An der Küste der Schönen und Reichen - Côte d’Azur

Einmal fühlen wie der Jetset, die Sonne der französischen Riviera genießen. Orte besuchen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, wie Cannes, Nizza, Monaco oder St. Tropez.
Der erste Motorradurlaub zu zweit, das muss einfach etwas Besonderes werden. Daran wird man sich garantiert sein ganz Leben lang erinnern. Nach kalten wie finsteren Winterwochen zuckt auch die Gashand wieder mächtig. Die Reiseroute findet sich fix, wir wollen den Spuren der Schönen und Reichen folgen und genau jene Orte besuchen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt: Nizza, Cannes, St. Tropez und Monaco. Kurz gesagt, wir wollen an der ganzen französischen Riviera einschließlich der Côte d’Azur entlang touren und uns ein Bild über den von Klaus und Erika Mann 1932 verbreiteten Mythos machen. Die beiden schrieben in ihren Reiseaufzeichnungen: „Die französische Riviera, das ist die Legende von Luxus, Glanz, rollender Kugel, Hermelinpelz und Champagnerseligkeit“. Aber abgesehen davon suchen wir die schönsten Kurvenstrecken der Region. Besonders viel Mühe muss man sich dafür nicht geben, denn die Küste hält einmalige Strecken eingebettet in eine atemberaubende und vielseitige Landschaft bereit, die das Motorradfahrerherz einfach höher schlagen lässt.

Die Tour beginnt aber im beschaulichen Lerbachtal im Harz. Für eine Motorrad-Anreise taugen weder die winterlichen Temperaturen in den Alpen, noch reicht die Zeit, also nutzen wir den Autozug, der über Nacht fährt. Außerdem reisen wir stressfrei, ohne die Reifen eckig zu fahren. Unser neuer schneeweißer Crossrunner mit Koffersystem und Topcase nimmt also auf dem Transportanhänger Platz, während wir uns im Restaurant einen Absacker gönnen und anschließend im Schlaf gen Süden rollen. Nach einer recht netten Nacht kann die Tour endlich richtig starten. Schnell wird der Crossrunner bei schönstem Sonnenschein und unglaublichen 33° Celsius abgeladen. Noch den anderen MotorradfahAn der Küste der Schönen und Reichen - Côte d’Azurrern aus dem Zug eine gute Fahrt wünschen, und dann rollen endlich unsere zwei Räder. Bevor wir uns aber der französischen Riviera widmen, wollen wir erst einmal richtig Kurven naschen und den ganzen Winterfrust abschütteln. Am besten eignen sich dafür die Cevennen. Das Mittelgebirge gehört als südlicher Ausläufer zum französischen Zentralmassiv und zählt zum Teil seit 2011 zum Unesco Welterbe der Menschheit. Ausschlaggebend für diesen Titel kann die hier nach wie vor praktizierte Wanderschäferei angesehen werden. Die besondere Form wurde vor Urzeiten eingeführt und prägt das Landschaftsbild nachhaltig. Man darf sich daher nicht wundern, wenn man sich nach einer Kurve inmitten einer großen Schafherde wiederfindet. Narbonne verlassen wir also zunächst in nordöstlicher Richtung. Auf noch ziemlich geraden Straßen wird nach kurzer Fahrzeit Coursan erreicht.
