Die Heiden von Kummerow: Mecklenburgische Seenplatte

Viele Seen und idyllisch gelegene Herrenhäuser und Schlösser, waren für uns Anlass genug, von Kummerow aus die kleinen Straßen unter die Räder zu nehmen.
Bei der Überlegung, wo wir unsere Tour durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte starten könnten, brachten uns unsere Freunde von der Ahr auf die Idee, den Kummerower See als Ausgangspunkt zu wählen. Gesagt, getan. Wohnmobil klargemacht, die Mopeds im Anhänger verstaut und los ging die Fahrt, bei uns von Berlin aus, unsere Freunde starteten aus dem wunderschönen Ahrtal. Am Hafen von Kummerow war der kleine Campingplatz dann Ziel und Basislager zugleich. Übrigens, dieses Kummerow hat nichts mit dem Film „Die Heiden von Kummerow“ zu tun. Der wurde an einem ganz anderen Ort gedreht, nämlich auf Rügen. Aber nun zurück zum eigentlichen Zweck unserer Reise in den nördlichen Teil des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte.

Schlösser und Seen in der Mecklenburgische Seenplatte

Aufgesessen, die Motoren gestartet und raus auf die Landstraße
Aufgesessen, die Motoren gestartet und raus auf die Landstraße
Am nächsten Morgen erst einmal das Standardprogramm, aufstehen, frisch machen, gleich die Motorradsachen anziehen und mit Blick auf den von der Sonne in gleißendes Licht getauchten See frühstücken. Erst dann geht’s los. Die Mopeds hatten wir am Vorabend schon ausgeladen und klargemacht. Aufgesessen, die Motoren gestartet und raus auf die Landstraße. Bis Malchin, der nächsten Kleinstadt und Sitz der Verwaltung des Amtes Malchin am Kummerower See – die Landkreise sind hier in Mecklenburg-Vorpommern in Ämter untergliedert – ist es nicht weit und wir durchqueren die Stadt auf der B104 vorbei am Fangelturm bis zum kaiserlichen Postamt, dann weiter Richtung Süden. „Fischers Fritz fischt frische Fische“, der Zungenbrecher kommt uns gleich in den Sinn, als wir nach gut zwanzig Kilometern eine auffällige Fischgaststätte gleichen Namens an der Ostpeene passieren. Bei Peenehagen endlich eine richtige Kurve, die wir in voller Fahrt genießen. Aus den Augenwinkeln heraus nehmen wir die leuchtend roten Mohnblumen am Straßenrand wahr. Mohnblumen begleiten uns auch weiter auf unserem Weg nach Torgelow am gleichnamigen See. Unmittelbar am Ufer liegt Schloss Torgelow, das erst 1904 auf dem Gelände des Gutes Torgelow im neubarocken Stil entstand.
Schloss Torgelow
Schloss Torgelow
Obwohl es heute ein privates Internatsgymnasium beherbergt, können wir einen Blick in den Schlossgarten und auf den in einer Senke liegenden See werfen. Die Distanzen zwischen den Seen auf unserer Tour sind alle nicht sehr groß und so erreichen wir schon bald die Binnenmüritz bei Waren. Am Stadthafen Waren gönnen wir uns einen Kaffee und beobachten für eine Weile das Treiben sowohl auf dem Wasser als auch auf der Promenade. Weiter geht unsere Fahrt durch die Hügel- und Seenlandschaft der Mecklenburgischen Schweiz: Jabelscher See, Loppiner See, Krummer See, zwischen Bergsee und Hofsee hindurch, vorbei am Tiefen und am Flachen See bis in die Nähe des Malchiner Sees. Am idyllischen Haussee finden wir mitten in einem englisch anmutenden Landschaftspark das Seeschloss Schorssow. Eigentlich ist es kein Schloss, sondern ein Herrenhaus, das an dieser Stelle um 1730 errichtet wurde.
Hafen in Waren
Hafen in Waren
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es zu einem klassizistischen Dreiflügelbau umgestaltet. Zu DDR-Zeiten wurde es als Kinderkrippe, Betriebsküche, Schule und Gemeindebüro genutzt. Um das Herrenhaus vor dem drohenden Verfall zu bewahren, wurde es zwischen 1995 und 1997 aufwendig rekonstruiert. Seitdem wird es als Schlosshotel genutzt. Wir machen hier eine Pause und bewegen uns zu Fuß im Landschaftspark oberhalb des Haussees. In einem wunderschönen Park zu lustwandeln ist die eine Sache, Motorradfahren die andere. Also fahren wir weiter am Malchiner See entlang und erreichen schon nach zwanzig Kilometern das Städtchen Teterow im Landkreis Rostock. Natürlich liegt auch Teterow an einem stehenden Gewässer gleichen Namens.
Seeschloss Schorssow
Seeschloss Schorssow

