Auf Motorradtour im Norden Deutschlands: Aus der Lüneburger Heide zum Elbufer

Diese Motorradtour führt von der Südheide zum Elbufer und zurück.
Für Zweiradfans finden sich in der Lüneburger Heide viele einsame und vor allem kleine Straßen.
Für Zweiradfans finden sich in der Lüneburger Heide viele einsame und vor allem kleine Straßen.

Das Lustschloss Iserhatsche – Neu-Schwanstein des Nordens

Wir starten in Altensalzkoth (einem Stadtteil von Eversen) in der Südheide. Zunächst rollt man auf kleinen Sträßchen über Katensen nach Hünenburg. Anschließend geht es weiter nach Bispingen, unter anderem bekannt für seine Skihalle, der Kartbahn von Ralf Schumacher und dem Lustschloss Iserhatsche. Manche bezeichnen es als Neu-Schwanstein des Nordens, andere meinen es wäre einfach nur “schräg”, aber alle sind sich einig: Das muss man gesehen haben. Wir fahren weiter nach Egestorf mit seinen schönen Reetdachhäusern, wo wieder ein Stopp fällig wird. Anschließend kommt das ziemlich flotte Stück nach Scharnebeck zum Schiffshebewerk ganz gelegen, will man rechtzeitig zum Abendessen zurück sein.
In Egestorf finden sich zahlreiche wunderschöne Reetdachhäuser.
In Egestorf finden sich wunderschöne Reetdachhäuser.

Unterwegs im ehemaligen Sperrgebiet der DDR

Außerdem wartet noch eine wundervolle Strecke entlang der Elbe, die Deutschland für lange Zeit in Ost und West teilte und heute per Fähre passiert wird. Auf der Ostseite des Flusses nimmt man die B195 – es gibt tatsächlich Bundesstraßen, die für Motorräder taugen – unter die Räder und kurvt Richtung Süden. Dort, im ehemaligen Sperrgebiet der DDR gibt es weniger Motorradverbote, als auf der Westseite der Elbe, wo Hitzacker für Fans des Gasschiebers zur No-Name-Stadt wird. So rollt man durch einen Landstrich, den man als “Amt Neuhaus“ kennt und damit hat es in der jüngsten deutschen Geschichte etwas ganz Besonderes auf sich. Am 12. September 1944 einigten sich Russen, Amerikaner und Engländer über die Aufteilung Deutschlands. Die Westgrenze der sowjetischen Besatzungszone sollte dabei entlang der östlichen Provinzgrenzen von Schleswig-Holstein, Hannover, Braunschweig, Hessen und Bayern verlaufen. Somit hätte das Amt Neuhaus in den englischen Sektor fallen müssen. Es wurde aber nichts daraus, denn obwohl seit Jahrhunderten zu Hannover gehörig, trat General Montgomery das östlich der Elbe gelegene Stück Niedersachsens wegen möglicher Versorgungsprobleme (alle Brücken waren mehr oder weniger zerstört) an die Russen ab.
Blütenpracht am Wegesrand
Blütenpracht am Wegesrand
Die Elbe war nun die Grenze, ein wenigstens zu Anfang recht durchlässiges, wenn auch bewachtes Gebilde. Damals wurde geschmuggelt, was das Zeug hielt und der russische Oberkommandierende war stets am erzielten Gewinn beteiligt. Das ging so bis 1952. Dann riegelte die Volkspolizei das Gebiet hermetisch ab und ein gewisser Erich Honecker ordnete die militärische Befestigung der innerdeutschen Grenze an.
Die Dorfrepublik befindet sich UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern, auf und um den Rüterberg.
Die Dorfrepublik Rüterberg befindet sich im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern.

Ein umzäuntes Dorf als souveräner Staat

Aber kurven wir mal weiter Richtung Rüterberg, besser gesagt in die Dorfrepublik Rüterberg. Ursprünglich hieß das 300-Seelendorf mal Wendisch Wehnigen Broda, wurde aber im Rahmen der Arisierung (auch so ein Wahnsinn) von Ortsnamen 1938 in Rüterberg umbenannt. Und es kommt noch dicker: Im Sperrgebiet der längst vergangenen DDR gelegen, wurde der Ort ringsherum eingezäunt. Nur ein bewachtes Stahltor blieb. Wer hinein oder hinaus wollte brauchte Einreise- oder eben Ausreisepapiere. Verzweiflung macht oft mutig, und so beantragten die Dorfbewohner am 24.10.89 in Ost-Berlin ordnungsgemäß eine Einwohnerversammlung. Das brachte die Stasi auf Trab, führte aber dennoch am 08.11.89 zur Unabhängigkeitserklärung. Man war also souverän, sozusagen ein eigener Staat. Gottlob blieb der Diktatur der DDR keine Möglichkeit zurück zu schlagen, denn schon am nächsten Tag fiel die Mauer.
Dömitzer Elbbrücke wurde 1992 als erster Brückenneubau über die Elbe nach der Wiedervereinigung für den Verkehr freigegeben.
Dömitzer Elbbrücke wurde 1992 als erster Brückenneubau über die Elbe nach der Wiedervereinigung für den Verkehr freigegeben.
Als markanter Punkt auf unserer Tour präsentiert sich die neue Elbbrücke bei Dömitz. Sie wurde gleich nach der Wende geplant und im Jahr 1992 eingeweiht – ein Beispiel dafür, dass auch staatliche Stellen zügig arbeiten können. So gelangen wir wieder ans Westufer der Elbe, wo der Rückweg ins Heidedörfchen Altensalzkoth beginnt. Das liegt irgendwo in der wunderbaren Mitte von Nirgendwo. Ein paar Kilometer nördlich der Residenzstadt Celle leben hier aktuell 65 Einwohner.


Text: M&R , Fotos: M&R-Archiv


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