Schwarzwald – Württemberg: Klöster, Schlösser & schöne Städte

Nicht nur schöne Motorradfahrstrecken, sondern auch geschichtlich bedeutsame Orte hat die schwäbische Provinz rund um Stuttgart zu bieten.
Krasser könnten Gegensätze kaum sein. Gerade mal 900 Meter entfernt von der Autobahnausfahrt Empfingen beginnt ein vier Meter breiter Fahrweg, der tatsächlich eine reguläre Straße ist. Jedenfalls im Sommer. Ein Schild rät dringend davon ab, diesen Fahrweg im Winter zu benutzen.

Inmitten der Einsamkeit

Auf dem Weg nach zum Kloster Kirchenberg
Auf dem Weg nach zum Kloster Kirchenberg
Die Straße geht in Kurven bergab, führt durch einen Bauernhof, danach durch einen Wald nach oben, bis unvermittelt eine große Klosteranlage wie ein mittelalterliches Städtchen vor einem auftaucht. Klöster wurden früher bewusst in der Einsamkeit errichtet. Das ist bis heute so geblieben, obwohl die „neuzeitliche” Autobahn nur ein paar Kilometer entfernt liegt. Da es im ehemaligen Kloster auch ein Café mit schönen Sitzgelegenheiten im Freien gibt, eignet es sich sehr gut für einen Zwischenstopp. Nach seiner Aufhebung wurde die Anlage als staatlicher Bauernhof und als Schule für junge Bauern verwendet.

Kloster Kirchberg
Kloster Kirchberg
Seit 1956 ist das frühere Kloster ein evangelisches Tagungshaus. Das besondere an der Anlage ist, dass sie fast vollständig erhalten ist und völlig einsam in der Natur liegt. Dominiert wird die ganze Anlage vom 65 Meter breiten Konventsgebäude. Wer rechts davon vorbeigeht, sieht in 18 Kilometern Entfernung bereits die Burg Hohenzollern, ein weiteres Zwischenziel dieser Runde. Vom Kloster Kirchberg fahren wir auf kleinen Sträßchen weiter. Bald geht’s bergab durch den Wald. Kurz vor Haigerloch kommen wir wieder auf eine normale Landstraße.

Kernspaltung im Bierkeller

Haigerloch ist heute vor allem durch seine Brauerei bekannt. Geschichtsträchtig ist aber vor allem das Schloss Haigerloch und noch mehr der Bierkeller in der Felswand unterhalb des Schlosses. In diesem Felsenkeller wurde nämlich nicht nur kühles Bier gelagert, sondern auch mit schwerem Wasser experimentiert. Genauer gesagt wurde hier an nichts Geringerem als der Kernspalte geforscht.

Atomkeller-Museum – Kernspaltung im Bierkeller
Atomkeller-Museum – Kernspaltung im Bierkeller
Weil 1944 die Lage in Berlin aufgrund der fortwährenden Bombardierungen zu gefährlich wurde, verlegte Professor Heisenberg zusammen mit einigen seiner Studenten seinen Forschungsreaktor ins provinzielle Haigerloch. Auf den bis dahin völlig unbekannten Platz seien sie deshalb gekommen, weil Studenten aus Württemberg diesen Bierkeller von früheren Sauftouren her kannten. Die Forschungen mit der Kernspaltung wurden nicht mehr rechtzeitig fertig. Kurz vor Kriegsende nahmen die Amerikaner Haigerloch ein.

Burg Hohenzollern
Burg Hohenzollern
Die Burg Hohenzollern, unser nächstes Ziel, ist eine vollständig erhaltene Burganlage. Der Grund dafür ist einfach: Sie wurde nie angegriffen. Denn sie wurde in einer Zeit gebaut, als Burgen schon lange keinen militärischen Wert mehr hatten. Die Burg, immerhin Stammburg des Hohenzollerngeschlechts, aus dem drei deutsche Kaiser entstammten, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aus historisierenden Gründen gebaut und ist hochinteressant, aber leider kein ideales Ziel für Motorradfahrer. Der Grund ist simpel, da die Fahrt vom Parkplatz zur Burg hinauf nicht erlaubt ist. Von dort aus bis nach oben ist man zu Fuß etwa 20 Minuten unterwegs, was mit Jacke und Helm in der Hand nicht unbedingt Spaß macht. Gehbehinderte oder gehfaule Menschen können sich gegen Gebühr in einem Kleinbus nach oben fahren lassen – auch nicht so ganz standesgemäß für Biker.

