M&R-PlusÖsterreich vom Allerfeinsten – historische Städte (Teil 1)

17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch Österreich führen. Auf vier Etappen geht es von Steyr bis nach Hallein.
Österreich vom Allerfeinsten – historische Städte (Teil 1) 17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch unser Nachbarland führt.
Österreich vom Allerfeinsten – historische Städte (Teil 1) Grandioser Ausblick über die Dreiflüssestadt Passau
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Ulf Böhringer, adobestock.com – lexpixelart
Exakt 533 Kilometer Luftlinie beträgt die Distanz von Bregenz, der westlichsten Stadt Österreichs, zur östlichsten (Neusiedl im Burgenland), und ziemlich genau halb so weit sind Waidhofen an der Thaya, die nördlichste Stadtgemeinde, und Bad Eisenkappel als südlichste Gemeinde voneinander entfernt, nämlich 270 Kilometer.

Rundfahrt durch Österreich

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 Die Vivien liegt am Ufer des Attersees
Die Vivien liegt am Ufer des Attersees
Wer glaubt, ein Motorradbesuch im östlichen Nachbarland sei aufgrund der geringen Entfernungen eine Kleinigkeit, sieht sich schon bald gründlich getäuscht: Wer von Österreich mehr sehen will, als man von den gut ausgebauten Autobahnen erblickt, kann zwischen Bodensee im Westen und dem Neusiedler See an der Grenze zu Ungarn beinahe unendlich viel Zeit verbringen. 3.500 Kilometer misst eine überaus abwechslungsreiche Rundtour, die alle sieben österreichischen Bundesländer berührt und die man guten Gewissens als Traumstrecke bezeichnen darf: Sie ist in 15 Etappen gegliedert. Vorab ein Überblick über diese speziell für Genussfahrer zusammengestellte Tour. Die einzelnen Tagesabschnitte folgen entsprechend detailliert in Unterkapiteln.
Österreich ist – manche Leser werden es wissen – ein vielfältiges Land: Gebirgszüge wechseln mit Hügellandschaften, weite Ebenen gibt es nur wenige – am ehesten im äußersten Osten, wo die Pannonische Tiefebene beginnt, deren Hauptteil freilich bereits jenseits der Landesgrenze, nämlich in Ungarn, liegt. Auch wenn Österreich weniger Superlative als die Schweiz zu bieten vermag (nur eine statt vier Amtssprachen, kein einziger Viertausender, keine Palmenregion wie das Tessin), so ist das Land weit mehr als nur eine Reise wert: Städte wie Wien, Salzburg oder Innsbruck genießen Weltruf, Tirol wirbt – nicht völlig überzogen – als „Herz der Alpen“, das gleichermaßen seenreiche wie gebirgige Salzkammergut ist ganz zweifellos eine Landschaft „wie aus dem Bilderbuch“. Dazu kommen zahlreiche Schlösser und Burgen, hübsche Dorfbilder – und charmante kleine Städte.

