M&R-PlusAuf nach Masuren – Leserreportage

Das Sprichwort: „Heute gestohlen, morgen schon in Polen“ ist wohl eine der geläufigsten Schauergeschichten. Die angeblich so „schlechten Straßen“ dort wollen ebenfalls überprüft werden.
Manuel auf der Maur
Manuel auf der Maur, www.czechtourism.com, www.polen.travel/de/
Die beiden BMW R 1200 GS von Thomas und mir (Manuel auf der Maur) eignen sich hervorragend für solch abenteuerliche Geschichten. Also, nichts wie los. Wir wollen uns selbst ein Bild machen und den alten Vorurteilen mal auf den Grund gehen. Ausgangsort für unsere 10-tägige Polenreise ist Pilsen, noch in Tschechien gelegen, denn Thomas zuckelt schon seit zwei Tagen mit dem Motorrad ohne mich umher. Ich fahre – nach 7-jähriger Motorrad-Abstinenz – mit riesiger Vorfreude los. Als ich morgens um 8.00 Uhr vor die Tür trete, schlägt mir die angenehm kühle Morgenluft entgegen. Unspektakulär, wie ein Schnellzug bringt meine GS die 600 langweiligen Autobahnkilometer hinter sich. Die Anfahrt zum Treffpunkt in der Innenstadt von Pilsen wird anschließend dank Navi schon fast zum Kinderspiel. Die erste Etappe ist geschafft, das goldgelbe Pils schmeckt einfach wunderbar!
Nachdem die Motorräder im hauseigenen, abgesperrten Hof untergebracht sind, gehen wir nochmals unsere Route durch. Die folgenden Tage versprechen ziemlich spannend zu werden! Am nächsten Morgen wird dann ordentlich am Gashahn gedreht. Voller Erwartung geht’s Richtung Polen. Das Navi möchte uns immer wieder auf den direktesten Weg bringen, dies ignorieren wir natürlich und so bringt unser Enthusiasmus uns fast bis nach Dresden. Total verfranzt! Jetzt heißt es: Navi aus und konsequent Richtung Osten fahren. Wir schlängeln uns nun der E442 entlang und überqueren im Ski- und Wandergebiet um Liberec (Tschechien) die Grenze nach Polen. Nach diesen etlichen, aber schönen Zusatzkilometern sind wir froh, das im Voraus gebuchte Zimmer in Breslau beziehen zu können. Leider gibt es keine Hotelgarage. Aber auf dem nahen bewachten Parkplatz legen wir den Mopeds das erste Mal unsere neuen Bremsscheibenschlösser mit Erschütterungsalarm an. Sicher ist sicher, man hört doch so allerhand! Wir denken positiv und gehen erst einmal in die quirlige und wunderschöne Altstadt von Wroclaw, zu Deutsch Breslau. Diese Stadt läuft Krakau – bisher die schönste Stadt Polens – langsam den Rang ab! Alle Häuser um den Marktplatz wurden liebevoll restauriert. Stilvolle Restaurants, kleine Cafés und Bars laden ein, das bunte Treiben rund um die Kathedrale zu genießen. Breslau eignet sich hervorragend für eine Motorradreise oder einen spontanen Wochenendaufenthalt. Man könnte sich hier stundenlang umsehen und allerhand entdecken, wir sind aber erst mal geschafft und nehmen den Schlummertrunk in der Bar des „Bezsennosc“. Hier steppt der polnische Bär! Die Zeit vergeht eindeutig wie im Flug. Zu späterer Stunde wird aber noch ein Kontrollgang vorbei an den Motorrädern gemacht. Der Wachmann nickt uns zu, alles in bester Ordnung.
Breslau
Breslau
Warschau! Die Strecke dorthin erweist sich als echte Tortour. Rotlicht und Blitzkästen wechseln sich ab – überholen praktisch unmöglich. Zudem geht dieser Tag als der heißeste des Jahres 2013 in Polen ein: 34° Celsius im Schatten. Schweißgebadet erreichen wir verspätet das Hotel, laden das Gepäck ab und suchen einen bewachten Parkplatz. Der findet sich neben dem Kulturpalast. Mit ungutem Magengefühl werden wieder alle vorhandenen Schlösser angebracht.
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Am Abend holt uns dann Jystina, eine polnische Bekannte von Thomas, im Hotel ab und führt uns zu der aktuell angesagtesten Gegend in Warschau, rund um den Platz „Zbawiciela“. Bei gutem Essen und polnischem Bier erfahren wir viel über Land und Leute.
Egal wohin man in dieser lebendigen Stadt auch schaut, Warschau ist und bleibt einfach ein Erlebnis der Extraklasse
Egal wohin man in dieser lebendigen Stadt auch schaut, Warschau ist und bleibt einfach ein Erlebnis der Extraklasse
Gespannt kehren wir am nächsten Morgen zu unseren Motorrädern zurück. Sie stehen immer noch genau so da, wie wir sie abgestellt haben.
So viel zum Thema Vorurteile! Warschau hat obendrein in jeder Hinsicht viel zu bieten. Sei es das lebendige Treiben, welches hier ununterbrochen herrscht oder die vielen Sehenswürdigkeiten, wie das Museum oder das Denkmal vom Warschauer Aufstand 1944. Und dann wollen wir raus aus der Stadt. Weiter östlich meldet das Navi mit der Einstellung „unbefestigte Straßen bevorzugt“ die Offroadpisten in den Masuren. Wir brausen über einsame Sandpisten, löchriges kilometerlanges Kopfsteinpflaster, durchpflügen Wasserlöcher und freuen uns über die Schilder „Achtung Kurven“. Enduro pur! Gegen Abend suchen wir uns ein Zimmer am größten See Polens, dem „Jezioro Sniardwy“, zu Deutsch Spirdingsee. Dieses finden wir im Jachthafen von Pisz. Das Clubhaus erweist sich als echte Perle. Den Rest des warmen Abends verbringen wir zufrieden mit einem kühlen Bier auf unserer eigenen Terrasse und Blick auf die herrliche Landschaft der Masuren. Man genießt den traumhaften Sonnenuntergang und bespricht schon voller Vorfreude den Streckenplan für den nächsten Tag. Übers Internet buchen wir für uns ein Zimmer im Schlosshotel Ryn. Das 4-Sterne-Haus ist eines der größten Schlosshotels weltweit. Nachdem wir den ganzen Tag wieder in unserem beliebten Modus „unbefestigte Straßen bevorzugt“ über staubige Enduropisten gebrettert sind, freuen wir uns auf eine erfrischende Dusche. Nichts da, Wasserunterbruch in der ganzen Stadt. Die Lösung: Das Hotel hat einen Spa mit Swimmingpool. Da liegt man dann also im Jacuzzi des Gewölbekellers und fühlt sich schon so ein wenig wie die Schlossherren damals.


