Intermot 2022 – Tischfeuerwerk am Rhein

Intermot 2022 – Tischfeuerwerk am Rhein

Als Leitmesse der Motorradindustrie geht die Intermot nicht mehr durch – dafür sind zu viele namhafte Hersteller nicht mehr mit dabei. Einen Überblick über erste Neuheiten der Saison 2023 gibt es gleichwohl.
Luftig bestückte Hallen müssen ja per se nichts Schlechtes sein. Die Intermot war mal eine große Nummer. Als IFMA – Internationale Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung – aus der Taufe gehoben, wurde sie schnell zum Publikumsmagnet im aufkommenden europäischen Messezirkus. Im Herbst 1951 in Frankfurt am Main erstmals veranstaltet, zog sie 1964 nach Kölle und blieb dort bis 1996. Ab 1998 ging es für die Motorradsparte als Intermot in München weiter, seit 2010 ist die Bike-Schau wieder am Rhein und avancierte zum alle zwei Jahre veranstalteten deutschen Gegenpol zur Eicma in Mailand. Ein Muss für die Presse und erst recht für alle neugierigen Motorradfahrer aus Deutschland (und den Nachbarstaaten). Neue Bikes sehen und Probe sitzen, neue Eindrücke gewinnen, Freunde und Weggefährten wiedersehen. Ein Branchentreff, wie man so schön sagt. Mit Kölsch-Charme und entspanntem Grundcharakter.

Neuheiten-Feuerwerk? Nicht am Rhein

Die Faszination Motorrad ist nach wie vor ungebrochen und glücklicherweise seit Jahren im Aufwind. Und die Intermot? Schrumpft zur Provinzmesse, so weh diese Aussage tut. Nach coronabedingter Zwangspause 2020 war am Pressetag 2022 von einem Neuheiten-Feuerwerk und dem groß angekündigten neuen Auftritt wenig bis nichts zu spüren im halbierten, äußerst übersichtlich bestückten Hallenkomplex (drei statt sechs Hallen plus Customfläche).
Honda CB750 Hornet
Honda CB750 Hornet
Nur eine echte Weltneuheit (Honda CB750 Hornet, in Köln erstmals zu sehen), eine echte Überraschung (Horex Regina Evo, hatte keiner auf dem Schirm), eine Handvoll Europapremieren (z. B. Royal Enfield Hunter 350, Moto Morini Seiemmezzo SCR und STR, Suzuki V-Strom 1050DE) – und ansonsten? Viel längst Gesehenes; der Fluch des Internets. Fast alle Bikes wurden im Vorfeld online präsentiert. Was bleibt, ist der Charme des Anfassens.

Gedränge nur bei Honda und Royal Enfield

Wenige Minuten vor der Honda-Präsentation der CB750 Hornet
Wenige Minuten vor der Honda-Präsentation der CB750 Hornet
Richtig voll war es am Premierentag nur bei Honda. Auch Royal Enfield sorgte für Gedränge, wenngleich das auch am erstaunlich engen Gang vor der Präsentationsfläche lag. Recht verloren wirkte die Pressekonferenz (PK) von Energica, die direkt im Anschluss an die Honda-Hornet-PK „eigentlich“ von der Horde gegenüber hätte profitieren können. Aber Elektroantriebe haben es unter echten Bikern nach wie vor schwer. Dabei zeigt die Intermot, was schon heute geht in der elektrischen Oberklasse.
Elektro-Adventure-Tourer: Zero DSR/X
Elektro-Adventure-Tourer: Zero DSR/X
Mit Energica Experia und Zero DSR/X sind zwei veritable Elektro-Adventure-Tourer am Start. Realistische Reichweiten von deutlich über 200 km, begeisternde Fahrdynamik und hier wie dort gelungenes Design – diese E-Motorräder bringen „eigentlich“ alles mit, um sich als ernst zu nehmende Alternativen im Wettbewerb zu positionieren. Wäre da nicht der Preis: 30.452,-- Euro für die Launch-Edition der Energica Experia, mindestens 26.550,-- Euro für die Offroad-taugliche Zero – das ist echt viel Geld für ein Adventure-Bike, das derzeit noch keine Wüsten durchqueren oder Tagesetappen ohne nennenswerten Zwischenstopp abreißen kann.

