Erwischt: KTM 690 SMC & Enduro

KTM spendiert der 690 SMC und der 690 Enduro einen fast komplett neu entwickelten Einzylindermotor.
18.08.2023
| Lesezeit ca. 4 Min.
Bernhard M. Höhne
Bernhard M. Höhne
Jahrelang lagen sie stets unter den meistverkauften Motorrädern im deutschsprachigen Raum: die KTM 690 SMC und ihre Schwester, die 690 Enduro. Charakteristisch für beide Modelle: der mit 75 PS leistungsstärkste Einzylindermotor in Serienproduktion. Doch immer strikter werdende Abgas- und Geräuschvorschriften machen die Weiterentwicklung und Homologation von Triebwerken dieser Leistungskategorie zur Mammutaufgabe, weshalb eine direkte Nachfolgerin der 690 SMC und 690 Enduro lange Zeit in der Schwebe schien.

Runderneuerung in absehbarer Zeit

KTM 690 Enduro
KTM 690 Enduro Erprobungsbike in freier Wildbahn
Immerhin stünden für Kunden stattdessen ja demnächst auch die kleinere 390 SMC sowie eine 390 Enduro mit dem künftigen LC4c-Einzylindermotor beim Händler bereit. Eine weitere Supermoto auf Basis des LC8c-Reihentwins war in Mattighofen bereits vor Jahren angedacht – und wird nun unter dem GasGas-Label verwirklicht. Dennoch wird sowohl die 690 Enduro als auch ihre Supermoto-Schwester 690 SMC in absehbarer Zeit runderneuert – und damit vor allem der LC4 genannte Einzylindermotor. Das legen Fotos von Prototypen nahe, die erste Erprobungsrunden in Oberösterreich drehen. Und diese zeigen vorwiegend eines: Das auch künftig als LC4 firmierende Triebwerk wird nicht nur sanft modifiziert, sondern nahezu alles am Motor und in dessen Umfeld scheint von Grund auf neu entwickelt.

Änderungen an Hubraum und Leistungsdaten sind wahrscheinlich

KTM 690 SMC
KTM 690 SMC – bei diesem Transportsystem handelt es sich nicht um eine Weiterentwicklung. Das Erprobungsbike wurde bei einer Fahrt auf dem Werksgelände erwischt, als man ein offensichtlich dringendes Paket zustellte
So hat schon der Motorblock selbst nur noch wenig mit der aktuell verbauten Ausführung zu tun. Auch lassen sich Neuerungen am Kühlsystem finden, im Bereich der Lichtmaschine scheint es tiefgreifende Änderungen zu geben, Kupplung und Getriebe scheinen weiterentwickelt. Kurzum: Der gesamte Motor scheint tiefgreifend überarbeitet, da wirkt die sanft angepasste Krümmerführung weg vom ebenfalls überarbeiteten Zylinder nur noch folgerichtig. Das Gros an Weiterentwicklungen dürfte primär auf verbesserte Laufruhe und Erfüllung künftiger Geräuschemissionsvorschriften abzielen, eine verbesserte Leistungsausbeute und Anpassungen beim Hubraum sollte man deswegen jedoch auch nicht ausschließen.

Konkurrenz aus Italien und die Preisfrage

Immerhin dürften die Mattighofener Ducati etwas entgegensetzen wollen, die sich anschicken, ab 2024 mit einer neuen Supermoto unterhalb der Hypermotard den Titel des leistungsstärksten Einzylinders nach Borgo Panigale zu holen. Die Ducati wird jedoch preislich vermutlich deutlich oberhalb der aktuellen 690 SMC positioniert, was ein weiteres Problem darlegt: die Produktionskosten. Der LC4-Motor in seiner derzeitigen Konfiguration gilt beispielsweise als teurer in der Herstellung als der deutlich leistungsstärkere LC8c-Reihentwin, wie er in der 890 Duke, Husqvarna Norden 901 und diversen weiteren Modellen zum Einsatz kommt, die zum Teil deutlich teurer verkauft werden können. Es läge somit nahe, auch Produktionsabläufe des künftigen Einzylinders anzupassen, wenn man die 690er-Modelle künftig nicht teurer anbieten will.

Nur wenige Änderungen an Fahrwerk und Chassis

Auch eine Herstellung bei Kooperationspartner CFMoto in China, wie sie sich bereits bei der 790 Duke bewährt hat, ist dabei nicht auszuschließen, jedoch noch spekulativ. Sicher jedoch, weil auf den beiden von uns abgelichteten Prototypen von SMC und Enduro klar zu erkennen, ist, dass Fahrwerk und Chassis sich stark an das aktuelle Modell anlehnen, teilweise offenbar sogar 1:1 übernommen werden: So zählen Schwinge, Gabel, Rad-Reifen-Kombinationen und Bremsen offenbar zu den Teilen, die künftig aus dem aktuellen Modell übernommen werden. Jedoch wird an den Prototypen noch an Lenkkopfwinkel, Nachlauf und auch Radstand experimentiert. Der Rahmen wird ebenso nicht gänzlich neu entwickelt, aber angepasst, um dem neuen Motor und dessen Anforderungen Rechnung zu tragen. So sind unter anderem die Motoraufnahmepunkte anders gestaltet.

TFT- und LED-Technik

Verpackt wird all das mit einer offenbar nur mild weiterentwickelten Formensprache, zumindest legen die erwischten Prototypen diesen Schluss nahe. Zwar sind längst nicht alle Teile an den Versuchsbikes auf Serienstand, doch Verkleidung und Lampenmaske beispielsweise sind bereits sehr detailliert ausgearbeitet. Dennoch dürfte es noch Anpassungen geben: So wird beispielsweise die Frontlampe künftig endlich als Voll-LED-Einheit ausgeführt sein als letzte KTM. Auch die Instrumente sind zwar auf den gezeigten Prototypen noch immer in LCD-Technik ausgeführt, das dürfte sich aber bis zum Serienstart noch ändern.
infotainment

Serienstart

Wann ebendieser Serienstart stattfinden wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch Spekulation. Der Entwicklungsstand der Erprobungsbikes lässt aber den Schluss zu, dass der Weg hin zur Serienreife noch lang sein dürfte. Vor 2025 ist mit einer Präsentation nicht zu rechnen. Und ob es, nach dem Vorbild der aktuellen Generation, auch wieder Husqvarna- und GasGas-Schwestermodelle geben wird, ist derzeit ebenso wenig sicher, jedoch wahrscheinlich.
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