Auf Motorradtour durch den wilden Südwesten der USA

Der Südwesten der USA besticht durch seine Canyons und die weiten Landschaften und ist ganz sicher eine Reise wert.

Nach einem deftigen Frühstück zum Hoover Dam

Bratkartoffeln, Speck, Rührei, saftige Steaks und sonstige Leckereien stehen zum Frühstück auf dem Tisch. Gut gestärkt lassen wir Las Vegas also hinter uns und steuern zunächst den Hoover Dam an. Knapp 50 Kilometer südöstlich von Las Vegas gelegen, wurde die Staumauer zwischen 1931 und 1935 gebaut. Mit einer Höhe von 221 Metern und einer oberen Stärke von etwa 14 Metern ist die Staumauer am Fundament beeindruckende 201 Meter dick. Sie besteht aus rund 2,6 Millionen Kubikmetern Beton, 43.500 Tonnen Stahl und staut den Colorado River zum 170 Kilometer langen Lake Mead auf. Mit seinem Speicherinhalt von rund 35 Milliarden Kubikmetern Wasser ist er der größte Stausee der USA – ohne den unter anderem Las Vegas nicht lebensfähig wäre.

Auf dem Weg zum Eldorado Canyon
Auf dem Weg durch den El Dorado Canyon
Anschließend besichtigen wir ein altes Bergwerk im El Dorado Canyon, das schon als Set für viele bekannte Kinofilme und Musikvideos diente. Aber dann rollen die Harleys wieder und gegen Abend erreichen wir Laughlin, wo die erste Tagesetappe endet. Auch hier kann man sich vergnügen und vor allem spielen. Nichts für uns, gute Nacht.

Kurvenreiche Strecken

Am nächsten Morgen wartet die legendäre Route 66 auf uns. Diese führt nach Oatman, ein Dorf mit typischem Westerncharakter. Überall trotten wilde Esel herum und rauchende Colts gibt es auch. Da unsere Bikes nicht wirklich in diese Filmkulisse passen, geben wir ihnen sehr bald wieder die Sporen und lernen eine illustre Serpentinenstrecke kennen. Die führt über den rund 1.200 Meter hohen Sitgreaves Pass und es wird klar, dass es in den USA durchaus Kurven gibt. Man muss sie nur finden, dann schleifen auch schon mal die Trittbretter.

Auf der Route 66
Auf der Route 66
Nach dem Kurvenrausch erreichen wir Seligman, ein Ort mit reichlich Route-66-Geschichte. Verantwortlich dafür ist die Route-66-Vereinigung, die sich eine komplette Wiederherstellung der historischen Route von Chicago bis Los Angeles zum Ziel gesetzt hat. Ein Thema, das wir abends in Williams – wieder brutzeln herrliche Steaks auf dem Grill – ausführlich diskutieren.

Weltwunder Grand Canyon

Wer sich ein wenig auskennt, wird wissen, dass Williams nah an einem Weltwunder der Natur liegt. Gemeint ist natürlich der Grand Canyon, der in natura noch gewaltiger wirkt als auf den besten Fotos. Um ihn in seiner ganzen Größe zu begreifen, kann es sich lohnen, einen Helikopterrundflug zu buchen. Im Laufe von etwa sechs Millionen Jahren hat sich der mitunter wilde Colorado River hier auf einer Länge von rund 450 Kilometern und einer Breite von bis zu 30 Kilometern, einer überdimensionalen Kreissäge gleich, bis zu 1.800 Meter durch die Sedimentschichten in die Tiefe gefräst und zieht sich von Nordost nach West.

Der Grand Canyon – eines der meistbesuchten Naturwunder Amerikas
Der Grand Canyon – eines der meistbesuchten Naturwunder Amerikas

Auf den Spuren der Indianer am Grand Canyon

Er trennt den Nordwesten Arizonas, den sogenannten Arizona Strip, vom restlichen Bundesstaat. Keine Brücke überquert den Canyon. Der Südrand (South Rim) liegt etwa 2.100 Meter über dem Meeresspiegel. Ihn erreicht man – wie auch wir – von Williams aus. Rings um den Canyon finden sich viele Spuren indianischer Kultur. Schon vor über 3.000 Jahren lebten Menschen hier. Sie waren Jäger und Sammler, die Körbe und Sandalen herstellen konnten und mit Speerspitzen aus Stein jagten. Vor etwa 2.000 Jahren besiedelten die als Anasazi bekannten Völker das Gebiet. Sie wohnten in Lehmhütten, bauten ihre Behausungen in die Wände der Schlucht, lebten von der Landwirtschaft und hinterließen viele Felszeichnungen. Vor rund 700 Jahren verschwanden die Anasazi plötzlich aus dem Südwesten der USA. Vermutlich sorgte eine Klimaveränderung dafür, denn ab 1276 herrschte eine außergewöhnliche Trockenheit. Dies zwang die Anasazi vermutlich zum Verlassen ihrer Siedlungen. Sie zogen zu den Hopi-Mesas im nördlichen Arizona, zum Zuni River und zum Rio Grande. Die heutigen Hopi und die Pueblo-Indianer gelten als Nachfahren dieses Volkes. Um dem Naturwunder Grand Canyon die angemessene Aufmerksamkeit widmen zu können, wird das nächste Übernachtungsziel schon bald erreicht. Auf dem Weg dorthin kommen wir nach Cameron zu einem Trading Post am Rande der Navajo Reservation.

