Vergleichstest: Honda CBR650R & CB650R

Honda krempelt die Mittelklasse um. Der Streetfighter CB650F wird durch das schicke Neo-Klassik-Bike CB650R ersetzt, der Allrounder CBR650F mutiert zum Sportler CBR650R.
Trotz komplett unterschiedlichem Look haben die beiden Neuheiten viel gemeinsam, sehr viel sogar. Motor und Fahrwerk sind bei beiden weitgehend identisch. Doch im Vergleich zu den erwähnten Vorgängern, die ebenfalls auf gleicher Technik basierten, hat sich einiges geändert. Das betrifft insbesondere den kompakten, 649 ccm großen DOHC-Reihenvierzylinder, dessen Hubraum und äußeres Layout zwar unverändert bleiben, ganz im Gegensatz zu den Innereien.

Effizientere Beatmung, gesteigerte Leistung

Der Ventiltrieb und dessen Steuerzeiten wurden optimiert, die Brennräume und Kolben überarbeitet, die Kompression von 11,4:1 auf 11,6:1 angehoben. Neue Ansaugführungen und um 3,1 Millimeter erweiterte Auslassdurchmesser sollen eine effizientere Beatmung bewirken. Unterm Strich resultiert daraus eine Leistungssteigerung von rund fünf Prozent. Die maximale Leistung von nun 95 PS drückt der 16-Ventiler bei 12.000 U/min (vorher 11.000 U/min) auf die Kurbelwelle. Das maximale Drehmoment bleibt mit 64 Nm, wird allerdings erst bei 8.500 U/min und damit 500 U/min später als bisher erreicht. Eine A2-taugliche Version mit 48 PS ist ebenfalls erhältlich.

Besserer Sound dank erneuerter Auspuffanlage

Neu hat Honda dem drehfreudigen Reihenvierer nun eine Anti-Hopping-Kupplung spendiert, die beim unachtsamen Runterschalten das Stempeln des Hinterrades verhindert und gleichzeitig den Kraftaufwand am Kupplungshebel reduziert. Serienmäßig mit an Bord ist jetzt auch ein Quickshifter, der jedoch leider nur beim Hochschalten funktioniert, aber beim
zügigen Angasen dennoch mächtig Freude macht. In Kombination mit der ebenfalls inkludierten Traktionskontrolle (HSTC) sind die neuen 650er-Hondas selbst bezüglich Assistenzsystemen wieder völlig up to date. Last but not least wurde auch die Auspuffanlage geändert, genauer gesagt der Endschalldämpfer. Dessen Endrohr ist nun weiter nach oben gerichtet, wodurch der Fahrer den schrillen Vierzylinder-Sound nun noch intensiver mitbekommt.

Überarbeiteter Look

Auch fahrwerkseitig hat Honda die neuen R-Modelle aufgewertet. Der Hauptrahmen aus Stahl ist schlanker, der Heckrahmen kürzer. Die neue Showa-Upside-down-Gabel (14 mm ø) mit goldfarbenen Holmen sieht toll aus und funktioniert trotz fehlender Einstellmöglichkeiten bei beiden gut. Im Gegensatz dazu kann am direkt angelenkten Monofederbein hinten die Vorspannung in sieben Positionen entsprechenden Zuladungen angepasst werden. Die schicken Wave-Bremsscheiben der Vorgängermodelle mussten einfachen runden Scheiben weichen. Vorne nehmen radial montierte Nissin Bremssättel mit je vier Kolben zwei 310 Millimeter große Scheiben in die Zange. Hinten verzögert eine 240er-Scheibe in Kombination mit einer Einkolben-Zange. Der Bremshebel ist in sechs Positionen einstellbar.