17 hübschen Städte mit schönen Strecken

Linzer Tor in Schärding
Linzer Tor in Schärding
Einige von ihnen haben sich schon vor Jahren zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um im Wettbewerb um Gäste gegenüber den bedeutenden (Groß-)Städten einigermaßen bestehen zu können. Die meisten der kleinen Städte sind in Deutschland weitgehend unbekannt: Beispielhaft genannt seien Gmunden am Traunsee, Freistadt oder Hartberg. Steyr, recht zentral im Bundesland Oberösterreich gelegen und größte der „kleinen Städte“, mag derjenige vielleicht noch kennen, der eine Beziehung zur Automobilindustrie hat: Dort betreibt BMW nicht nur das größte seiner Motorenwerke, sondern zahlreiche andere Firmen von Weltruf wie ZF, Magna oder MAN stellen in der 38.000-Einwohner-Stadt teils ganze Fahrzeuge, teils Fahrzeugteile und -komponenten her. Die besondere Attraktivität der auch als „Austria Classic Tour“ bezeichneten 3.500-Kilometer-Rundfahrt durch Österreich besteht darin, dass die 17 hübschen Städte auf denkbar schönen Strecken miteinander verknüpft werden. Autobahnen und Schnellstraßen sind so gut wie tabu, fast ausschließlich werden Bundes- und Landstraßen unter die Räder genommen. Und natürlich werden zahlreiche der österreichischen Passstraßen nicht ausgespart: Genannt seien beispielhaft der gut 2.000 Meter hohe Staller Sattel in Osttirol, die 1.783 Meter hohe Turracher Höhe und das 1.644 Meter messende Klippitztörl in Kärnten sowie das 1.894 Meter hohe Hahntennjoch in Tirol. Der Fokus liegt aber nicht auf den Pass­routen selbst, sondern auf schönen, angenehm zu fahrenden und dabei landschaftlich abwechslungsreichen Strecken durch die Vielfalt österreichischer Landschaften. Die Kleinen Historischen Städte bilden dabei die jeweiligen Anfangs- und Endpunkte der Tagesabschnitte. Sie weisen alle einen sehenswerten historischen Stadtkern und eine zumeist viele hundert Jahre alte Geschichte auf. Alle lohnen einen ausgiebigen Stadtspaziergang, alle bieten für ihre jeweilige Region typische Gaststätten und Wirtshäuser; oftmals gehören diese sogar zur ausgesprochen urigen Sorte.
Grandioser Ausblick über die Dreiflüssestadt Passau
Grandioser Ausblick über die Dreiflüssestadt Passau
Dort, aber auch entlang der Route, finden sich zahlreiche Einkehrstationen, die echte kulinarische Spezialitäten offerieren, wie Kärntner Nudeln oder burgenländischen Uhudler, einen außergewöhnlichen Wein. Eine Übersicht in Texten und Bildern über die „Austria Classic Tour“ bietet die auch mit detaillierten Karten aufwartende Broschüre „Traumstraßen durch Österreich“ aus dem Verlag Schubert & Franzke. Erhältlich ist das 90-seitige Tourenbuch zum Preis von 10,90 Euro auf der Website der Kleinen Historischen Städte (www.khs.info). An diesem Informationsgerüst haben wir uns orientiert, die nachfolgend vorliegende Tour aber immer wieder abgewandelt, wo wir das für sinnvoll hielten.

Von Klein nach Fein (oder Fein nach Klein?)

Etappe eins über Traumstraßen in Österreich führt von Steyr nach Schärding durch Oberösterreich
Etappe eins über Traumstraßen in Österreich führt von Steyr nach Schärding durch Oberösterreich
Jeder Motorradfahrer weiß, wo – fahrtechnisch gesehen – Österreich die größten Herausforderungen bereithält: entlang des Alpenhauptkamms, nämlich in den Hohen Tauern oder den Zillertaler Alpen. Wir nehmen heute ein ganz anderes, viel milderes, aber keineswegs weniger schönes Stück Österreich unter die Räder: die Hügel und Täler des Mühlviertels sowie die des Innviertels, gelegen im Bundesland Oberösterreich. Natürlich auf ausgesucht schönen, kurvenreichen und zugleich verkehrsarmen Straßen. Ausgangs- und Endpunkt sind zwei hübsche Städte mit großer Historie, beide zugleich klein wie auch fein: Steyr und Schärding. Beide liegen, wie es sich gehört, malerisch an eindrucksvollen Flüssen.