Von Ryn aus sind es nur 20 Minuten bis zur Wolfsschanze. Die liegt östlich von Kętrzyn. Von hier aus plante der Diktator Hitler die Eroberung Russlands. Außerdem wurde hier auch am 20. Juli 1944 das nicht geglückte Attentat auf ihn verübt. Die Mauern der heute zerfallenen Bunker sind teilweise bis zu sechs Meter stark und machen mächtig Eindruck.
So viel Geschichte macht doch Lust auf mehr, also beschließen wir noch an die russische Grenze zu fahren. Die nächste Gelegenheit dazu befindet sich auf der 591 nach Michalkowo. Aber wir sind nicht mehr wirklich sicher wo wir sind, als uns das Navi zum Umkehren ermuntert. Irgendwo im Nirgendwo. Plötzlich schießt aus dem Nichts ein Geländewagen hervor. Grenzpolizei! Polen oder Russen? Wohl eher polnische Grenzwächter. Wir können kein Polnisch, sie kein Deutsch oder Englisch. Na, das kann heiter werden! Der Ranghöhere schüttelt immer wieder den Kopf und spricht das Wort „Zloty“ aus. Bestechung? Er gibt uns anhand einiger Symbole zu verstehen, dass wir in ein Fahrverbot gefahren sind und die Grenze zu Russland zu ist. Er nimmt uns die Papiere ab und steigt in seinen Wagen. Bange Minuten der Unwissenheit verstreichen. Dann die Erleichterung, sie lassen uns sogar ohne Buße gehen. Wir danken freundlich, drehen um und landen im kleinen, aber feinen Städtchen Olsztyn. Den Abend verbringen wir dann, den Schrecken noch in den Knochen, in einer gerammelt vollen Karaoke-Bar, wirklich ein Hobby, an welchem die jungen Polen sehr ambitioniert teilnehmen.
Wolfsschanze
Wolfsschanze
Das Gefühl am nächsten Morgen wieder in die dreckigen Stiefel zu steigen und das beruhigende Brummen des Boxers zu hören, fühlt sich einfach nur gut an. Es macht riesig Spaß, die Freiheit auf zwei Rädern zu genießen. Den ganzen lieben, langen Tag kurven wir also durch verschlungene Pfade, sodass wir am Abend ziemlich müde im Hotel ankommen. Die sympathische Angestellte meint aber: „Das reservierte Zimmer wurde vor drei Stunden wieder annulliert“. Wie? Was? Wer? Warum? Nach einer leicht angeregten Diskussion erweist sich das als Verwechslung und so können wir doch noch unser kleines aber feines Zimmer beziehen. Leider zeigt sich das Wetter abends von seiner kalten Seite und so schlendern wir in dicke Pullover gehüllt durch die wunderschöne Altstadt. Der Abend verläuft für solch eine große Stadt leider ungewöhnlich ruhig. Bei kühlen 14° Celsius fahren wir am nächsten Morgen auf der E 28 an der Ostsee entlang. Kurz vor Koszalin wird die Hauptstraße verlassen, um über die zehn Kilometer lange und 500 Meter breite Nehrung zwischen dem See Jamno und der Ostsee zu düsen. Im Badeort Mielno steigen wir ab, genehmigen uns die polnische Leckerei Piroggen und gehen zu Fuß zum wunderschönen Sandstrand. Die aufziehenden schwarzen Wolken am Horizont verheißen nichts Gutes. Wir kommen aber nur langsam aus dem Ort heraus, da er sich als eine einzige kilometerlange Festmeile präsentiert. Und dann passiert es. Die rabenschwarzen Wolken entladen ihre dicken Regentropfen so plötzlich, dass keine Zeit mehr bleibt, die Regenkleidung überzuziehen.
Der Hafen von Stettin
Der Hafen von Stettin
Einen Unterstand suchen wir ebenfalls vergeblich. Die Straßen verwandeln sich in Bäche und wir können die vorausfahrenden Fahrzeuge vor lauter Gischt nicht mehr ausmachen. Nach einer Stunde haben wir es aber überstanden. Wir kurven über den Asphalt und erreichen leicht unterkühlt Stettin. Nach einer heißen Dusche geht’s in die Altstadt. Wir entscheiden uns für das bestbesuchteste Restaurant am Platz und bestellen diesmal neben altpolnischen Kartoffeln und Salat eine große Fleischplatte, denn schließlich ist das unser letzter gemeinsamer Abend. Thomas fährt noch ganze acht Wochen allein mit seiner Adventure durch Europa! Wir stoßen auf eine erlebnisreiche und unfallfreie Reise an. Polen ist zu groß für nur eine Woche und doch haben wir ein Gefühl für dieses tolle Land bekommen. Danach heißt es für mich, das letzte Mal die Taschen packen. Langsam und mit Wehmut fahre ich aus der Stadt. Das Wetter zeigt sich von der besten Seite und so brummt meine GS gemütlich nach Berlin. Ich fahre noch ein Stück auf der berühmten AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße). So fahre ich die letzten Kilometer dieser Reise bei wolkenlosem Himmel und angenehm morgendlichen Temperaturen in Richtung Heimat. Insgesamt saß ich satte 3.300 Kilometer im Sattel, aber nun kann ich es kaum erwarten, meine lieben Kinder und meine Frau wieder in die Arme zu schließen. Fest steht aber dennoch: Eine Tour in die Region der Masuren lohnt immer, auch wenn man gerade mal kein Motorradschloss dabei hat.

