M&R-PlusMasserberger Tagestour – Thüringer Wald

Lesezeit ca. 6 Min.
Der markante Höhenzug des wundervollen Thüringer Waldes bietet reichlich starke Kurven und kleine Zaubersträßchen für einen ganz großen Motorradtag.
Die deutschen Mittelgebirge präsentieren sich immer wieder als ein Eldorado für Motorradfahrer. Gerade aus den Ebenen an Nord- und Ostsee kann man sie auch sehr viel schneller erreichen als die Alpen. Um 9.30 Uhr wird die morgendliche Stille am Hotel in Masserberg von warm laufenden Motoren unterbrochen. Ganz in Leder gekleidete oder in textiler Sicherheitsbekleidung steckende Gestalten setzen Helme auf und streifen sich schützende Handschuhe über. Nach dem obligatorischen
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Gruppenfoto besteigen alle ihre Maschinen und warten auf das Zeichen zur Abfahrt. Gruppenweise geht die Motorradsportgruppe Deutscher Bundestag auf die Strecke, begleitet von „On the road again“ aus den Lautsprechern einer mächtigen Harley.
Ausgangspunkt unserer Tagestour durch den Thüringer Wald ist das auf der Kammhöhe des südlichen Thüringer Waldes gelegene Masserberg. Von hier aus führt unsere Traumtour zunächst Richtung Norden. Dort wartet ein genialer Tanz durch das Kurvenlabyrinth dieses einmaligen Mittelgebirgszuges. In gemäßigtem Tempo, vor allem um die Motoren, die Reifen und nicht zuletzt auch die Fahrer auf Betriebstemperatur zu bringen, schwingen wir durch die dichte Waldlandschaft entlang des berühmten Rennsteigs. Schon nach den ersten sportlichen Schräglagen kann man selbst durch die geschlossenen Visiere der Helme das Dauergrinsen in den Gesichtern der Fahrer erahnen.
Im Morgentau kurven wir durch die dichten Wälder
Im Morgentau kurven wir durch die dichten Wälder
Kurven, nichts als Kurven, eine nach der anderen und eine schöner als die andere - der feuchte Straßenbelag mahnt zwar noch etwas zur Vorsicht, doch das mindert den Spaß keineswegs. Schon nach wenigen Kilometern erreichen wir Neustadt am Rennsteig. Der Ort liegt in einer Höhe von über achthundert Metern und gehört da­mit zu einer der höchstgelegenen Ansiedelungen in Thüringen. Dort verlassen wir dann die Kammhöhe und biegen flott Richtung Osten ab. Wieder reiht sich Kurve an Kurve, das Gute-Laune-Barometer steigt auf selten erreichte Werte.
Über Hohe Tanne, Gillersdorf und Böhlen tauchen wir hinab in die tiefen Täler auf der Nordostflanke des Thüringer Waldes und erreichen bei Schwarzmühle die Schwarza. Eine ganze Weile folgen wir dem Flusslauf, der sich im Laufe der Jahrtausende seinen Weg durch das Gestein gegraben hat und als der goldreichste Fluss Deutschlands gilt.
Die Rindviecher warten sicher auf eine „Kuh“
Die Rindviecher warten sicher auf eine „Kuh“
Aber uns steht der Sinn nicht nach Edelmetall, sondern nach Fahrspaß auf zwei Rädern! Bei Neu-Leibis, einem Ortsteil von Unterweißbach, verlassen wir die Schwarza, die wir ein Stück ihres 53 Kilometer langen Weges von der Quelle bis zur Mündung in die Saale begleiteten. Wir gewinnen dann mittels ein paar satten Spitzkehren wieder flott an Höhe. Hinzu kommen ein paar ganz „normale“ Kurven und so erreichen wir unseren ersten, geplanten Boxenstopp – den Barigauer Turm. Der wurde Anfang des 20. Jahrhunderts samt Schutzhütte gebaut. Heute gibt es dort eine klei­ne Ga­stronomie und so können wir von dort aus die geniale Aussicht bei einer Tasse dampfendem Kaffee genießen.
Der Barigauer Turm
Der Barigauer Turm
Aber nicht nur wir hatten unseren Spaß auf der Barigauer Höhe: Hinter einem Weidezaun standen in Reih und Glied fünfzehn Jungkühe und beobachteten das merkwürdige Treiben der bunt gekleideten Zweibeiner auf dem gegenüberliegenden Parkplatz. War es nun „rindliche Neugier“ oder einfach nur die Erwartung irgendwelcher Leckereien. Egal, wir brechen wieder auf und fahren hinunter ins Tal nach Königsee. Bis nach Rottenbach nehmen wir die Bundesstraße B88 unter die Räder. Dort wechseln wir auf schmale Land- und Kreisstraßen Richtung Westen. Nach wenigen Kilometern lässt die Klosterruine in Paulinzella den nächsten Halt einlegen.
Die Klosterruine Paulinzella
Die Klosterruine Paulinzella
Die Ruine des ehemaligen Anfang des 12. Jahrhunderts erbauten Benediktinerkloster Paulinzella zählt zu den bedeutendsten romanischen Baudenkmälern Deutschlands. Das schauen wir uns noch kurz etwas genauer an, bevor die Motoren wieder brabbeln.
