Mit Bären, Goldgräbern, Walen und Gletschern startete unsere Reise nach Feuerland im hohen Norden Alaskas. Was in der letzten Ausgabe mit unglaublichen Eindrücken begann, geht jetzt auf den endlosen Schotterpisten gen Süden weiter. Die sind nicht ohne, gleichzeitig erleben wir hier auch die bisher größten Highlights an Offroadfahrspaß und Naturschauspiel. Wir kommen zurück von einem kleinen Spaziergang, maximal zwei Stunden waren wir weg. Mein Motorrad Tiffy springt nicht an. Ist das der erste Liegenbleiber nach fast zwei Monaten Reise? Uns ist schnell klar, dass die Batterie leer ist. Das ist erst mal kein größeres Problem, denn für solche Fälle haben wir Klemmen an beiden Motorrädern verbaut und können sie ganz einfach fremdstarten. Ein paar Stunden später finden wir auch endlich heraus, warum die Batterie leer war: Der Stator, ein Teil der Lichtmaschine, ist defekt und dadurch ist der Ladestrom viel zu gering, um alle Verbraucher zu versorgen und die Batterie zu laden. Also suchen wir uns den nächsten Husqvarna-Händler auf unserer Route und machen schon mal einen Termin aus. Ein paar Wochen werden wir mit dem kaputten Stator weiterfahren, mit abgeklemmtem Frontlicht geht das auch ganz gut, ein bisschen Strom liefert er ja noch.
Die Big Four Ice Caves
Unser erstes Ziel in den USA, abgesehen von Alaska, sind Eishöhlen, die Big Four Ice Caves in Washington State. Ein cooles Ziel, wie das Licht durch die Eisdecke schimmert, sieht wunderschön aus und die Wanderung dorthin war auch ein netter Waldspaziergang. Vier Höhlen sind es zwar nicht mehr, denn eine ist wohl eingestürzt. Doch die drei verbleibenden, zwei große und eine kleine, sind den Stopp absolut wert. Schöne Motorradstrecken gibt es hier in Washington State auch, wir fahren eine BDR-Strecke (Backcountry Discovery Routes), quasi das Pendant zu den europäischen ACT- (Adventure Country Tracks) oder TET-Strecken (Trans Euro Trail), also schöne einsame Offroadstrecken, genau wie wir sie uns wünschen.
Weiterfahrt nach Idaho
Die Pisten gefallen uns so gut, dass wir in Idaho direkt weiter auf BDR-Strecken fahren. Leider heißt es dann aber raus aus der Einsamkeit und ab nach Missoula zum Harley- und Husqvarna-Händler. Der Mechaniker misst dann auch noch mal mehrere Stunden das ganze Motorrad durch, bis er uns endlich bestätigt, was wir schon lange wussten: Ein neuer Stator muss her. Das Ganze soll eine Woche dauern. Kein Problem für uns, denn auch in Montana gibt es BDR-Routen. Wir suchen uns eine schöne Runde aus und erkunden die Rocky Mountains.
Ein Unfall und seine Folgen
Von einer Sekunde auf die andere finde ich mich plötzlich ein gutes Stück unterhalb eines Hangs, den unsere Erdstraße einschneidet. Das Atmen fällt mir schwer und ich habe keine Ahnung, wie ich dorthin gekommen bin, doch nach einigem Rufen findet mich Tim. Glücklicherweise sieht er mich. Tiffy, meine Husqvarna, liegt um 180 Grad gedreht auch im Hang und ich bin nach einem Überschlag noch zwei Meter weiter unten gelandet. Eine Stunde später müssen wir aufgeben. Uns ist klar, wir schaffen es nicht zu zweit, Tiffy wieder auf den Weg zu ziehen. Das Gepäck ist schon runter, wir haben versucht, sie mit dem anderen Motorrad rauszuziehen, zu schieben, einfach alles, aber in dem weichen Boden rutscht sie nur immer weiter ab. Der Plan ist also: Ich warte mit Tiffy – und Tim fährt ein Stück weiter und versucht, Hilfe zu holen. Bis Tim dann mit zwei Holzfällern in zwei Autos zurückkommt, wurde Tiffy schon von einer netten Familie im Pick-up gerettet und es kann direkt weitergehen. Es wird langsam spät und die nächste Campingmöglichkeit ist noch ein paar Kilometer entfernt. Ich habe starke Schmerzen während der Fahrt, das Gehoppel auf der Schotterstraße hilft natürlich auch nicht. Auch später im Zelt löst jede Bewegung des Oberkörpers einen stechenden Schmerz aus, Husten, tief atmen, lachen, liegen, die meisten alltäglichen Bewegungen sind nicht mehr schmerzfrei möglich. Die Selbstdiagnose ist schnell gestellt: Eine gebrochene Rippe oder zumindest angeknackst, dem Motorrad geht es gut. Wir sind schon oft gestürzt, offroad passiert das schnell, meistens aber bei niedriger Geschwindigkeit und ohne Schäden.