Am Fluss l´Aude
Am Fluss l´Aude
Den Asphalt lassen wir hier für einen Abstecher an den Fluss L´Aude hinter uns. Im Schatten der hohen Bäume genießen wir zur Mittagszeit frisches Baguette mit französischem Käse, man muss sich ja anpassen. Nur den Rotwein, den heben wir uns dann doch für später auf. Anschließend folgt die Route weiter dem Verlauf des Flusses. Erst etwas oberhalb von Grimal verlassen wir den L´Aude, biegen nach links ab, durchqueren Nissan-Lez-Enserune und Colombiers, um wenig später Beziers zu passieren. Ohne das Mittelmeer am ersten Tag zu sehen, wollen wir den Tag nicht beenden, deswegen wird ein südöstlicher Kurs eingeschlagen. Nur wenig Grün findet sich neben der Straße, aber das soll sich ja zum Glück ganz schnell ändern. „Im Kreisverkehr zwischen Villeneuve-Lés-Bezieres und Cers die dritte Ausfahrt nehmen“, so verrät es uns zumindest „Steffi“, die freundliche Stimme aus dem Navi. Auffallend leise rollt die Honda nach Marseillan-Plage, das wir rechts liegen lassen, um auf der D 612 direkt am Strand des Mittelmeers entlang zu fahren. Links der Straße findet man die 18 Kilometer lange Lagune Bassin de Thau, welche neben der Austernzucht auch als Anflugschneise von Flamingos genutzt wird. In Deutschland kennt man diese schönen Vögel, welche oft nur auf einem Bein stehen, lediglich aus dem Zoo. Hier fliegen sie in freier Wildbahn! Schade, dass wir weiter müssen, so legen wir einen Gang zu und fahren flott Richtung Montpellier. Die Kurven kann man im Moment als weitläufig bezeichnen, lediglich die unzähligen Kreisverkehre sorgen für so etwas wie Schräglagen. Wir verlassen das Mittelmeer für die nächsten Tage und passieren Saint-Bauzille-de-Montmel und nur wenige Minuten später folgt der Genuss der ersten echten Schräglagen und zwar auf kleinsten Straßen. In Quissac blinkt der Crossrunner rechts, um danach den Kurs Richtung Alés einzuschlagen. Ab sofort tourt man nun auf kleinsten Sträßchen mitten in die Cevennen hinein. Immer weiter schrauben wir uns auf kurvenreichen Strecken in die Höhe. So macht Motorrad fahren Spaß, das findet auch Luisa. Kurz hinter L´Affenadou passiert man zwei tolle Kehren, bevor ein Zwischenstopp am Château de Portes fällig wird. Die alte Ruine befindet sich nur wenige 100 Meter von der Straße entfernt und kann locker zu Fuß - auch in Motorradbekleidung - erreicht werden. Anschließend weist weiter die D 906 den Weg nach Norden. Tiefe Wälder säumen die Straße, die sich durch die Hügel der Cevennen windet. Langsam meldet sich aber nicht nur unser Magen, sondern auch der Benzintank des Crossrunners.
Einfach schön: Das Viadukt bei Chamborigaud
Einfach schön: Das Viadukt bei Chamborigaud
Zum Glück werden wir in Chamborigaud fündig, „Steffi“ lässt uns nicht im Stich. Da wir und das Motorrad Kraftstoff brauchen, wird auch gleich ein Nachtlager gesucht. Im Restaurant serviert man uns erst Jakobsmuscheln - „muss man einfach einmal probieren“ und dann saftiges Stierfleisch aus der Camargue - lecker! Dazu ein Glas Rotwein, und dann darf der nächste Tag kommen. Gut erholt schwingen wir uns wieder aufs „Eiserne Ross“ und los geht’s. Bald taucht auf der linken Seite eine gut erhaltene Burg auf. Allerdings nur für einen Augenblick, denn es gilt gleich wieder eine Rechtskurve zu vernaschen. Wenig später stoppe ich das Motorrad doch, denn hier überspannt als Wahrzeichen von Chamborigaud ein imposantes Viadukt aus Naturstein das Tal. Gebaut wurde diese Brücke einst für die Cevennen-Bahnlinie. Generell findet man in der kargen Landschaft der Cevennen immer wieder altertümliche Dörfer, Bauwerke und Brücken. Da aber Pause machen eher nicht zu unserem Repertoire gehört, wird der Motor wieder gestartet. Das lohnt, weil es hier viele Kurven, ganz wenig Autos und einen akkuraten Straßenzustand gibt. Also düsen wir auf der D 29 bis Peyremale. Eine Schräglage jagt dabei die nächste und das flotte Asphaltband wird von weiten Feldern samt blühenden Mandelbäumen gesäumt. Später geht es an Avignon vorbei nach Arles. Diese Stadt hörte im Altertum auf den Namen Arelate und wurde 395 zur Gallischen Hauptstadt erklärt. Bis heute lassen sich im Zentrum viele antike Bauwerke bestaunen. Dazu gehört ein Amphitheater, was dem Colosseum in Rom fast gleicht wie ein Ei dem anderen. Zwischen 80 – 90 nach Christus erbaut, finden darin etwa 25.000 Menschen Platz.