Fast ausschließlich auf Nebenstraßen und damit ohne viel Verkehr fahren wir über Ilmtal, Niederwillingen und Wipfratal Richtung Nordwesten. Wir steuern den nördlichsten Punkt unserer heutigen Tour an: Arnstadt! Das liegt nur etwa zwanzig Kilometer südlich der Landeshauptstadt Erfurt und wurde im Jahre 704 erstmals urkundlich erwähnt. Somit lernen wir eine der ältesten Städte Deutschlands - außerhalb des einstigen, römischen Herrschaftsgebietes - kennen.
Auf dem Weg nach Arnstadt
Auf dem Weg nach Arnstadt
Auch die berühmte Thüringer Bratwurst wurde erstmalig urkundlich in Arnstadt erwähnt. Als eine von fünf Thüringer Bachstädten war sie die Wirkungsstätte zahlreicher Vorfahren von Johann Sebastian Bach und er selbst hatte an der neuen Kirche seine erste Anstellung als Organist. Das Bach-Museum, die Schlossruine mit dazugehörigem Garten und den besteigbaren Schlossturm sowie mehrere sehenswerte Kirchen, laden zu einem längeren Aufenthalt ein.
Das Fischtor in Arnstadt
Das Fischtor in Arnstadt
Vom Besuch der Stadt am nordöstlichen Rand des Thüringer Waldes ein wenig erschöpft, steuern wir nun die ein paar Kilometer entfernte Triglis-Mühle an, wo wir uns mit Thüringer Bratwürsten und Grillfleisch stärken. „Triglis“ bedeutet der Sage nach „Drei Esel“, weil die Getreidemühle von einem Lastkarren beliefert wur­de, der eben von drei Eseln gezogen wur­de. Nach der Stärkung mit Speis’ und Trank geht unsere tolle Tagesreise weiter, wieder hinein in die Berge des Thüringer Waldes. Und wieder reiht sich Kurve an Kurve und versetzt uns in einen kurzen Rausch, der erst von den Geschwindigkeitsbeschränkungen in Oberhof gebremst wird.
Die Schanzenanlage im Kanzlergrund
Die Schanzenanlage im Kanzlergrund
Unser Weg führt indessen vorbei an den großzügigen Sportanlagen des Wintersportzentrums für Biathlon, Renn rodeln, Bobfahren, Langlauf oder auch Nordische Kombination. Einen besonders imposanten Eindruck hinterlassen dabei die beiden Sprungschanzen im Kanzlersgrund. Mann oder auch Frau kommen sich hier bestimmt ziemlich klein vor. Natürlich wird hier ein Fotostopp zum absoluten Muss.
Anschließend kurven wir talwärts bis zum Abzweig nach Zella-Mehlis. Und wieder warten kernige Kurven bergauf, Kurven bergab, Motorradfahrerherz, was willst du mehr? Dabei überqueren wir eine weitere Grenze, und zwar jene zwischen den Dialekten des Thüringischen und des Fränkischen. Egal, gleich nach Zella-Mehlis sind wieder Kurven angesagt. Das gilt für den ganzen Weg über Bermbach, vorbei an Steinbach-Hallenberg bis Breitenbach und dann weiter über Christes hinunter nach Schwarza. Bereits Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus beginnt die lange Geschichte der Gemeinde, von der heute noch Torbögen und Mauerreste der alten Stadtbefestigung Zeugnis geben.
Wir überqueren die Sprachgrenze zwischen dem Thüringischen und dem Fränkischen
Wir überqueren die Sprachgrenze zwischen dem Thüringischen und dem Fränkischen
Das derzeit leer stehende Schloss Stolberg aus dem 16. Jahrhundert bietet keinen besonders erfreulichen Anblick und wartet bisher vergeblich auf eine gründliche Sanierung. Das im weiteren Verlauf unserer Tour befindliche Gelände des ehemaligen Benediktinerklosters Rohr findet dagegen als großzügiges Berufsbildungszentrum eine neue Bestimmung. In Dillstädt verlassen wir die breite und gut ausgebaute Landstraße und schwingen durch zahllose Kurven aus dem Tal wieder hinauf in höhere Lagen. Über Marisfeld, Grub, Bischofrod und St. Kilian gelangen wir nach Schleusingen. Ein kurzer Abstecher nach Suhl lohnt sich eigentlich, allein schon wegen des Motorradmuseums im Congress Centrum Suhl und den früheren Simson-Werken. Allerdings verkneifen wir uns das, denn die anderen Sehenswürdigkeiten heute saugten schon stark Zeit ab. Also fahren wir an der Talsperre Ratscher entlang weiter über Waldau, Steinbach und Frauenwald bis zum kleinen Örtchen Allzunah, biegen dort Richtung Osten ab und schwenken schließlich nach Südosten ein, um durch Wälder nach Neustadt zu gelangen.
Am Hotel Rennsteig werden wir mit lecker Spanferkel begrüßt
Am Hotel Rennsteig werden wir mit lecker Spanferkel begrüßt
Von dort ist es nicht mehr weit. Wir nehmen direkt die Kurven bis Masserberg unter die Räder. Beim Aprés-Bike lassen wir die Tour nochmals Revue passieren: Das war ein Tag mit schönem Wetter, netten Leuten und tollen Strecken, gewürzt mit ein bisschen Kultur und Sightseeing. Das Schwein liegt auch schon auf dem Grill, was soll also noch schiefgehen?
Text: Jost G. Martin, Fotos: Jost G. Martin


