Geheimnisvolles Luxemburg – Motorradtour durch die kleine Luxemburgische Schweiz

Auf einer abwechslungsreichen Route geht es mit dem Motorrad durch das Müllerthal über das Tal der sieben Schlösser bis nach Esch-sur-Sûre.
In dem engen Tal ist es trotz strahlender Sonne keineswegs hell, weil die dichten Bäume viel Licht wegnehmen. Stellen­weise gleicht das Tal eher einer Schlucht. Auf der anderen Seite des Baches führt ein Wanderweg entlang. Eine alte Rundbogenbrücke aus überwachsenen Natursteinen erstreckt sich von der Straße hin­über zum Fußweg am anderen Ufer. Unter der Brücke stürzt das Flusswasser über drei kleine Wasserfälle nach unten. Der Wanderweg verläuft öfters über Sandsteinfelsen hinauf und hinunter. Gerade diese Felsformationen inmitten der Bäume sind es, welche dieses Tal so einzigartig machen. Diverse Treppen mit Geländer und viele Holzstege mussten angelegt werden, damit dieser Weg mit seinen vielen Höhenunterschieden begehbar ist.
Zwar nicht über diese Brücke, aber durch das Müllerthal (hier der Schiessentümpel bei Waldbillig) lässt sich sehr schön mit dem Motorrad fahren.
Zwar nicht über diese Brücke, aber durch das Müllerthal (hier der Schiessentümpel bei Waldbillig) lässt sich sehr schön mit dem Motorrad fahren.

Nach Luxemburg fährt man zum Genießen, nicht zum Heizen

Müllerthal heißt dieser kleine Bereich des Großherzogtums Luxemburg. Es wird auch „kleine luxemburgische Schweiz“ genannt. Die Felsen hier sind keineswegs hoch, aber doch so interessant, dass auch Kletterer hierherkommen, Wanderer ohnehin. Die sind hier mitunter tagelang unterwegs. Für uns Motorradfahrer dauert die Fahrt durch das geheimnisvolle Müllerthal dagegen nicht lange. Was zum Land Luxemburg passt. Das gesamte Großherzogtum erstreckt sich von Norden nach Süden über 90 Kilometer, von Osten nach Westen über 50 Kilometer. Man könnte es in einer Stunde durchfahren. Dann würde man aber genau solche Details wie das Müllerthal übersehen.
Schloss Ansembourg
Schloss Ansembourg
Die Stadt Luxemburg lassen wir im Moment noch links liegen, obwohl sie durchaus ihre Reize hat. Im Moment interessieren uns mehr die Provinzen, die wenig besiedelten Regionen Luxemburgs. Sie bestehen keineswegs nur aus Feldern und Wäldern, obwohl es wahrlich genug davon gibt. Inmitten dieser landwirtschaftlich geprägten Regionen gibt es Dörfer und kleine Städte, welche die Weite der offenen Landschaft nicht stören, sondern Kostbarkeiten inmitten eines geheimnisvollen Landes sind.

Klein und fein – das ist Luxemburg

Schloss Colpach kann zwar nicht innen besichtigt werden, aber der Schlosspark ist wunderschön.
Schloss Colpach kann zwar nicht innen besichtigt werden, aber der Schlosspark ist wunderschön.
Vom Großherzogtum Luxemburg ist den meisten Menschen nur bekannt, dass sich hier die Sitze vieler wichtiger Institutionen der Europäischen Union befinden – beispielsweise die EU-Behörden auf dem Kirchberg-Plateau an der Hauptstadt. Die futuristischen Hochhäuser dort oben stehen im krassen Gegensatz zu dem, wie Luxemburg sonst geprägt ist. Die Hauptstadt trägt denselben Namen wie das gesamte Großherzogtum. Wahrscheinlich trägt auch das dazu bei, dass man von außen kaum wahrnimmt, dass der weit größere Teil des Großherzogtums landwirtschaftlich geprägt ist. Die Fläche Luxemburgs beträgt 2.586 Quadratkilometer. Deutschland ist 138-mal größer. Die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt.
Nicht so mittelalterlich, wie es aussieht: Die römisch-katholische Pfarrkirche von Clervaux wurde 1910 im spätromanischen Stil gebaut
Nicht so mittelalterlich, wie es aussieht: Die römisch-katholische Pfarrkirche von Clervaux wurde 1910 im spätromanischen Stil gebaut
Die Hälfte davon ist wiederum Grünland, auf denen etwa 200.000 Rindviecher stehen (vierbeinige). Angesichts nur etwa 600.000 Einwohnern (also etwa so viel wie allein in Stuttgart) machen Rindviecher also einen großen Teil der Lebewesen Luxemburgs aus. Rund 35 Prozent der Gesamtfläche besteht zudem aus Wäldern. Damit entspricht die Relation zwischen besiedelten Gebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen in etwa der in Deutschland. Doch gibt es bei uns viel mehr urbane Ballungsräume. Davon hat Luxemburg gerade mal einen einzigen, nämlich die Region um die Hauptstadt, außer der es gerade einmal drei Städte gibt, die mehr als 10.000 Einwohner haben. Aber viele kleine Dörfchen mit netten Sträßchen dazwischen.

