Reisetagebuch Island – Etappe 3: Vulkanischen Felseninseln

Reisetagebuch Island – Etappe 3: Vulkanischen Felseninseln

Ann-Kathrin, auch bekannt als affe_auf_bike, erkundet auf dieser regnerischen Etappe die Färöer Inseln im Nordatlantik.
Mein Zelt wird vom Starkwind nur so durchgerüttelt. Werden meine Zeltheringe standhalten? Der Regen peitscht gegen meine Zeltwand und lässt mich innerlich erzittern. So gar keinen Bock habe ich, mich genau jetzt bei der Kälte und dem Sturm aus meinem Schlafsack rauszupellen und meinen Krempel wieder zusammenzupacken. Nichts ist ekeliger, als klitschnasses Gepäck am Abend darauf wieder auszupacken und sich in ein nasses Zelt und einen feuchten Schlafsack zu quetschen. Ich verdrehe also meine Augen, atme einmal tief ein und wieder aus, bevor ich mich dann, mit morgendlich schlechter Laune, aus meinem Zelt begebe.

Wunderschöne Natur auch bei Starkregen

Nach den ersten Kilometern wird der Körper langsam wieder warm
Nach den ersten Kilometern wird der Körper langsam wieder warm
Meine Laune wird nicht gerade besser, als mich der Starkregen innerhalb von nur wenigen Sekunden komplett durchnässt. Unterkühlt baue ich mein Lager ab, schnüre mein Gepäck auf die Harley und lasse den Motor meiner Maschine aufheulen. Noch bevor ich die Kraft aufbringe, loszufahren, stelle ich die Griffheizung auf die höchste Stufe ein. Wie ein Affe sich an seine Banane krallt, so kralle ich mich an diesem Morgen an meine Griffheizung. Ganz langsam, spüre ich, wie mein Körper sich wieder mit Wärme füllt, schalte in den ersten Gang und folge den Straßen der Färöer Inseln.
Satte Farben in der Natur Islands
Satte Farben in der Natur
Immer wieder mache ich Zwischenstopps und bewundere die einzigartige Natur. Das Gras hier ist so unfassbar grün und mit dem frischen Regen riecht es köstlich nach Frühling. Klippen ziehen sich über die 18 Inseln und vermitteln ein mystisches Gefühl. Tausende Schafe haben das Land für sich erobert. Ihre Halsglöckchen klingen wie Musik in meinen Ohren. Egal, wohin ich blicke, um mich herum sehe ich Wasserfälle, Nebel und Tunnel. Keine Bäume, keine großen Städte, kein Verkehrslärm. Es ist alles ruhig und bis auf die Geräusche der Natur so friedlich. Ich schließe meine Augen und genieße das Freiheitsgefühl, das sich in mir ausbreitet. Ich strecke meine Hände aus und lasse den kalten Regen auf meiner Haut abperlen. Herrlich!

Von Tórshavn über Sørvagur bis nach Viðareiði

Rote Hügel in Nord-Island
Einmalige Landschaft auf den Färöer Inseln
So fahre ich an einem regnerischen, kühlen Tag nahezu auf alle Inseln, die über Tunnel oder Brücken erreichbar sind und genieße es. Von Tórshavn über Sørvagur bis hin nach Viðareiði. Ein Tag, der mir wohl mein Leben lang in Erinnerung bleiben wird. Es regnet ununterbrochen. Normalerweise hätte ich mich irgendwo verkrochen, doch heute flasht mich die Natur so sehr, dass ich einfach immer weiterfahren muss. Mehr sehen, mehr erleben. Später am Abend treffe ich in einem kleinen Dorf namens Streymnes auf drei Schweden, die ebenfalls mit ihrem Motorrad unterwegs sind. Klitschnass, wie ich, stehen sie gerade vor einem kleinen Hof und winken mir freudig entgegen. „Deswegen liebe ich Motorradfahren“, denke ich mir und weiß in diesem Moment die Motorrad-Community so sehr zu schätzen. Immer grüßt man sich, kann jederzeit jeden Motorradfahrer ansprechen und um Hilfe bitten. Es ist fast wie eine Großfamilie, in die man sich mit dem Führerschein „hineinkauft“.

Zuflucht, Wärme & Rum im alten Bauernhaus

Endstopp dieser Etappe ist in Streymnes
Das Ende dieser Etappe ist in Streymnes
Ich mache halt und komme mit den Bikern ins Gespräch. Die Jungs sind mit ihren Bikes von Hirtshals aus mit der Fähre hochgekommen, um hier einen alten Kollegen zu besuchen. Der Hof, vor dem wir stehen, gehört ihm. Freundlich laden sie mich auf ein Glas Rum ein. Glaubt mir, in meinem Leben habe ich noch nie so schnell und ohne auch nur ansatzweise zu überlegen „Ja“ gesagt. Mir war wortwörtlich arschkalt und die Sehnsucht nach einer Toilette, Essen und Wärme hätte nicht größer sein können. Ich betrete das alte Bauernhaus, ziehe meine Kombi aus, darf eine heiße Dusche nehmen, eine Fischsuppe essen und hier sogar die Nacht hier verbringen. Sauber und mit einem riesigen Grinsen, finde ich mich am Abend auf einem Sofa wieder, mit vier Bikern, die von ihren eigenen Abenteuern berichten, von denen ich noch lernen kann. Ich wiege meinen Kopf hin und her und kann mein Glück kaum fassen. Draußen stürmt es, während ich drinnen im Warmen teuren Rum genießen darf. Dankbar, dies erleben zu dürfen, halte ich mein Glas hoch und rufe inbrünstig „To this evening!“ aus.

Die gesamte Story findet ihr dann ab dem 28.10.2022 in Motorrad & Reisen Ausgabe 113.
Text: Ann-Kathrin Bendixen, Fotos: Ann-Kathrin Bendixen


#Affe auf Bike#Harley-Davidson#Island#Reise

Dieser Beitrag gehört zu einer mehrteiligen News
Reisetagebuch Island – Unterwegs mit Affe auf Bike

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