Im Mittelalter wurde die Anlage zu einer Festung ausgebaut, von der noch drei Vierecktürme und die Arkadenvermauerung zeugen. Heute dient die Anlage als Arena für Stierkämpfe. Nur wenige Meter entfernt lässt sich ein antikes Theater besuchen. Ein römisches Forum liegt obendrein direkt neben der äußerst sehenswerten Kathedrale Saint-Trophime. Aber genug gesehen, das Motorrad wartet! Etwas westlich der Stadt erstreckt sich zudem das Land der schwarzen Stiere und weißen Pferde, wie die Camargue im Volksmund genannt wird. In diesem einmaligen Naturschutzgebiet lässt sich aber noch viel mehr entdecken, denn die Seen dort ziehen Flamingos wie Magneten an. Leider senkt die Sonne ihr Haupt bereits gen Horizont, das Aufbruchsignal Richtung Hotel. Dort muss ich am nächsten Morgen erstmal die Motorrad-Koffer packen, die scheinbar immer kleiner werden. Egal, heute steht Marseille an und das macht mich nervös. Aber Luisa verweist auf „Steffi“, die uns sicher den Weg weisen wird. Vom Hotel geht’s also Richtung Aurons. Vorbei an grünen Wiesen mit blühenden Sträuchern führt uns das Teerband nach Pélissane. Kurze Zeit später warten Kurven vom Feinsten und der Ausblick gestaltet sich gigantisch. Dann folgt ein kleiner Stopp und zwar am monumentalen Aquädukt von Roquefavour. Die dreistöckige Steinbogenbrücke wurde von 1841 bis 1847 erbaut, um Trinkwasser des Flusses Durance sicher nach Marseille zu leiten. Wir „fließen“ mit dem dichter werdenden Verkehr in die Hafenstadt. Dann geht es geradeaus zum Meer, wo wir einfach der Küste gen Osten folgen wollen, so lautet der Plan. Doch es kommt anders, Luisa wünscht sich eine Stadtrundfahrt und nicht nur die Honda zuckt ein wenig. Egal, um uns einen besseren Überblick über die Stadt zu verschaffen, geht es hinauf zum Wahrzeichen von Marseille: Die Wallfahrtskirche Notre Dame de la Garde.
Am Aquädukt von Roquefavour vorbei rollen wir nach Marseille
Am Aquädukt von Roquefavour vorbei rollen wir nach Marseille
Oben angekommen belohnt ein 360 ° Panoramablick für die steilen Strecken und das unüberschaubare Netz von Einbahnstraßen, die ich noch einmal bewältigen muss, um aus der Stadt wieder heraus zu kommen. Immerhin dürfte das leichter fallen, als die von Alexandre Dumas geschilderte Flucht des Grafen von Monte Christo von der einstigen Gefängnis-Insel Château d´If, die von hier oben bestens ins Auge fällt. Also, auf ins Gewühl, aber „Steffi“ führt uns sicher aus der Stadt. An der Küste entlang geht es anschließend zum Calanques de Marseille, eine einfach wundervolle Bucht mit tiefblauem Wasser. Zum optischen Eindruck der Extraklasse gesellt sich eine Strecke, die jedem Motorradfahrer das Herz aufgehen lässt. Auf dem Weg nach Cassis präsentiert sich die D 559 nämlich in einem Top-Zustand und bietet viele erstklassige Kurven am Col de la Gineste. Wir sind begeistert, ahnen aber nicht, dass bald noch eine Steigerung folgt. Das Teerband zwischen Cassis und La Ciotat hört auf den Namen „Route des Crêtes“, verläuft oberhalb der Steilküste und öffnet atemberaubende Aussichten. Spitzkehren und enge Kurven prägen die Auffahrt und der Crossrunner ist in seinem Element. Die Straße gipfelt an der Felsformation Cap Canaille und dem 399 Meter hohen Grande Tête. Anschließend kurven wir über La Ciotat weiter nach Le Castellet, bekannt wegen der Paul Ricard Rennstrecke dort. Auf dem 1970 fertig gestellten High-Speed Kurs werden ständig Sicherheitstrainings - auch für Motorradfahrer - angeboten. Ansonsten kann die Strecke mit angegliedertem Flugplatz als Teststrecke für Rennfahrer genutzt werden. Wir gönnen uns einen kleinen Imbiss in der Bar bevor wir weiter nach Le Castellet selbst düsen. Dort empfiehlt sich neben dem Besuch des Schlosses aus dem 12. Jahrhundert ein Spaziergang durch den Ort. Dabei dürfte sich so mancher gleich um viele Jahrhunderte zurück versetzt fühlen. Le Castellet ist eben einfach sehenswert. Aber fahren wir mal weiter und zwar zum Dolce Fregate Provence Hotel, das zwischen Saint-Cyr-Sur-Mer und Bandol liegt und unser heutiges Tagesziel markiert.

