Faktencheck: Saisonkennzeichen – ja oder nein?

Zwischen März und November sind Motorräder mit Saisonkennzeichen im Alltag häufig zu sehen. Doch wie viel Sinn ergibt die Zulassung auf Zeit wirklich?
01.03.2023
| Lesezeit ca. 3 Min.
adobestock.com – Björn Wylezich
Die Zulassung des Fahrzeugs für einen begrenzten Zeitraum ist gerade bei Motorradfahrern sehr beliebt. Von allen ausgegebenen Saisonkennzeichen entfallen laut Kraftfahrtbundesamt 53 Prozent auf Motorräder. Auf den ersten Blick ergibt das Sinn, denn viele lassen das Motorrad im Winter stehen.
Kühle Temperaturen und vermeintlich schlechtes Wetter schrecken viele ab. Und auch die Einsparung bei Steuer und Versicherung werden häufig als Gründe genannt. Doch wie viel spart man wirklich und lohnt es sich, dafür auf wunderschöne Touren im Winter zu verzichten?
Fangen wir mal mit den Fakten an.

Sind Saisonkennzeichen wirklich so verbreitet?

Zum Stichtag 1. Januar 2022 waren in Deutschland 4,78 Millionen Motorräder zugelassen. Von diesen waren immerhin 1,36 Millionen, also ca. 28 Prozent, mit Saisonkennzeichen unterwegs. Das ist viel, gerade im Vergleich zu anderen Fahrzeugklassen, bedeutet aber im Umkehrschluss, dass mehr als zwei Drittel aller Motorradfahrer auch im Winter unterwegs sein können.

Wie viel spare ich mit Saisonkennzeichen wirklich?

Rechenbeispiel:
Wer eine gebrauchte Nina ZX-9R für ein komplettes Jahr Haftpflicht versichern will, zahlt etwa 240,-- Euro pro Jahr. Wer dasselbe Motorrad nur für die Zeit von April bis einschließlich Oktober bewegen will, zahlt in unserer Beispielrechnung immer noch 161,-- Euro pro Jahr. Da spart man deutlich weniger als die Hälfte. Noch geringer fällt die Einsparung im Zeitraum von Anfang März bis Ende November aus. Hier würden schon 215,-- Euro fällig. Ein Viertel des Jahres bliebe das Motorrad in diesem Fall stehen – für ganze 25,-- Euro Ersparnis bei der Versicherung. Hinzu käme natürlich noch die Kfz-Steuer, die tatsächlich nur anteilig erhoben wird.

Versicherungsschutz für Motorräder während des Winters

Der Versicherungsschutz gilt während der Zeit, in der das Fahrzeug für den Straßenverkehr zugelassen ist, klar. Aber auch danach besteht für Motorräder mit Saisonkennzeichen ein sogenannter Ruheversicherungsschutz. Das bedeutet, dass der Versicherungsschutz nicht grundsätzlich erloschen ist, sondern nur ruht und in bestimmten Fällen auch bei Schäden während dieser Ruhesaison greift. Voraussetzung dafür ist, dass das Fahrzeug auf einem umfriedeten, nicht öffentlichen Parkgelände, wie beispielsweise in einer Garage oder einem umzäunten Gelände steht. Besteht für das Motorrad während der Saison eine Kaskoversicherung, so greift die Teilkasko in der Regel auch in der Ruhesaison für Schäden durch Hagel, Blitz oder Marderbisse. Die Vollkaskoversicherung greift in der Ruhesaison nicht. Die Details legt jeder Versicherer individuell fest.

Was bedeutet das für die Verbesserung der Schadenfreiheitsklasse?

Wichtig zu wissen: Eine bessere Einstufung in der Schadenfreiheitklasse ist nur möglich, wenn das Motorrad mindestens sechs Monate zugelassen ist. Versicherer schätzen das Unfallrisiko von Versicherten unter anderem auch nach Dauer und Umfang der Fahrpraxis ein.

Wann ergibt eine Zulassung auf Zeit Sinn – und wann nicht?

Für Motorräder, die zum Pendeln und im Alltag auch bei niedrigen Temperaturen sicher bewegt werden können, ergibt ein Saisonkennzeichen eher keinen Sinn. Auch in den Wintermonaten gibt es viele schöne, trockene Tage, die bei angepasster Fahrweise auf den Landstraßen genossen werden wollen. Die Versicherung von teuren Supersportlern oder Motorrädern, die ausschließlich für die Fahrt zur nächsten Eisdiele verwendet werden, kann eine Zulassung auf Zeit Sinn ergeben. Auch für das Zweit- oder Drittmotorrad ist eine ganzjährig greifende Versicherung vielleicht unnötig. Alle anderen sollten sich aber überlegen, ob ihnen, wie in unserem Rechenbeispiel gezeigt, einige schöne Winterfahrten der geringe Mehraufwand für die Ganzjahres-Versicherung nicht vielleicht doch wert ist.
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