KTM-Chef bezieht Stellung zur Elektro-Mobilität

„Wir können noch ewig mit Verbrennern fahren“, postuliert der KTM-Chef über die Zukunft des Motorradbaus.
Im Rahmen eines Interviews mit der Website Speedweek.com räumt Stefan Pierer mit der E-Mobilität auf. „Als Präsident der ACEM kann ich sagen, dass wir im Gegensatz zur Automobilindustrie global eine klare Vorstellung davon haben, wo die Reise hingeht. Wir gehen davon aus, dass mit der 48-Volt-Elektrik bis zur A1-Klasse, das sind 11 Kilowatt oder 15 PS, in den nächsten zehn Jahren vor allem in Europa sehr viel elektrisch werden wird. Das betrifft die Roller, Mopeds und Mofas. Die ganzen Zweitakter werden verschwinden. Alles, was die motorisierten Zweiräder über 48 Volt betrifft, geht Richtung E-Fuels. Da gibt es ganz klare Entwicklungspläne zwischen den Herstellern.“

„Synthetischer Kraftstoff ist die Lösung, nicht der Elektroantrieb“

Im selben Atemzug übt Pierer Kritik an der Politik und hält es für einen Fehler, sich auf elektrische Antriebe zu versteifen. Stattdessen befürwortet er E-Fuels, die – im Gegensatz zum europäischen Strommarkt – tatsächlich CO2-neutral seien. „Man muss sich auch einmal anschauen, wie viele kostbare Rohstoffe für die Herstellung eines Elektroautos im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto benötigt werden“, kritisiert er den auferlegten Kurs. „Und was geschieht mit den Millionen bestehenden Verbrennungstakt-Maschinen? Der synthetische Kraftstoff ist die Lösung, nicht der Elektroantrieb.“

„Elektro-Mobilität ist ein Schwachsinn“

Als Präsident des Sportmotorrad-Hersteller-Bündnisses MSMA, das bei der Gestaltung der technischen Vorschriften in der MotoGP- und Superbike-WM ein großes Wörtchen mitzureden hat, verrät Pierer, dass sich Aprilia, Ducati, Honda, KTM, Suzuki und Yamaha bereits darauf geeinigt haben, bis Ende 2026 an den 1000-ccm-Verbrennern der MotoGP nichts Grundlegendes zu ändern. Auch hier sollen nach und nach E-Fuels Einzug halten. Ab 2024 soll der Treibstoff in allen Klassen zu mindestens 40 Prozent nicht-fossilen Ursprungs sein. Ab 2027 könnte er zu 100 % aus nicht-fossilen Rohstoffen bestehen. „Wir haben heute 100.000 Zuschauer bei den MotoGP-Events, die wegen der Verbrennermotoren kommen“, argumentiert Pierer. „Elektro-Mobilität ist ein Schwachsinn, der von wissenschaftlich ungebildeten Politikern gepusht wird. Ein aufgelegter Schwachsinn. Für ein MotoGP-Motorrad, das heute mit 20 Litern Treibstoff eine Renndistanz fährt, würde man eine 500 kg schwere Batterie brauchen, um eine vergleichbare Leistung und Reichweite zu erreichen und die gleiche Energiedichte zu schaffen. So etwas Dummes muss dir zuerst einmal einfallen.“

Die Entwicklung der Verbrennungsmotoren geht weiter

Sollten zudem in naher Zukunft effizientere und leichtere Verbrennerkonzepte wie der revolutionäre Omega-1-Motor dieses Verhältnis zuungunsten der Elektroantriebe verschieben, könnte Pierer Recht behalten. Glaubt man den Prognosen des KTM-Chefs, werden wir noch mindestens bis ins Jahr 2035 Verbrenner in der MotoGP sehen. Selbst an der MotoE, für die Ducati aktuell ein neues Einheitsmotorrad entwickelt, übt er Kritik. „Da werden die Batterien im Paddock mit Diesel-Generatoren geladen, die CO2-Emissionen in die Atmosphäre dampfen, dass dir schlecht wird.“

Europa strebt Klimaneutralität an

Bleibt die Frage, ob sich Pierers Prognosen mit den europäischen Klimazielen in Einklang bringen lassen. Erst im Juli 2021 verpflichtete sich die EU gesetzlich dazu, Europa bis zum Jahr 2050 in den ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu verwandeln.

Text: Thomas Kryschan, Fotos: KTM


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