Das Hotel bietet alles, was wir uns wünschen. Der Crossrunner parkt in der Tiefgarage und die Zimmer sind groß genug, um zwei Motorradkombis aufzuhängen. Während draußen der Himmel mit seinen Sternen glänzt, sitzen wir im Restaurant und versuchen uns ein Menü auf Französisch zusammen zu stellen. Zum Glück weiß ich ja wie diese Jakobsmuscheln in Frankreich heißen, meine ich jedenfalls. Da ich nichts finde, was nur ansatzweise so klingt, lasse ich mich einfach überraschen und dann kommen sie schon als Vorspeise. Alles andere ist aber wirklich lecker und der Rotwein schmeckt auch. Schade, dass wir das tolle Hotel nach nur einer Nacht wieder verlassen müssen, aber die Räder sollen schließlich rollen und die warme Frühlingsluft um die Nase wehen. Der Honda werden wieder die Sporen gegeben und die Küste weist den Weg. Bald taucht das Ortsschild von Sanary-Sur-Mer auf. Der Strand schließt sich hier direkt an die Hauptstraße an, aber die Franzosen scheint das nicht zu stören. Sie genießen einfach die Sonne und ignorieren den gesamten Verkehr. In Gedanken lege ich mich jetzt auch an den Strand, denn hier trifft der Name „azurblaue Küste“ einfach nur zu. Folgt man weiter der Küstenstraße, dann erreicht man den Ort Six-Fours-Les-Plages mit der Gaou-Insel. Hier stoppen wir für eine kleine Pause. Nur zu Fuß kann man die naturbelassene Insel über eine Brücke erreichen. Im Schatten der Bäume genießen wir die frische Meeresluft. Was kann noch schöner sein? Richtig, die Kurvenräuberei, die sich erneut anschließt. Auf geht´s und: Ende der Pause. Schnell finden wir uns auf kleinen Sträßchen mitten im Wald wieder, gewinnen langsam wieder an Höhe und können den ein- oder anderen Blick in die Ferne werfen. Nach dem Höhenflug steuern wir erneut das Meer an und treffen nahe Hyéres auf den für Windsurfer berühmten l´Almanarre Strand. Die Halbinsel Giens biegt sich in L-Form vom Festland weg, wobei vor vielen Jahren die Spitze des „L“ durch einen Damm mit dem Festland verbunden wurde. Den vom Meer abgeschnittenen See nutzte die Industrie zum Abbau von Salz. Tierliebhaber erfreuen sich an den zahlreichen Flamingos, die dieses Fleckchen Wasser ebenfalls für sich entdeckten. Im nahenden Sonnenuntergang genießen wir die Ruhe und die Pracht der schönen Tiere, bevor es für uns zurück ins Hotel geht. Im Restaurant angekommen, wird erneut die Speisenkarte nach Anzeichen für Jakobsmuscheln durchstöbert, bevor ich das Menü ordere. Aber die Moral von der Geschicht’: Jakobsmuscheln entgehst du nicht! Ich gebe es auf, mir die Wörter zu merken, anscheinend kennt man im Französischen unzählige Begriffe für diese „Spezialität“. Luisa, die diese Muscheln ebenfalls nicht mag, wählt dagegen stets das Richtige und erhält immer neue Leckereien. Was mache ich nur falsch? Nun gut, ab dem nächsten Gang begeistert das Menü auch meinen Gaumen und nach rund zwei Stunden fühlen wir uns kugelrund und zufrieden. Getreu nach dem Motto: Zieh’ ich Arme und Beine ein, könnt’ ich eine Kugel sein, fallen wir nur noch ins Bett.