Start im tausend Jahre alten Steyr

Schlossberg-Enge in Steyr
Schlossberg-Enge in Steyr
Steyr, eine halbe Fahrstunde südlich von Oberösterreichs umtriebiger Landeshauptstadt Linz gelegen, gehört zu den 1000-jährigen Städten unseres Nachbarlandes; Keimzelle der Stadt ist der Zusammenfluss von Steyr und Enns. Insbesondere der Stadtplatz mit seinen aus verschiedenen Epochen stammenden Bürgerhäusern beeindruckt; hervorzuheben sind das repräsentative Rathaus, das zu den bedeutendsten Rokoko-Baudenkmälern des gesamten Landes zählt, und das gegenüber vom Rathaus gelegene „Bummerlhaus“. Es entstammt der Gotik und gilt als einer der besterhaltenen Profanbauten dieser Zeit (ca. 1250 bis 1500); das Gebäude ist das Wahrzeichen Steyrs.
Weiter lohnt sich der kurze Spaziergang in nördlicher Richtung durch die Enge Gasse in Richtung zur prominent gelegenen Michaelerkirche; die beiden Brücken über Steyr bzw. Enns eröffnen wunderschöne Ausblicke. Auch von der Terrasse des Hotels Minichmayr, eines der zertifizierten Bikerhotels, hat man einen eindrucksvollen Blick auf Altstadt und Michaelerkirche. So schön Steyr ist – noch schöner sind die folgenden 185 Kilometer Strecke nach Schärding; teils führen sie über Landesstraßen, teils auch über Bundesstraßen. Letztere sind aber, anders als oftmals in Deutschland, in dieser Region über weite Strecken nicht großmächtig ausgebaut, sondern richtig kurvenreich, sodass das österreichische Landstraßen-Tempolimit von 100 km/h auf zahlreichen Streckenabschnitten unerreichbar hoch liegt.
Wunderbarer Blick über Steyrs Altstadt hinüber zur Stadtpfarrkirche hl. Ägydius und Koloman
Wunderbarer Blick über Steyrs Altstadt hinüber zur Stadtpfarrkirche hl. Ägydius und Koloman
Als erster Stopp unterwegs bietet sich das Städtchen Enns an, wohl älteste Stadt des Landes. Lohnend ist vor allem die Besteigung des 60 Meter hohen Stadtturms mit super Blick auf die sehenswerte Altstadt. Nichts für empfindsame Gemüter ist ein Halt mit Museumsbesichtigung im ehemaligen KZ-Lager Mauthausen; mehr als 100.000 Menschen kamen zwischen 1938 und 1945 im größten Konzentrationslager Österreichs ums Leben. Wer bis Freistadt zeitlich abkürzen will, kann die Schnellstraße S 10 nutzen, sollte aber eine Autobahnvignette besitzen; zeitraubender ist der Kurventanz über Güterwege und Landesstraßen nordwärts. Freistadt, nordöstlichster Punkt dieser Etappe und mit einer weitestgehend erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung gesegnet, weist mit der örtlichen Braucommune eine europaweit einmalige Sache auf: In der „Commune“ hatten sich vor Jahrhunderten die brauberechtigten Stadtbürger zusammengeschlossen. Diese Rechtsform ist noch heute gültig, aber überall sonst in Europa nicht mehr zu finden. Das Freistädter Bier ist den Versuch übrigens wert. Freistadt war kein Gründungsmitglied der Kleinen Historischen Städte, sondern schloss sich diesen erst später an.