Traditionen haben einen hohen Wert im Großfürstentum

Der Ort Clervaux ist ein Gesamtkunstwerk eines mittelalterlichen Städtchens
Der Ort Clervaux ist ein Gesamtkunstwerk eines mittelalterlichen Städtchens
Unsere Fahrt führt durch das Tal der sieben Schlösser. Nur 24 Kilometer lang ist es, aber genauso wie im Müller­thal empfiehlt es sich sehr, regelmäßig haltzumachen. Schoenfels ist der Name des ersten dieser Schlösser in kurzer Distanz voneinander. In der Burg Hollenfels, oben an einem Berg über dem Tal, ist eine Jugendherberge in den altehr­würdigen Mauern untergebracht. Das Schloss Ansemburg beeindruckt mit seinen französischen Gärten und seiner mythologischen Allee. Der Innenhof und die Gärten des Schlosses sind frei zugänglich. Schloss Koerich existiert hingegen nur noch als Ruine.
An der westlichen Grenze des Großfürstentums, also entlang der Grenze zu Belgien, fahren wir weiter nach Norden und erleben hier auf weiter Fläche das ländlich geprägte Luxemburg. In Colpach-Bas steht ein weiteres verlassenes Schloss, dessen Schlosspark frei zugänglich ist.

Clervaux ist ein Gesamtkunstwerk

„The Family of Man“ ist eine berühmte Dauerausstellung im Schloss Clervaux. Ein Besuch lohnt sich
„The Family of Man“ ist eine berühmte Dauerausstellung im Schloss Clervaux. Ein Besuch lohnt sich
Es vermittelt das Gefühl, dass sich hier Dornröschen-Hecken ausbreiten. Direkten Zugang zum Schlosspark hat man vom Punkt 49.759007,5.828784 an der CR 302 von Colpach-Bas Ortsmitte in Richtung Ell. Der Ort Clervaux ist ein Gesamtkunstwerk eines mittelalterlichen Städtchens. Er hat gerade einmal 5.000 Einwohner, aber eine nette Fußgängerzone. Oberhalb des Ortes thront das Schloss, in dem die Fotoausstellung „The Family of Man“ untergebracht ist. Sehenswert ist ebenfalls der Platz um die Pfarrkirche oberhalb des Dorfes. Man kann mit dem Motorrad bis ganz nach oben fahren. Wunderschön ist die kurvige Strecke, wenn man sich von Norden kommend Kautenbach nähert und dann durch das Tal des Flusses Wiltz zum Ort Wiltz fährt.
Zum Ende der Tour geht es zum Stausee bei Esch-sur-Sûre – wenn es unter den Protektoren zu warm wird, kann man hier auch angenehm schwimmen gehen
Zum Ende der Tour geht es zum Stausee bei Esch-sur-Sûre – wenn es unter den Protektoren zu warm wird, kann man hier auch angenehm schwimmen gehen
Dieser ist von seinem Ortsbild her nicht ganz so beeindruckend wie Clervaux, hat aber ein schönes Schloss mit frei zugänglichem Schlosshof. Esch-sur-Sûre ist ein winziger, aber höchst sehenswerter Ort hoch oben auf einem Felsen, der sich über einer Biegung der Sauer erhebt. Nette Cafés gibt es an der Rue du Moulin. Schön ist ebenfalls der Platz gegenüber davon am Ufer der Sauer an der Rue du Jardins, von dem man einen netten Blick auf den Ort hat. Die Burgruinen oberhalb des Ortes sind allerdings nur zu Fuß zugänglich. Esch-sur-Sûre liegt an einem Stausee, an dessen Ufer wir unsere Tour fortsetzen. In Rindschleiden ist die „einsame“ Kirche (denn es gibt hier keine Wohnbevölkerung mehr) sehenswert, ebenfalls die frei stehende Sonnenuhr am Ortsausgang Richtung Grosbous.
Auf dem Rückweg kreuzen wir das Tal der sieben Schlösser, um auch der Hauptstadt, der Stadt Luxemburg, einen Besuch abzustatten. Nach so viel Provinz ist nun noch etwas Großstadtfeeling angesagt.


Text: Dietrich Hub, Fotos: Dietrich Hub


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