#Deutschland#GPS#Roadbook#Thüringer Wald#Tour

Tourinfos: Masserberger Tagestour

Motorradtour: Deutschland – Thüringer Wald

Motorradtour Masserberger Tagestour

Allgemeine Informationen zur Motorradtour
Letzte Aktualisierung: 25.05.23
Der knapp 1.000 Meter hohe Thüringer Wald erstreckt sich als markante Mittelgebirgskette im Norden bis an die Werra. Im Süden schließen Oberfranken und der Frankenwald, im Osten das Thüringer Schiefergebirge an. Auf der Kammhöhe verläuft der berühmte Rennsteig, dem man oft parallel auf Straße folgen kann. Die Region ist besonders wegen der vielen kleinen und kurvenreichen Straßen für Motorradfahrer höchst interessant und im Gegensatz zu vielen anderen Traumstrecken - wie beispielsweise in den Alpen - touristisch nicht sehr überlaufen.

Sehenswert
Neben den landschaftlichen Schönheiten, die der Thüringer Wald anbietet, gibt es eine Reihe von Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel die Bachstadt Arnstadt mit ihren unzähligen Kirchen und ehemaligen Toranlagen oder die Sportanlagen in Oberhof. Auch ein Besuch der Innenstadt von Suhl mit dem Fahrzeugmuseum und den ehemaligen Simson-Werken kann man nur empfehlen.

Bücher, Landkarten & Reiseführer

Anreise
Der Start unserer Tour liegt in der Gemeinde Masserberg auf den südlichen Höhen des Thüringer Waldes. Masserberg lässt sich über Ilmenau oder Eisfeld (Autobahnabfahrten) schnell und unkompliziert erreichen.

Reisezeit
Zwischen April und Ende Oktober – je nach Wetterlage – kann man diese Tour guten Gewissens unter die Räder nehmen und den Thüringer Wald in vollen Zügen genießen.


Welche Energiequelle wird in der Zukunft unsere Motorräder antreiben?
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