Traumstrecke mitten in Deutschland - Nord-Thüringer Bergland

Thüringen beweist mal wieder, was eigentlich alle wissen: Deutschland bietet sensationelle Traumstrecken für Motorradfahrer, und zwar in Hülle und Fülle. Man muss also gar nicht weit reisen, um traumhaften Kurvenspaß zu erleben.
Frank Klose
Frank Klose
Und wenn man dann noch die richtigen Pisten kennt, wo auch Autos eher selten anzutreffen sind, dann kann der große Schräglagenspaß – wie in Nord-Thüringen eben – losgehen! Wer die Wahl hat, hat nun mal die Qual, denn wo soll man diese außergewöhnlich schöne Motorradrunde denn nun starten. Das Roadbook bietet dafür mindestens zwei Möglichkeiten. Einmal kann man in Bad Sooden-Allendorf – eine äußerst schöne Fachwerkstadt übrigens – den Tacho auf null stellen oder man tut das – wie wir – in Herzberg am M&R Hotel Landhaus Schulze, wo man das Tourende mit einem wundervollen Abendessen krönen kann. Natürlich kann man auch anderswo in die Tour einsteigen. Mit Navi ist das bekanntlich kein Problem und wer das Roadbook nutzt, muss halt ein wenig rechnen.

Wie auch immer, los geht’s. Zunächst führt die Strecke auf einer alten, kaum noch genutzten Straße am Südharz entlang nach Scharzfeld. Dort schwenken wir nach rechts und müssen uns auf der Fahrt bis nach Bartolfelde mit dem intensiven Durchgangsverkehr der B 243 herumschlagen. Allerdings gilt diese Aussage dann wirklich nur für ein paar Minuten, denn wir steuern bald das nördliche Eichsfeld an, das einst hinterm „Eisernen Vorhang“ lag. Ein alter Wachturm erinnert noch an die schreckliche Zeit des Kalten Krieges. Heute wird er als Partyraum genutzt. Besser ist das! Passend dazu tanzen wir durch die Kurven nach Bockelnhagen, das ist fast so etwas wie Rock 'n’ Roll. Flott geht es um die Kurven. Das ändert sich auch nicht auf dem Weg von Zwinge über Jützenbach nach Sonnenstein. Auf der Höhe wartet noch eine richtig leckere Kurve und dann gibt es Aussicht satt. Die reicht über die imposante Kalihalde von Holungen bis in den Harz hinein. Einfach traumhaft.
Die Tour führt in die kurvenreiche Einsamkeit
Die Tour führt in die kurvenreiche Einsamkeit
Außerdem muss auch noch angemerkt werden, dass wir in einer Gegend unterwegs sind, wo sich der allgemeine Straßenverkehr extrem in Grenzen hält. Mit anderen Worten: Wir sind hier fast allein unterwegs! Das gilt vor allem auch für das Teilstück über Kaltenohmfeld nach Haynrode. Hier schrumpft das Asphaltband obendrein auf eine Breite, die man im Allgemeinen als einspurig kennt. Dieses Straßenformat bestimmt übrigens einen großen Teil dieser Runde, wie auch beispielsweise zwischen Breitenbach und Hundeshagen. Hinzu kommt eine wundervolle Landschaft mit einer höchst intakten Natur und alles blüht um die Wette. Das Spektrum reicht von gelbem Raps, über erste Mohnblumen, bis hin zu Margeriten. Diese optisch sehr hübsche Pflanze gibt auch den Wiesen im Hainich seinen Reiz. Bei einem Stopp dort meint Rudi: „Wenn das so weitergeht, wird das eine absolute Traumtour!“ Nix, wenn das so weitergeht, es wird noch besser. Die Gegend zwischen Leine- und Werratal bietet nämlich eine Topografie, in die man locker eine Achterbahn ohne zusätzliche Stützen bauen könnte. Ständig zwirbeln sich die Sträßchen durch kernige Kurven und Kehren, die an Regenwürmer im Ködereimer eines Anglers erinnern. Da kommt so richtig Fahrspaß auf!
Die Kurven und Kehren erinnern an Regenwürmer im Ködereimer eines Anglers!
Die Kurven und Kehren erinnern an Regenwürmer im Ködereimer eines Anglers!
In diesem Zusammenhang muss man den Streckenverlauf zwischen Kalteneber und Bad Sooden-Allendorf nennen. Der passiert auch das Örtchen Sickenberg, welches nach Deutschlands Wiedervereinigung durch die Einrichtung des sehenswerten und informativen Grenzmuseums Schifflersgrund eine gewisse Bekanntheit erringen konnte, nachdem es zuvor 40 Jahre lang ein höchst tristes Schattendasein im Grenzsperrgebiet der DDR führen musste. Also verweilen wir ein wenig, be­vor uns ein einspuriger Fahrweg hinunter ins Werratal bringt.
Wir kurven über Sickenberg nach Bad Sooden-Allendorf
Wir kurven über Sickenberg nach Bad Sooden-Allendorf