Erholung am Campspot
Wir bleiben noch einen Tag länger am Campspot, damit ich mich etwas erholen kann, es ist ohnehin Wochenende und wir haben Zeit. In den USA gibt es sehr viele kostenlose Campingplätze, meistens mit Feuerstellen, manchmal mit Toilette und in diesem Fall sogar mit einem wunderschönen See mitten im Wald.
Zurück nach Missoula
Am Montag geht´s dann wieder zurück nach Missoula, um den neuen Stator einbauen zu lassen. Mit neuer Energie fürs Motorrad und halber Energie mit meiner Rippe fahren wir nach den vielen schönen Offroad-Strecken und auch ein bisschen als Rippen-Schonprogramm ein Stück nach Norden zu einer der angeblich schönsten Straßen in den USA, der Going to the Sun Road im Glacier-Nationalpark. Wir müssen nach 16 Uhr reinfahren, vorher benötigt man in der Hauptsaison Tickets, und es ist fast unmöglich, kurzfristig welche zu bekommen. Es gibt morgens um acht Uhr eine Lotterie für den nächsten Tag, daran haben wir auch teilgenommen, aber nicht einmal ein einziges Ticket konnten wir ergattern. Also stehen wir pünktlich nachmittags um Vier Uhr vor der Schranke und los geht’s in den Stau. Leider sind nicht nur wir Verlierer der Lotterie, wir rollen die gesamte Strecke im Stau hinter unzähligen Autos her, das nimmt uns leider die ganze Schönheit der Strecke durch die Natur. Somit war es den Umweg nicht wert.
Yellowstone-Nationalpark
Wir versuchen unser Glück im nächsten Nationalpark – dem Yellowstone. Und dieses Mal sind wir auf die Menschenmassen vorbereitet und haben uns für zwei Nächte einen Campspot reserviert. Allerdings muss man sagen, dass sich das mit dem Gedrängel rund um den berühmten Geysir Old Faithful konzentriert. Im Rest des Parks ist man zwar meistens auch nicht alleine, aber man kann die Natur schon in Ruhe genießen.
Die Geysire im Yellowstone
Wir sehen so was zum ersten Mal, diese intensiven Farben der Pools und die Energie, die man beim Ausbrechen der Geysire spürt, sind wirklich beeindruckend. Wir laufen durch das obere Geysir-Becken und sehen ständig irgendwo eine Wasserfontäne von einem der über 500 Geysire im Yellowstone-Nationalpark.
Entlegene Ecken des Parks
Auch die entlegeneren Ecken des Parks sind sehenswert. Wir schauen uns noch die Mineral-Terrassen, einige abgelegene Thermalbecken und natürlich auch ein großes Tal mit Bisons an. Nach zwei schönen Tagen Standardtourismus geht es dann durch den Grand Canyon of the Yellowstone weiter nach Süden in Richtung unseres nächsten Offroadabenteuers.
Find's immer wieder beeindruckend, wie viel Abenteuer man auf zwei Rädern erleben kann. Pech mit der Technik gehört wohl dazu, aber das macht die Geschichten nur interessanter. Erholung ist wichtig, besonders nach so einem Sturz. Weiterhin eine gute Reise. Ich freue mich auf die nächsten Stories.
Als leidenschaftlicher Rollerfahrer, der auch mal von Langstreckenfahrten träumt, finde ich den Mut und die Abenteuerlust von Tim und Jessy beeindruckend. Die Entscheidung, alles hinter sich zu lassen und auf so eine epische Reise zu gehen, ist wirklich inspirierend. Es zeigt, dass das Motorradfahren mehr als nur ein Hobby ist; es ist eine Lebenseinstellung, die Freiheit und Selbstentdeckung ermöglicht. Die Vorstellung, fast den ganzen amerikanischen Kontinent zu durchqueren, weckt in mir den Wunsch, auch irgendwann meine eigenen Grenzen zu überschreiten. Besonders das Erlebnis mit dem Grizzly bei Alaska, zeigt, wie unmittelbar und intensiv die Begegnungen in der Wildnis sein können. Diese Story macht mir Mut, vielleicht doch mal eine längere Tour zu planen.
Die pure Freude und Abenteuerlust, die aus jeder Zeile springt, fängt so authentisch das ein, was das Motorradfahren ausmacht – Freiheit und das Unbekannte. Einfach herrlich, diese Hingabe!
crazy was die beiden erlebt haben, aber mit sandalen am gletscher is ja fast schon fahrlässig ;) ich wünsche euch eine gute weiterfahrt und und mir mehr tolle eindrücke von eurem abentuer