Durch die Mecklenburgische Schweiz

Bei unserer Fahrt durch die im 13. Jahrhundert entstandene Stadt mit ihren sehenswerten Bauwerken wie der Stadtkirche, dem neubarocken Rathaus und dem Rostocker sowie dem Malchiner Tor fällt mir etwas auf. Natürlich jede Menge Autos, die aber alle möglichen Kennzeichen tragen: LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS und TET. Fing das nicht bei der babylonischen Sprachverwirrung auch so an?
Sei's drum, schließlich gibt es über Teterow auch noch anderes zu berichten. Zum Beispiel wäre es ein Sakrileg, den Teterower Bergring nicht zu erwähnen. Schließlich handelt es sich hier um die größte Natur-Grasbahn für Motorradsport in Europa. Bis zu 30.000 Besucher finden jedes Jahr ihren Weg nach Teterow, um sich dieses Spektakel anzuschauen. Weiter geht die Fahrt über Neukalen, Altkalen und Alt Pannekow nach Gnoien. Dort verführt uns ein Hinweisschild auf eine Windmühle dazu, die Straße zu verlassen und über einen Feldweg dorthin zu fahren. Doch der Abstecher lohnt sich nicht wirklich.
Schlosspark Schorssow mit Haussee
Schlosspark Schorssow mit Haussee
Über Bobbin fahren wir zunächst auf schmalen Straßen, die von reichlich rotem Mohn gesäumt sind, Richtung Osten bis nach Klein Methling. Und jetzt aufgepasst: Der Abzweig nach Nehringen ist nicht besonders gut ausgeschildert und nicht jedes Navi möchte diesen Weg als befahrbar darstellen. Die etwas mehr als einspurige Straße führt geradeaus durch ein paar Felder, dann kurvenreich durch ein Stück Wald und dann wird die Straße wieder „zweispurig“, na ja, es sind zwei Spuren aus Betonplatten in Pkw-Spurbreite. Bei Gegenverkehr wird’s schwierig. Aber am Ende des Plattenweges wartet eine Besonderheit auf uns: die Trebelbrücke, eine hölzerne Klappbrücke. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach abgebrochen und wieder rekonstruiert, letztmalig im Sommer 2012. Die Brücke ist wirklich ein Hingucker und wunderbar in die traumhafte Flusslandschaft der Trebel eingepasst. Von Nehringen aus liegt dann Kurs Südost an.
Marktbrunnen und Rathaus Demmin
Marktbrunnen und Rathaus Demmin
Die Zahl der Kurven bis nach Demmin ist überschaubar. Die Hansestadt erlebte seit dem 17. Jahrhundert eine wechselvolle Geschichte, gekennzeichnet durch Belagerungen und Zerstörungen, beherrscht durch immer wieder andere Besatzungen. Im Jahr 1945 kam es dann zu massenhaften Übergriffen auf die Zivilbevölkerung durch Rotarmisten, in deren Folge es zu einem Massensuizid kam. Der Großteil der historisch gewachsenen Innenstadt wurde durch die Sowjetarmee angezündet und niedergebrannt. Demmin ist heute wieder aufgebaut und das Rathaus an alter Stelle im historischen Stil auf dem Marktplatz neu entstanden. Nicht nur Passau ist eine Drei-Flüsse-Stadt, sondern auch Demmin, denn hier fließen Peene, Trebel und Tollense zusammen. Immer noch Richtung Südosten geht unsere Fahrt weiter bis nach Altentreptow. Durch das Demminer Tor fahren wir in die Kleinstadt an der Tollense, deren historische Altstadt mit dem Rathaus und den beiden Stadttoren nach der Wende grundlegend saniert wurde. Durch das andere, das Brandenburger Tor verlassen wir Altentreptow wieder und fahren Richtung Westen.
River Crossing: Klappbrücke über die Trebel bei Nehringen
River Crossing: Klappbrücke über die Trebel bei Nehringen

Zurück zum Basislager

Kurz vor Stavenhagen verlassen wir die Verbindungsstraße und gönnen uns noch einen Abstecher ins nahegelegene Ivenack. Rund um den Ivenacker See finden sich einige interessante Objekte, die es anzuschauen lohnt. Schloss und Schlosskirche werden zurzeit zwar saniert, doch bei einem Besuch des Örtchens kann man den am See liegenden Tierpark aufsuchen und die über Tausend Jahre alten Eichen bewundern. Seit 2017 gibt es sogar einen barrierefreien Baumkronenpfad. Wir kehren wieder auf die Straße nach Stavenhagen zurück.
Schloss Stavenhagen
Schloss Stavenhagen
Eigentlich heißt die Stadt „Reuterstadt Stavenhagen“, benannt nach dem bedeutenden Dichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter. Auch in Stavenhagen wurden nach der Wende sowohl der historische Stadtkern als auch das Schloss grundlegend saniert. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem Basislager am Kummerower See, ein paar Kilometer auf der B194 nach Norden, dann wieder nach Westen bis nach Grammentin. Und auch in diesem kleinen Ort gibt es eine Verbindung zu Fritz Reuter, eine köstliche Verbindung. In der Familien-Konditorei Komander kann man auf Bestellung eine „Reuter-Torte“ bekommen. Kunstvoll ist ein „R“ in diese Torte eingebacken, auch ein optischer Genuss. Noch fünf Kilometer holprige Landstraße und wie sind wieder im sicheren Hafen, natürlich eher am Kummerower Hafen. Beim abendlichen Plausch am See, bei untergehender Sonne und leisem Geplätscher der Wellen, lassen wir „Heiden von Kummerow“ noch einmal die Tour Revue passieren: Es war ein durchgängig schöner Tag mit viel Sonne, vielen Sehenswürdigkeiten und vor allem traumhafter Landschaft. Es hat sich gelohnt.
Abendstimmung: Sonnenuntergang am Kummerower See
Abendstimmung: Sonnenuntergang am Kummerower See


Text: Jost G. Martin, Fotos: Jost G. Martin


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