Traumhaft: Die Routes des Crêtes
Traumhaft: Die Routes des Crêtes
Mit beschwingter Leichtigkeit düsen wir am nächsten Morgen weiter Richtung Osten. Unser Tagesziel für heute: Saint Tropez, einer der Urlaubsorte der Schönen und Reichen am nördlichen Mittelmeer. Da sind wir genau richtig, also nix wie los. Zunächst rollen wir auf ziemlich geraden Straßen vorbei an Port Miramar. Leise brummt der Motor des Crossrunners und bringt uns zügig an Weinbergen und blühenden Feldern vorbei. Ab Bormes-Les-Mimosas werden die Kurven wieder runder und der Abstand zwischen ihnen kürzer. Sanft lassen wir uns von einer Schräglage zur nächsten tragen. In Rayol-Candel-Sur-Mer warten dann auch wieder richtige Kehren auf uns. Ungefähr in der Mitte des Ortes sollte dafür der rechte Blinker den Weg weisen. Eine kleine Straße schlängelt sich in engen Kurven zum Meer hinunter. Dort warten die mediterranen und überaus exotischen Gartenwelten Domaine-Du-Rayol auf einen Besuch. Alfred-Théodore Courmes legte diesen besonderen Park 1910 als Alterssitz an. Viele Jahre später ging das ganze Gelände in den Besitz der Küstenschutzbehörde über, die getrennte Themenbereiche für die verschiedensten Regionen der Welt schaffte. So finden sich beispielsweise Pflanzen aus Kalifornien, Südafrika, Australien und viele mehr. Man kann dort auch bis zum Meer hin­unter spazieren, aber Achtung, es sollte bedacht werden, dass wer einmal runter geht, später den gleichen Weg in der Motorradkombi wieder hinaufsteigen muss. Ein wenig feucht um die Nase erreichen wir das Motorrad und sind froh nun wieder auf einen Motor zurückgreifen zu können. So halten wir uns stets an der Küste entlang in Richtung Saint Tropez.
Flamingos gehören mit zur Tour
Flamingos gehören mit zur Tour
Kurz hinter La Croix-Valmer taucht rechts ein edles Villenviertel auf durch das Nobelkarossen rollen. Linkerhand erstreckt sich ein Strand, wo sich sonst nur Superstars ein Stelldichein geben. Wir verbringen eine kurze Weile dort , aber außer ei- ner sandigen Hose haben wir nichts davon und düsen weiter Richtung Zentrum. Wir wollen wissen, was das einstige Fischerdorf Saint Tropez so interessant macht. Das Motorrad parkt am Hafen und zu Fuß geht’s ins Zentrum. Im Frühjahr wirkt der gesamte Ort noch beschaulich und im Yachthafen liegen nur einige wenige Schiffe. Wie auf einem Präsentierteller sitzen die Besitzer auf dem Deck ihrer Yachten und genießen die Blicke der staunenden Touristen. Es geht ja schließlich auch ums Gesehenwerden. Der Aufschwung des kleinen Dorfes begann in den 1950er Jahren, als der Ort zum Treffpunkt von Künstlern und der High-Society wurde. Neben dem Yachthafen zählt der größte Strand der Côte d´A- zur - Baie de Pampelonne - zu den Highlights des Ortes. Einen Besuch lohnt aber auch die 1952 im Stadtzentrum erbaute Zitadelle. Ganz in der Nähe befindet sich der Places de Lices, der zweimal pro Woche zum Marktplatz wird. Am Nachmittag treffen sich Einheimische hier auf eine Runde Boule. Hin und wieder soll auch George Clooney mit von der Partie sein. Wie auch immer, anschließend umrunden wir den Golf von Saint Tropez, lassen Stars und Sternchen hinter uns und erreichen unser Hotel auf der gegenüberliegenden Seite in Sainte-Maxime. Von der Sonne geweckt, folgen wir am nächsten  Morgen der Küstenstraße nach Saint Raphael. Hier beginnt das Massif de l´Esterel. Schon von weitem erkennt man die markante rote Färbung der kargen Felsen. Auf rund 30 Kilometer fährt man an der Küste von einer Bucht zur Nächsten. Wer hier Gas gibt, ist selber schuld, denn die bizarre rötliche Felslandschaft sieht man so schnell nirgends wieder. Irgendwie erinnere ich mich in diesem Moment an meinen alten Lateinlehrer, der in solchen Momenten immer vom Sahnehäubchen auf dem Jacobs-Krönungskaffee erzählte. Am liebsten würden wir hier den gesamten Tag verbringen, aber wir wollen ja noch nach Cannes. Folgt man der Küstenstraße, kann man die bekannte Stadt ja auch nicht verpassen.
