen zu wechseln. Letzteres ist bei frostigen Temperaturen nicht zu empfehlen: Die Kühlung arbeitet deutlich schneller und effektiver als das Heizsystem. Also Obacht, welchen Knopf man drückt.
Text: Ralf Bielefeldt


#Rukka#Vanucci

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Reisen: Pays de la Loire: La Vendée; Enge Flusstäler in Schwaben: Lauter-, Lachert- und Donautal; Großglockner: Der höchste Pass Österreichs

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