Vergleichstest Honda CBR650R

Display-Neuerungen

Das neue, modern gestaltete LCD-Display passt zu beiden Modellen perfekt. Im zentralen Blickfeld liegen die Anzeigen von Geschwindigkeit, Drehzahl und eingelegtem Gang. Dazu können einzelne Informationen wie Kilometerstand, Trip, Verbrauch, Restweite etc. ausgewählt werden. Allerdings ist diese Auswahl nicht am Lenker, sondern etwas umständlich lediglich am Display per Knopfdruck möglich. Diese Zusatzinformationen sind leider etwas klein geraten, wobei der geringe Kontrast der negativ gehaltenen Anzeigen die Lesbarkeit zusätzlich erschwert. Mit den jüngsten Überarbeitungen haben beide Bikes je 6 Kilogramm abgespeckt. Die CB wiegt nun 202 kg, die CBR 207 kg. So viel zu Technik und Ausstattung, welche wie erwähnt für beide Modelle zutreffen.
Honda hat dem sportlichen Allrounder CBR650F eine Abspeckkur verpasst und gleichzeitig Muskeln antrainiert. Die neue CBR650R ist leichter, handlicher und sie kommt im Racing-Look der CBR1000RR Fireblade. Eine kompromisslose Supersportlerin wie diese große Schwester ist sie dennoch nicht.


Vergleichstest Honda CBR650R

Sportlicher Look in Vollverschalung

Seit Honda 2017 den Mittelklasse Supersportler CBR600RR aus dem Sortiment gekippt hat, klafft im Angebot der sportlichen Mittelklasse eine Lücke. Die 2014 lancierte und drei Jahre danach überarbeitete CBR650F war vielmehr ein sportlicher Allrounder als eine echtes Sportmotorrad. Nachdem nun die Japaner im Spätherbst vergangenen Jahres am Salon d'Automobile in Paris die Studie eines neuen 650er-Nakedbikes enthüllte war klar, dass diesem in absehbarer Zeit eine Version mit Vollverschalung zur Seite gestellt werden würde. Knapp zwei Monate später sorgte dann anlässlich der EICMA in Mailand das neben dem serienreifen Nakedbike CB650R stehende Schwestermodell CBR650R im Supersport-Look für großes Aufsehen.

Eleganter Auftritt

„Kleider machen Leute.” Im knappen Dress, der dem Stil der Fireblade nachempfunden ist, verspricht die Neue mächtig viel Sportlichkeit – mehr als sie tatsächlich zu leisten vermag. Das ist jedoch keinesfalls negativ zu werten – im Gegenteil. Doch davon später mehr. Eng schmiegt sich das schicke Kleid mit den zwei schmalen Scheinwerferschlitzen um die Front. Seitliche Verschalungsteile verhüllen lediglich die unteren Partien, wodurch der kompakte Motor und Teile der elegant geschwungenen Auspuffkrümmer effektvoll in Szene gesetzt werden. Mit optional erhältlichen Teilen wie Soziussitzabdeckung, kürzerer Kontrollschildhalterung etc. lässt sich der sportliche Auftritt weiter perfektionieren.

Angepasste Sitzhöhe

Dem Racing-Look entsprechend hat Honda die Sitzposition angepasst. Die neu unter der Gabelbrücke an den Holmen verschraubten Stummellenker sind 30 Millimeter tiefer und weiter vorne positioniert. Im Gegenzug sind nun die Fußrasten etwas höher und weiter hinten montiert. Die Sitzhöhe bleibt indes wie bei der nackten CB650R unverändert bei angenehmen 810 Millimetern. Unter dem Strich bewirken diese Änderungen eine stärker nach vorn geneigte Haltung, wobei die Sitzposition für ein Motorrad dieses Segments weiterhin bequem und alltagstauglich ausfällt.


Vergleichstest Honda CBR650R

Stabil bei höherer Geschwindigkeit

Und genau das vermittelt dem Fahrer auf der Landstraße ein gutes und sicheres Gefühl. Perfekt ins Motorrad integriert, werden Pilot und Maschine zu einer Einheit. Solchermaßen kompakt lässt es sich entspannt um Wechselkurven surfen. Ist es der bessere Windschutz oder ganz einfach nur die sportlichere Sitzposition? In schnellen Bögen und generell bei höheren Geschwindigkeiten liegt die CBR stabiler und fährt zielgenauer als ihre nackte CB-Schwester. Ausreichend Schräglagenfreiheit und der gute Grip der Dunlop D214 Reifen schaffen zusätzlich Vertrauen, wodurch man immer gerne eine Spur zügiger unterwegs ist als gefühlt und erlaubt.