Man könnte natürlich auch in Bad Sooden-Allendorf eine Pause einlegen und sich die wundervolle Fachwerkstadt an der Werra anschauen. Der Ort besteht mindestens seit dem Ende des achten Jahrhunderts, belegt durch eine Schenkungsurkunde Karls des Großen. Damit übertrug Karl die Salzquellen, Salzpfannen, Salzarbeiter, Markt, Tribut und Zoll der Siedlung Westera dem Kloster Fulda. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus hinterließ einen noch älteren Beleg: Chatten und Hermunduren sollen sich laut seines Berichtes um Salzquellen gestritten haben, die unter dem heutigen Sooden liegen. Weit über 1.000 Jahre, und zwar bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wurde in Siedehäusern aus Sole Salz gewonnen. Die Aufhebung des Salzmonopols infolge des Anschlusses an Preußen im Jahre 1866 führte zu einem Preisverfall, der zur Aufgabe der Salzherstellung führte. Parallel zum Niedergang der Saline entdeckte man die heilende Wirkung der Sole und begann mit dem Bau eines Badehauses. Am 1. Juni 1881 wurde das Haus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Allendorf und Sooden wurden am 1. Juli 1929 zu Bad Sooden-Allendorf zwangsvereinigt. In Sooden wohnten bis dahin die Salinenarbeiter, während Allendorf der Sitz der reichen Eigentümer der Siedepfannen war.
Pause bei Dieterode
Pause bei Dieterode
Wir wandeln aber auch danach auf den Spuren einer bewegten Geschichte, denn das Örtchen Lindewerra ist ebenfalls steinalt und dürfte schon in fränkischer Zeit, also vor dem Jahr 900 entstanden sein. Heute kennt man es wieder als Stockmacherdorf! Wander- und Spazierstöcke aus Lindewerra gingen um die ganze Welt. Mit dem Ende des 2. Weltkriegs war damit Schluss, der bekannte Ort fand sich im östlichen Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze wieder und da ging bekanntlich nicht viel. Die Grenzöffnung im November 1989 darf man so als Erlösung betrachten und schon bald wurde die dringend notwendige Sanierung der Dorfkirche, des Dorfangers und die Restaurierung der schönen Fachwerkhäuser gefördert. Viele waren aber den Grenzanlagen oder der Vernachlässigung zum Opfer gefallen. Eine Bürgerinitiative kämpfte für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Werrabrücke mit Erhalt des historischen Teils. Die restaurierten Brückenköpfe wurden durch ein Stahlsegment verbunden und 1999 konnte anlässlich der 700-Jahr-Feier des Ortes die Werrabrücke wieder für den Verkehr freigegeben werden.
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Genau über diese fahren wir jetzt, und zwar in Richtung Oberrieden. Bald taucht eine stählerne Eisenbrücke auf. Die gehört zur „Whiskey-Wodka-Linie“ der Besatzungszeit nach 1945. Dazu gibt es natürlich auch eine fast skurrile Geschichte: Die Eisenbahnstrecke durch das Werratal verlief in den Nachkriegsmonaten für rund vier Kilometer durch die sowjetische Zone. Alle Züge mussten dort zwecks Kontrolle stoppen. Nur ein Lokführer tat dies genau nicht. Es hatte ihm wohl niemand gesagt, dass ein Teil der Bahnstrecke im Besatzungsgebiet der Sowjetmacht lag. Vielmehr glaubte er an einen Überfall, was bei damaliger Versorgungslage gut denkbar war – ein folgenschwerer Irrtum, der ihn im Maschinengewehrhagel der Rotarmisten das Leben kosten sollte.
Eisenbahnbrücke im Werratal
Eisenbahnbrücke im Werratal
Ein tragischer Zwischenfall, der letztlich zum Wanfrieder Abkommen führte. Um die Bahnstrecke freizubekommen, wurde ein Gebietsaustausch von acht Quadratkilometern Land zwischen den Siegermächten vereinbart. Die thüringischen Dörfer Werleshausen und Neuseesen kamen so zu Hessen (wo sie nach der Wende auch blieben) und die einst hessischen Orte Vatterode, Asbach, Sickenberg und Weidenbach gerieten unter russische Herrschaft. Man kann sich vorstellen, wie entsetzt die Einwohner dieser Dörfer waren. Vor allem auch, weil stets Schokolade und Zigaretten verteilende Amerikaner gingen und von Kämpfern ersetzt wurden, denen man eigene Versorgungsengpässe wohl schon auf den ersten Blick ansah, um es vorsichtig auszudrücken.
Unterwegs auf den Höhen der Werra
Unterwegs auf den Höhen der Werra