Motorradtour Sagenhafte Masuren – Infos

Motorradtour Sagenhafte Masuren
Polen - die sagenhaften Masuren - abenteuerliche Straßen und einfach wunderschöne Landschaften warten auf dieser Tour! Über interessante und geschichtsträchtige Städte wie Pilsen, wo das frisch Gezapfte natürlich getestet wird, sowie Warschau, Pisc und das sehr lebendige Stettin führt uns diese spannende Reise!

Allgemeine Infos

Motorradfahren in Polen
Polen ist wegen seinen abenteuerlichen, aber nicht gefährlichen Straßen und seiner schönen Landschaft unbedingt eine Motorradreise wert, bevorzugt mit einer Reiseenduro. „Heute gestohlen, Morgen schon in Polen“ gilt definitiv nicht. Gespräche mit weiteren Reisenden unterwegs haben das bestätigt. Und: Bei Stau machen die Autofahrer automatisch eine Gasse für Motorradfahrer! Um den manchmal schnelleren Fahrzeugen auf Hauptstraßen Platz zu machen, wird erwartet, dass man ganz rechts fährt!
Camping
Campingplätze werden auch von der heimischen Bevölkerung eher nicht empfohlen, Wildcampen ist nicht erlaubt. Aber man findet viele gute, kleine Hotels zu günstigen Preisen. Empfehlenswert hierbei sind das Schlosshotel in Ryn oder das Hotel Duet in Wroclaw.
Sehenswert
In Polen findet sich für jeden etwas, sei es die wundervolle Landschaft, Sandstrände, hübsche alte Städte oder Geschichtliches. Besonders gut gefallen hat uns die sehenswerte und erlebnisreiche Stadt Warschau, der Yachthafen von Pisz und natürlich das Wichtigste: Die unzähligen Kurvenräubereien sowie Offroadstrecken, die sich in Polen allerorten und mit Leichtigkeit finden.

Anreise

Für An- und Rückreise sollte mindestens eine Übernachtung eingeplant werden. 3.300 km innerhalb von zehn Tagen sind machbar, wenn man gerne jeden Tag im Sattel sitzt.

Beste Reisezeit

Die beste Reisezeit für einen Masuren-Trip liegt zwischen Mai und September.

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