Einwandfreie Funktionen

Tief greifende Überarbeitungen bescheren dem weiterhin 649 ccm großen Reihenvierer eine fünfprozentige Leistungsspritze. Linear dreht der 16-Ventiler nach oben. Zwischen 4.000 und 6.000 Touren wird ausreichend Druck aufgebaut. Doch wenn man wie auf unserer Testfahrt an der zügig voranfahrenden Gruppe dranbleiben will, sinkt die Drehzahl kaum je unter die 8.000er-Marke. Kein Wunder, denn sowohl das maximale Drehmoment von 64 Nm und auch die Leistungsspitze von 95 PS liegen deutlich über dieser Marke. Bremsen, Quickshifter und Traktionskontrolle funktionieren zuverlässig. Die 200-km/h-Marke verfehlt die neue Honda CBR650R bei dem Topspeed nur knapp. Dem vielversprechenden Fireblade-Look wird sie zwar nicht vollumfänglich gerecht, ein vielseitiges und einwandfrei funktionierendes Sportmotorrad ist sie jedoch allemal.
Vor Jahresfrist hat Honda mit der CB1000R eine neue Modellbaureihe lanciert. Neo Sports Café nennen die Japaner das Konzept, das traditionelle und moderne Elemente harmonisch kombiniert. Nach weiteren Modellen mit 125 ccm und 300 ccm macht die neue, im identischen Stil gezeichnete CB650R nun diese Baureihe komplett.


Vergleichstest Honda CB650R

Wie schnell doch bloß die Zeit vergeht

Exakt 20 Jahre zuvor mischte Honda mit der 600er-Hornet das Naked-Bike-Segment gehörig auf. Die Vierzylinder Drehorgel entwickelte sich rasch zum Bestseller und Leadermodell dieser Klasse. Aufgrund der aufwendigen und kostspieligen Konstruktion gerieten in jüngster Zeit nackte Mittelklasse-Reihenvierer zunehmend unter Druck. Im Fall der CB600F gelang es selbst mit einer Leistungsspritze und Hubraumerweiterung auf 650 ccm sowie der Umgestaltung zum Streetfighter nicht, an einstige Erfolge anzuknüpfen. Mit der Umgestaltung zum Neo-Klassiker und der Integration in die postmoderne Modellbaureihe Neo Sports Café soll sich das nun ändern.


Vergleichstest Honda CB650R

Anspruchsvolle Erscheinung

Auffälligstes Erkennungsmerkmal ist der flache LED-Rundscheinwerfer, der mit dem typischen Tagfahrlichtring in gleicher Lichttechnik bereits die erwähnten Schwestermodelle charakterisiert. Trotz längerem und schlankerem Tank ist das Heck deutlich kürzer. Und denkt man den langen Kennzeichenhalter einmal weg – der wird voraussichtlich oft durch ein schickeres Zubehörteil ersetzt –, sieht das Ganze wirklich knackig aus. Ganz besonders starke Eyecatcher sind natürlich weiterhin die vier elegant geschwungenen Auspuffkrümmer, welche in ähnlicher Art angeordnet bereits 1975 an der CB400 Four die Fans betörten. Goldfarbene Gabelholmen, Motorgehäusedeckel in Bronzefarbe und der kurze, matt gebürstete Auspuffstummel untermauern den insgesamt sehr wertigen und eleganten Anspruch.
Nebst Technik und Design wurde vor allem auch die Sitzposition geändert, und das mit spürbar weitreichenderen Auswirkungen, als die geringfügig erscheinenden Umplatzierungen vermuten lassen. Der Lenker ist nun 13 Millimeter weiter vorne und 8 Millimeter tiefer montiert. Ähnliches gilt für die Fußrasten, welche nun 3 Millimeter weiter hinten und 6 Millimeter höher angebracht sind. Die Sitzhöhe bleibt indes mit moderaten 810 Millimetern unverändert. Trotzdem bewirken die Änderungen dieses Dreiecks (Sitz, Lenker, Rasten) eine spürbar stärker nach vorne orientierte und dadurch fahraktivere Sitzposition.