Aber fahren wir mal weiter. Für ein paar Schaltvorgänge folgen wir der B 27, bevor die Blinker rechts gesetzt werden und ein Schwenk nach Werleshausen folgt. Das liegt zu Füßen der Burgruine Hanstein. Sie gilt als eine der attraktivsten mittelalterlichen Burgen Deutschlands und hat die langen Jahre der schmerzvollen Teilung, auch wegen engagierter Privatinitiative (!) einheimischer DDR-Bürger gottlob unbeschadet überstanden. Das war allerdings keineswegs so sicher. Die altehrwürdige Burganlage galt bei Grenztruppen und allmächtiger Staatssicherheit wegen ihrer exponierten Lage, hier hatte man Feindblick vom Feinsten, immer als möglicher Orientierungspunkt bei einer eventuellen Flucht und war ihnen deshalb ein Dorn im Auge. Wenigstens hat man das historische Gemäuer nicht kurzerhand dem Erdboden gleichgemacht, ein Schicksal, das einige uralte Dörfer entlang des Eisernen Vorhangs erlebten. Gegenüber der Burgruine Hanstein erleben wir eine sensationelle Aussicht über das Werratal und das Eichsfeld. Das genießen wir noch eine ganze Weile, bis wir weiter kurven. Unser Ziel heißt jetzt Duderstadt, ganz sicher eine der schönsten Fachwerkstädte Deutschlands. Bevor wir aber die mittelalterliche Kulisse auf uns wirken lassen können, wartet noch eine ganze Menge Fahrspaß. Gerade im alten Grenzgebiet warten Pisten, die für Motorradreisende glatt mit der Note 1 bewertet werden müssen.
Besondere Erwähnung soll in diesem Zusammenhang der Abschnitt zwischen Etzenborn und Immingerode finden, wo Serpentinen, starke Kurven und ein schmaler, geteerter Fahrweg begeistern. Außerdem trifft man hier erneut kaum auf Autos und da wagt sich doch glatt ein Maulwurf auf die Straße. Klar, dass Hagen den verirrten Unterweltler retten muss. Er wird vorsichtig ins Grüne transportiert, bevor wir die Maschinen wieder starten, um dann in Duderstadt einzurollen. Hier waren wir schon öfter, um ein leckeres Eis mit Erdbeeren am Rande der Fußgängerzone zu schlemmen. Außerdem lohnt ein Bummel durch die Stadt, denn hier verlaufen die alten Straßen und Gassen noch fast so wie vor rund 700 Jahren und alles wird von mehr als 600 Fachwerkhäusern verschiedener Stilepochen geprägt. Schmuckvolle Fassaden, jede für sich ein kleines Kunstwerk, sind dabei Zeugen einer großen Vergangenheit. Ornamente, Figuren und Inschriften lassen Geschichte hautnah erleben! Das alles sorgt sicher genauso für Begeisterung, wie die Kurvenstrecke, die den weiteren Weg prägt. Der führt dann über die Hohe Warte in Richtung Langenhagen. So kommt man auch am Gehöft der Sielmann-Stiftung vorbei, wo es eine Ausstellung zum Leben von Heinz Sielmann, einen interaktiven Naturlehrpfad mit Bauerngarten, ein Bienenhaus, eine Insekten-Nistwand, ein Reptilien-Freigehege, ein Feuchtbiotop ein Damwildgehege sowie einen Ökobauernhof mit seltenen Haus- und Nutztierrassen zu sehen gibt.
Die Fachwerkfassaden in Duderstadt beeindrucken mächtig!
Die Fachwerkfassaden in Duderstadt beeindrucken mächtig!
Ein paar Kurven weiter könnte man dann den nächsten Stopp einplanen, und zwar am Ortsende von Rhumspringe, wo sich die drittgrößte Quelle Deutschlands findet. Mit einer ziemlich gleichmäßigen Schüttung – Hochwasser kennt man hier nicht – von 2.000 Litern pro Sekunde erblickt der zunächst fünf Meter breite Fluss Rhume hier das Licht der Welt. Die Wassertemperatur beträgt ganzjährig konstant 8 bis 9° Celsius. Daher friert der 500 Quadratmeter große Quellsee im Winter auch nie ein. Gönnen wir uns also noch eine kleine Runde zu Fuß, bevor auf dem Weg nach Pöhlde die letzten Schräglagen des Tages anstehen. Anschließend geht es weiter nach Herzberg zum M&R Hotel Landhaus Schulze. Da Motorradfahren bekanntlich hungrig macht, beruhigen wir dort auf edelste Art und Weise unsere brodelnden Magensäfte. Michael – der auch eine BMW sein Eigen nennt – serviert eine Kreation vom Reh. Echt lecker. Außerdem bleibt noch genug Zeit ihm von unserer Tour zu berichten, die einfach sensationell ist. Hier kombinieren sich erstklassiger Fahrspaß auf meist autofreien Straßen, gepaart mit vielen Spuren der Geschichte sowie herausragenden Sehenswürdigkeiten. Hagen, Rudi und ich können diese Roadbookrunde daher nur jedem ans Herz legen.