Unterwegs zum Antelope Canyon
Unterwegs zum Antelope Canyon

1,5 Millionen Jahre alt: das Monument Valley

Wer indianische Souvenirs liebt oder gut essen mag, der wird dort fündig. Auch sollte man mit den Navajos unbedingt eine Tour durch den wundervollen Antelope Canyon unternehmen. Durch kleine Öffnungen am oberen Canyonrand gelangen nur zur Mittagszeit einzelne Strahlen der Sonne als Lichtsäulen zum Boden. Faszinierend, genau wie das Monument Valley. Die bis zu 300 Meter hohen Felsklötze sind Überbleibsel mächtiger Sandsteinschichten. Über 1,5 Millionen Jahre benötigte die Erosion, um dieses Landschaftsbild zu schaffen. Schon vor dem 2. Weltkrieg drehte John Ford hier Western wie „Stage Coach” mit John Wayne.

Naturbrücke im Natural Bridges National Monument
Naturbrücke im Natural Bridges National Monument

Natürliche Brückenformationen werden durchfahren

Später zeigten die Filme des genialen Regisseurs das außergewöhnliche Landschaftsbild in Farbe. Und damit nicht genug: Gerade das in Motorradkreisen gut bekannte Road Movie „Easy Rider” nutzte diese einmalige Kulisse ebenso. Heute gilt das Monument Valley als das Abbild des „Wilden Westens” schlechthin. Wir fahren weiter nach Mexican Hat. Das verschlafene Nest leitet seinen Namen von einem Felsen ab, der ausschaut wie ein Sombrero. Noch mehr beeindrucken die Goosenecks (Gänsehälse), denn hier eröffnet sich ein atemberaubender Blick in die Tiefe, wo der San Juan River einen herrlichen Mäander bildet. Am nächsten Morgen schauen wir uns die natürlichen Brückenformationen des Natural Bridges National Monument an. Später geht es nach Hanksville, wo der Schwenk in Richtung Capitol Reef National Park ansteht. Auch er ist bekannt für seine einzigartigen Felsformationen, Wasserfälle und Felszeichnungen der indianischen Ureinwohner.

13 Aussichtspunkte auf 29 Kilometern Strecke

Dann folgt der achte Tag unserer Tour der uns in höhere Regionen führt und damit wird es kühler. Allerdings steigen zumindest die inneren Werte rapide, als wir die grandiose Straße namens „Grand Escalante Staircase” erreichen. Das Asphaltband hier kommt ohne Leitplanken aus, obwohl gleich rechts und links der Straße schonungslos die Tiefe gähnt. Also, tief durchatmen – und weiter zum Bryce Canyon. Allerdings ist das kein echter Canyon, denn seine phänomenalen, oft rötlichen Erosionsformen wurden durch Wind, Regen und Eis geformt. Traumhaft schön, zumal ein 29 Kilometer langer Scenic Drive zu insgesamt 13 Aussichtspunkten, darunter Sunrise Point, Sunset Point, Inspiration Point und Bryce Point, führt. Völlig begeistert ziehen wir uns am Abend ins Hotel direkt am Bryce Canyon zurück. Die Luft ist erneut recht kühl, als wir tags wieder starten. Der Tourguide meint aber lächelnd, dass es bald wieder „kuschelig“ wird.

Entlang des Virgin Rivers

Also rauf auf die Harleys. Völlig entspannt rollen wir zum Zion National Park, wo eine höchst kurvenreiche Straße mitten durch eine traumhafte Landschaft führt, die vom Virgin River geformt wurde. Wir verweilen für längere Zeit, bevor wir begeistert zum Snow Canyon in Richtung St. George düsen. Danach wartet noch eine größere Ansammlung von Joshua Trees, bevor Mesquite im Bundesstaat Nevada erreicht wird. Die kunterbunte Spielerstadt und Oase in der Wüste wird für heute zum nächtlichen Boxenstopp. Da kann man sich ja schon wieder an Las Vegas gewöhnen, das nun am letzten Tag unserer Traumreise angesteuert wird.

Valley of Fire State Park
Valley of Fire State Park

Landschaften, die dem Mars gleichen

Aber bis dahin sind es noch 250 Kilometer. Zunächst rollen wir am Lake Mead entlang, jenem See, der vom Hoover Dam aufgestaut wird. Gar nicht weit davon entfernt findet sich auch das Valley of Fire, das unter anderem wegen seiner Petroglyphen bekannt ist, die einst von den Anasazi angefertigt wurden. Obendrein wurde die ganze Szenerie als Filmkulisse für den Krieg der Sterne genutzt. Gut zu verstehen, denn hier wächst kaum etwas.
Außerdem können einen die roten Felsen ringsherum schon glauben lassen, dass man auf dem Mars gelandet sei. Sind wir aber nicht und das wird sonnenklar, als wir Las Vegas erreichen. Es dauert einen Moment, bis wir realisieren, dass nun alles wirklich wieder vorbei ist – over and out – und die Harleys werden leider wieder abgegeben.




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