Vergleichstest Honda CB650R

Zügig und entspannt unterwegs

Und die zeigt dann insbesondere in Wechselkurven positive Auswirkungen. Willig und zielgenau folgt die CB650R den Lenkbefehlen und lässt sich ohne Kraftaufwand von einer Seite zur anderen umlegen. Heftiges Anbremsen in Schräglagen wird mit deutlichem Aufstellen quittiert. Ergo ist man im rhythmischen Flow nahezu gleichermaßen zügig und vor allem wesentlich entspannter unterwegs. Schnelle Kurven kombiniert mit Bodenwellen mag die CB allerdings dagegen weniger. Solche Situationen erfordern gelegentlich mehr oder weniger starke Kurskorrekturen.

Ein echter Geheimtipp

Innerorts im sechsten Gang ist zwar durchaus möglich, doch richtig wohl fühlt sich der Reihenvierer vor allem in der zweiten Drehzahlhälfte. Unter 4.000 U/min passiert reichlich wenig. Ab dieser Marke geht's zügig vorwärts. Die wahre Musik spielt jedoch ab 8.000 U/min und das bis rund 12.000 U/min. In diesem Bereich läuft der Motor druckvoll, fein und weitgehend vibrationsfrei. Gleiches gilt für den Quickshifter, der die Gänge in höheren Drehzahlen wesentlich geschmeidiger und souveräner wechselt. Durch den einzigartigen Charakter des Reihenvierers ist die neue Honda CB650R als letzte ihrer Art und Klasse ein echter Geheimtipp.
Vergleich Honda CB650R 2019-2020 und Honda CBR650R 2019-2020
Honda CB650R
2019-2020
Honda CBR650R
2019-2020
Motor
Bohrung x Hub 67 x 46 mm 67 x 46 mm
Hubraum 649 ccm 649 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile Vierzylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder Vierzylindermotor, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 4 Euro 4
Leistung 95 PS (70 kW) bei 12000 U/min 95 PS (70 kW) bei 12000 U/min
Drehmoment 64 Nm bei 8500 U/min 64 Nm bei 8500 U/min
Verdichtung 11,6:1 11,6:1
Höchstgeschwindigkeit 197 km/h 197 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1000 km, danach jährlich oder alle 12000 km Erstinspektion nach 1000 km, danach jährlich oder alle 12000 km
Kraftübertragung
Kupplung Ölbad, Mehrscheiben Ölbad, Mehrscheiben
Schaltung 6-Gang 6-Gang
Antrieb Kette Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Stahlrahmen Stahlrahmen
Federelemente vorn 41-mm-Upside-Down-Gabel 41-mm-Upside-Down-Teleskopgabel
Federelemente hinten Zentralfederbein Zentralfederbein
Federweg v/h 108 mm/128 mm 108 mm/129 mm
Radstand 1450 mm 1450 mm
Nachlauf 101 mm 101 mm
Lenkkopfwinkel 25,5° 25,5°
Räder Gussfelgen Gussfelgen
Reifen vorn 120/70ZR-17 120/70-17
Reifen hinten 180/55ZR-17 180/55-17
Bremse vorn 310-mm-Doppelscheibenbremse mit Doppelkolben-Bremszangen 310-mm-Doppelscheibenbremse mit Doppelkolbenbremszangen
Bremse hinten 240-mm-Scheibenbremse mit Einkolben-Bremszange 240-mm-Scheibenbremse mit Einkolben-Bremszange
Maße & Gewicht
Länge 2130 mm 2130 mm
Breite 780 mm 750 mm
Höhe 1075 mm 1150 mm
Gewicht 202 kg 207 kg
Maximale Zuladung 168 kg 168 kg
Sitzhöhe 810 mm 810 mm
Tankinhalt 15,4 Liter 15,4 Liter
Weitere Baujahre 2021-2022 2021-2022
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Traktionskontrolle
Fahrzeugpreis ab 7675 € 8975 €
Text: Hanspeter Küffer, Fotos: Zep Gori, Francesc Montero, Ula Serra


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