Beeline Moto – Pocket-Navigation für das Motorrad im Praxistest

Das Beeline Moto reduziert Platzbedarf und Gewicht auf ein Minimum. Warum es trotzdem keine vollwertige Alternative zum Navigationsgerät ist, zeigt unser Test.


Das eigentliche Gerät darf in erster Linie als einfach wirkendes, externes Display für die zugehörige Smartphone-App verstanden werden. Es ist extrem leicht, handlich und beschränkt sich auf das Wesentliche. Nach kinderleichter Kopplung mit dem Smartphone wird es während der Fahrt am Lenker oder am Ausleger des Spiegels befestigt. Das Mobiltelefon selbst darf nach Aktivierung von Standort und Bluetooth geschützt in der Tasche bleiben. Beeline Moto besitzt oben, unten, links und rechts je eine Taste. Damit lässt sich das Gerät einschalten, der Akkustand abfragen, die Uhrzeit anzeigen und eine Verbindung zur kostenlosen App herstellen.

GPX-Routen können importiert werden

Sie bietet die Möglichkeit GPX-Routen zu importieren. Das funktionierte mit unseren Routen einwandfrei, zügig und ohne Probleme. Die Routenberechnung erfolgt über die Beeline App auf dem Smartphone und ist eine simple Punkt-zu-Punkt-Navigation. Die App ist sehr übersichtlich gestaltet und intuitiv bedienbar. Da Suche und Kartenmaterial auf Google Maps zurückgreifen, ist eine Internetverbindung zum Download der Karten unumgänglich. Vorab installierte Offline-Karten können Abhilfe schaffen. Die Routenplanung gelingt blitzschnell. Sowohl Adressen als auch Sonderziele werden sicher gefunden. Über unser gekoppeltes Sena 50S erkennt die App sogar Spracheingaben fehlerfrei. Eine Sprachausgabe gibt es hingegen nicht.

Der Navigationskomfort während der Fahrt: Durchwachsen

Während der Fahrt weicht der positive Ersteindruck einer gewissen Ernüchterung. Grund ist die Aufbereitung der Informationen. Die Pfeilnavigation im Display zeigt nicht etwa den nächsten Abbiegevorgang an, sondern stets die Himmelsrichtung des nächsten Wegpunktes. Mitten in der Sahara, im Einsatz als GPS-Kompass, wäre das eine feine Sache. Die Akkulaufzeit von bis zu 30 Stunden käme dann gerade recht. Für Rundtouren und in kurvigem Gebirge ist der Nutzen sehr begrenzt. Als Abbiegehinweis dient ein winziger Punkt, der auf dem kontrastarmen und alles andere als spiegelfreien Display nicht immer gut zu erkennen ist. Schon gar nicht bei entsprechenden Vibrationen und Regen. Auch verschmilzt dieser zweitweise mit dem Kompasssymbol, sodass auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, in welche Richtung es gehen soll. Etwa fünfzig Meter bevor auf eine neue Straße eingebogen werden soll, richtet sich der Punkte nochmals neu aus. Dabei kann sich seine Position sogar um 180° verändern, wenn vor der Kreuzung noch eine Kurve gefahren wird. Ein Wechsel zwischen den Optionen „Kompassnavigation“ und „Routennavigation“ ändert daran wenig, außer dass die Kompassnavigation direkt die Luftlinie zum letzten Wegpunkt anzeigt, was auf der Straße noch sinnloser erscheint. An Kreuzungen mit mehreren Abbiegemöglichkeiten, etwa halbrechts und rechts, kommt die Neujustierung zudem zu spät. Das Gerät erweckt den Eindruck, eher für den Fahrradbereich zu taugen. Wird ein Fahrbahnwechsel nötig, hat man kaum eine Chance zu reagieren. Um den Frust etwas zu reduzieren, helfen eine Abbiegeanzeige bei Kreisverkehren und ein Countdown, der die Entfernung zum nächsten Abzweig herunterzählt, die richtige Ausfahrt zu treffen. Eine Umkehrung der Darstellung mit einem großen, gut sichtbaren Pfeil für die nächste Abbiegevorschrift oder einem Piktogramm, das den Abzweig anzeigt und – will man daran festhalten – dem kleinen, umlaufenden Punkt für die Himmelsrichtung, quasi als nette Zusatzinfo, wäre komfortabler.
Beeline Moto

Routenneuberechnung und Wegpunktsprünge werden nicht angekündigt

Kurz nach Verpassen einer Abfahrt deutet ein Farbwechsel des Pfeils von Weiß auf Schwarz darauf hin, dass die geplante Route verlassen wurde. Eine Neuberechnung der Route erfolgt ohne Nachfrage oder Hinweis und funktionierte in unserem Test nur schleppend. So fuhren wir gut fünf Kilometer bis eine neue Route ausgearbeitet wurde, die uns dann zu einem gänzlich anderen Wegpunkt in der Nähe führen wollte und die geplante Route über den Haufen warf. Für die Navigation von A nach B, bei der es nur darum geht, zügig das Ziel zu erreichen, stellt das sicher kein Problem dar. Plant man jedoch eine komplexe Tour, beispielsweise in Form einer Acht, sind Fehler vorprogrammiert. Steigt man an einer anderen Stelle als dem geplanten Startpunkt in die Route ein, so wird der verpasste Zwischenteil ohne Nachfrage ausgelassen. Eine Navigation zum Startpunkt der Route, wie es in vielen Navigationsgeräten Standard geworden ist, gibt es nicht.

Der Preis des Beeline Moto

Preislich liegt das Beeline Moto bei stolzen 176,95 Euro. Zusätzliche Halter liegen nochmals zwischen 17,95 Euro und 34,95 Euro, wobei die günstigste Befestigung aus einem Plastikteil und einem wenig robusten Gummi besteht. Sie ist für den Motorradeinsatz nicht zu empfehlen. Betrachtet man den Materialeinsatz, erscheint das Gerät übermäßig teuer. Auch Triumph bietet den Winzling über die Vertragshändler der Marke an. Der Preis beträgt dann 238,-- Euro inkl. der stabileren Aluminium-Halterung. Die Nutzung der App ist generell kostenlos.

Fazit

Tolle, aber verbesserungswürdige Idee. Im Moment ist das Beeline Moto leider nur für einfache Navigationsaufgaben geeignet. Wer auf der Suche nach einer minimalistischen Richtungsanzeige ist, wird beim Beeline Moto fündig. Den vollen Funktionsumfang eines Navigationsgeräts ersetzt es nicht.

Text: Alexander Klose, Thomas Kryschan


#Navigation#Test#Triumph

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