Buntes Treiben auf dem Markt von Saint Tropez
Buntes Treiben auf dem Markt von Saint Tropez
Das Hotel Oxford in Cannes liegt nur circa zwei Kilometer von der Promenade entfernt und soll als absoluter Geheimtipp weiterempfohlen werden. Zum äußerst niedrigen Kurs kann man hier in einem der wirklich großen Zimmer übernachten. Der Chef, selbst ein Motorradfahrer, hält dann noch die besten Tipps für Touren bereit.Der absolute Clou: Gegenüber vom Hotel besitzt ein Motorradsammler richtige Schätze aus der gesamten Motorradgeschichte. Das muss man sich einmal anschauen. Trotz Sprachschwierigkeiten gibt uns der Besitzer zu verstehen, dass er unser Magazin kennt und zeigt mir zum Beweis eine alte Ausgabe von Motorrad & Reisen. Das nenne ich Motorradbegeisterung, wenn man selbst Magazine kauft, die man überhaupt nicht lesen kann, denn Deutsch spricht der gute Mann leider keins. Anschließend lassen wir das Motorrad stehen und erreichen in weniger als fünfzehn Minuten die berühmte Promenade. Bedächtig schreiten wir genau jene Wege ab, wo wenig später rote Teppiche Stars und Sternchen den Weg zum Festivalcenter weisen. Die palmengesäumte Promenade La Croisette trennt den Stadtstrand von der viel befahrenen Straße und lädt einfach nur zum Verweilen ein. Eigentlich müsste man sich zwei Tage Zeit nehmen, um die Stadt zu erkunden. Dann könnte man auch den vorgelagerten Inseln oder der besonders sehenswerten Altstadt einen Besuch abstatten. Kurzum: Cannes ist die bislang schönste Stadt auf unserer Tour. Mit dem Untergang der Sonne im Meer färbt sich die Stadt in einem zarten Rot, wir verabschieden uns von der Promenade zurück ins Hotel.
Landschaftlich wundervoll: Massif de l´Esterel
Landschaftlich wundervoll: Massif de l´Esterel
Die Tour neigt sich jetzt ihrem Ende, aber noch bleibt eine Strecke, die es nicht nur fahrerisch in sich hat. Über Antibes düsen wir nach Nizza. Die Hafenstadt liegt nur 30 Kilometer von der italienischen Grenze entfernt. Am Horizont kann man schon die schneebedeckten Gipfel der Hochalpen erkennen. Wirklich jeder dürfte sich in Nizza wohlfühlen, denn die Stadt bietet von allem etwas, moderne Designer Hotels und Szeneecken gibt es genauso wie eine äußerst interessante Altstadt. Natürlich nicht vergessen darf man die weltberühmte Promenade des Anglais, die wir bei unserem Stadtrundgang besuchen. Wieder fasziniert uns die Nähe zwischen Strand, Hauptverkehrsader und der eigentlichen Stadt. Setzt man einen Fuß in die Altstadt, fühlt man sich nach Italien versetzt. Die altertümlichen Häuser mit ihren bunten Fassaden begeistern. Die vielen Lokale auf den schmalen Gassen laden zum Verweilen ein. Wir gönnen uns zum Abschluss noch ein Eis an der Promenade und verbringen eine gefühlte Ewigkeit damit auf das Meer zu schauen und die Atmosphäre in uns aufzunehmen. Was kann es entspannenderes geben? Dann verlassen wir Niz- za in Richtung Monaco. Eigentlich wollten wir hier einen weiteren Stopp einlegen, doch „Steffi“ führt uns auf direktem Weg ans andere Ende des Fürstentums. Sei es drum, in wenigen Kurven schrauben wir uns nach oben und schauen uns die gesamte Szenerie aus der Vogelperspektive an. Da wir uns eh keinen Urlaub hier leisten könnten oder wollen, starten wir wieder den Crossrunner. Kurz hinter Menton, der letzten französischen Stadt passieren wir die Grenze. Es mag an der Einbildung liegen, aber der Fahrstil der Verkehrsteilnehmer in Italien ändert sich schlagartig. Kurz vor Imperia setzen wir den Blinker links. Auf kleinsten Sträßchen erleben wir eine fantastische Kurvenpartie, die uns Tornanti für Tornanti ins Piemont bringt, wo das M&R Hotel Castello di Santa Vittoria das Ende der Tour markiert. Am nächsten Tag fahren wir nur noch mit dem Autozug nach Hause.

Text: M&R, Fotos: M&R


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