Fahrtest: Yamaha MT-07

Radikaleres Design, optimierte Sitzposition mit neuer Sitzbank sowie sportlich-straffere Federelemente sind die markantesten Änderungen an Yamahas Bestseller MT-07.
Über 120.000 MT-07 hat Yamaha in den vergangenen vier Jahren weltweit verkauft. Damit ist das knackig gestylte Nakedbike aktuell das mit Abstand begehrteste Motorrad der Marke. Ganz besonderer Beliebtheit erfreut sich der Bestseller in Europa, wo sich jährlich über 17.000 Kundinnen und Kunden für eine neue MT-07 entscheiden.


Mit insgesamt sieben Modellen von 125 bis 1.000 ccm respektive von 15 bis 160 PS bietet Yamaha im sogenannten Hyper-Naked-Segment sowohl für jugendliche Einsteiger als auch für routinierte Sportfahrer das passende Motorrad. Doch keines dieser Schwestermodelle ist auch nur annähernd so beliebt wie die MT-07, welche im familieninternen Wettstreit 51 Prozent für sich verbuchen kann. Und dass sich derzeit jeder fünfte Yamaha-Kunde für eine neue MT-07 entscheidet, untermauert die Qualitäten dieses in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Bikes.
Yamaha MT-07 Front
Die seitlichen Lufteinlässe und die markante Front

Yamaha MT-07 – geliebt und geschätzt

Charakter- und drehmomentstarker Reihen-Zweizylindermotor, kompaktes Fahrwerk, geringes Gewicht, agiles Handling, attraktiver Preis – die Yamaha MT-07 ist eines der wenigen Motorräder, die ein äußerst breites Publikum ansprechen. Männliche wie weibliche Fahrer aller Altersgruppen und mit unterschiedlich ausgeprägten Fahrkenntnissen haben den vielseitigen Charakter und die zahlreichen Vorteile dieses attraktiven Allrounders lieben und schätzen gelernt. Dazu kommt, dass sich die MT-07 aufgrund dieser Vorteile in der ebenfalls verfügbaren 35-kW-Version für Motorrad-Einsteiger besonders gut eignet.
Yamaha MT-07 Federbein
Das hintere Zentralfederbein der neuen Yamaha

Neues Design mit Bedacht gewählt

Trotz konstant hoher Beliebtheit und entsprechenden Verkaufszahlen hat Yamaha das Erfolgsmodell nun erstmals überarbeitet – allerdings sehr zurückhaltend und mit Bedacht. Das neue Karosseriedesign übernimmt zwar gewisse Elemente der Schwestermodelle, wobei der grundlegende Charakter erhalten bleibt. Ein neuer Tank mit markanter gestalteten seitlichen Lufteinlässen sowie ein ebenfalls neuer, kantiger gezeichneter Scheinwerfer verleihen der MT-07 ein noch markanteres Gesicht. Die neue Sitzbank ist im vorderen Bereich breiter geschnitten und bis zu den Flanken des Tanks gezogen, was ein noch stimmigeres Profil bewirkt.
Yamaha MT-07 Auspuff
Das kurze Endrohr unter der rechten Fußraste

MT — Master of Torque

Antriebsseitig hat Yamaha weitgehend alles belassen und das ist gut so. MT steht bekanntlich für „Master of Torque”, was die Ausrichtung klar und selbstredend beschreibt. Im Fokus liegt also weiterhin weniger eine hohe Spitzenleistung, sondern vielmehr eine bullige Charakteristik mit möglichst vielen Newtonmetern Drehmoment. Stattliche 68 Nm drückt der Reihen-Zweizylinder aus 689 ccm Hubraum auf die Kurbelwelle, und das bereits bei 6.500 U/min. Die maximale Leistung von 75 PS erreicht das kompakte und auf konsequenten Leichtbau getrimmte Aggregat bei 9.000 U/min.
Yamaha MT-07 Heck
Auch das Heck weist eine markante Linienführung auf

Qualität zahlt sich aus

Auch fahrwerkseitig bleibt vieles, wie es war. Der Rahmen ist eine einfache, stabile Brückenkonstruktion aus Stahlrohren. Wirklich toll gemacht ist die aus Press-Stahlblechen zusammengeschweißte Radaufhängung hinten, die einer Alu-Guss-Schwinge zum Verwechseln ähnlich sieht. Für die neue MT-07 hat Yamaha die Teleskopgabel eine Spur sportlicher abgestimmt und dem hinteren Zentralfederbein eine einstellbare Zug- stufendämpfung spendiert. Die wenigen Verschalungsteile an Heck, Tank und Kühler sind knapp geschnitten und aus leichtem Kunststoff gefertigt.