Benelli lockt weiter mit der TRK 800

Benelli TRK 800
Benelli TRK 800
Bis die Benelli TRK 800 das hinbekommt, wird auch noch Zeit vergehen. Das absolut serientauglich aussehende Bike steht mit der 800er-Leoncino im Mittelpunkt des Benelli-Stands in Halle 8. Auf die Straße kommen soll das Adventure-Bike aber erst im Juni 2023. Warum? Tja. Zu sehen war der schmuck ausgestattete Reihenzweizylinder bereits auf der EICMA 2021. Gut zwei Jahre Vorlauf für die Hubraumerweiterung eines Volumenbikes (TRK 502) sind dann doch etwas schwer nachvollziehbar, ketzerisch betrachtet.

Hanway sorgt für Unterhaltung

Royal Alloy-Stands in Halle 7
Royal Alloy-Stands in Halle 7
Den größten Lacher der Intermot legt eine andere Marke mit chinesischer Technik hin. Hanway steht verborgen auf der Rückseite des „Royal Alloy“-Stands in Halle 7. Während die junge britische Marke mit soliden 300er- und 125er-Rollern im seligen Lambretta-Look auf den deutschen Markt will, denkt Hanway offenbar über ein paar Kopien erfolgreicher Serienmodelle nach. Royal Enfield Himalayan, BMW R nineT, Triumph Bobber – steht alles auf der Showbühne.
Einige bekannte Modelle beim Hanway-Hersteller
Einige bekannte Modelle beim Hanway-Hersteller

Mash lockt mit Gespann-Spaß für 9.999,-- Euro

Gespann Black Ride von Mash
Gespann Black Ride von Mash
Beschlossene Sache ist das Gespann Black Ride von Mash. Die schwarz-goldene Prägung der Beiwagen-Fußraumverkleidung erinnert ein wenig an das Muster von Louis Vuitton, ansonsten ist das durchgängig tiefschwarze Drei-Personen-Vehikel ein echtes Unikum. 29 PS und 33 Nm holt das 5-Gang-Gespann aus seinem 455-ccm-Einzylinder, der standesgemäß luftgekühlt ist. Der Andrang am Stand lässt vermuten, dass 9.999,-- Euro keine allzu große Einstiegshürde darstellen für Gespann-Liebhaber. Wem es nach mehr gelüstet, der findet in Halle 7 auch die Ausstellungsfläche des Gespannherstellerverbands BVHK.
Pressebereich am Fachbesuchertag
Die Suche nach einer Tasse Kaffee blieb auch im Pressebereich erfolglos
Am Fachbesuchertag (5.10.) musste man sich vorübergehend wirklich Sorgen machen um das Gelingen der Intermot 2022: Schon gegen Mittag schloss das erste Kaffee-Büdchen auf dem Mittelgang des Messekomplexes – zu wenig los auf der Hallentraverse. Bügelschloss ran und gut. Am Donnerstag, dem ersten offiziellen Besuchertag, sah die Sache Gott sei dank schon wieder anders aus: Pünktlich mit dem Aufsperren des Nordeingangs um 09:00 fluteten die Biker hinein. Abgesehen von einigen verdutzt dreinblickenden Bikern, die sichtlich irritiert vor dem geschlossenen Rolltor der Halle 6 feststellten, dass ihre Messerunde nun doch etwas früher endet als gewohnt, berichteten die Aussteller von vielen guten Gesprächen und einer hohen Qualität an Nachfrage der Kunden. Unter dem Strich besuchten laut Veranstalter rund 100.000 Besucher die Intermot 2022. Bleibt zu hoffen, dass es für die Intermot 2024 wieder bergauf geht. Ein Termin steht bereits fest – vom 01.10.2024 bis 06.10.2024 geht die Intermot in die nächste Runde.
Text: Alexander Klose, Ralf Bielefeldt, Fotos: Alexander Klose, Ralf Bielefeldt, Honda, Mash


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