Der kurvige Höhepunkt des Tages endet am Donau-Ufer

Diesen fantastischen Blick über das Donautal genießt man vom Aussichtspunkt Penzenstein
Diesen fantastischen Blick über das Donautal genießt man vom Aussichtspunkt Penzenstein
Die nächsten 51 Kilometer folgen wir der Bundesstraße 38 durch das Mühlviertel; mindestens 40 davon sind höchst vergnüglich, da abwechslungs- und kurvenreich. Die danach folgenden 12 Kilometer der bestens ausgebauten B 127 wurden scheinbar extra für Goldwing-Fahrer in die Route genommen, dann kommt der kurvige Höhepunkt der heutigen Route: die Abfahrt über Lembach im Mühlkreis hinunter zur Donau. Wer den ultimativen Überblick über die Donaulandschaft sucht, muss sich – nicht in der GPS-Unterlage verzeichnet – vor der Donau-Überquerung in Niederranna donauaufwärts orientieren und nach den Schildern „Aussichtspunkt Penzenstein“ Ausschau halten. 15 Minuten zusätzliche Fahrzeit pro Richtung sind mindestens nötig, aber die Mühe lohnt sich: Wie aus einer Flugzeugkanzel reicht vom Penzenstein der Blick weit übers Donautal und hinunter auf das eindrucksvolle Klosterstift Engelszell.
Blick über die Donau nach Niederranna
Blick über die Donau nach Niederranna
Die heutige Stiftskirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, einen astreinen Rokokobau, erreichen wir nach einigen Kilometern entspannter Uferfahrt entlang der Donau (B 130); ihr Besuch lohnt sehr. In Engelhartszell, also unmittelbar beim Kloster, biegen wir bergwärts ab und folgen höchst vergnüglich der kurvenreichen B 136 durch Wiesen, Wälder und eine Reihe kleiner Ortschaften. Nur 22 Kilometer Luftlinie liegt Schärding, unser heutiges Ziel, von Engelhartszell entfernt, doch die Route durch das hügelige Innviertel summiert sich auf 33 Kilometer. Genüsslich sind sie auch deshalb, weil die Verkehrsdichte, wie schon zuvor im Mühlviertel, bescheiden ist.
Ein kleines Stück von Schärdings „Silberzeile“
Ein kleines Stück von Schärdings „Silberzeile“
Und nun Schärding: Der barocke Stadtplatz, Silberzeile genannt, zwingt Besucher förmlich zu einem Aufenthalt. Die aneinandergereihten barocken Hausfassaden, aber auch das Linzer Tor, das Wassertor drunten am Inn (Markierungen verdeutlichen die unfassbaren Hochwasserpegel!) und die vielen Gassen und Gässchen versprechen einen abwechslungsreichen Spaziergang. Eine Besonderheit können Bierliebhaber seit dem Frühjahr 2016 genießen: Da begann Innschifffahrtskapitän Manfred Schaurecker die Touren mit Europas erstem Brauschiff; an Bord hergestellt wird im „Kanonenbräu“ (theoretische Kapazität 300 Flaschen pro Tag) das „Pulverfassl-Bier“.
Der „Kanonenbräu“ hat ein Brauschiff am Innufer
Der „Kanonenbräu“ hat ein Brauschiff am Innufer
Die kupferne Brauanlage folgt dem Vorbild historischer Brauanlagen in Schärding, das 2016 sein 700-jähriges Bestehen feierte. Wer eher an Natur- als an Biergenuss interessiert und früh genug in Schärding eingetroffen ist, kann täglich ab 16 Uhr an einer kurzen Schiffsfahrt zum Inndurchbruch bei Wernstein teilnehmen; aus der Flussperspektive höchst eindrucksvoll!

Motorradtour Österreich vom Allerfeinsten – Infos

Motorradtour Österreich vom Allerfeinsten
17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch unser Nachbarland führt. Exakt 533 Kilometer Luftlinie beträgt die Distanz von Bregenz, der westlichsten Stadt Österreichs, zur östlichsten (Neusiedl im Burgenland), und ziemlich genau halb so weit sind Waidhofen an der Thaya, die nördlichste Stadtgemeinde, und Bad Eisenkappel als südlichste Gemeinde voneinander entfernt, nämlich 270 Kilometer.

Allgemeine Infos

Österreich ist ein vielfältiges Land: Gebirgszüge wechseln mit Hügellandschaften, weite Ebenen gibt es nur wenige – am ehesten im äußersten Osten, wo die Pannonische Tiefebene beginnt, deren Hauptteil freilich bereits jenseits der Landesgrenze, nämlich in Ungarn, liegt. Auch wenn Österreich weniger Superlative als die Schweiz zu bieten vermag (nur eine statt vier Amtssprachen, kein einziger Viertausender, keine Palmenregion wie das Tessin), so ist das Land weit mehr als nur eine Reise wert: Städte wie Wien, Salzburg oder Innsbruck genießen Weltruf, Tirol wirbt – nicht völlig überzogen – als „Herz der Alpen“, das gleichermaßen seenreiche wie gebirgige Salzkammergut ist ganz zweifellos eine Landschaft „wie aus dem Bilderbuch“. Dazu kommen zahlreiche Schlösser und Burgen, hübsche Dorfbilder – und charmante kleine Städte.
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 1.060 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 841 Meter über NN

Anreise

Startpunkt der ersten Etappe ist Steyr in Oberösterreich. Das lässt sich über die A 3 gut erreichen. Alternativ kann auch Hallein nahe der deutschen Grenze als Startpunkt gewählt werden. Über die A 8 erreicht man die Bezirkshauptstadt des Tennengaus.

Beste Reisezeit

Für diese Tour eignet sich – je nach Großwetterlage – am besten der Zeitraum zwischen Mai und Ende September.

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