Motorradtour Nord-Thüringer Bergland - Traumstrecke mitten in Deutschland – Infos

Allgemeine Infos

Das Nordthüringer Bergland erstreckt sich zwischen Harz, Ohmgebirge, den Leinebergen, dem Hainich und den Höhen rund ums Werratal. Für Motorradfahrer dürfte interessant sein, dass die überwiegend ländliche Region touristisch nicht überlaufen ist und man die Kurven dort ziemlich allein genießen kann.

Sehenswert
Grenzmuseum Schifflersgrund, 37318 Asbach-Sickenberg, – diese sehenswerte Sammlung zur deutschen Teilung liegt an der Tour bei Bad Sooden-Allendorf.
Burg Hanstein über Bornhagen genauer gesagt über dem Werratal erhebt sich die alt gotische Burgruine Hanstein, die als eine der schönsten Mitteldeutschlands gilt.
Die einfach wundervollen Fachwerkstädte Duderstadt im Eichsfeld sowie Bad Sooden-Allendorf an der Werra lohnen immer einen Bummel, auch hinsichtlich des ein- oder anderen Einkehrschwungs. Außerdem sollte man das Natur-Erlebniszentrum der Heinz Sielmann Stiftung, Gut Herbigshagen, D-37115 Duderstadt, besuchen:
www.sielmann-stiftung.de

Routenverlauf
Etappe 1: Herzberg am Harz – Silkerode – Breitenworbis – Sollstedt – Deuna – Leinefelde-Worbis – Schimberg – Bad Sooden-Allendorf
Etappe 2: Bad Sooden-Allendorf – Witzenhausen – Kirchgandern – Gleichen – Duderstadt – Rhumspringe – Herzberg am Harz
  • So lang ist diese Motorradtour: ca. 230 km
  • Der höchste Punkt der Strecke: 504 Meter über NN

Anreise

Herzberg liegt nahe der A7. Von den Abfahrten Northeim/West sowie Seesen ist der Startpunkt gut zu erreichen. Bad Sooden-Allendorf liegt im Werratal und zwar an der B27 zwischen Göttingen und Eschwege.

Beste Reisezeit

Zwischen März und November - je nach aktueller Wetterlage - kann man diese Traumtour unter die Reifen nehmen.

Verpflegung

Diese Tour führt zu 90 % durch Thüringen. Hier versteht man es bekanntlich noch, nach guter alter Art leckere Speisen zu kochen. Welt bekannte Highlights der Thüringer Küche sind dabei unbestritten die Thüringer Klöße und - natürlich - die Rostbratwurst. 

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