Wunderschön: die Tübinger Altstadt

Bessere Bedingungen für Motorradfahrer gibt es in der Universitätsstadt Tübingen. Ausgangspunkt für einen Stadtbummel kann die Eberhardsbrücke sein. Von hier liegt der Biergarten direkt am Neckar in Griffweite, oder man kann auf dem Neckar kurz mal Tret- oder Ruderboot fahren oder eben die berühmte Altstadt anschauen. Wer ein Navi hat, findet auch mit dem Motorrad den direkten Weg nach oben in die Altstadt: Von der Herrenberger Seite kommend das Sträßchen Neckarhalde bis nach oben fahren und dort das Motorrad am Fahrradparkplatz vor dem sehr großen Fachwerkgebäude abstellen. Das ist das Evangelische Stift, ein Wohnheim für Theologiestudenten. Von dort aus geht es zu Fuß noch weiter hoch zum Tübinger Schloss. Am Ende der Straße Neckarhalde beginnt die Fußgängerzone: Durch das Wienergässle ein paar Schritte nach unten und schon steht man am Brunnen vor dem historischen Rathaus, dem Wahrzeichen Tübingens.

Tübingen: reges Treiben auf dem Neckar
Tübingen: reges Treiben auf dem Neckar
Im Rathaus geht der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer seinen Amtsgeschäften nach. Zu Beginn seiner ersten Amtsperiode im Jahr 2006 war ein grüner Oberbürgermeister noch etwas Besonderes. Inzwischen gibt es im Autoland Baden-Württemberg nicht nur einen grünen Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt, sondern auch gleich noch einen grünen Ministerpräsidenten. Der Tübinger Stadtteil Bebenhausen wurde rund um das ehemalige Kloster Bebenhausen gebaut. Das Kloster wurde im Lauf seiner Geschichte schon multifunktional genutzt: Nach seiner Zeit als Kloster als Klosterschule, dann als königliches Jagdschloss, dann als Forstverwaltung, dann als „Exilsitz“ des letzten württembergischen Königs, und schließlich tagte nach Kriegsende im Kloster sogar das erste Parlament des Landes Württemberg. In Bebenhausen das Motorrad am besten auf dem kleinen Parkplatz direkt unter dem Jagdschloss stehen lassen und durch die Treppe durch einen Durchgang hoch in die Anlage hineingehen.
Die weitere Strecke in Richtung Holzgerlingen ist landschaftlich ausgesprochen schön. Die Region heißt „Schönbuch“ und war einstmals Jagdrevier der württembergischen Könige. Wir „queren“ die Autobahn Stuttgart–Singen und fahren in Richtung Schwarzwald. In Herrenberg ist die Stiftskirche durch ihre exponierte Lage am Schlossberghang über der Stadt schon von Weitem sichtbar.

Entlang der Klosteranlage Bebenhausen
Entlang der Klosteranlage Bebenhausen

Stadtidylle Herrenberg

Die Herrenberger Altstadt – direkt unter der Stiftskirche – ist immer einen Stadtbummel wert, gleiches gilt für Nagold. Wir kommen durch Rohrdorf. Wer eine Harro-Lederkombi trägt weiß wahrscheinlich, dass seine Lederkombi schon mal da war: Die Firma Harro hat ihren Sitz in Rohrdorf. Die schwäbische Firma hat ihren Betrieb im Jahr 2014 eingestellt. In den Räumen der Firma ist jetzt eine neue Lederbekleidungsfirma aktiv. Freudenstadt ist quadratisch, praktisch und gut angelegt, vor allem aber quadratisch und mit sehr großem Marktplatz – sehr, sehr großem. Er sei mit 216 mal 219 Metern der größte bebaute Marktplatz Deutschlands. Eigentlich sollten hier nämlich keine Marktstände stehen, sondern ein Schloss. Das aber wurde nie gebaut. Über Alpirsbach – ebenfalls mit ehemaligem Kloster Alpirsbach, aber noch aktiver Klosterbrauerei – fahren wir über Sulz am Neckar zurück zur Autobahn Stuttgart – Singen.


Text: Dietrich Hub, Fotos: Dietrich Hub


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