Von der knappen tiefen Lampenmaske über den langen Tank bis hin zum schlanken und spitz zulaufenden Heck: Die Linienführung passt. Weitere Eyecatcher sind die in Kontrastfarbe lackierten Gussräder mit je zehn filigranen Speichen sowie die Auspuffanlage mit elegant gewundenen Krümmern und einem kurzen Endrohr unter der rechten Fußraste. Passend zum reduzierten Gesamtdesign ist auch das Minicockpit gestaltet. Auf dem kleinen LCD-Display werden die wichtigsten Anzeigen aufgezeigt, durch die tiefe Positionierung jedoch leider nicht optimal im Sichtfeld des Fahrers.
Yamaha MT-07 Static
Eyecatcher – Die in Kontrastfarben lackierten Gussräder

Komfortable Anordnung in jeder Hinsicht

Aufgesessen – durch das im vorderen Bereich nun breiter geschnittene Polster ergibt sich eine komfortablere Sitzposition.
Aufgrund der niedrigen Sitzhöhe von lediglich 805 Millimetern erreichen selbst kleinere Fahrer und auch Fahrerinnen im Stand mit beiden Füßen gut und sicher den Boden. Piloten mit Gardemaß werden dagegen einen relativ engen Kniewinkel bemängeln. Die aufrechte, leicht nach vorn geneigte Sitzposition ist entspannt und bequem. Die Schalter an den Lenker- enden sind gut erreichbar, wobei die Anordnung von Blinker (unten) und Hupe (oben) nicht dem üblichen Standard entspricht. Ebenfalls ungewöhnlich, aber keineswegs ein Nachteil, ist der kombinierte Schalter, um den Motor zu starten und auszuschalten.
Yamaha MT-07 Fahrbild
Agiles Handling und präzises Lenkverhalten – Die MT-07 begeistert

Satter Punch aus dem Drehzahlkeller

Wird also Letzterer kurz nach unten geschoben, erweckt der Twin zum Leben. Der Hubzapfenversatz der Kurbelwelle um 270 Grad bewirkt einen unaufdringlichen, sonoren Brabbel-Sound, ähnlich dem eines 90-Grad-V2. Die unregelmäßige Zündfolge begünstigt jedoch vor allem die druckvolle Kraftentfaltung und die ist, unter Berücksichtigung des Hubraumvolumens, wirklich beeindruckend. Das breit nutzbare Drehzahlband begeistert mit sattem Punch aus dem Drehzahlkeller. Über 7.000 U/min lässt der Druck spürbar nach. Unter Berücksichtigung des Konstruktionsprinzips läuft das MT-07-Aggregat kultiviert und relativ vibrationsarm. Das Sechsganggetriebe lässt sich sauber und geräuscharm schalten.

Souverän, tückenlos und sicher

Gleichermaßen souverän, tückenlos und sicher wie der Motor, funktioniert auch das aufgewertete Fahrwerk. Geringes Gewicht und relaxte Sitzposition sind weitere positive Voraussetzungen für entspanntes und genussvolles Fahren. Ob in der Stadt oder über Land, mit Tempo 50 oder 150 – die MT-07 begeistert in unterschiedlichsten Revieren und Geschwindigkeiten mit agilem Handling, präzisem Lenkverhalten, Stabilität und einfacher Bedienbarkeit. Die mit ABS bestückten Bremsen (vorne Doppelscheibe, hinten Singlescheibe) funktionieren ordentlich, wobei für effiziente Stopps doch kräftig am löblicherweise einstellbaren Handbremshebel gezogen werden muss. Die diversen Optimierungen werten die MT-07 weiter auf. Ihre bisherigen Tugenden hat sie beibehalten, was ihre Beliebtheit weiter stärken dürfte.
Technische Daten
Yamaha MT-07 2018-2020
Technische Daten
Yamaha MT-07
2018-2020
Motor
Bohrung x Hub 80 x 68,6 mm
Hubraum 689 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 4
Leistung 75 PS (55 kW) bei 9000 U/min
Drehmoment 68 Nm bei 6500 U/min
Verdichtung 11,5:1
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion bei 1000 km, danach alle 10000 km oder jährlich
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheiben-Ölbad
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Brückenrohrrahmen
Federelemente vorn Teleskopgabel
Federelemente hinten Schwinge, Federbein
Federweg v/h 130 mm/130 mm
Radstand 1400 mm
Nachlauf 90 mm
Lenkkopfwinkel 24°
Räder Aluminiumgussräder
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Bremse vorn 282 mm Doppelscheibenbremse, Vierkolben-Festsattel
Bremse hinten 245 mm Einscheibenbremse, Doppelkolben-Faustsattel
Maße & Gewicht
Länge 2085 mm
Breite 745 mm
Höhe 1090 mm
Gewicht 182 kg
Maximale Zuladung 173 kg
Sitzhöhe 805 mm
Tankinhalt 14 Liter
Weitere Baujahre 2014,
2021-2022
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Fahrzeugpreis ab 6795 €
Text: Hanspeter Küffer, Fotos: Alessio Barbanti, Jonathan Godin


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Motorräder: Yamaha Tracer 900GT, Honda CB1000R, Moto Guzzi V7 III Carbon, Yamaha MT-07, Husqvarna Vitpilen 701, Honda CRF1000L Africa Twin, Ducati Scrambler 1100, Vergleich: Triumph Tiger 800 XC vs. BMW F 850 GS

Reisen: Schlösserrunde: Salzburger Land, Luxemburg, Spreewald, Abruzzen/Italien, Reisetagebuch: Jakobsweg

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